Wanderung um den Steinberger See

„Was machst Du denn am Montag, Deinem Urlaubstag?“ „Ich will um den Arbersee wandern.“ „Ist das nicht eine für einen Vormittag zu weite Reise?“ … „Stimmt, das sind ja 120 Kilometer einfacher Weg.“ „Fahr‘ doch zum Steinberger See. Dann kannst Du Dein neues Segelrevier anschauen.“

Super Idee. Wegen meinen langsamen LKW-Überholmanövern auf der A93 brauche ich heute nicht eine knappe sondern eine gute halbe Stunde zu meinem zukünftigen Heimathafen am Steinberger See; parke vor der verschlossenen Schranke.

Der Rundweg um Steinberger See ist ohne Verlaufen 6 Kilometer lang und lässt sich mit kleinen Pausen in zwei Stunden locker ablaufen.

Vom Südufer laufe ich gegen den Uhrzeigersinn Richtung Steinberg am See los. Die Strecke zieht sich durch den Wald und von dem See ist leider nicht viel zu sehen. Etwas spooky, die dunklen Fichten. Nach kurzer Zeit erreiche ich ein Wohnviertel mit schicken Villen und Einfamilienhäusern. Eigentlich suche ich einen Bäcker, werde dort nicht fündig. Im gerodeten Baugebiet für eine Feriensiedlung endet die Straße am See. Den Wanderweg habe ich aus den Augen verloren. Hätte mir schon denken können, dass es hier nicht weitergeht, weil ich mich zwischen zwei Bauzäunen durchquetschen musste.

Auf der anderen Seite einer sehr großen Wiese erspähe ich ein Schwungrad aus der Bergbauvergangenheit. Dort geht wie vermutet der Rundweg weiter. Ohne es zu merken, hatte ich die Attraktion „Movin‘ Ground“, einen Spielplatz für Jung und Alt, passiert. Daneben befindet sich der erste, kleine Campingplatz direkt am See.

Ab dort führt ein Kiesweg in hübsch geschwungenen Kurven unmittelbar am Ufer entlang. Am Seetreff Müller liegen viele gepflegte Segelboote im Wasser, die Jollen an Land haben schon bessere Zeiten gesehen. Die kleine Terrasse hat ab Oktober nur noch selten geöffnet.

Ich schrecke aus meinen Gedanken, als ich einen anderen Sparziergänger mit grau gelockten Pudel treffe. Er warnt mich: „Sagen Sie nichts, sonst ist der Hund nicht zu halten.“  Tja, folge ich eben stillschweigend dem Pfad.

Bald ist die Wakeboard- Anlage erreicht. Sie hat in der Nebensaison gelegentlich am Sonntag geöffnet. Ich probiere, auf der Slackline zu balancieren und schaffe drei Schritte, bevor es mich in die Wiese haut. Der zweite, wieder verlassene Campingplatz ist picobello sauber und bietet sogar Beach- Volleyballfeld.

Neu gebaut wurde eine liebevoll designte Minigolf- Anlage. Über den Zaun erspähe ich treffende Bezüge zum Bergbau: Einen lebensgroßen aus Holz geschnitzten Bergmann und ein Förderrad.

Die zweiten Menschen des Tages sehe ich auf der Baustelle zur größten Holzkugel Europas. Das Nebengebäude ist fertig, von der Kugel ist nur ein Turm zu sehen, sozusagen die Innereien. Die Eröffnung wird sich wohl auf 2019 verschieben.

Durch kleine Pinien schlängelt sich die Strecke zur Steinberger Segelschule und der Anblick der Bäume erinnert mich an Südfrankreich. Ich hoffe, dass der Gasthof geöffnet hat, als Rauch aus dem Kamin aufsteigt. Montag und Dienstag ist jedoch Ruhetag.

Birken rascheln leise im Wind. Hier scheint die romantische Landschaft einem schwedischen Liebesdrama der öffentlichen Fernsehsender entsprungen zu sein. Fehlt nur noch, dass die blonde Hauptdarstellerin in ihrem Oldtimer- Volvo vorbeifährt. Nein, stattdessen kommt mir ein knatterndes Mofa entgegen, dessen rotgesichtiger Fahrer mir verkniffen entgegenlinst. Brille vergessen?

Der kleine Sandstrand am Südufer liegt wie erwartet menschenleer da. Nur ein paar Granitfelsen aalen sich in der Herbstsonne. So beende ich meine Wanderung um den Steinberger See, ohne ein Wort gesagt zu haben. Ein komisches Erlebnis.

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