Regen- Regatta

Ungelogen. So viele Wenden wie heute auf der Kaffee- Regatta bin ich die ganze Saison nicht gefahren. Das fand auch die Regatta- Leitung und hat mich dann wegen Langsam- Segeln disqualifiziert. Und das auf einer sogenannten Spaß- Regatta, d.h. Clubausfahrt! Meinte ich zumindest und war stinksauer. Für fünf Minuten. Dann hat mir Lina (Name von mir geändert) ihr Kuchenstück abgetreten, weil das Buffet leer gefuttert war, als ich im Hafen ankam. Die Familie B. hat uns allen einen wogenglättenden Cocktail aus Sekt und Waldbeeren- Smoothie kredenzt. Und ich war nicht komplett disqualifiziert, sondern erreichte den vorletzten Platz. Meine Wut schmolz dahin wie Käse unterm Grill (Holländisches Sprichwort).

Jetzt von vorne. Regengraue Wolken lauerten am Horizont. Die Regatta- Leitung plante drei Wettfahrten mit je zwei Runden, d.h. sechs Runden. Ich kalkulierte, dass Shadow mit Ihren 130 Yardstick und mit mir als Skipperin für zwei Runden 90 Minuten braucht und kam auf viereinhalb Stunden echte Fahrtdauer. Gemeinsames Kaffeetrinken wäre rechnerisch gegen 18 Uhr möglich.

Es galt einen Dreieckskurs gegen den Uhrzeigersinn zu segeln. Da dies die vierte Regatta meines Seglerdaseins war, verstand ich diesmal auf Anhieb, wohin ich fahren muss. Vor Aufregung schlecht war mir heute auch nicht mehr. Startlinie lag vor der Segelschule Fürst, damit wir auf Am- Wind- Kurs starten können. Again what learned.

Auf der zweiten Runde hatte ich ein Erfolgserlebnis: Ich überholte einen Regattateilnehmer unter Segeln! Okay, okay, kein echter Gegner: Es handelte eine Carina 20, also ein kleiner Kimmkieler, der mit der Shadow um den letzten Platz kämpfte. Auf dem Foto behalte ich den jüngsten Teilnehmer im Auge.

Dann überrollte uns in der dritten Runde die Regenfront. Meine Jacke lag schlauerweise im Auto auf dem Clubgelände. Nicht schlimm, es tröpfelte leicht und Segeln ist Wassersport. Dagegen waren die Böen der Hammer! Ich fierte die Schoten, damit die Shadow keinen Sonnenschuss macht. In den Regenböen merkte ich, was für ein treues, seetüchtiges Boot die Shadow ist. Denn mit geöffneten Segeln machte die Shadow mit ohrenbetäubend knatternden Segeln weiter Fahrt durch das Wasser und das bei wenig Krängung. Ich holte ein bisschen Abstand zum Feld der anderen Segler auf.

Leider zogen sie davon, sobald der Wind nachließ und kerstinundshadow blieben mal wieder alleine auf der Regattabahn zurück. Die Carina 20 hatte aufgegeben, weil sich das jüngste Crewmitglied fürchtete. Verstehe ich. Für mich war Segeln in Regen und bei Böen einer kleinen Regenfront ebenso eine Premiere. Hätte ich ohne die Regatta nicht erlebt. Wäre im Hafen geblieben. Die Wettfahrt wurde für die restlichen 24 Boote nach vier statt sechs Runden beendet.

Für die Shadow nach drei Runden. Ich hätte bestimmt nach weiteren zehn, zwanzig oder dreißig Wenden die Ziellinie erreicht. Ich schwör’s!

Bei der Herbstregatta werde ich der Küche mein Unwesen treiben. Bericht folgt.

P.S. Bildrechte bei Josef Schwarz.

Mundschutz- Regatta

„Wer hat den schönsten maritimen Mundnasenschutz im Land?“ So das heimliche Motto der ersten Kaffee- Regatta des Jahres.

Rote Spinnaker (= Segel) oder blaue Anker auf weißen Grund, pures Persenningblau oder weiße Anker auf grauen Stoff zierten die Mundschutz- Masken. Weiteres beliebtes Thema: Mit flachen Gummizug stehen die Ohren lustig ab.

Die Regattaleitung, der Vorstand und die Küchenhelferinnen hatten den Ablauf der ersten Regatta zu Corona- Zeiten hervorragend organisiert:

Das Clubheim durfte nur mit Maske betreten werden, die Anwesenheit wurde vom Steuermann auf einem „Coronazettel“ dokumentiert und der Kugelschreiber danach desinfiziert.

Am späteren Kaffeebuffet durfte man nichts anfassen. Der Teller der Wahl (Erdbeerkuchen oder Käsekuchen) wurde zugereicht und ebenso die Kaffeetasse inklusive Milch oder Zucker. Über die westliche Terassentür betrat man das Seglerheim und über die nördliche verließ man es.

Doch bevor es den Kuchen gab, wurden heute zwei Wettfahrten ausgetragen: Ein Dreieckskurs wurde zweimal pro Wettfahrt abgesegelt. Also vier Runden über den Steinberger See.

Meine persönlichen Ziele für die heutige Spaß- Regatta lauteten:

  1. Über die Ziellinie kommen
  2.  Vorletzte oder besser werden

28 Boote mit rund 60 Teilnehmern drängelten sich vor der Startlinie. Ich hielt nach der blauen H26 Ausschau, weil sich auf diesem Boot die besten Segler des Vereins den idealen Startpunkt sicherten. Leider verlor ich sie ständig aus den Augen. Die Mehrzahl der Boote drängelte sich nahe des Ufers und ich folgte der Masse. Die Signale mit der Hupe für 5- 4- 1 Minute und die Flaggensignale bekam ich mit.

Zack, Startsignal und die Jollen rasten los. Ich blieb mit zwei weiteren, schweren Yachten an der Ziellinie zurück. Doch wie sagte die Seglerin B so lieb zu mir: „Ohne langsame Boote (=Shadow) gibt es kein Regattafeld. Für eine Regatta braucht man nicht nur die drei schnellsten Boote.“ Ich konnte den Kurs wie eine Viko 25 halten und bemühte mich, die zwei Jungs einzuholen. Bald war sie genau eine Wendemarke vor mir. Auch gut, so schaute ich mir die Segelstellung bei ihnen ab.

Die ersten zwei Runden hauchte der Wind über den See und die Shadow kam sehr schlecht in Fahrt. Kaum hatte ich als letztes Boot die Ziellinie überquert, begann der Countdown zur zweiten Wettfahrt. B: „Wir werden frenetisch jubeln, wenn Du im Ziel bist. Alle warten sehnsüchtig auf Dich.“ Nach 1:12 Stunden kam ich an, der Erste nach 48 Minuten berechneter Zeit.

Für die Runden 3 und 4 kam etwas Wind auf. Zirka zwei Beaufort. So konnten alle ähnlichen Boote ein relativ dichtes Feld halten und die Allerschnellsten überholten mich sogar. Ein spannender Wettbewerb. Diesmal blieb ich nicht alleine auf der Rennbahn zurück wie im August 2019: Kaffee-Regatta: Den Teil mit der Regatta lasse ich weg

Sondern einige Boote holten erst gerade ihre Segel ein, als ich die Ziellinie erreichte. Die Jugendlichen fuhren zum Spaß auf ihren drei Lasern (Jollen) über den See.

Zu meiner sehr großen Freude belegte ich sogar den Dritten Platz…………von hinten. Also Platz 26 von 28. Lustigerweise bekam ich für die erste, langsame Runde eine bessere Punktewertung als für die „schnelle“ zweite Runde. Das Grinsen war nicht von meinem Gesicht wegzubekommen.

Den ersten Platz belegte die blaue H26- so sicher, wie dass der FC Bayern Meister wird.

Kaffee-Regatta: Den Teil mit der Regatta lasse ich weg

Die zweite gemeinsame Ausfahrt mit dem Segelclub stand auf dem Programm. War im Mai zu viel Wind vorhanden, war heute zu wenig Wind vorhanden. Was einmal wieder die alte Seglerweisheit bestätigt: Entweder ist der Wind zu stark oder zu schwach oder er bläst aus der falschen Richtung.

Diesmal wurde ein Dreiecks- Kurs abgesteckt. Ich hatte mir vorgenommen, nur doppelt solange wie der Schnellste zu segeln. Im Mai war ich die dreifache Zeit des Gewinners gesegelt.

Leider wurde daraus nicht. An der Startlinie hatte ich fünf Minuten vor dem Start eine gute Position. Nach dem Startsignal benötigte ich drei Anläufe, d.h. Wenden, die Linie zu überqueren. Die Schiedsrichter riefen voll Freude: „Jetzt ist sie drüber.“ Der zweite Vorstand wartete extra mit seinem super schnellen Trimaran auf mich, bis ich die Startlinie erreichte. Das war richtig nett von ihm. Danke! Dann zischte der Trimaran ab und ich trödelte mit Abstand dem Feld hinterher. Wenige hundert Meter vor mir war eine Viko 25 mit ähnlichen Ausmaßen wie die Shadow.

 

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Zu der zweiten Tonne schwamm ein Badegast mit der Shadow um die Wette. Maria und Josef rasten mit dem Motorboot herbei und verwiesen ihn der Regattabahn.

Der Erstplatzierte im Laser (Boot) überholte mich alsbald. Ich schloss die erste der zwei Runden ab. Leider schlief der Wind ein. Die Segel hingen auf der Seite des Bootes, auf die ich mich setzte. Mit einem kleinen (auf Regatta verbotenen) Motorschub als Hilfe umrundete ich die erste der drei Wendemarken. Dahinter stand die Shadow eine gefühlte Ewigkeit auf dem See. Die Clubkameraden räumten im Hafen bereits ihre Schiffe auf und badeten vor den Stegen. Ich wartete zehn Minuten, ob der Wind zurückkommt. Vergeblich.

Also gab ich meine Teilnahme an der Regatta auf, fuhr mit Motor zum Liegeplatz und lief eilig zu gedeckten Kaffeetafel. Der Club gab für jeden Segler ein Stück Zwetschgen- Kuchen und einen Pott Kaffee aus. Ich lernte diesmal sympathische Seglerinnen kennen. Dafür hat sich die Teilnahme an der Regatta auf jeden Fall gelohnt. Ich gab eine Story zum Besten, wie in Irland der Mast der gemieteten Topper- Jolle abbrach, der irische Segellehrer den Schrottmast im Meer versenkte und mir einen neuen Mast mit dem Motorboot brachte.

Später schwamm ich eine Runde um den Steg 4. Ich wunderte mich sehr, warum ein Jollenkreuzer so flach im Wasser liegt. Zurück auf dem Steg sah ich, dass das Boot komplett voll Regenwasser oder Seewasser gelaufen ist. Da der Vorstand heimgefahren war, schickte ich ihm eine E- Mail, damit er die Eigner informieren kann. Aus dem Motorboot vis a vis der Shadow schöpfte ich mehrere Eimer Regenwasser und brachte die Persenning wieder in die richtige Position.

Abends blieben Uschi (Name geändert), ihr Mann und ich zum Abendessen. Die Terrasse des Club- Heims bietet eine Ausblick über den ganzen südlichen See. Die Erbsensuppe mit Wienerle schmeckte nach dem sportlichen Tag ausgezeichnet. Uschis leckeren Couscous- Salat durfte ich probieren. Mittags hatte mich eine Seglerin mit ihrer selbstgemachten Lasagne versorgt, als ich dem Ehepaar am Tisch Gesellschaft leistete. Ja, essenstechnisch war der Tag ein Erfolg, seglerisch weniger.

Die Sonne versank im wunderschönsten kitschigsten rosa hinter den Birken. Dazu spielte ich ein paar romantische Songs mit der Ukulele.

 

P.S.: Bildrechte bei Josef Schwarz

Vorsicht vor dem fliegenden Kuchenteller

Kaum zurück vor meinem Segeltörn durch das Stettiner Haff, stand die erste Tour mit der Shadow über den Steinberger See auf dem Programm. Damit es nicht langweilig wird, gleich im Rahmen einer Regatta, der sogenannten Kaffeeregatta.

Meine erste Regatta seit 14 Jahren. Am Tag zuvor habe ich mir den Kopf zerbrochen, wo der Magnet- Chip für den Motorstart wohl sein könnte. Haus und Auto ergebnislos abgesucht. Schlussfolgerung: Der Chip muss irgendwo auf dem Boot sein. War er, in der Spüle.

Andere Clubkameraden nahmen die Regatta erheblich ernster als ich. Ich war schon zum Kuchenessen Teil 1 über gegangen. Von Mama als Mittagessen mitgegeben. Boote wurden ausgekrant, um den Rumpf zu schrubben. Der Algenbewuchs kostet einen oder zwei oder mehr Zehntelknoten. Wanten wurden nachgespannt. Segel ausgerollt oder schnelle Teflon (?)- Segel angeschlagen. Ich war eigentlich startbereit, nachdem ich die Persenning von Vorsegel und Großsegel abgenommen und verstaut hatte. Ließ mich aber vom Treiben anstecken. Schaute nach, ob alle Sicherungsringe der Wanten noch da sind. Haken dahinter. Setzte probehalber beide Segel um zu prüfen, ob sie sich gut ausrollen. Haken dahinter.

Die Regattaleiterin zeigte mir ausführlich anhand eines Flipcharts, wie ich um die Wendemarken und Start- und Ziellinie herumfahren muss. Später wurde der Kurs allen Teilnehmern kurz erklärt. Ein erfahrener Regatta- Segler erläuterte mir die Startsignale: 5-4-1-0- Regel. Bei jeder Minute gibt es ein Schallsignal. Bei 0 Minuten ist Start. Passend dazu werden Flaggensignale gezeigt: 5 Minuten bis zum Start (1 Flagge hoch) – 4 (2 Flaggen noch) – 1 (1 Flagge davon herunter) – 0 =Start (zweite Flagge herunter). Um die Flaggen zu sehen, hätte ich ein Fernglas gebraucht!

Es starteten 21 Boote. An der Startlinie herrschte ein Gedrängel und ich stellte mich mit der Shadow hinten an. Leider war in Lee der kleinen Insel Flaute und bis ich endlich über die Startlinie kam, waren die schnellsten bereits an der ersten Wendemarke. Die erste Wendemarke sollte man mit Am- Wind- Kurs erreichen können. Ich nicht, mit der Shadow als Kimmkieler und mit mir als Sonntagsseglerin. So musste ich vier lange Schläge kreuzen, bis ich an der Wendemarke 1 ankam. In den Böen schaffte ich es nicht, die Shadow auf Kurs zu halten. Luvgierig. Hätte doch Stephans Buch zum idealen Segeltrimm verinnerlichen sollen.

Shadow neigte sich einige, wenige Male so stark auf die Seite, dass beim ersten Mal Tablett und Kuchenteller wie ein Geschoss durch den Salon flogen und scheppernd auf dem Boden landeten. Vorsicht vor dem fliegenden Kuchenteller! Kurz darauf nahm die Shadow schöne Fahrt auf, als die Bö durchgezogen war und ich freute mich, dass sich der Abstand zum vorletzten des Feldes verringert.

Der Vorwindkurs bremste mich aus, weil das Großsegel das Vorsegel abdeckte. Schlauer wäre es vermutlich gewesen, mit Raumen Wind mehrmals zu halsen. Die schnellsten Teilnehmer überholten mich bereits und segelten die zweite Runde von zwei.

Frustriert dachte ich daran, aufzugeben. Nicht mein Stil.

Zurück im Hafen nahmen sich die Segler Zeit, ihre Boote auf zu klaren. Bis sie fertig waren, erreichten „kerstinundshadow“ endlich die Ziellinie.

Ich wurde Zweite- von hinten. Also 20. Platz von 21. (Nachtrag: Der 21. Platz war ohne Wertung, somit war ich Letzte. Ich habe für die dritte Runde dreimal solange gebraucht wie der Schnellste. Somit ist mein Vorsatz für die nächste Regatta im August, dass ich doppelt so lange fahre wie der Schnellste.)

Der Segelclub sponsorte für jeden Segler ein Stück leckeren Kuchen (Erdbeerkuchen oder Käsekuchen) und eine Tasse Kaffee. Die Erlebnisse auf der Regatta mit den Clubkameraden Revue passieren zu lassen, war für mich der beste Teil der Regatta. Ich bekam nett gemeinte Tipps zum Segeltrimm. Eine Seglerin gratulierte mir herzlich, dass ich allein das große Boot in das Ziel gebracht hatte, worüber ich mich sehr freute.

Von den vier Jugendlichen mit den Lasern (das sind Segelboote!) erreichten ein junger Mann den fünften Platz und eine junge Frau den zweiten Platz. Ein Glück, dass es motivierten und erfolgreichen Nachwuchs für den Club gibt!