Auf Wiedersehen, lieber Brombachsee!

Zum letzten Mal für die Saison und für die nächsten Jahre drehten Shadow und ich eine Runde über den Brombachsee. Ab nächsten Jahr machen wir beide den Steinberger See bei Schwandorf unsicher.

Mit einem sanften Windhauch segelte ich heute aus dem Hafen, um den algenbewachsenen Propeller zu unterstützen. Bis zum Ramsberger Badestrand und einmal die Kaimauer entlang ging der Segeltörn zum Saisonende. Dauerte bei dieser Beinahe- Flaute eine halbe Stunde.

Der strahlende Sonnenschein trocknete die Segel hervorragend. Wanzen und Spinnen flüchteten teilweise freiwillig. Die anderen Segler wunderten sich über mein neues Manöver „Martinisegel: Geschüttelt- nicht- Gerührt“: Segel kräftig am Großbaum oder Unterliek schütteln, damit das verbliebene Ungeziefer an Deck prasselt.

Linus half mir ein letztes Mal beim Anlegen. Am Steg verabschiedeten sich auf Linus, Alex und Pekka herzlich von mir. Mit den Jahren war mit den Nachbarn eine gute, freundliche Seglergemeinschaft entstanden, die ich vermissen werde. Und irgendwer hatte wohl herumerzählt, dass ich das Revier wechsle. Ich? Beim Abschied wurde mein Herz schwer.

Dank richtigen Werkzeug schlug ich nicht nur die Segel innerhalb von einer Stunde ab, sondern schraubte auch flugs den Stegfender mit der Ratsche ab. Sogar das WC- Chemie leerte ich ohne Zwischenfälle aus.  Der der Fäkalienbodenluke benachbarte Optimisten- Trailer blieb sauber. Fünf Jahre Übung im Seglerdasein machen sich eindeutig bemerkbar.

So kann ich morgen an meinem Urlaubstag zu Hause bleiben und im Garten die Sturmschäden beseitigen, statt nochmals an den Brombachsee zu reisen.

Auf Wiedersehen, lieber Brombachsee und liebe Stegnachbarn! Danke für die unzähligen, wunderbaren, mal erholsamen, mal aufregenden Stunden!

Rund Rügen

Es war einmal vor langer, langer Zeit… Da nahm ich einem SKS Übungstörn „Rund Rügen“ teil und meine Eltern verbrachten derweilen in der Pension der Segelschule eine Woche Urlaub. Der Reisebericht fiel mir in die Hände und ich habe beschlossen, ihn auf dem Blog zu veröffentlichen. Und das war so:

Ende April verbrachte ich eine Woche mit einem Segeltörn auf der Ostsee. Wir sieben Segelschüler und ein Segellehrer umrundeten mit einer riesigen Segeljacht, Typ Bavaria 46 (Fuß), die Insel Rügen. Von starken Wind bis Flaute war jedes Wetter dabei. Wir übernachteten und kochten auch auf der Jacht.

Unsere erste Übung war Mann-über-Bord-Manöver unter Motor. Helmut musste als Größter immer den Rettungsring aus den Fluten fischen. Claire, eine englische SKS- Aspirantin, rief vor lauter Aufregung: „Lebensmittel auswerfen!“ statt richtig „Rettungsmittel ausbringen!“

Am ersten Tag fuhren wir an der Insel Hiddensee vorbei. So eine Jacht krängt ganz schön, d.h. sie liegt schräg im Wasser, was mir als Jollensegler etwas Sorgen bereitete. Da die „Mona Lisa“ aber keinerlei Anstalten machte zu kentern, beruhigten sich meine Nerven nach und nach. Spannender als jeder Krimi gestaltete sich die Einfahrt in den Hafen Barhöft. Vier Meter Wassertiefe laut Seekarte stimmten nicht mit unserem Echolot überein, der 2,2- 1,9- 1,7- 1,6 Meter anzeigte (+0,4 Meter, weil das Ding 40 cm unter der Wasserlinie sitzt). Da geriet unser Skipper ins Schwitzen, denn mit 1,85 Meter Tiefgang hätte die Mona Lisa leicht auflaufen können. Abends kaufte Lothar von einem Fischer fangfrischen Dorsch und kochte für uns. Die Fischer fangen momentan Hering und Dorsch. Das schmeckte ausgezeichnet und wir verputzten zu acht drei Kilo Fisch.

Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, um die Klappbrücke in Stralsund um 10 Uhr zu erwischen. Stefanie und ich bereiteten während der Durchfahrt unter Deck das Frühstück zu und sahen nichts als die Außenhaut eines Mega- Containerschiffes vorbeiziehen. Beeindruckend!

Seehof ist der landschaftlich am schönsten gelegene Hafen Rügens. Die sanitären Anlagen ließen zu wünschen übrig. In der Ferne liegt das Schloss Granitz, in der Nähe der Gasthof „Drei Linden“. Dort veschlangen wir Soljanka (=russische Wurstsuppe) und ich probierte Sanddornsaft (sehr lecker, leicht bitter) und Sanddornlikör (nicht so toll).

Die Kreidefelsenküste passierten wir im strömenden Regen. Das störte mich überhaupt nicht, denn ENDLICH durfte ich das Schiff steuern und hatte nur Augen für den Kompass. Dieser sollte 250 Grad anzeigen, schlug allerdings durch den Seegang ständig nach links und rechts aus, was mich, den Rudergänger, verunsicherte. Trotzdem erreichten wir ohne größere Umwege das Dorf Glowe und ich übergab an der Hafeneinfahrt das Steuer an Skipper Lothar, der generell das Anlegen übernahm. Nach zehn Stunden im Regen tranken wir das erste Mal den sogenannten „Anleger“, Tee mit Rum, im Salon anstatt im Cockpit die Sonne zu genießen.

Die Standheizung lief die ganze Nacht und trocknete unsere Klamotten. Die Großschot (=Seil zum Hauptsegel) wurde als Wäscheleine kreuz und quer durch den Salon gespannt. Gut, dass das nicht der Skipper nicht sah, der immer zu Hause übernachtete.

Am Kap Arkona durfte ich ein weiteres Mal an das Steuerrad. Wir umfuhren es in einem großen Bogen und kreuzten (=fuhren schräg gegen den Wind an) bis der Wind einschlief. Unterwegs gelang es Dieter sogar, Suppe und Königsberger Klopse im Topf aufzuwärmen und kaum etwas davon auf den Boden zu schütten, was bei Seegang gar nicht so einfach ist. Die fröhliche Essensrunde unter Deck unterbrach ich dann mit der Aussage: „Drei Meter Wassertiefe.“ Skipper Lothar: „Nein, das ist die Geschwindigkeit.“ Ich: „Kannst Du mal bitte kurz nachschauen.“ Lothar: „Sofort eine Wende fahren.“ Also, Schiff gewendet und weiter ging es. Diese verfluchten Sandbänke von Rügen eben.

Am letzten Tag war für vier Mitsegler SKS- Prüfungstag. Stefanie und ich trugen als Vorschoter zum Gelingen der SKS- Praxisprüfung bei. Alle vier bestanden. Bei zehn Schoten (Seilen) und Fallen (Seilen) kann man schon mal den Durchblick verlieren! Der Prüfer drückte alle Augen zu.

Eine erlebnisreiche Reise mit sympathischen Leuten.