Läuft wie geschmiert

Die bezahlte Arbeit dauert ungeplant länger. Bei meiner Ankunft am Steinberger See türmen sich hohe Wolken über dem Ufer. Ich beratschlage mich mit Gregor (Name von mir geändert), ob man noch raus fahren soll. Der Clubkamerad warnt mich vor schnell aufziehenden Gewittern und war heute lediglich Schwimmen statt Segeln.

Ich beobachte das Wetter und erledige derweilen die geplante, unbezahlte Arbeit am Boot. Der Reissverschluß der Persenning wird beidseitig mit Teflonspray eingesprüht. Wenn bei mir an Bord schon das Segeln nicht wie geschmiert läuft, so tut es wenigstens der Reissverschluß!

Nun sieht der Himmel heller aus. Ich traue dem Braten nicht. Zwischen Steg 4, 3 und der Clubinsel drehe ich mit dem Vorsegel eine Runde. Dann komme ich in Minutenschnelle in den Hafen zurück, falls nötig. Ich möchte wenigstens eine kurze Runde zur Entspannung über das Wasser treiben. Die neuen Verklicker drehen sich lustig in entgegen gesetzter Richtung. Wie Kreisel. Die Windrichtung kann ich jedenfalls nicht ermitteln. Die Ruhe vor dem Sturm? Über dem Nachbarort spannt sich ein Regenbogen. Schnell in den Hafen bevor das Segel oder ich nass werden!

Da verbringe ich meine Freizeit lieber trocken im Clubheim unter der Überdachung. Mir unbekannte Segler geben mir umgehend ein Stück selbstgebackenen Zwetschgenkuchen und einen Pott Milchkaffee aus. Köstlich. Ihr Hund trägt eine Rettungsweste mit Haiflosse. Sofort finden wir eine Gemeinsamkeit: Unsere Boote stammen beide aus Frankreich und wir lieben deren Eleganz.

Mit B&B quatsche ich mich dann dermaßen fest, dass schon die Supermärkte bald schließen. Mein Zwischenstopp beim Discounter in Regenstauf war ein guter Einfall. Die A3 ist gesperrt und ich stehe eine Stunde auf der Bundesstraße im Stau.

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Kaffee-Regatta: Den Teil mit der Regatta lasse ich weg

Die zweite gemeinsame Ausfahrt mit dem Segelclub stand auf dem Programm. War im Mai zu viel Wind vorhanden, war heute zu wenig Wind vorhanden. Was einmal wieder die alte Seglerweisheit bestätigt: Entweder ist der Wind zu stark oder zu schwach oder er bläst aus der falschen Richtung.

Diesmal wurde ein Dreiecks- Kurs abgesteckt. Ich hatte mir vorgenommen, nur doppelt solange wie der Schnellste zu segeln. Im Mai war ich die dreifache Zeit des Gewinners gesegelt.

Leider wurde daraus nicht. An der Startlinie hatte ich fünf Minuten vor dem Start eine gute Position. Nach dem Startsignal benötigte ich drei Anläufe, d.h. Wenden, die Linie zu überqueren. Die Schiedsrichter riefen voll Freude: „Jetzt ist sie drüber.“ Der zweite Vorstand wartete extra mit seinem super schnellen Trimaran auf mich, bis ich die Startlinie erreichte. Das war richtig nett von ihm. Danke! Dann zischte der Trimaran ab und ich trödelte mit Abstand dem Feld hinterher. Wenige hundert Meter vor mir war eine Viko 26 mit ähnlichen Ausmaßen wie die Shadow.

 

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Zu der zweiten Tonne schwamm ein Badegast mit der Shadow um die Wette. Maria und Josef rasten mit dem Motorboot herbei und verwiesen ihn der Regattabahn.

Der Erstplatzierte im Laser (Boot) überholte mich alsbald. Ich schloss die erste der zwei Runden ab. Leider schlief der Wind ein. Die Segel hingen auf der Seite des Bootes, auf die ich mich setzte. Mit einem kleinen (auf Regatta verbotenen) Motorschub als Hilfe umrundete ich die erste der drei Wendemarken. Dahinter stand die Shadow eine gefühlte Ewigkeit auf dem See. Die Clubkameraden räumten im Hafen bereits ihre Schiffe auf und badeten vor den Stegen. Ich wartete zehn Minuten, ob der Wind zurückkommt. Vergeblich.

Also gab ich meine Teilnahme an der Regatta auf, fuhr mit Motor zum Liegeplatz und lief eilig zu gedeckten Kaffeetafel. Der Club gab für jeden Segler ein Stück Zwetschgen- Kuchen und einen Pott Kaffee aus. Ich lernte diesmal sympathische Seglerinnen kennen. Dafür hat sich die Teilnahme an der Regatta auf jeden Fall gelohnt. Ich gab eine Story zum Besten, wie in Irland der Mast der gemieteten Topper- Jolle abbrach, der irische Segellehrer den Schrottmast im Meer versenkte und mir einen neuen Mast mit dem Motorboot brachte.

Später schwamm ich eine Runde um den Steg 4. Ich wunderte mich sehr, warum ein Jollenkreuzer so flach im Wasser liegt. Zurück auf dem Steg sah ich, dass das Boot komplett voll Regenwasser oder Seewasser gelaufen ist. Da der Vorstand heimgefahren war, schickte ich ihm eine E- Mail, damit er die Eigner informieren kann. Aus dem Motorboot vis a vis der Shadow schöpfte ich mehrere Eimer Regenwasser und brachte die Persenning wieder in die richtige Position.

Abends blieben Uschi (Name geändert), ihr Mann und ich zum Abendessen. Die Terrasse des Club- Heims bietet eine Ausblick über den ganzen südlichen See. Die Erbsensuppe mit Wienerle schmeckte nach dem sportlichen Tag ausgezeichnet. Uschis leckeren Couscous- Salat durfte ich probieren. Mittags hatte mich eine Seglerin mit ihrer selbstgemachten Lasagne versorgt, als ich dem Ehepaar am Tisch Gesellschaft leistete. Ja, essenstechnisch war der Tag ein Erfolg, seglerisch weniger.

Die Sonne versank im wunderschönsten kitschigsten rosa hinter den Birken. Dazu spielte ich ein paar romantische Songs mit der Ukulele.

 

P.S.: Bildrechte bei Josef Schwarz

Segeln trotz Schottland- Wetter

Dicke, graue Wolken hängen über dem Steinberger See. Fast alleine im Hafen. Nur der Hausmeister kämpft mit dem Laub auf der Zufahrt.

Ich stoppe die Zeit, die ich brauche, um die Shadow segelfertig zu machen: 10 Minuten, um drei Persenninge abzuschlagen und zu falten und den Akku an den Motor anzustöpseln. Das ging ja schneller, als ich dachte.

Ein paar Sekunden beobachte ich die Wetterlage über dem See. Weder Böen auf dem Wasser noch Regenschlieren am Horizont. Der Regen soll ab 11 Uhr kommen und ich lege um 9:30 Uhr ab.

Als einziges Boot auf dem See  habe ich Muße den Segeltrimm zu verbessern und behalte ständig die Windfäden auf dem Vorsegel im Auge. Die Landschaft genieße ich. Einzelne Sonnenstrahlen blitzen silbern auf dem bleigrauen Wasser. Erinnert mich an Schottland.

Um die Boje der Segelschule fahre ich eine weiträumige Wende und lege tiefenentspannt wieder im Heimathafen an.

 

 

Vorsicht vor dem fliegenden Kuchenteller

Kaum zurück vor meinem Segeltörn durch das Stettiner Haff, stand die erste Tour mit der Shadow über den Steinberger See auf dem Programm. Damit es nicht langweilig wird, gleich im Rahmen einer Regatta, der sogenannten Kaffeeregatta.

Meine erste Regatta seit 14 Jahren. Am Tag zuvor habe ich mir den Kopf zerbrochen, wo der Magnet- Chip für den Motorstart wohl sein könnte. Haus und Auto ergebnislos abgesucht. Schlussfolgerung: Der Chip muss irgendwo auf dem Boot sein. War er, in der Spüle.

Andere Clubkameraden nahmen die Regatta erheblich ernster als ich. Ich war schon zum Kuchenessen Teil 1 über gegangen. Von Mama als Mittagessen mitgegeben. Boote wurden ausgekrant, um den Rumpf zu schrubben. Der Algenbewuchs kostet einen oder zwei oder mehr Zehntelknoten. Wanten wurden nachgespannt. Segel ausgerollt oder schnelle Teflon (?)- Segel angeschlagen. Ich war eigentlich startbereit, nachdem ich die Persenning von Vorsegel und Großsegel abgenommen und verstaut hatte. Ließ mich aber vom Treiben anstecken. Schaute nach, ob alle Sicherungsringe der Wanten noch da sind. Haken dahinter. Setzte probehalber beide Segel um zu prüfen, ob sie sich gut ausrollen. Haken dahinter.

Die Regattaleiterin zeigte mir ausführlich anhand eines Flipcharts, wie ich um die Wendemarken und Start- und Ziellinie herumfahren muss. Später wurde der Kurs allen Teilnehmern kurz erklärt. Ein erfahrener Regatta- Segler erläuterte mir die Startsignale: 5-4-1-0- Regel. Bei jeder Minute gibt es ein Schallsignal. Bei 0 Minuten ist Start. Passend dazu werden Flaggensignale gezeigt: 5 Minuten bis zum Start (1 Flagge hoch) – 4 (2 Flaggen noch) – 1 (1 Flagge davon herunter) – 0 =Start (zweite Flagge herunter). Um die Flaggen zu sehen, hätte ich ein Fernglas gebraucht!

Es starteten 21 Boote. An der Startlinie herrschte ein Gedrängel und ich stellte mich mit der Shadow hinten an. Leider war in Lee der kleinen Insel Flaute und bis ich endlich über die Startlinie kam, waren die schnellsten bereits an der ersten Wendemarke. Die erste Wendemarke sollte man mit Am- Wind- Kurs erreichen können. Ich nicht, mit der Shadow als Kimmkieler und mit mir als Sonntagsseglerin. So musste ich vier lange Schläge kreuzen, bis ich an der Wendemarke 1 ankam. In den Böen schaffte ich es nicht, die Shadow auf Kurs zu halten. Luvgierig. Hätte doch Stephans Buch zum idealen Segeltrimm verinnerlichen sollen.

Shadow neigte sich einige, wenige Male so stark auf die Seite, dass beim ersten Mal Tablett und Kuchenteller wie ein Geschoss durch den Salon flogen und scheppernd auf dem Boden landeten. Vorsicht vor dem fliegenden Kuchenteller! Kurz darauf nahm die Shadow schöne Fahrt auf, als die Bö durchgezogen war und ich freute mich, dass sich der Abstand zum vorletzten des Feldes verringert.

Der Vorwindkurs bremste mich aus, weil das Großsegel das Vorsegel abdeckte. Schlauer wäre es vermutlich gewesen, mit Raumen Wind mehrmals zu halsen. Die schnellsten Teilnehmer überholten mich bereits und segelten die zweite Runde von zwei.

Frustriert dachte ich daran, aufzugeben. Nicht mein Stil.

Zurück im Hafen nahmen sich die Segler Zeit, ihre Boote auf zu klaren. Bis sie fertig waren, erreichten „kerstinundshadow“ endlich die Ziellinie.

Ich wurde Zweite- von hinten. Also 20. Platz von 21. (Nachtrag: Der 21. Platz war ohne Wertung, somit war ich Letzte. Ich habe für die dritte Runde dreimal solange gebraucht wie der Schnellste. Somit ist mein Vorsatz für die nächste Regatta im August, dass ich doppelt so lange fahre wie der Schnellste.)

Der Segelclub sponsorte für jeden Segler ein Stück leckeren Kuchen (Erdbeerkuchen oder Käsekuchen) und eine Tasse Kaffee. Die Erlebnisse auf der Regatta mit den Clubkameraden Revue passieren zu lassen, war für mich der beste Teil der Regatta. Ich bekam nett gemeinte Tipps zum Segeltrimm. Eine Seglerin gratulierte mir herzlich, dass ich allein das große Boot in das Ziel gebracht hatte, worüber ich mich sehr freute.

Von den vier Jugendlichen mit den Lasern (das sind Segelboote!) erreichten ein junger Mann den fünften Platz und eine junge Frau den zweiten Platz. Ein Glück, dass es motivierten und erfolgreichen Nachwuchs für den Club gibt!

 

 

Hafenrundfahrt, Castrum Torgelow und Ukranenland

An meinem letzten Reisetag lasse ich den Urlaub gemütlich ausklingen. Beim Edeka „Berndt“ sind die Waren liebevoll hindrapiert. Auch eine Bäckerei, ein Blumenladen und eine Postpaketstation sind integriert. Für Segler, die sich dort mit Proviant eindecken wollen: Der Laden befindet sich in der Belliner Str. 9 in Ueckermünde. Für Thorger finde ich Chuppa Chup Lollies als Mitbringsel und für Mama einen Ueckermünder Sekt, Sandornaufstrich und Schlehengelee als Geburtstagsgeschenk.
Nächster Halt: Castrum Torgelow. Ich darf mich einer Führung für Kindergartenkinder anschließen, die der Museumsguide lustig anführt. Mit Figuren aus einem Wachsfigurenkabinett wurden Mittelalter- Szenen nachgebaut und von Band wird der Text dazu erzählt. Für die Kinder und Junggebliebenen hat das Museum in den Szenen moderne Gegenstände eingebaut und die Kinder erraten vieles, was es im Mittelalter nicht so gab: Stethoskop, Feldstecher, Brille Fielmann usw. Kurzweilig gemacht.
Im Museumsdorf stört mich, dass Plastikplanen mit modernen Haken die Vordächer bilden. Das passt einfach nicht. Auch moderne Chucks hat jemand stehen lassen. Es werden moderne Zangen mit gummierten Griffen verwendet. Wie Disneyland für Mittelalter.  Die Kinder haben ihren Spaß und drehen maschinell ein Seil, punzen ein Lederarmband und flechten aus Wollfäden ein Lesezeichen. Trotzdem ist das Castrum Torgelow meiner Meinung nach nicht die 6 Euro Eintritt wert.
Ganz anders dagegen das Ukranenland. Das ist sein Geld wert. Anhand des Flyers und mithilfe dieser braunen Tourischilder finde ich den Parkplatz. Dort steht ein einsamer roter Kiosk und ein Wohnhaus. Durch den Wald schlängelt sich ein langer Pfad zum Museumsdorf. Wollte schon umdrehen, aber zwei Hamburger Touristen schließen sich Wanderung an.
Im Museum erzählt mir eine Museumsmitarbeiterin, ich vermute Historikerin, dass die Ukranen sehr kriegerisch waren. Darum ist das Dorf stark mit Holzpalisaden gesichert.
Helme trugen die Krieger damals. Mit spitzen Hauben und Kettengesichtsschutz. Dazu Brustpanzer aus Lederplatten. Das Erz hier war minderwertig und die beliebten
slawischen Töpferwaren und Schafe wurden exportiert und gegen Erz eingetauscht. Die Slawen waren Bauern, Viehzüchter, Töpfer und Händler. Von den drei Museumsschiffen liegt eines am Steg, das zweite ist in der Werft, das dritte im Castrum Torgelow,
wo ich es wohl übersehen habe. Mit den Ruderbooten mit Segelunterstützung befuhren die Slawen die Flüsse und Küstengewässer. Es waren also keine Kriegsschiffe wie
die der zeitgleichen Wikingerstämme. Ein Tempel nach Ausgrabungsfunden wurde nachgebaut. Lange Stelen mit Gesichtern. Heidnische Göttern, denen Tiere (Tierschädel
im Museum) oder wertvolle Brote vom Priester geopfert wurden. Nur der Priester durfte das Heiligtum betreten.
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Ab acht Besuchern hätten wir eine Bootstour mit dem nachgebauten Slawenboot auf der Uecker machen können und wären gerudert. Doch wie gesagt, sind das Hamburger Paar und ich die einzigen drei Museumsbesucher. Schade.
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Die Worte der Historikerin inspirieren mich zu meiner privaten Bootstour mit der Elise auf der Uecker. Wolfgang hatte mir geraten, zu üben, wie man über den Teller
dreht. Vorwärts- Auskuppeln- Rückwärts in Endlosschleife. Dabei Pinne unverändert hart steuerbord eingeschlagen. Elise und ich tuckern die Uecker hinauf- diesmal mit Absicht! Am Stadthafen vorbei erreichen wir die Kogge Ukra. Ein beeindruckendes Schiff. Auf derem großzügigen Wendeteller übe ich das Drehen auf dem Teller. Ich habe zu viel Vorwärtsfahrt, der Seitenwind drückt mich zurück in die Ausgangsposition. Mehr Gas geben, hilft nichts. Letztendlich lerne ich dazu, dass man beim Wenden nur mit Einkuppeln und Standgas am besten das Schiff umdreht.
Zurück im Hafen der Marina Lagunenstadt Ueckermünde lädt sich der Einhandsegler Markus (Name von mir geändert), den ich gestern beim Anlegen geholfen habe, auf ein
Glas Wasser zu mir an Bord ein. „Ich trinke keinen Alkohol. Nur stilles Wasser.“ Ja, ist auch vernünftiger. Ich trinke ein Glas Trollinger. Markus wartet auf seinen Kumpel, mit dem er heute abend nach Swinemünde segeln will. Er hat eine interessante Lebensgeschichte. Arbeitet Jazzpianist, IT- Ingenieur und ehremamtlich christlicher Unternehmensberater für Start-ups in Meck-Pomm. Wir plaudern ein Stündchen über Altwarper und Neuwarper Hafen und unser Leben. In der Region gibt es zu wenige Arbeitsstellen. Jedoch schaffen es viele junge Leute, sich als Handwerker erfolgreich selbstständig zu machen. Diesen Leuten hilft Markus. Ich finde es schön, wenn die Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren können.
Zum Abschluss ein paar Infos für Segler zur Marina Lagunenstadt Ueckermünde:
Die Anfahrt erfolgt durch den sehr schmalen Kanal der nachts nichts befeuert ist. Links und rechts der Kanaleinfahrt befinden sich Stellnetze, die nicht passierbar sind. Über die Ansteuerungstonne UE und die Fahrrinne ist die Einfahrt bei Tag einfach.
Das Hafenbecken ist auf drei Seiten von Apartmenthäusern umgeben und auf der vierten Seite von einer Baumallee, einem hüfthohen Damm und darauf parkenden Autos. Somit bieten die örtlichen Gegebenheiten eine sehr guten Windschutz beim Anlegen und Ablegen. Dafür wird der Segler eine Attraktion für die Feriengäste in den Wohnungen.
Duschen und WCs an jeder Stegmitte vorhanden. Tipp: Die Toiletten und Duschen beim Hafenmeister sind tagsüber ohne Karte offen, wenn das Hafenmeisterpaar in der Nähe arbeitet.
Dusche kostet ein Zwei- Euro- Stück für sechs Minuten Wasser. Der Hafenmeister war im Juni von 16:30 – 19:00 Uhr anzutreffen und betreibt das Sonnendeck „Skippermesse“, auf dem kühle Getränke für durstige Segler serviert werden.
Der wunderschöne Badestrand mit dem edlen Restaurant „Strandhalle“ und dem Geheimtipp- Kiosk „Nordlicht“ können in fünf Gehminuten erreicht werden.
Einziges Manko waren die mangelnden Versorgungsmöglichkeiten. Die Supermärkte im Ueckermünde Stadtgebiet sind 25 Minuten einfache Strecke zu Fuß entfernt. Taxi- Unternehmen sind mit Handynummer auf der Tafel an der Autoschranke aufgelistet.
Insgesamt eine gepflegte und saubere Anlage, die ich empfehlen kann.
Morgen geht es nach Hause. Nächstes Jahr hoffentlich in das Achterwasser des Stettiner Haffs zur Insel Usedom!

Gegenan knüppeln

Entweder zu viel Wind, gar kein Wind oder Wind von vorne. Welcher Segler kennt das nicht? Ich traue der App Windfinder, dass zirka 8 Knoten Wind vorherrschen und lege bei fast Windstille um 8 Uhr ab. In der Landabdeckung geht der Wind noch. Jedoch sehe ich auf dem Haff draußen schon Schaumkronen auf den Wellen. Von wegen 8 Knoten Wind!
Nach der Landabdeckung verlangsamt sich die Fahrt der Elise von selbst von drei Knoten auf zwei Knoten. Der Gegenwind kostet uns 33% der Geschwindigkeit!
Schlieren aus Schaum liegen auf dem Wasser und einige Wellen brechen sich leicht. Die etwas höheren Brecher kommen meist als Dreiergruppe daher und ich falle ab (drehe von der Welle weg), um den Motor zu schonen. Die Schraube dreht kein einziges Mal hohl. Er überhitzt sonst ohne Seewasserkühlung nämlich, daher passe ich gut auf.
Nun heißt es „Gegenan knüppeln“, wie der Segler sagt. Unter Maschine krache ich schräg gegen die Wellen an, dass das Haffwasser links und rechts auf das Deck spritzt. Ich schaue auf die Navionics App. Zehn Minuten ziehen sich dahin wie eine ganze Stunde!
Bei dem bewölkten Himmel habe ich Schwierigkeiten, die Fahrwassertonnen zu erspähen. Selbst mit Fernglas! Was sind das für seltsame, blutrote Tonnen, die unten schmal und oben breit sind? Ähem. Es handelt sich nicht um Tonnen, sondern um
zwei Traditionssegler mit blutroter Gaffeltakelung (oben breit, unten schmal), die Elise auf Parallelkurs entgegen kommen. Der Wind hat wie vorhergesagt um 11 Uhr nachgelassen und ich habe die Muße, die beiden Segler mit dem Handy zu filmen. Selbst setze ich probehalber das Vorsegel. Jedoch sinkt die Geschwindigkeit unter Segeln auf 0,4 Knoten. Unter 1 Knoten (=2 Stundenkilometer) ist selbst mir geduldiger Binnenseglerin zu lahm.
Die Flaute passt jedoch perfekt für mein Anlegemanöver im Heimathafen Ueckermünde. An der Ansteuerungstonne stoppe ich Elise im tiefen Wasser auf und lasse sie treiben.
Derweilen packe ich den Bootshaken aus und messe die beiden Heckleinen in der richtigen Länge ab: Länge bis zur zweiten Relingsstütze von hinten. Eine weitere
Leine lege ich als Vorleine parat. Ich stelle fest, dass Elise vorwärts eingekuppelt immerhin noch 1,7 Knoten fährt. Viel zu schnell zum Anlegen.
Ich lasse einen dicken Zweimaster in den Ueckerkanal an Elise vorbei und auch ein Fischerboot. Der Zweimaster macht mir den Weg frei. Er hupt mehrfach, weil er ein bisschen dick für den Kanal ist und kein Schiff aus der Gegenrichtung passieren kann und darf. Auf dem Foto der Kanal von Land aus gesehen.
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Vor der Hafeneinfahrt warte ich, ob die Gorch Fock wieder rauskommt. Nö. Also abgebogen und Motor ausgekuppelt. Mit einem einzigen Gasschub treibt Elise bis zu
ihrer Box. Ich erwische beide Dalben auf Anhieb, kann eine Heckleine von Hand, die andere mit dem Bootshaken problemlos festmachen. Zur Feier schenke ich mir
ein Glas Trollinger ein, den ich für besondere Anlässe eingepackt hatte. Ein gelungenes Einhand- Anlegemanöver ist für mich Grund genug zum Feiern!
Der restliche sommerlich heiße Nachmittag sollte am Strand verbracht werden. Endlich schwimmen!
Doch der Vercharterer legt an und ruft quer über das Hafenbecken :“ Können wir kurz telefonieren?“ Wozu ein Telefon  wenn der Gesprächspartner gegenüber steht? Ich laufe zu Wolfgangs Schiff hinüber. Bei einem kühlen Limo wird die Rückgabe der Elise klar gemacht. Später inspiziert Wolfgang den Rumpf und ich zeige ihm die Stelle am Bug, die etwas Schwarz aus Altwarp abbekommen hat. „Das ist ja gar nix. Da brauche ich nichts zu tun.“ , sind wir uns über den kleinen Farbstrich einig. Ich hatte die Elise auf sofort von Hand von der Hafenmauer weggeschubst.
Später aale ich mich in den angenehm warmen Fluten im flachen Wasser am Ueckermünder Strand.
Den Törn schließe ich zum Sonnenuntergang auf der Terrasse der schicken Strandhalle ab. Es war eine super Segelreise!

Abkürzen? Geht nicht!

Plan A: Dzinow- gestrichen wegen Wind von vorne und zu weiter Strecke beim Kreuzen. Außerdem O- Ton Wolfgang: „Da jibt es nichts. Hässlich.“
Plan B: Wolin- gestrichen wegen zu schmaler Fahrrinne, die zur Versandung neigt. Und daneben ist das Haff 0,7 Meter flach.
Plan C: Wapnica- gestrichen während der Fahrt. Kann bei schwachen Wind nicht auf meinem Wunschkurs kreuzen.
So entscheide ich später spontan auf dem Haff nach Altwarp zu fahren, weil dort laut Hafenhandbuch „Segler gern gesehen“ werden. Plan D also.
Lege um 09:09 Uhr in Swinemünde ab. Trinke trotz Schnapszahl lieber einen schwarzen Tee statt Raki. Die Fahrt durch die Swine und den Kanal „Kaiserfahrt“ kann ich heute richtiggehend genießen. Denn ich kenne die Strecke schon. Außer zwei Baggerschiffen und den zwei Fähren in Kasibor habe ich freie Fahrt. Wie eine Autobahn komplett für Dein Auto alleine. Rase mit 8 Stundenkilometern dahin. Das Motorengeräusch ist ohrenbetäubend!
Auf dem Haff weht ein leichter Wind, wie auf Windfinder vorhergesagt. Ich setze erst das Großsegel und dann die Fock. Auf Am Wind Kurs erreiche ich 1,x Knoten und
komme nur bis 20 Grad Abweichung auf meinen Wunschkurs. Abkürzen ist im sehr flachen Stettiner Haff nicht möglich. Ich muss großräumig die Stellnetze und die Flachstelle vor dem „Großer Kricks“ umfahren, wenn ich nach Wapnica möchte.
Auf dem Handy kommt eine „Gale Warning“ von einer Nummer mit Vorwahl 0048 (=Polen) rein: „Gale Warning for 11.06. with hail. Stay inside.“ Danke für die Warnung, wer da auch immer meine Nummer hatte. Navionics? Ein weiterer Grund schnell
einen Hafen auszusuchen. Altwarp lässt sich bequem auf einem Vorwindkurs ansteuern. Packe wieder das Großsegel weg. Es deckt das Vorsegel störend ab. Schmetterling zu segeln traue ich mich wegen dem Wellenschlag durch andere Boote nicht. Der Großbaum könnte mich von Deck fegen.
Eine tiefe Dankbarkeit für das seichte Lüftchen macht sich breit. Meine Kollegin Jana (Name von mir geändert) hatte mir doch vom Urlaub gewünscht: „Beim Segeln
kannst Du Dich richtig gut erholen und die Seele baumeln lassen.“ Das kann ich heute.
Zwei Stunden schlendern Elise und ich bis zur Grenztonne Nr. 9.
An der Grenztonne 9 rolle ich das Vorsegel ein- dank Rollreffanlage easy peasy. Diesmal denke ich sogar daran, wenigstens die Heckleinen parat zu legen bevor ich in das enge Fahrwasser von Altwarp einbiege.
Leute, ich kann doch schon kein Auto einparken! Wie soll ich denn in diesem schmalen Hafenbecken mit der Elise in die Box kommen? Breche ersten Versuch anzulegen ab und fahre rückwärts einen Bogen aus dem Hafenbecken heraus.
Hektisches Kuppeln mit dem Außenborder. Treffe die Box dem zweiten Anlauf genau in der Mitte. Shit, so komme ich nicht an die Dalben dran. Wurscht!
Wie sagte mein Segellehrer Lothar auf den Kanaren: „Wenn Du einhand anlegst, machst Du einfach eine Leine fest. Egal welche. Den Rest machst Du mit dem Motor.“
Gesagt, getan. Vorleine festgemacht und Rückwärtsgang im Leerlauf rein. In Ruhe zwei Fender zum Nachbarboot hin ausgebracht. Dabei Schienbein an der Backskiste
blutig geschlagen. Aua! Hat vorerst keine Priorität. Dann mit einer Hilfsleine an der Sorgleine nach hinten gezogen. Mist. Erste Vorleine zu kurz. Muss nochmals vor hangeln und erste Vorleine verlängern. Wieder vor gehangelt. Vorleine verlängert. Motor aus! Wieder nach hinten gehangelt. Einen Dalben erreicht. Zweite Vorleine angebracht. Viel zu kurz. Versuche, den Dalben wie ein Cowgirl mit Lasso zu fangen. Gebe nach zehn Anläufen auf. Weitwurf war noch nie mein Ding. Zweite Vorleine wieder weggemacht. Hangle mich wieder nach hinten zu den Dalben. Schupse mit dem Bootshaken die zweite Heckleine über den Dalben. Der Schweiß rinnt mir den Hals hinunter. Mache erste Vorleine wieder passend. Bringe zweite Vorleine wieder am Boot an. Tupfe mit Taschentuch das blutige Bein sauber. Ziehe die Heckleinen wieder auf richtige Länge.
Helfe Motoryacht beim Anlegen. Die brauchen dank Bugstrahlrundern meine Hilfe zwar nicht. Sie sagen, dass sie sich sehr gefreut haben, dass ich zur Hilfe kam.
Das erlebe man selten.
In der Fischhalle ist der frisch gefangene Fisch ziemlich ausverkauft. Aber zwei Matjesfilets mit Bratkartoffeln werden mein spätes Mittagessen um 14:15 Uhr. Dazu
eine herrlich kühle Grapefruitschorle!
Später wird mir auf dem Fahrgastschiff „Weiße Muschel“ ein Eiskaffee serviert. Das historisch bedeutende Schiff war zu DDR- Zeiten für Staatsempfänge gebaut.  Davon gab es nur drei Schiffe. Mit großen Konferenztisch und Ledercouch in Bug und Schiebetüren zur Abgrenzung zum Personalbereich. Erich Honecker führte wichtige politische Verhandlungen auf diesem Schiff.
Neben dem Altwarper Hafen liegt ein Vogelschutzgebiet, in dem ich Möwen, Graureiher, Enten und Haubentaucher sichte.
Zum Abschluss des Tages wische ich das Boot mit dem Wischmopp sauber. Ergibt die tollsten braunen Schlieren mit dem Hafenwasser. Meine Fußabdrücke sind dafür weg!

Walgesänge und Apachen- Pub

Brülle den Außenbord- Motor innerlich an: „Spring endlich an, Du Sau!“ Er scheint mich zu verstehen und springt beim zweiten Versuch an. Mit der Kupplung habe ich so meine
Schwierigkeiten und fahre rückwärts los statt im Leerlauf hochzudrehen. Wieder Vorwärtsgang zur Korrektur und „Wromm“ jault der Motor auf. Der Vermieter Wolfgang winkt mir von seiner Jacht aus zu und schreit mir über das Motorengelaue laut zu, ich solle mich melden, wenn ich Swinemünde erreicht habe. Mache ich per SMS.
An der Hafenausfahrt steht ein Angler und ich habe solche Angst, die Angelschnur einzufahren, dass ich vor lauter Verwirrung in die falsche Richtung in die Uecker abbiege. Freue mich, dass der Motor rund läuft, dass mir mein Fauxpas nach einer halben Seemeile Kanalfahrt auffällt. Komisch, Ueckermünde Stadt kommt immer näher und ich will doch zum Meer.
Wie von Wolfgang gestern anhand der Seekarte eingeimpft, muss ich das Fahrwasser zwischen dem Repziner Haken (mit 1 Meter Wassertiefen und fiesen Steinen) und Woitzer Haken treffen. Der zu steuernde Kurs liegt genau „Vor dem Wind“. Die Elise schaukelt auf den Wellen wild nach links und rechts. Das Schwert „singt“ bei jeder Woge im Sekundentakt im Schwertkasten. Beschließe das störende Geräusch einfach als „Walgesänge“ zu deklarieren und höre ab sofort den Walen zu.
Ab der Tonne „Haff“ folge ich dem Fahrwasser eines anderen Segelbootes. Gegen Mittag schläft der Wind wie vorhergesagt ein. Elises Logge zeigt noch 1 Knoten Fahrt.
Plötzlich macht der andere Segler einen starken Schlenker nach backbord. Hups, lauter Stellnetze nahe am Fahrwasser. Ich werfe zusätzlich den Motor an, obwohl mich der
Wind von den Fischernetzen wegtreibt- auf den Woitzer Haken zu.
Nach vier Stunden Segeln erreiche ich die Einfahrt zur Swine, deren Kanal hier „Kaiserfahrt“ heißt. Vor dem ersten Tonnentor muss ich ein weiteres Fischernetz umfahren, was nervt, da ich dem Flachwasser näher als geplant komme. Die Einfahrt treffe ich dennoch.
Kennt Ihr den „Apachen- Pub“ aus dem Film „Der Schuh des Manitu“? Dieser Pub besteht nur aus einer Fassade. So kommt mir die Fahrt durch die Kaiserfahrt vor. Am Ufer steht
eine Reihe Bäume und dahinter Sommerhimmel mit Schäfchenwolken. Wie eine Kulisse. Auf Höhe der Insel Mellin sehe ich zwei Fischadler, von denen einer sogar neben der Elise auf das Wasser zufliegt. Fahre vor lauter Glotzen auf den Kanaldamm zu und korrigiere den Kurs schnell. Weiter flußabwärts brüten Schwärme von Kormoranen in fünf Bäumen.
An zwei Stellen überqueren Fähren im Fünf- Minuten- Takt die Swine. Um die Wartezeit kurz zu halten, starten gleichzeitig zwei Kolosse von jedem Ufer und begegnen
sich in der Flußmitte. Ich drossele die Geschwindigkeit auf zwei Knoten, bis die Fähren das Ufer erreichen. Dann schnell durchgeschlüpft.
Bisher funktionierte die Navionics- App einwandfrei. Doch in der Sonne schaltet sich das Handy wegen Überhitzungsgefahr einfach ab. Lege es in den Schatten auf die Salonbank
und warte zehn Minuten. Danach bekommt das Handy einen neuen Platz unter der Seekarten- Mappe im Schatten.
Die letzten Minuten bis zum Nordhafen Swinemünde vergehen rasant und ich versuche vergeblich, die Elise aufzustoppen. Im Hafenbecken steht nämlich Wind, aber ich will die Festmacherleinen parat legen. Drehe einen Kreis und rufe der deutschen Jacht „Marie“ zu, ob sie mir beim Anlegen helfen können. Gleich zwei Männer springen auf den Steg und kümmern sich um die Leinen. Das Anlegen klappt wunderbar: An einem Fingersteg/ Seitensteg ganz wie „daheim“ am Steinberger See angelegt. Hinter der Elise ist die sogenannte Engelsburg zu sehen, ein Bauwerk aus Preußischer Zeit von 1854, das der Engelsburg in Rom nachempfunden wurde (Foto 1). Vom Cockpit aus schaue ich auf den wunderschönen Leuchtturm „Latarnia Morska“ der Insel Wolin. Mit 65 Meter Höhe der höchste Leuchtturm der Ostsee (Foto 2).

Der Hafenmeister begrüßt mich freundlich auf Deutsch und für 46 Zloty (zirka 11 Euro) darf ich eine Nacht bleiben, einmal Duschen und bekomme 3kW Strom. Bis ich drankomme schaue ich den Neonfischen und Guppys im Hafenmeisterbüroaquarium zu. Zahlung ist per Visa möglich oder in Zloty. Die Zlotys spuckt der Bankautomat aus. Shopping (hätte gerne ein kaltes Cola und Erdbeeren) beim Lidl in Hafennähe (am ersten Kreisverkehr links gehen) fällt wegen Sonntag aus.

 

Zurück an Bord koche ich Chili sin Carne aus der Dose mit Reis. Essbar.

Ein grandioser Segel- Tag

Luxus pur! Ein Tag Urlaub mitten unter der Woche- am Dienstag.

Zuerst machte ich einen Abstecher mit dem Auto zum Pleinfelder Strand, wobei ich erst auf dem Campingplatz landete und dann unten am Staudamm, statt auf dem richtigen Parkplatz. Bisher fuhr ich die Strecke von Pleinfeld Bahnhof an den See mit dem Rad und konnte einige Abkürzungen nehmen, die mit dem Auto unbefahrbar sind oder durch Schranken verhindert werden. Am Strand fotografierte ich den Steg, dass es eines kitschigen IKEA- Bildes würdig wäre, und bewunderte die rosa Weidenröschen und Nelken, die sich in den Felsen festklammerten.

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Zwei Joggerinnen mit Golden Retriever rannten vorbei- ansonsten beschauliche Ruhe um 9 Uhr morgens.

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Zum neuen Aussichtsturm lief ich die paar Meter am Uni- Segelclub vorbei. Der Turm wird wie folgt ausgeschildert: „Springen strengstens verboten“. Über einen unschönen Scherbenhaufen und leere Mini- Sektflaschen stieg ich drüber und die ersten Stufen der massiven Leiter hinauf. Beim Blick nach unten wurde mir etwas komisch und ich trat den Rückweg an ohne ganz oben im Krähennest gewesen zu sein. Ein Andermal.

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Schnell das Schiff klar gemacht, um den Baulärm im Hafen zu entrinnen. An den 20 schwimmenden Ferienhäuser wird fleißig gewerkelt. Stinkende Benzin- Außenborder mit 50 PS schleppen auf Flößen Bauholz durch das Hafenbecken und knattern mit Generatoren auf einem Tauchboot um die Wette. Die Taucher verlegen Abwasser- und Frischwasserleitungen unter den Stegen. Wegen dem Bau der Ferienhäuser scheint alles im Hafen geduldet, was für Segler sinnvollerweise verboten ist (Benzinmotoren, Dieselmotoren, Generatoren).

Gleichzeitig mit einem Jollensegler erreicht die Shadow die Hafeneinfahrt. Wie in Zeitlupe trennen sich unsere Wege sobald die Segel beider Boote gesetzt sind. Der andere Segler biegt nach Enderndorf ab, ich möchte nach Allmannsdorf zum Staudamm hinunter. Je nachdem auf welchem Bug ich sitze, hängt das Großsegel schlaff auf meine Seite und spendet Schatten. Vorsichthalber schalte ich den Motor an, weil mich der Trimaran passiert, der gerade die erste Runde des Tages vollendet.

Im Schneckentempo kriecht die Shadow durch das grüne Wasser. Staub auf dem Wasser zieht unendlich langsam vorbei, ich entspanne mich und glühe in der Sonne vor mich hin. Der Autopilot übernimmt und mein Surfershirt mit UV50- Schutz muss her. Bei der Gelegenheit hole ich die Gummibärchen mit an Deck, die von Veras Besuch übrig sind, und probiere, ob sie noch gut sind. Ja, nach 10 oder mehr Proben kann ich das bestätigen. Schmetterlinge flattern über den See und scheinen irritiert zu gucken und stoppen, wenn die Shadow ihren Weg kreuzt. Die Pfauenaugen ziehen am Bug vorbei, die Kohlweißlinge am Heck.  Das reinste Verkehrstrennungsgebiet und ich mittendrin.

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Ein sanfter Wind kommt auf, das Wasser kräuselt sich ein hunderten kleinen Wellen und Äolus schiebt uns in zwanzig Minuten nach Allmannsdorf. Von dort kreuze ich in acht Schlägen zurück in den Heimathafen Ramsberg. An immer neuen Landmarken des Südufers kann ich ablesen, dass ich Höhe gewinne: 1. Blaue Fahne Anlegestelle Pleinfeld, 2. L- Förmiges Werftgebäude Ramsberg, 3. Blaue Fahne Anlegestelle Ramsberg und 4. Badestrand Ramsberg. Der perfekte Segeltörn dieser Saison.

Die Webcam der Firma „Sports Addicted“, für die ich keinerlei Haftung etc. übernehme, hat mich aufgenommen:

20180704 Webcam Brombachsee 11_50 Uhr

Zum Schluss hätte ich fast das Tretboot „Henrik“ gerammt, das urplötzlich vom Strand auftaucht, während ich damit abgelenkt bin die Segel zu bergen. Zum Glück haben sie eine Heulboje in Form eines Kleinkindes an Bord und machen sich laut und unfreiwillig bemerkbar.

Sicher vertäut habe ich heute die Muse, endlich die Artikel aus der „Wirtschaftswoche“ zu lesen, die Papa für mich ausgeschnitten hat. Sogar ein Artikel über Sailing Vessel Delos ist dabei: „Aussteiger als Beruf“. Klingt gut.

 

 

 

Buchkritik: „Einhandsegeln“

Das Christkind namens Schwiegermutter hat meinen Weihnachtswunsch erfüllt und mir folgendes Buch unter den Christbaum gelegt:

Einhandsegeln von Stephan Boden

ISBN 9783 667 10679 7

Zugegeben, bin ich voreingenommen, was die Kritik an diesem Buch angeht. Die ersten beiden Bücher des Autors über Segeln in Dänemark haben mich dermaßen fasziniert, dass ich selbst nach Dänemark gereist bin und für vier Wochen dort mit Crew und dann einhand segelte. Das könnt Ihr im Juli 2015- Archiv nachlesen.

Aufmachung:

Schon das Cover und Format des Ratgebers ist ungewöhnlich: Beinahe quadratisch und mit gummierten Einband. Wie auf einer Zigarettenschachtel liest sich der Warnhinweis: „Einhandsegeln kann süchtig machen!“ Das Schriftbild erinnert mich an die alte Schreibmaschinenschrift und ist gut zu lesen.

Worum geht es?

Im Buch werden Tipps und Tricks rund um das Einhandsegeln gegeben und das Gefühl, das sich bei dieser Spielart des Hobbys Segeln einstellt, verherrlicht.

Die Hälfte der 170 Seiten sind Fotos der Boote des Autors „Digger“ und „Bente.One“. Also bleiben nur zirka 85 Seiten Text.

Im ersten Teil geht es um die Ausstattung eines einhandtauglichen Bootes. Von den drei Problemlösern hatte ich zwei schon an Bord.

Der zweite Teil beschäftigt sich damit, wie typische Manöver ohne Crew bewältigt werden können: Ankern, Anlegen und Ablegen. Autopilot, der keiner ist. (Mehr verrate ich nicht.)

Eine Checkliste rundet Teil 2 ab.

Der dritte Teil beschreibt das Gefühl, alleine unterwegs zu sein.

Wie hat es mir gefallen?

Der lockere Schreibstil des Autors spricht mich sehr an. Endlich mal etwas anderes als „Seemannschaft“, die mit erhobenen Zeigefinger vermittelt wird. Die altehrwürdigen Herren der Segelclubs sind bestimmt entsetzt. Die Manöver sind simpel gestaltet und nachvollziehbar und verständlich beschrieben. Teilweise von Fotos unterstützt.

Der Autor war wirklich einfallsreich, wie er das Boot an den Steg manövrieren kann. Zitat: „Ich nehme Schwung und werfe das ganze Geraffel dann beherzt und ohne zögern hoch über den Steg.“

Andere Ratgeber, gerade zum Anlegen, sind im Vergleich so kompliziert, dass ich mir die Schritte schon ohne Stress im Hafen nicht merken kann.

Das hat mir sehr gut gefallen.

Die Fotos passen meist zum Text, nur die Rechtschreibung ist manchmal etwas nebulös. Schreibt man die Fock wirklich „Fog“? Ich widerspreche anderen Kritikern, dass es sich um einen Werbeprospekt für die Bente handelt. Der Autor war auf dem Boot unterwegs und somit ist das Boot logischerweise zu sehen. Die Bilder sind stimmungsvoll. Wunderbar, um in der segelfreien Zeit von der Ostsee zu träumen.

Fazit:

Wer kurze und knappe Tipps sucht und selbst nachdenken möchte, ist mit dem Ratgeber gut beraten. Wer lange Texte und komplizierte Manöver sucht, sollte lieber „Hafenmanöver in 100 Bildern pro Manöver“ lesen.

5 von 5 Seesternen