Stop-and-go Wind

Der Wind wehte heute sehr unstet. Laut Windfinder sollten 3 Beaufort mit Böen von 5 Beaufort pusten. Dann hätte ich im Hafen den neuesten Fantasy- Roman, Band 2 der Firelight Serie von Sophie Jordan, gelesen und mir im Cockpit den Wind um die Nase wehen lassen.

Am See angekommen beobachte ich in Ruhe die Bäume und die Wellen. Zum Glück für mich als Kaffee- Seglerin waren weder „überall Schaumköpfe“ noch die „frische Brise“ zu sehen. Die beiden Bezeichnungen beschreiben 5 Beaufort in Wörtern. Der Steinberger See liegt heute saphirblau unter einem diesigen, wolkenlosen Himmel und sieht gefleckt aus.

Diese Windflecken bekomme ich auf der Ausfahrt mit Shadow umgehend zu spüren. Ich taufe das Phänomen „Stop- and- Go- Wind“. Mal steht Shadow in der Flaute (=“silbrig- heller Fleck“), mal neigt sie sich in einer Böe ordentlich zur Seite (=“dunkelblauer Fleck“). Die heutigen Windverhältnisse finde ich unheimlich und ziehe vorsichtshalber meine Rettungsweste an. Shadow, das einzige Segelboot auf dem herbstlichen See. Lediglich ein Tretboot fährt vor dem „Movin‘ Ground“- Campingplatz hin und her.

Beim Anlegen kupple ich nicht aus, sondern fahre mit sanfter Fahrt gegen den Wind in die Box. Shadows Liegeplatz ist bei Ostwind recht gut durch hohe Birken windgeschützt. Bei dem Anlegemanöver raschelt es laut und beständig am Ufer. Ich rechne mit Segelkameraden, die den Hang herunter klettern. Aber es ist ein Eichhörnchen, das geschäftig am Boden herumwühlt und seine Wintervorräte eingräbt. Drollig!

Später kaufe ich im Baumarkt Zubehör für die Shadow: Eine Scheuerbürste für das gesandete Deck. Mit der rumpfschonenden Bürste aus dem Segel- Fachhandel geht der Dreck nicht weg. Einen hübschen, weißen Mülleimer, den ich mit einem S- Haken unter dem Salontisch aufhängen werde. Den provisorischen, giftgrünen Eimer werde ich verschenken.

Mein Tipp für alle sparsamen Segler: Zubehör im Billig- Baumarkt statt im überteuerten Fachhandel kaufen!

Luv und Lee auf dem See

Warte eine Stunde bei spiegelglatten See im Cockpit auf einen Lufthauch an Wind. Derweilen lese ich im Band 2 der Dämonenreihe „Dark Elements“ von Jennifer Armentrout. Außer der Anlieferung von zwei Fässern Bier im Clubheim passiert in dieser Stunde sonst nichts.

Sobald sich das Wasser leicht kräuselt, lege ich ab. Ich lasse die Shadow ziellos vom Wind hintreiben, wohin es ihm gefällt. Luv und Lee wechseln beim heutigen Schwachwind mehrfach die Richtung. In Nähe der Segelschule gebe ich meine Segelversuche endgültig auf und schalte den Motor dazu. Shadow und ich besichtigen den Moving Ground von der Nähe. Camper winken mir aus einem Schäferwagen zu, Väter brüllen Kleinkindern zu „Geh‘ nicht so nah an das Wasser“, eine weibliche Wasserwacht hält auf der Terrasse Ausguck auf den leeren See. Vor lauter Tran fahre ich fast die zwei blauen Kanisterbojen um, welche die Zufahrt zum Bootshaus der Wasserwacht markieren. Wusste bisher gar nicht, dass die Wasserwacht ein Bootshaus hat.

Der Wind schläft wieder ein und ich motorsegle ganz nah am Ufer entlang. Sogar die Rotfedern in den Wasserpflanzen erkenne ich durch die wellenfreie Wasseroberfläche.

Anlegen macht richtig Spaß — so ohne Wind.

Auf den Fotos fällt mir auf, wie grau das Deck aussieht. Mit Pütz und Schrubber schrubbe ich voller Elan das Deck. Später zeige ich der lieben Hausmeisterin die Shadow. Wir hatten letztes Jahr bei der gemeinsamen Kraneinweisung ausgemacht, dass ich ihr bei Gelegenheit einmal die Shadow von Innen zeige. Heute hatte ich Zeit dazu.

Auf der Heimfahrt gebe ich die fünf Batterien (vier Motorbatterien und eine Bordbatterie) auf dem Recyclinghof ab. Der Gemeindearbeiter erzählt mir noch, dass er den vierten Rückenwirbel gebrochen hatte, und hebt trotzdem die 130 kg Batteriegesamtgewicht allein aus dem Kofferraum. Eile ist geboten, da ich den Citigo nach Absprache quer in die Zufahrt gestellt habe. Damit der Weg vom Kofferraum zum Batteriesammelplatz möglichst kurz ist.

Morgen soll ich mich auf der Regatta um die Küche des Seglerheims kümmern. Habe als Vorbereitung bei Chefkoch nachgelesen, wie man Weißwürste richtig erhitzt. Das wird lustig!

Segel- Training

Im Hafen des Yachtclubs waren sich alle Verklicker (Windfahnen an der Mastspitze) einig, dass der Wind aus Westen bläst. Auf dem See drehten sich Shadows Wantenverklicker erst im Kreis (=gar kein Wind), danach zeigten sie Wind aus Nordwest.

Ich hielt an meinem Plan fest, die Boje vor der Segelschule „regatta- mäßig“ zu umrunden. Hätte bei der vierten Wende geklappt, wenn nicht eine hübsche Dame just in dem Moment beim Sonnenbad auf ihrem SUP liegend meinen Weg versperrt hätte. So brauchte ich sechs Anläufe die Wendemarke zu erreichen. Jedenfalls realistisch, dass ich es nicht auf Anhieb schaffte.

Als nächstes steuerte ich auf das gefürchtete „Flautenloch“, die Bucht vor dem Strand „Parkplatz Südufer“ zu. Vor dem Wind blieb die Shadow gefühlt stehen. Besser, ich übte Halsen bei leichten Wind. Also, neuer Kurs: Raumer Wind. Die letzten Meter vom Kran zum Steg 1 musste ich Am Wind segeln, was mich kurz an meinen nautischen Kenntnissen zweifeln ließ. Bis mir einfiel, dass das Ufer keine mathematische Gerade von Ost nach West bildet, sondern ich aus der Bucht leicht zurück nach Norden segeln musste. Erst nach zwei Wenden traf ich die Durchfahrt zwischen Steg 1 und der Clubinsel. Heute wollte ich möglichst lange segeln statt bequem den Motor zu starten.

Im flachen Wasser der Clubinsel wateten zwei Stand- Up- Paddler. Und zwar komplett nackt! Ich glaubte erst, ich sehe nicht richtig. „Der Bauch hängt herunter wie ein Schürze“ würde Helge Schneider singen. Die Brüste der Frau erinnerten mich an schlaffe Luftballons. Somit habt Ihr nichts verpasst, liebe Segelkameraden!

Zur Erholung vom anstrengenden Segel- Training lud ich mich selbst zu einen Veggie- Burger mit Pommes an der Wildwake- Ski- Anlage ein.

Regen- Regatta

Ungelogen. So viele Wenden wie heute auf der Kaffee- Regatta bin ich die ganze Saison nicht gefahren. Das fand auch die Regatta- Leitung und hat mich dann wegen Langsam- Segeln disqualifiziert. Und das auf einer sogenannten Spaß- Regatta, d.h. Clubausfahrt! Meinte ich zumindest und war stinksauer. Für fünf Minuten. Dann hat mir Lina (Name von mir geändert) ihr Kuchenstück abgetreten, weil das Buffet leer gefuttert war, als ich im Hafen ankam. Die Familie B. hat uns allen einen wogenglättenden Cocktail aus Sekt und Waldbeeren- Smoothie kredenzt. Und ich war nicht komplett disqualifiziert, sondern erreichte den vorletzten Platz. Meine Wut schmolz dahin wie Käse unterm Grill (Holländisches Sprichwort).

Jetzt von vorne. Regengraue Wolken lauerten am Horizont. Die Regatta- Leitung plante drei Wettfahrten mit je zwei Runden, d.h. sechs Runden. Ich kalkulierte, dass Shadow mit Ihren 130 Yardstick und mit mir als Skipperin für zwei Runden 90 Minuten braucht und kam auf viereinhalb Stunden echte Fahrtdauer. Gemeinsames Kaffeetrinken wäre rechnerisch gegen 18 Uhr möglich.

Es galt einen Dreieckskurs gegen den Uhrzeigersinn zu segeln. Da dies die vierte Regatta meines Seglerdaseins war, verstand ich diesmal auf Anhieb, wohin ich fahren muss. Vor Aufregung schlecht war mir heute auch nicht mehr. Startlinie lag vor der Segelschule Fürst, damit wir auf Am- Wind- Kurs starten können. Again what learned.

Auf der zweiten Runde hatte ich ein Erfolgserlebnis: Ich überholte einen Regattateilnehmer unter Segeln! Okay, okay, kein echter Gegner: Es handelte eine Carina 20, also ein kleiner Kimmkieler, der mit der Shadow um den letzten Platz kämpfte. Auf dem Foto behalte ich den jüngsten Teilnehmer im Auge.

Dann überrollte uns in der dritten Runde die Regenfront. Meine Jacke lag schlauerweise im Auto auf dem Clubgelände. Nicht schlimm, es tröpfelte leicht und Segeln ist Wassersport. Dagegen waren die Böen der Hammer! Ich fierte die Schoten, damit die Shadow keinen Sonnenschuss macht. In den Regenböen merkte ich, was für ein treues, seetüchtiges Boot die Shadow ist. Denn mit geöffneten Segeln machte die Shadow mit ohrenbetäubend knatternden Segeln weiter Fahrt durch das Wasser und das bei wenig Krängung. Ich holte ein bisschen Abstand zum Feld der anderen Segler auf.

Leider zogen sie davon, sobald der Wind nachließ und kerstinundshadow blieben mal wieder alleine auf der Regattabahn zurück. Die Carina 20 hatte aufgegeben, weil sich das jüngste Crewmitglied fürchtete. Verstehe ich. Für mich war Segeln in Regen und bei Böen einer kleinen Regenfront ebenso eine Premiere. Hätte ich ohne die Regatta nicht erlebt. Wäre im Hafen geblieben. Die Wettfahrt wurde für die restlichen 24 Boote nach vier statt sechs Runden beendet.

Für die Shadow nach drei Runden. Ich hätte bestimmt nach weiteren zehn, zwanzig oder dreißig Wenden die Ziellinie erreicht. Ich schwör’s!

Bei der Herbstregatta werde ich der Küche mein Unwesen treiben. Bericht folgt.

P.S. Bildrechte bei Josef Schwarz.

Achtsam Segeln

Morgens um halb neun lege ich am Steinberger See ab. Seit dieser Saison ist ein Nachbarboot in der Box, was das Ablegen spannender gestaltet. Die Shadow muss erst gerade aus der Box herausfahren und kann dann relativ spät eindrehen. Doch alles gelingt ohne einen Kratzer.

Segle entspannt bis zur Wakeboard- Anlage einen Am-Wind-Kurs ohne eine einzige Wende, heißt Anleger. Ich höre weit entfernt Automotorengeräusche und ganz nah meinen eigenen Atem. Ganz achtsam kann ich wie in Yoga auf die Atmung achten.

Bis plötzlich der abgeschaltete Motor laut sirrende Geräusche von sich gibt. Der sanfte, gleichmäßige Wind bringt die Shadow dermaßen in Fahrt, dass ich den sich drehenden Propeller des Motors mit meiner selbst konstruierten „Ritter- Rost- Krücke“ blockieren muss. Das Mitdrehen des Propellers schädigt nämlich den ausgeschalteten Motor. An der Wakeboard- Anlage kommt mir eine Gruppe von zehn SUP- Paddlern entgegen, die sich an der Boje vor der kleinen Insel versammeln.

Gut für mich, so kreuze ich von ihnen weg gegen den Wind zum Seetreff Müller hoch. Mit mehr als ausreichenden Abstand zum Ufer. Der Hilfsmotor ist ja außer Gefecht. Ich freue mich, als die Wenden problemlos klappen. Das Wasser sieht wegen der abziehenden Regenwolken und einzelnen Sonnenstrahlen im tiefen Bereich richtig grün aus. Gegen die Sonne wirkt der See wie mit einer zerknüllten silbernen Alufolie überzogen.

Vor der Durchfahrt zwischen Großer Insel und Steinberg nehme ich das Vorsegel weg, weil der Wind von hinten kommen sollte. Dreht dann auf Halben Wind. Naja. Den Motor mache ich betriebsbereit, d.h. Krücke weg und Ferngashebel an.

Mit Absicht segle ich an der Einfahrt zum Steg 4 vorbei. Nach einem Aufschießer unter Motor zum Segelbergen bin ich genau wieder an der Einfahrt.

Segeln und Anlegen gelungen. So kann ich beruhigt nächste Woche die Spaßregatta antreten!

Ohne Segel und ohne Motor in den Hafen gefahren

Gone Sailing! Die Arbeit wartet morgen früh garantiert. Lieber um halb vier Schicht im Schacht gemacht und eine Runde Segeln gewesen.

Vor der Hafenausfahrt rammte mich beinahe ein Tretboot mit acht blödelnden Teenies. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass die Shadow zwar rückwärts aus der Gasse fährt, aber vorwärts weiter. Zwei Mädchen entschuldigten sich bei mir. Sehr lieb von ihnen.

Heute wollte ich die Clubinsel und die Boje vor der Segelschule umrunden. Hinter der Insel drehte der Wind zu meinen Ungunsten. So kreuzte ich lange Bahnen hin und her bis eine Stunde verflogen war. Die Vorschot verhedderte sich erstens in der Klampe und zweitens hinter der Vorschiffsluke. Das einzige nennenswerte Ereignis auf dem Törn.

Bei schönsten Sommerwetter und Sonnenschein nahm die Shadow in einer Bö an Geschwindigkeit zu. Am Heck bildete sich eine richtige Welle und ein wunderhübscher Jollenkreuzer aus Mahagoni segelte parallel zu kerstinundshadow, bis er abdrehte.

Vor dem Hafen holte ich die Segel ein und kuppelte den Motor aus. Mit der restlichen Fahrt treibt die Shadow normalerweise die Gasse entlang und kommt vor der Box zum stehen. Jedoch schob eine weitere Bö mit zirka 3 Beaufort die Shadow recht flott in Richtung Ufer. Hilfe, keine Bremsen! Die Situation erfasste auch mein Clubkamerad Gregor (Name von mir geändert). Gregor half mir beim Anlegen und reichte die Vorleinen zu.

Auf das gelungene Anlege- Manöver gab’s einen Anlege- Schluck!

Mundschutz- Regatta

„Wer hat den schönsten maritimen Mundnasenschutz im Land?“ So das heimliche Motto der ersten Kaffee- Regatta des Jahres.

Rote Spinnaker (= Segel) oder blaue Anker auf weißen Grund, pures Persenningblau oder weiße Anker auf grauen Stoff zierten die Mundschutz- Masken. Weiteres beliebtes Thema: Mit flachen Gummizug stehen die Ohren lustig ab.

Die Regattaleitung, der Vorstand und die Küchenhelferinnen hatten den Ablauf der ersten Regatta zu Corona- Zeiten hervorragend organisiert:

Das Clubheim durfte nur mit Maske betreten werden, die Anwesenheit wurde vom Steuermann auf einem „Coronazettel“ dokumentiert und der Kugelschreiber danach desinfiziert.

Am späteren Kaffeebuffet durfte man nichts anfassen. Der Teller der Wahl (Erdbeerkuchen oder Käsekuchen) wurde zugereicht und ebenso die Kaffeetasse inklusive Milch oder Zucker. Über die westliche Terassentür betrat man das Seglerheim und über die nördliche verließ man es.

Doch bevor es den Kuchen gab, wurden heute zwei Wettfahrten ausgetragen: Ein Dreieckskurs wurde zweimal pro Wettfahrt abgesegelt. Also vier Runden über den Steinberger See.

Meine persönlichen Ziele für die heutige Spaß- Regatta lauteten:

  1. Über die Ziellinie kommen
  2.  Vorletzte oder besser werden

28 Boote mit rund 60 Teilnehmern drängelten sich vor der Startlinie. Ich hielt nach der blauen H26 Ausschau, weil sich auf diesem Boot die besten Segler des Vereins den idealen Startpunkt sicherten. Leider verlor ich sie ständig aus den Augen. Die Mehrzahl der Boote drängelte sich nahe des Ufers und ich folgte der Masse. Die Signale mit der Hupe für 5- 4- 1 Minute und die Flaggensignale bekam ich mit.

Zack, Startsignal und die Jollen rasten los. Ich blieb mit zwei weiteren, schweren Yachten an der Ziellinie zurück. Doch wie sagte die Seglerin B so lieb zu mir: „Ohne langsame Boote (=Shadow) gibt es kein Regattafeld. Für eine Regatta braucht man nicht nur die drei schnellsten Boote.“ Ich konnte den Kurs wie eine Viko 25 halten und bemühte mich, die zwei Jungs einzuholen. Bald war sie genau eine Wendemarke vor mir. Auch gut, so schaute ich mir die Segelstellung bei ihnen ab.

Die ersten zwei Runden hauchte der Wind über den See und die Shadow kam sehr schlecht in Fahrt. Kaum hatte ich als letztes Boot die Ziellinie überquert, begann der Countdown zur zweiten Wettfahrt. B: „Wir werden frenetisch jubeln, wenn Du im Ziel bist. Alle warten sehnsüchtig auf Dich.“ Nach 1:12 Stunden kam ich an, der Erste nach 48 Minuten berechneter Zeit.

Für die Runden 3 und 4 kam etwas Wind auf. Zirka zwei Beaufort. So konnten alle ähnlichen Boote ein relativ dichtes Feld halten und die Allerschnellsten überholten mich sogar. Ein spannender Wettbewerb. Diesmal blieb ich nicht alleine auf der Rennbahn zurück wie im August 2019: Kaffee-Regatta: Den Teil mit der Regatta lasse ich weg

Sondern einige Boote holten erst gerade ihre Segel ein, als ich die Ziellinie erreichte. Die Jugendlichen fuhren zum Spaß auf ihren drei Lasern (Jollen) über den See.

Zu meiner sehr großen Freude belegte ich sogar den Dritten Platz…………von hinten. Also Platz 26 von 28. Lustigerweise bekam ich für die erste, langsame Runde eine bessere Punktewertung als für die „schnelle“ zweite Runde. Das Grinsen war nicht von meinem Gesicht wegzubekommen.

Den ersten Platz belegte die blaue H26- so sicher, wie dass der FC Bayern Meister wird.

Auf Regen folgt Sonnenscheinsegeln

Mittags gießt ein kräftiger Regenschauer die Blumenbeete. Danach kommt die Sonne heraus und lockt mich an den Steinberger See.

Ich probiere heute die romantische Strecke durch die Oberpfalz aus. Von Regensburg kommend führt diese über bekannte Orte wie Pielenhofen- Kallmünz- Burglengenfeld und über mir völlig unbekannte Orte wie Pottenstetten- Bubach- Waltenhof nach Steinberg. Am Steg treffe ich Segelkameraden, die extra diesen Umweg gefahren sind, nur um die Fahrt in ihrem Cabrio zu genießen, im Club nach dem Rechten zu sehen und gar nicht zu segeln.

Die Flaute schreckt mich jedenfalls nicht vom Segeln ab. In den Minuten bis die Persenninge abgeschlagen und die Festmacher losgeworfen sind, kommt eine beherrschbare Brise von 1 Beaufort auf. Die Shadow zeigt ihre Leichtwindsegelqualitäten und fährt mit sanft gurgelnder Heckwelle zur Boje vor der Segelschule.

Inzwischen stellt sich die neue Normalität am Steinberger See ein. Die Wakeboardanlage ist wieder in Betrieb (jedoch mit geschlossenen Umkleiden), der Biergarten an der Segelschule sitzt voll (jedoch mit Abstand zwischen den Tischen) und die Besucher blicken von der Holzkugel herunter (jedoch ohne die Rutschen- Benutzung).

In großen Abstand fahre ich eine Wende um die Boje. Bojenleinen und Motorenpropeller sind nämlich Feinde! Den Raumen- Wind- Kurs auf dem Rückweg hält der Tiller Tamer, ein Seil mit Feststellschraube vom Bugkorb zur Pinne. „It’s like having an additional Crew member“, behauptet der Werbeslogan. „Kann alles außer Am- Wind- Kurs steuern“, finde ich.

Im Hafen unkt Hannes (Name von mir geändert) vom Nachbarsteg: „Na, Kerstin, warst Du Starkwindsegeln?“ Nö, Kaffee- Segeln, mein Lieblingssport. Den Seitenwind beim Anlegen überschätze ich ein bisschen und lege unabsichtlich auf der leeren Nachbarboxseite an. Trotzdem erwische ich mit dem Bootshaken meine Festmacherleine, die am Steg liegt. Mit der Leine kann ich die Shadow per Hand den Meter nach Steuerbord manövrieren.

Den perfekten Segel- Tag beende ich mit Schrubben der Fender. Weg mit den Braunalgen- her mit den strahlenden Weiß!

Blinder Passagier an Bord

Heute wird mit der Borduhr gemessen, ob es wirklich Stunden dauert, die Segel zu Saisonbeginn anzuschlagen.

Damit ich ein schnelles Erfolgserlebnis habe, kommt als Level 1 das Großsegel dran. Die Segellatten waren im Winter im Segel geblieben; das Einfädeln derer entfällt. Ab 9:05 Uhr fädle ich nach und nach alle Mastrutscher ein und ziehe das leichtgängige Fall von Hand hoch. Schon um 9:20 Uhr kann ich das Panzertape um den Mast wickeln, damit das Tuch dort bleibt, wo es soll. Erledigt!

Der Endgegner, die Genua (=Vorsegel), wartet schon. Ich drehe das aufgerollte Teil auf dem Vordeck auf links, befestige den Schäkel des Vortopps, und fädle die ersten 30 Zentimeter des Segels in das Vorstag ein. Das war der einfache Teil. Nun kurbele ich mit der Winschkurbel am Mast das Fall hoch. Einmal springt es aus der Umlenkrolle im Mastfuss und klemmt fest. Ein andermal ist das Vorsegel aus dem Vorstag geflüchtet und ich habe umsonst hochgezogen. Das Fall rauscht immer wieder mit einem nervenzehrenden Krachen durch die Winschtrommel durch.

Nach 40 Minuten Kampf habe ich ein Kilo rausgeschwitzt und gesiegt. Die Genua flappt träge im Wind hin und her. Yes!

Die Führungsöse der Reffleine wird, wie letztes Jahr von einem Clubkameraden vorgeschlagen, ein Stück die Relingsstütze nach oben versetzt. So rollt sich die Reffleine mittig auf der Vorstagtrommel auf. Funktioniert einwandfrei. Die Vorschoten noch korrekt verlegt.

Los geht die Probefahrt über den Steinberger See. Als sie Segel stehen, geht der Blick nach oben. Dort sitzt ganz frech ein Blinder Passagier: Eine Rauchschwalbe hat es sich auf den frisch abgesägten Salingen bequem gemacht. Ihre Federn wirbeln lustig im Fahrtwind auf. Sie fährt bis zur Seemitte auf der Shadow mit.

Der Wind dreht an der Großen Insel zu meinen Gunsten. So fahre ich mit lediglich einer Wende den kompletten See bis zum Surfclub ab. Auf dem Rückweg übe ich die Patenthalse. Ich schwöre, der Wind hat gedreht! Ich bin doch nicht zu doof zum steuern, oder?

Beim Anlegen reicht mir ein Segelkamerad aus Lübeck, der gerade an seiner Waarschip bastelt, die Vorleinen zu und hält den Bug vom Steg ab. Ich texte ihn ein paar Minuten mit meinen Törnerlebnissen an der Ostsee zu, er erzählt mir von seinem Törn in Schottland. Danach gibt es als verspätetes Mittagessen einen Apfel und ein Eis aus dem Clubheim.

Der Nachmittag verfliegt bei der Lektüre von Soul Seeker (Band 2), eine Mystery- Serie über eine Schamanin.

Schöner kann ein Urlaubstag nicht sein (=Segeln, Lesen und Eis)!

 

Läuft wie geschmiert

Die bezahlte Arbeit dauert ungeplant länger. Bei meiner Ankunft am Steinberger See türmen sich hohe Wolken über dem Ufer. Ich beratschlage mich mit Gregor (Name von mir geändert), ob man noch raus fahren soll. Der Clubkamerad warnt mich vor schnell aufziehenden Gewittern und war heute lediglich Schwimmen statt Segeln.

Ich beobachte das Wetter und erledige derweilen die geplante, unbezahlte Arbeit am Boot. Der Reissverschluß der Persenning wird beidseitig mit Teflonspray eingesprüht. Wenn bei mir an Bord schon das Segeln nicht wie geschmiert läuft, so tut es wenigstens der Reissverschluß!

Nun sieht der Himmel heller aus. Ich traue dem Braten nicht. Zwischen Steg 4, 3 und der Clubinsel drehe ich mit dem Vorsegel eine Runde. Dann komme ich in Minutenschnelle in den Hafen zurück, falls nötig. Ich möchte wenigstens eine kurze Runde zur Entspannung über das Wasser treiben. Die neuen Verklicker drehen sich lustig in entgegen gesetzter Richtung. Wie Kreisel. Die Windrichtung kann ich jedenfalls nicht ermitteln. Die Ruhe vor dem Sturm? Über dem Nachbarort spannt sich ein Regenbogen. Schnell in den Hafen bevor das Segel oder ich nass werden!

Da verbringe ich meine Freizeit lieber trocken im Clubheim unter der Überdachung. Mir unbekannte Segler geben mir umgehend ein Stück selbstgebackenen Zwetschgenkuchen und einen Pott Milchkaffee aus. Köstlich. Ihr Hund trägt eine Rettungsweste mit Haiflosse. Sofort finden wir eine Gemeinsamkeit: Unsere Boote stammen beide aus Frankreich und wir lieben deren Eleganz.

Mit B&B quatsche ich mich dann dermaßen fest, dass schon die Supermärkte bald schließen. Mein Zwischenstopp beim Discounter in Regenstauf war ein guter Einfall. Die A3 ist gesperrt und ich stehe eine Stunde auf der Bundesstraße im Stau.