Anker auf, ab, auf und auf

Die komplette Saison hatte ich mich davor gedrückt, Ankern zu üben. Heute hatte ich vor nach Absberg zu segeln und vor dem Heimathafen zu ankern und Nudeln zu kochen. Ein bisschen Fahrtensegler- Gefühl auf dem Brombachsee. Doch wie heißt es so treffend: Who plans to sail, plans to fail. (Wer Segeln plant, plant sein Versagen.)

Entgegen den vorgesagten 3 Bft. hauchte der Wind leise mit 0- 1 Bft. über den See. Dagegen hätte ich niemals aufkreuzen können, da die Shadow mehr abdriftet als Höhe gewinnt.

Plan geändert- statt zu versagen: Ich krieche hinüber nach Enderndorf und zurück nach Ramsberg, was zwei Stunden dauert. Somit betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 2 Stundenkilometer. Selbst die Kats stehen in der Beinahe- Flaute.

Vor dem ausgewählten Ankerplatz beim Phönix- Denkmal hole ich den Anker, Ankerkette und Ankerleine an Deck und befestige die Leine an der Klampe. Anker auf- sozusagen- nur auf das Deck. Fix die in der Bö- wo kommt die jetzt unpassend her !-  flatternden Segel geborgen und versucht auf zu stoppen. Doch ohne Segel beginnt die Shadow mit dem Wind in Richtung Flachwasserzone/ Naturschutzgebiet zu treiben. Shit. Hastig lasse ich den Anker und die Kette über die Rolle herunter. „Lasst fallen Anker“ soll man nicht. Sonst ist ein Kettenhaufen auf dem Anker. Weiß ich doch!

Ich fahre mit leichter Rückwärtsfahrt den Anker in den Grund ein. So ein weiterer Plan. Sofort fixiere ich mit den Augen eine Pappel am Ufer, deren Blätter sich silbrig im Wind wiegen und die raschelt. Die Ankerleine spannt sich. Ich bin ebenso gespannt- ob der Anker hält. Jedenfalls habe ich dazu gelernt, dass ich die Shadow bei 2- 3 Bft. besser 20 oder mehr Meter im Wind auf stoppe. Sie treibt eine erhebliche Strecke bis ich den Anker herabgelassen habe.

Nach der schweißtreibenden Arbeit steht Erfrischung auf dem Programm. Haha. Mit der Bürste bewaffnet tauche ich erst die Zehen und dann die ganze Kerstin in den See. Statt Schwimmspaß wird der Entengrütze auf der Badeplattform der Kampf angesagt. Klettere zurück auf die Badeplattform, damit ich mir den Schmodder nicht selbst in das Gesicht schaufle.

Zurück im Cockpit habe ich den (richtigen) Eindruck, dass der Anker nicht gut hält. Da koche ich lieber im Hafen an Bord, bevor die Shadow sich in das mit orange farbigen Bojen markierte Flachwasser davon macht, während ich koche.

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Anker auf. Das wäre schön. Doch Seegras über Seegrasbüschel hängen in der Ankerkette. Da muss der Bootshaken her, um das Zeug abzustreifen. Den Anker stopfe ich mitsamt Seegras in seinen Kasten. Hilfe! Die Shadow driftet über die Grenze zum Naturschutzgebiet. Merke: In Lee von Flachwasser ankern und nicht in Luv. Immerhin schaffe ich über die Ankerrolle am Bug, den Anker zu bergen ohne Shadows Gelcoat zu zerkratzen.

Im Seegras- Chaos wickelt sich allerdings ein Teil der einen Kilometer 😉 langen Ankerleine um den Bugkorb und der Ankerkasten lässt sich nicht schließen. Ein Stegnachbar gibt mir einen nützlichen Tipp zum Ankereinholen: Die Leine über die Winschtrommel am Mast mit der Winschkurbel hochkurbeln und das Kreuz schonen.

Nach köstlichen Spaghetti mit Tomaten-Cashew-Pesto fühle ich mich gestärkt für ein drittes „Anker auf“ des Tages- diesmal im Hafen. Und zwar aus dem Ankerkasten auf das Deck. Mit spitzen Fingern zupfe ich das restliche Seegras ab und wasche das Vordeck sauber.

Den restlichen Tag lummele ich im Cockpit und lese Teil 2 des Thrillers „Das Tal“. Ein Urlaubstag nach meinem Geschmack: Spannung (Ankern) und Entspannung (Lesenachmittag im sicheren Hafen).

Das Gewitter verpenne ich nachts in der Koje. Vor lauter Anker- Muskelkater kann ich nicht mehr den Kopf im Bett hochheben. Muss mit den Händen nachhelfen. Ich schlafe schwer und fest wie ein Anker in seinem Kasten!