Rund Rügen

Es war einmal vor langer, langer Zeit… Da nahm ich einem SKS Übungstörn „Rund Rügen“ teil und meine Eltern verbrachten derweilen in der Pension der Segelschule eine Woche Urlaub. Der Reisebericht fiel mir in die Hände und ich habe beschlossen, ihn auf dem Blog zu veröffentlichen. Und das war so:

Ende April verbrachte ich eine Woche mit einem Segeltörn auf der Ostsee. Wir sieben Segelschüler und ein Segellehrer umrundeten mit einer riesigen Segeljacht, Typ Bavaria 46 (Fuß), die Insel Rügen. Von starken Wind bis Flaute war jedes Wetter dabei. Wir übernachteten und kochten auch auf der Jacht.

Unsere erste Übung war Mann-über-Bord-Manöver unter Motor. Helmut musste als Größter immer den Rettungsring aus den Fluten fischen. Claire, eine englische SKS- Aspirantin, rief vor lauter Aufregung: „Lebensmittel auswerfen!“ statt richtig „Rettungsmittel ausbringen!“

Am ersten Tag fuhren wir an der Insel Hiddensee vorbei. So eine Jacht krängt ganz schön, d.h. sie liegt schräg im Wasser, was mir als Jollensegler etwas Sorgen bereitete. Da die „Mona Lisa“ aber keinerlei Anstalten machte zu kentern, beruhigten sich meine Nerven nach und nach. Spannender als jeder Krimi gestaltete sich die Einfahrt in den Hafen Barhöft. Vier Meter Wassertiefe laut Seekarte stimmten nicht mit unserem Echolot überein, der 2,2- 1,9- 1,7- 1,6 Meter anzeigte (+0,4 Meter, weil das Ding 40 cm unter der Wasserlinie sitzt). Da geriet unser Skipper ins Schwitzen, denn mit 1,85 Meter Tiefgang hätte die Mona Lisa leicht auflaufen können. Abends kaufte Lothar von einem Fischer fangfrischen Dorsch und kochte für uns. Die Fischer fangen momentan Hering und Dorsch. Das schmeckte ausgezeichnet und wir verputzten zu acht drei Kilo Fisch.

Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, um die Klappbrücke in Stralsund um 10 Uhr zu erwischen. Stefanie und ich bereiteten während der Durchfahrt unter Deck das Frühstück zu und sahen nichts als die Außenhaut eines Mega- Containerschiffes vorbeiziehen. Beeindruckend!

Seehof ist der landschaftlich am schönsten gelegene Hafen Rügens. Die sanitären Anlagen ließen zu wünschen übrig. In der Ferne liegt das Schloss Granitz, in der Nähe der Gasthof „Drei Linden“. Dort veschlangen wir Soljanka (=russische Wurstsuppe) und ich probierte Sanddornsaft (sehr lecker, leicht bitter) und Sanddornlikör (nicht so toll).

Die Kreidefelsenküste passierten wir im strömenden Regen. Das störte mich überhaupt nicht, denn ENDLICH durfte ich das Schiff steuern und hatte nur Augen für den Kompass. Dieser sollte 250 Grad anzeigen, schlug allerdings durch den Seegang ständig nach links und rechts aus, was mich, den Rudergänger, verunsicherte. Trotzdem erreichten wir ohne größere Umwege das Dorf Glowe und ich übergab an der Hafeneinfahrt das Steuer an Skipper Lothar, der generell das Anlegen übernahm. Nach zehn Stunden im Regen tranken wir das erste Mal den sogenannten „Anleger“, Tee mit Rum, im Salon anstatt im Cockpit die Sonne zu genießen.

Die Standheizung lief die ganze Nacht und trocknete unsere Klamotten. Die Großschot (=Seil zum Hauptsegel) wurde als Wäscheleine kreuz und quer durch den Salon gespannt. Gut, dass das nicht der Skipper nicht sah, der immer zu Hause übernachtete.

Am Kap Arkona durfte ich ein weiteres Mal an das Steuerrad. Wir umfuhren es in einem großen Bogen und kreuzten (=fuhren schräg gegen den Wind an) bis der Wind einschlief. Unterwegs gelang es Dieter sogar, Suppe und Königsberger Klopse im Topf aufzuwärmen und kaum etwas davon auf den Boden zu schütten, was bei Seegang gar nicht so einfach ist. Die fröhliche Essensrunde unter Deck unterbrach ich dann mit der Aussage: „Drei Meter Wassertiefe.“ Skipper Lothar: „Nein, das ist die Geschwindigkeit.“ Ich: „Kannst Du mal bitte kurz nachschauen.“ Lothar: „Sofort eine Wende fahren.“ Also, Schiff gewendet und weiter ging es. Diese verfluchten Sandbänke von Rügen eben.

Am letzten Tag war für vier Mitsegler SKS- Prüfungstag. Stefanie und ich trugen als Vorschoter zum Gelingen der SKS- Praxisprüfung bei. Alle vier bestanden. Bei zehn Schoten (Seilen) und Fallen (Seilen) kann man schon mal den Durchblick verlieren! Der Prüfer drückte alle Augen zu.

Eine erlebnisreiche Reise mit sympathischen Leuten.

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Auge in Auge mit der Karettschildkröte

IMG_0009Am zweiten Urlaubstag in der Hansestadt Stralsund waren mein Sohn und ich zu zweit auf den Spuren der Meeres- Bewohner unterwegs. Jens fachsimpelte derweilen mit den Leuten des Kulturhistorischen Museums.

Thorger und ich statteten dem Deutschen Meeresmuseum einen Besuch ab. Das Museum erstreckt sich über drei Etagen. Die Ausstellungen sind in einem ehemaligen Kloster untergebracht. Sogar die originale Deckenbemalung ist noch in kleinen Teilen zu sehen. Von der Marina Stralsund würde der Fußweg 20 Minuten dauern, vom Hotel brauchten wir nur 10 Minuten.

Hinter den dicken Backsteinmauern empfing uns im Kirchenschiff eine angenehme Kühle.

Das Erdgeschoss joggten wir ab und blieben nur am Riff mit Schildkrötenmodell stehen. Meereskunde – entlockte dem Kleinen nur ein gelangweiltes Gähnen.

Ein 2.000 Jahre alter Einbaum, konserviert von einem Moor, markiert den Beginn der Fischerei. Sehr umfangreich werden die verschiedenen Fischereitechniken und Netze dokumentiert. Liebevoll sind Kuttermodelle und ihre Fangmethoden im Detail dargestellt. Thorger gefiel allerdings am besten die Märklin- Eisenbahn, die als Größenvergleich gezeigt wird: Schleppnetze waren so lang wie ein Güterzug. Mir war neu, dass die DDR damals eine so große Fischereiflotte besaß.

In der dritten Etage trafen wir sämtliche Tiere, die Thorger aus der Kinderserie „Die Oktonauten“ kennt. Alles in ausgestopfter Form. Gleich am Eingang eine zwei Meter große Lederschildkröte, „Marlene“. Sie hatte sich in die Ostsee verirrt und war in ein Fischernetz geraten. Als Tropenbewohnerin ist sie leider in der Ostsee „erfroren“. Die Riesenseekrabbe aus Japan könnte ohne Verkleidung das Monster im nächsten Alien- Film spielen. Thorger fasste erst sicherheitshalber an die Scheibe, bevor er ihr für ein Foto den Rücken zudrehte. Die Szene, wie Schildkröten Eier ablegen und die Schildkrötenbabies schlüpfen, ist realistisch nachgebaut. Der Sohnemann warnte die Schildkrötenbabies laut und deutlich vor ihren Fressfeinden: „Vorsicht, die Möwen!“

Mit den Tieren der Tiefsee und dem Kinderbereich konnte Thorger nichts anfangen.

So stiegen wir hinab in den Keller. Hier gab es die beliebten Korallenriff- Bewohner in mehreren Tropenaquarien zu sehen. Und die Fische des Mittelmeeres. Die kleinen Leopardenhaie zogen ihre Bahnen. Dahinter sah man schon das Becken mit den lebenden Meeresschildköten. Eine Stunde lang verbrachten wir vor der riesigen Aquarienscheibe und schauten ihnen beim Schlafen und Schwimmen zu. Zwischendurch kletterten wir über eine Aluleiter in eine Kuppel im Aquarienboden und sahen die faszinierenden Tiere ganz verkleinert. Thorger wartete geduldig auf den Taucher (zur Fütterung) und suchte diesen sogar auf der Toilette, als niemand kam. Die Fütterungen finden immer montags, mittwochs und freitags statt.

Schließlich stiegen wir die Stufen zum Museumsladen hoch. Von dort schaut man auf die Wasseroberfläche und den obersten Meter des Meeresschildkrötenbeckens. Auge in Auge mit der Karettschildkröte. Für Thorger wahrscheinlich das schönste Erlebnis des ganzen Urlaubs.

Und immerhin eine Schildi (in Lebensgröße) aus Plüsch, wenn schon keine lebende, adoptierten wir und nahmen sie mit nach Hause.

Unser Besuch im Ozeaneum

Bei unserem Stadturlaub in der Hansestadt Stralsund waren mein Mann, mein Sohn und ich auf den Spuren der Meeres- Bewohner unterwegs.

Sofort am Ortsschild von Stralsund erspähte Thorger ein Werbeplakat des Ozeaneums: Die Hai-Dame Niki in voller Pracht. Er legte unser weiteres Tagesprogramm fest: „Hai anschauen. Hai anschauen. Hai anschauen.“ Die geplante Besichtigung der Gorch Fock konnte ich mir somit abschminken.

Das Hotel hatte einen Gutschein für die Eintrittskarten bereit gelegt. Leider bringt das überhaupt keinen Vorteil in der Wartezeit. Lediglich mit Online- Tickets kann man direkt zum Eingang vorgehen. Tipp: Tickets online buchen.

Das Ozeaneum wird von den Stralsundern liebevoll „Die Klorolle“ genannt. Mit diesem Kosenamen im Kopf kann man das Gebäude nicht verfehlen. Eigentlich soll die Fassade im Wind geblähte Segel darstellen. Es liegt unmittelbar am Hafen und direkt neben der Marina. Für Segler in fünf Minuten zu erreichen. Wir drei liefen vom Hotel in Bahnhofsnähe eine lange halbe Stunde durch die Altstadt.

Thorger begeisterte sich total für ein Tiefenmodell der Ostsee. Man kann Knöpfe drücken, um geografische Abschnitte anzuzeigen, auf denen ein Licht aufleuchtet. Und prima im Kattegat auf dem Meeresgrund fummeln.

Die Ausstellung über die Erforschung der Meere liefen wir im Rekordtempo ab, weil Thorger gleich erkannte, dass dort weder lebende Tiere noch der Hai zu sehen sind.

Ich hatte als nächstes viele bunte Korallenriff- Bewohner erwartet. Ähnlich wie bei „Sea-Life“. Denkste. Die Aquarien haben erfrischendes Lokalkolorit. Die unscheinbaren Fische der Ostsee und Nordsee schwimmen dort ihre Runden. Realistische Deko wie versunkene Fahrräder, Holzschiffe (Schiffe sinken, keiner weiß warum) und Zivilisationsmüll. Quallen werden in einer Art Waschtrommel im Kreis geschleudert.

Jetzt weiß ich endlich wie lecker Heilbutt, Hering und Dorsch aussehen bevor sie aus der Bratpfanne kommen. Beinahe hypnotisch wirkt das Becken mit 1.000 Heringen, die in einer unglaublich eleganten Choreografie schwimmen. Hier hätte ich länger verweilt. Jedoch, Thorger war auf der Suche nach dem Hai, und wollte weiter.

Erstmal fanden wir die goldigen Humboldt- Pinguine. Sie haben ihren Platz auf dem Dach des Museum an der frischen Luft. Die Fütterung hatten wir verpasst. So gähnten die vollgefressenen Pinguine vor sich hin und schliefen mit aufgeplusterten Backen. Super Fotomotive.

Positiv aufgefallen sind mit die unzähligen Türen der Aufzüge. Das Ozeaneum nennt sich nicht nur behindertengerecht, es ist es wirklich.

Endlich erreichten wir das Haifischbecken. Und ich fragte mich ängstlich, ob denn an deutschen Küsten diese 3 Meter riesige Haiart vorkommt. Nein, Sandtigerhaie kommen dafür auf den Kanaren und an der Mittelmeerküste vor. Mein nächstes Törnziel. Na toll. Im nachhinein las ich außerdem, dass das Aquarienthema der Haie „Offener Atlantik“ und nicht mehr „Nordsee“ lautet.

Aus einer Liebesschnulze kannte ich den einzigartigen Saal mit Walen aus Pappmache und Walgesängen. Die Tiere könnte frau auf einer Art Gartenliege in der Form einer blauen Welle genießen. Thorger jagten die tiefen Frequenzen eine Heidenangst ein. Mit zugehaltenen Ohren und auf den Fußboden gerichteten Blick flüchtete er den Rundweg weiter entlang in den Museumsladen.

Dort suchte er sich ein sehr schönes Buch über die Ozeane aus.

Fazit: Das Ozeaneum hat für jede Altersklasse etwas Interessantes zu bieten. Ein Besuch lohnt sich.

Hafenfest

„Wo essen wir drei heute Abend?“ Diese Frage stellten wir uns jeden Abend auf Rügen.

Am ersten Urlaubstag probierten wir das Restaurant im Viersterne- Hotel. Na, die Sterne hat das Hotel auf jeden Fall für die komfortablen Zimmer und hübschen Außenanlagen erhalten und nicht für die Küche. Die Bedienungen konnten sich nicht merken, wer welches Getränk bestellt hatte und servierten von rechts und links und quer über den Tisch. Und nein, mein siebenjähriger Sohn darf keinen Wodkacocktail trinken und ich das „stille“ Wasser (mit Kohlensäure). Das Gemüse war total verkocht. Das erklärt vermutlich, warum wir eine dreiviertel Stunde warten mussten. Wahrscheinlich die spezifische Garzeit des echt Rüganer Blumenkohls.

Den zweiten Tag probierten wir die hausgemachte Pizza in dem Tortencafe hinter dem Hotel. Frisch zubereitet und echt knusprig. Für meinen Geschmack zu viel Käse und zu wenig Tomatensoße. Gesamturteil: „Gut und günstig“ mit 7 Euro pro Pizza.

Gestern schlug ich vor, die Pizzeria im Nachbarort auszuprobieren. „Lieber Fischbrötchen. Thorger hat sich mit Butterkeksen satt gegessen“, meinte Jens. „Fahren wir nach Wiek. Da gibt es einen Hafen und bestimmt Fischbrötchen.“ , war der Konsens.

Der Hafen Wiek erwies sich in mehrfacher Hinsicht als wahrer Glücksgriff. Erstens fanden wir direkt am Hafen einen freien Parkplatz. Zweitens wurde gerade heute das Hafenfest mit Livemusik veranstaltet und gutgelaunte spanische Rythmen schallten über den Hafen. Drittens schmeckten die Fischburger bei „Flotter Fisch“ ausgezeichnet. Mit lustigen Sprüchen auf den Lippen wurden diese schnell serviert. Wir entschieden uns für „Auf die Hand“.

Umringt von hungrigen Spatzen saßen wir auf der Bank, futterten (die Frikadellen) und fütterten (die Vögel). Dabei konnten wir Schiffe gucken. Thorger hatte es ein Zweimaster aus Holz mit großen Deckshaus angetan. Erinnerte ihn an eine BBC- Doku.

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Hafen Wiek auf Rügen

Der Verdauungsspaziergang führte die kleine Hafenpromenade entlang zielstrebig in einen Nippesladen. Das Schönste für Kinder. Wir nahmen den obligatorischen Kühlschrankmagneten und eine Kleinigkeit für meine Urlaubsvertretung in der Firma mit.

Quer durch die moderne Marina spannt sich eine alte Betonbrücke. Seltsam. Schick gestylt befindet sich das Hafenbüro zwischen zwei Pfeilern. Heute dient die Brücke als Promenade. Ursprünglich wurde über die Brücke die Rohkreide auf Schiffe verladen und von der Insel abtransportiert.

 

Hier kommen wir wieder her, ein gemütlicher Touristenort.

 

 

 

 

 

 

Die kürzeste Kreuzfahrt der Welt

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Auf der Fähre nach Wittow/ Rügen

 

Wir drei machten im Urlaub die kürzeste Kreuzfahrt der Welt. Und das unfreiwillig. Die B96 war wegen Bauarbeiten überlastet und Schilder empfahlen uns über Wittow zu fahren.

Daran hielten wir uns. So fuhren wir durch schöne alte Alleen von Dorf zu Dorf und erreichten die Wittower Fähre statt auf dem Landweg das Hotel zu erreichen. Wie beim McDoof ging es durch einen Drive-In, in dem wir 6,50 EUR für Auto und drei Leute zahlten.

Und schon war die Fähre aus dem „Nichts“ am Ufer und zehn Autos verteilten sich auf drei Fahrbahnen. „Können wir aussteigen oder sollen wir im Auto sitzen bleiben?“ fragte ich den Kassierer. „Sie können aussteigen, aber das lohnt sich nicht.“ antwortete er.

Ja, jetzt verstand ich, was seine Aussage bedeutete. Kaum hatte ich den Kofferraum geöffnet und die Kamera für ein Erinnerungsfoto heraus geholt, schon erreichten wir den Zielhafen mit dem treffenden Ortsnamen „Wittower Fähre“.

Die kürzeste Kreuzfahrt der Welt.