Angeln auf Hoher See

Nach den fantastischen Fängen auf dem Atlantiktörn, habe ich mit einem Kollegen gesprochen, was zu beachten gilt. Er ist erfahrener Angler.

Hier seine Ratschläge:

  • Den Fisch mit mehreren Schlägen auf dem Kopf betäuben.
  • Wenn der Fisch betäubt ist, reagieren seine Augen nicht mehr und wirken trüb.
  • Mit einem sehr scharfen Messer die Kiemen durchstoßen.
  • Auf keinen Fall mit Schnaps oder so ersticken. Das ist eine Qual für das Tier.
  • Beim Ausnehmen schnittsichere Handschuhe tragen. Fischblut verursacht schlimmste Wundentzündungen am Menschen.
  • Fisch wegen Würmern immer gut durchbraten. Also Sushi nur aus tiefgekühlten Fisch rollen.

Guten Appetit!

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Lessons learned- Lehrstunden auf der Habib Sanna von Barfuss- Segelreisen

Natürlich war ich auf einigen Segeljachten auf Törn, die eine ähnliche Größe wie die Habib Sanna haben. Doch die Habib Sanna unterscheidet sich erfreulich von diesen seelenlosen Charterbooten, da die Eigner Karin und Jörg auf dem Boot ihr Leben verbringen. Entsprechend umfangreich ist die Ausrüstung und selbst Kleinigkeiten wie ein Akkustaubsauger sind an Bord .

Zu vielen Themen habe ich während des Atlantiktörns von Mora dazu gelernt. Inwiefern sich das auf die Shadow übertragen ließe, habe ich ebenso überlegt.

1a.  Gute Ausrüstung

Statt auf Kapokkissen saßen wir draußen im Cockpit auf zwei nagelneuen, günstigen Isomatten. Der Riesenvorteil ist, dass die Dinger schnell trocknen. Der Nachteil war unsere ständige Sorge, dass sie über Bord geweht werden. So erfanden Antje und ich zur Ablösung am Steuerrad sogar das Isomatten- Manöver: Die alte, abzulösende Steuerfrau pickt ihre Lifeline aus und stellt sich ganz nah an das Steuer. Parallel dazu setzt sich die neue Steuerfrau schon hinter sie auf die angewärmte Isomatte. Danach tritt die alte Steuerfrau zur Seite und hält immer noch das Steuerrad fest. Nun hat die neue Steuerfrau freie Bahn, pickt sich in Ruhe ein und übernimmt das Steuer. Bis wir das raus hatten, hat ein paar Verhedderungen der Lifelines gekostet oder eine hat aus Versehen das Ruder losgelassen. Für das Frühstück auf dem vom Morgentau nassen Deck der Shadow könnte ich mir vorstellen, ein Isositzkissen zu kaufen, wie es zum Beispiel im Gartenbereich als Kniekissen verwendet wird.

Das meiste Süßwasser auf einem Törn wird zum Händewaschen verwendet. Die Toiletten und das Abspülwasser funktionierten mit Salzwasser- und dieses ist gefühlt unendlich vorhanden. Als Alternative hatte ich in der Vergangenheit auf der Shadow (ganz ohne Wasservorräte) Babyeinwegwaschlappen, die ein öliges Gefühl auf der Haut hinterlassen. Mora hatte- inklusive Konsultation einer Ärztin- einen besseren Einfall: Im Waschbecken jeder Toilette lag eine Flasche Händedesinfektionsmittel parat. So wurden die Hände nicht nur sauber sondern rein- oder wie lautet die Werbung ?

Auf der Shadow liegen im Ankerkasten ein Paar einfache Gartenhandschuhe, die ich beim Ankermanöver trage. Für unsere „Meuchlerin“, die die Fische tötete und ausnahm, hing alsbald ein Paar gummierte Handschuhe auf der Reling. Übrigens lassen sich die Blutflecken mit Essig vom Teakdeck reinigen. Werde im Brombachsee keine Angelversuche starten. Obwohl ich bestimmt Angelglück hätte.

Für die leidenschaftlichen Biertrinker hatte Mora mehrere Palletten alkoholfreies San Miguel 0% Dosenbier „bestellt“, d.h. wir schleppten es aus dem Supermarkt an Bord. Angeblich schmeckt es fast genauso gut wie echtes Bier, wenn man es als Radler mischt. Wer mochte, durfte zum Mittagssnack so ein gekühltes „Bier“ geniessen. Für den kleinen Energieschub auf Nachtwache oder tagsüber tranken wir Unmengen Cola aus Dosen. Die 0,3 Liter- Menge ist genau richtig zum Leertrinken. Mora wollte explizit umweltfeindliche Dosen und keine Flaschen, in denen das Getränk absteht und schal schmeckt. Die leeren Dosen wurden ausgespült und flach gedrückt. Das mit dem Cola merke ich mir für nächste Küstentörns.

Zum Festmachen der Lifeline hatten wir Augen an jedem Steuerstand auf dem Boden oder unter dem Cockpittisch zur Auswahl. Viel besser als die Wanten zu verwenden. Denn bei Seegang soll man im Cockpit gehalten werden. Und an den Wanten geht es leicht über Bord. Könnte man bei der Shadow sicherlich nachrüsten lassen, falls an die Küste geht.

Meine Werft kann sofort im Winterlager eine simple Sicherung nachbauen, dank der die Backskiste nicht wie ein Fallbeil auf die Finger fällt. Mit einem Beschlag im Inneren der Backskiste, einem Bändsel und einem Haken konnte man die aufgeklappten Backskisten von Habib an der Reling sichern. Clever durchdacht! Kleine Änderung und große Wirkung.

Von der Leistung des Windgenerators „Silent Wind“ war ich schwer beeindruckt. Selbst bei leichten Winden schaffte er es, ausreichend Strom für den Kühlschrank zu generieren. Jetzt habe ich auf der Shadow zwar keinen Kühlschrank und täglich Landstrom. Für eine Langfahrt wären aber Laptop, Tablet und Kartenplotter mit Strom zu versorgen. Und ein Elektromotor produziert nun einmal keinen Strom. Solarpaneele halte ich in nördlichen Gefilden für ungeeignet.

1b. Fehlende Ausrüstung und Fehlkonstruktionen

Dagegen war ich vom AIS enttäuscht. Wegen mangelnder Reichweite erschienen Containerschiffe erst auf dem Gerät, wenn wir sie vorher mit dem bloßen Auge schon längst gesehen haben. Im Nebel mag es hilfreich sein. Wäre ich einhand auf der Shadow in Küstengewässern unterwegs, hätte ich sowieso keine Zeit so ein Teil im Auge zu behalten.

Um das Bimini (Sonnendach) der Habib ein- oder auszuklappen, musste erst der Großbaum gelöst werden und über die Reling gedrückt werden. Zusätzlich mussten wir aufpassen, die Bändsel auf keinen Fall in den Windgenerator wehen zu lassen und diesen zu schrotten. Eine totale Fehlkonstruktion, das Bimini der Habib. Auf der Shadow werde ich in Nordeuropa dieses Luxusproblem wohl nie bekommen. Muss eher an der Erfindung eines sturmsicheren Riesenregenschirms arbeiten. Grins.

Die Rettungsinsel unten in der Backskiste unter den gefüllten Benzinkanistern aufzubewahren, ist in meinen Augen umständlich und sogar gefährlich. Sehr schlecht im Notfall zugänglich. Die Konstrukteure der Shadow haben mit dem offenen Fach im Heck über der Badeplattform den idealen Aufbewahrungsort designt. Besser geht es nicht, findet sogar die „Segeln“ (Zeitschrift). Momentan besitze ich die Original- Rettungsinsel von Playmobil. Sie schwimmt sogar im Wasser. Damit kann ich im Notfall spielen, bis die Wasserwacht kommt.

Eine längere Passage über den Atlantik würde ich zukünftig nur mit einer Segeljacht fahren, die eine Windfahnen- Selbststeuerung am Heck führt. Auf der Habib fand ich das ständige Steuern anstrengend und ermüdend. Auf kürzeren Strecken mit der Sanira lief immer der elektrische Autopilot, sobald der Motor lief und der Seegang es erlaubte. Das Steuern von Hand wäre für mich als Einhandseglerin auf der Shadow auf tagelangen Passagen sowieso unmöglich. Kann ja anfangen, auf die „Windpilot Pacific Light“ für die Shadow zu sparen.

2. Materialschonend segeln

Manch‘ ein Jachthändler wirbt angeblich mit dem Argument, dass das Schiff eine weibliche Vorbesitzerin hatte und somit besonders geschont wurde. Stimmt so.

Die meiste Strecke meisterte die Habib Sanna nur unter Genua (großes Vorsegel). Das Großsegel hätte im Raumen Wind unnötig hin und her geschlagen, ohne signifikanten Vortrieb zu bringen. Mora ermahnte die Männer, nicht den letzten Grad aus dem Kurs zu quetschen. Lieber nach dem Wind und nicht dem Kompass zu fahren, sodass die Genua nicht einfällt und dann schlägt sondern stabil steht.

Damit der Baum nicht zu geigen beginnt, wurde er auf der Mittelklampe mit einer ausrangierten Schot sehr stramm festgezurrt. Die Schot und die durchgesetzte Großschot hielten den Baum an Ort und Stelle. Eine gute Idee sogar für einen Hafen mit Schwell, wenn mir das Geschepper auf den Geist geht.

Vor Dunkelheit wurde gerefft, damit nicht nachts in Panik Schäden am Schiff verursacht werden. Extrem materialschonend und nervenschonend für die Skipperin.

Selbst auf dem Schlag von Los Lobos nach Lanzarote achtete Mora penibel darauf, dass die Genau nicht an der Want scheuert. Ich spottete in Richtung Vorschoter: „Pass auf die Heilige Naht auf, wenn Du fierst.“ Nehme mir trotz Sarkasmus vor, künftig besser auf Shadows Segel aufzupassen.

3. Törnplanung

Dank des Atlantiktörns habe ich die Anzahl meiner Nachtfahrten von drei auf neun verdreifacht. Bisher fuhr ich nachts vom Kvarner bis zum Ziel Rovinji (Kroatien), von Sardinien nach Sizilien und von Marstal (Dänemark) in Saniras Heimathafen Flensburg. Meine Kenntnisse über die Planung eines Schlags über mehrere Tage kann man eher  theoretisch als praktisch bezeichnen.

Mora hat die Wettervorhersage bei www.passageweather.com nachgelesen. Letztendlich folgte sie den Vorschlägen des Eigners Jörg, der 15 Jahre Erfahrung als Skipper aufweisen kann. Genauso ging ich in Dänemark vor. Ich schaute bei www.windfinder.com nach der Vorhersage und beriet mich anschließend mit mehreren Stegnachbarn. Lehre: Höre auf Deinen persönlichen Wetterguru!

Kein Mensch weiß bei einer Strecke von 500 Seemeilen, wie viele Stunden die Fahrt dauern wird. Mora ließ uns vor der Abfahrt ausführlich und ohne Zeitdruck frühstücken. Susan briet für die Crew Eier und Speck. Die Hafenduschen und Hafentoiletten wurden ein letztes Mal ausgiebig genutzt. Wir fuhren zwar eine Stunde später los als anvisiert. Waren aber nach fünf Tagen zu schnell in der Ansteuerung von La Graciosa und mussten die Geschwindigkeit drosseln. Lehre: Ein gemütlicher Aufbruch ist besser als unnötige Hektik!

Apropos Geschwindigkeit: Ab 12 Knoten wahrem Wind wurde die Genua gesetzt. Darunter ließ die Skipperin den Motor stundenweise bei 1.500 bis 1.700 Umdrehungen mitlaufen. Ziel war die „Fahrt über Grund“ möglichst bei 5 Knoten zu halten. Es gibt dazu sogar eine Formel aus der Physik, die mir wieder entfallen ist. Susan, falls Du den Beitrag liest, kannst Du die Formel bitte im Kommentarfeld hinterlassen. Wurde die Habib zu schnell oder schwer steuerbar, wurde gerefft oder getrimmt. Lehre: Konstante, moderate Geschwindigkeit halten!

Einen Kniff zum Segel fieren lernte ich auf der Habib. Auf den Schoten ist ganz schöner Druck und sie sollen nicht aus der Hand gerissen werden. Lehre: Schot auf der Winsch belegen. Klemme öffnen. Schot auf der Winschtrommel mit der flachen Hand gegen den Uhrzeigersinn drehen!

Moras Entscheidung, die letzte Nacht langsam zu segeln und nach Sonnenaufgang La Graciosa anzusteuern, erwies sich als goldrichtig. Der Hafen war voll und wir wurden abgewiesen. Wer möchte schon nachts von Hafen zu Hafen tingeln und leere Boxen suchen ? Besser tagsüber mit dem Hafenmeister telefonieren, wo etwas frei ist. Außerdem entstand zwischen Lanzarote und La Graciosa der typische Starkwind mit dem lustigen Namen „die Düse“. Mit der Düse würde ich nachts nicht kämpfen wollen. Im Kontrast dazu plötzliche Flauten, die Motorschub erforderten. Lehre: Zielhafen tagsüber ansteuern und zuvor Platz reservieren!

Wie Ihr sehen könnt, habe ich vieles auf diesem „Urlaubstörn“ gelernt. Danke an die zwei Skipperinnen!

15. Reisetag: Norwegisches Fischerlied

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Statt Euch mit dem Bericht über meine zwei Heimflüge mit Air Europa zu langweilen, hier für Eure Erinnerung der Text des Norwegischen Fischerliedes, das ich Euch am letzten Abend auf Hoher See vorgesungen habe:

„Lina holt ihr Boot und rudert zu Orten, die nur sie kennt. Und sie wird sich nicht auf den Ruderriemen ausruhen, bis sie die sichere Küste erreicht hat.

Der Nebel ruft sie lockend auf das Meer: „Komm‘ zu mir ! Ich werde Dich verbergen und Deine Seele heilen, wenn sinnlose Tage Deinen Seelenfrieden stören.“

Verborgene Untiefen und messerscharfe Klippen sind immer noch besser als die Stolpersteine des Alltags, die Du täglich umschiffen musst.

Lina, Lina, warum weinst Du? Du brauchst nicht zu weinen! Du wirst doch Dein Boot an geheime, silberne Buchten steuern, wo Dein Herz sich ausruhen kann.

Deine Freunde an Land werden weinen. Denn obwohl sie die Küstenlinie auf und ab laufen und Leuchtfeuer entzünden, wissen sie nicht, ob Du jemals zurück kehren wirst.“

Frei nach Silje Neergard, übersetzt von Kerstin und Shadow

14. Reisetag: Sightseeing auf Lanzarote

Joggi, Nati und ich teilten ein Mietauto für die kurze Tour über Lanzarote. Antje und Ulf nahmen ein eigenes Auto und wollten die komplette Insel an einem Tag anschauen.

Meine Sightseeing – Tour folgte mal wieder dem Motto: „Mist, total verfahren ! Schauen wir eben etwas anderes an.“

Morgens sollte ich einen teuren Opel Mokka für 45 Euro mieten. Als ich eine Stunde später an der Mietwagenstation buchen wollte, konnte ich einen Seat Ibiza für günstige 33 Euro buchen. Ich müsse nur 10 Minuten warten. Na, für 12 Euro warte ich gerne 10 Minuten. Entspricht einem Stundenlohn von 72 Euro. Derweilen kaufte ich im Supermercado Mitbringsel für Jens und Thorger.

Joggi übernahm die „Kartenarbeit“ und ich das Steuerrad (des Autos). Den Weg zur Villa des Künstlers Cesar Manrique fanden wir auf Anhieb. Absolut sehenswert, wie er das Vulkanfeld in sein Haus integriert hat und die stilvollen Zimmer in „Höhlen“. Die Fenster im Erdgeschoss bilden quasi die Rahmen für die wüste Mondlandschaft aus schwarzer Lava. Über moderne Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Die zwei Windspiele gefielen mir sehr gut und auch die Skulpturen. Die Bilder mit ein paar Farbklecksen würde Thorger in fünf Minuten auf die Leinwand bringen.

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Die Fahrt durch die sanften, braunen Vulkanberge erinnerte uns an alte Westernfilme und wir rechneten damit, jederzeit Indianer zu sehen.

In Tahiche wollten wir zu Mittag essen. Ich nahm die falsche Abzweigung und landete auf einer autobahnähnlichen Straße ohne Wendemöglichkeit. Auf dem Schild las ich, dass in 17 Kilometern die „Jameos del Agua“ kämen. Planänderung. Dort werden wir einkehren und ein weiteres Highlight von Cesar Manrique besuchen. Entspannte Atmosphäre in der ersten Höhle in der Bar.

Wie gewohnt suchte jeder eine Tapa aus und die Tapas wurden geteilt: Räucherkäse mit Tomatenmarmelade, Salzkartoffeln mit Mojo- Soßen, Hühnchensalat mit Tomate und Äpfeln. Vergleichsweise teuer, doch der Ort war das Geld wert. Antje und Ulf liefen uns über den Weg, hatten aber keine Zeit zur Einkehr.

Von der Toilette blickte man auf den Atlantiktunnel, wo der Vulkantunnel im Ozean endet.

In der Höhle mit Sickerwasser leben Albino- Krebse, eine endemische Art. Wie aus einem Horrorfilm.

Der Pool mit hundertjähriger Palme passte meiner Meinung nicht in die Vulkanschlucht. Ist dem Cesar wohl nix neues eingefallen ?

Ganz zauberhaft die Höhle für Konzerte mit kreativer Spiegelwand und Spiegelpfosten. Und einen weiteren sehenswerten Mobile an der Decke.

Das Vulkanmuseum entschuldigte sich schon im voraus für die Umbauarbeiten. Auf einer Karte leuchteten die Unterwasser- Vulkane auf. Verschiedene Gesteinsproben lagen auf dem Fensterbrett herum. Ja, ein Museum auf dem Stand der 1960er Jahre, mit fast nostalgischen Charme und sehr wenig Informationen. Die Architektur mit Säulen aus Vulkangestein im Garten und Ziersteinen im Mauerwerk ist sehenswert.

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Zurück an Bord versuchte ich, den kompletten Inhalt meiner Kabine in die Reisetasche zu stopfen. Was mir beim zweiten Anlauf gelang. Mit Gummistiefeln und Ölzeug ist die Tasche zur Hälfte belegt.

Mit dem Mietwagen brachte ich Mora zur Tankstelle, an der sie die leere Gasflasche auffüllte. Sie war schneller mit der gefüllten Flasche zurück als ich ein Magnum- Double- Chocolate- Eis essen konnte.

Abends kehrten wir zu sechst in das Restaurant „La Tomate“ an der Hafenpromenade ein. Susan hatte einen billigen Flug erwischt und war kurzfristig abgereist. Mora gab uns zur Feier des gelungenen Törns eine Flasche Weisswein aus Lanzarote aus. Namens „Yaiza“. Sehr lecker. Ich ging kein Risiko ein und bestellte Seezunge vom Grill. Joggi war da mutiger und probierte Ziege vom Grill.

Ulf hatte auf seine Kosten Campari, Orangensaft und Ananassaft (Versehen) organisiert und der Kellnerin eine Tüte voll Eiswürfel abgeschwatzt. So klang der Abend bis zum nächsten Morgen im Cockpit feucht- fröhlich aus.

Am nächsten Morgen standen trotzdem ALLE Punkt sieben Uhr auf, um sich von mir am Steg zu verabschieden. Denn mein Flieger ging um 10 Uhr.

Da wurde ich doch etwas wehmütig und schloss zum Abschied meinen BESTEN MITSEGLER ALLER TÖRNS in die Arme.

Macht es gut !

13. Reisetag: Rund Los Lobos

Am letzten Segeltag der Reise hätte die direkte Strecke zum Ziel nur 10 Seemeilen betragen. Mora schlug vor, die Insel Los Lobos zu umrunden und dort zu baden. Bei halben Wind sausten die Habib zur Insel hinüber. Gleich der erste Versuch zu ankern gelang. Ganz ohne Aufgabe bei diesem Manöver (Susan und Jogi am Anker, Mora am Steuer) klappte ich derweilen die Badeleiter aus und erledigte „open the gates“, das heißt ich öffnete die zwei Türen am Heck.

Mora hängte an einer langen schwimmfähigen Leine einen Kugelfender aus. Wie an einer Nabelschnur blieb ich mit dem Schiff verbunden und brauchte beim „Toter Mann- Treibenlassen“ keine Angst zu haben, nach Fuerteventura gespült zu werden. Im türkisblauen Wasser schwamm ich einige Züge. Ohne Schwimmbrille konnte ich die Fische nicht sehen.

Zurück an Bord stand eine halbe Stunde Siesta auf dem Programm. Zu sehen gab es genug. Direkt vor der Insel brechen sich die Wellen mit großen Kämmen. Dort surfen Wellenreiter auf ihnen gefährlich nahe an dem Strand aus scharfkantigen Felsen. Bis Mora einen Mittagssnack geschnippelt hatte, las ich ein paar Seiten in „Das Haus, das in den Wellen verschwand“, das Verena mir zum Geburtstag extra für den Törn geschenkt hatte.

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Auf dem Schlag nach Puerto Calero ging ich Ruder und scannte die Umgebung nach anderen Segler und den blöden Fred Olson- Fähren nach Fuerteventura ab. Eine große, längliche Rückenflosse durchbricht die Wasseroberfläche. Voller Begeisterung brülle ich: „Ein Wal!“ Die anderen sind schlagartig wach. Wir wenden die Habib, doch ob es wirklich ein Grindwal oder ein großer Delfin war, wird ein Geheimnis bleiben.

12. Reisetag: Ankunft aus Lanzarote

Der Hafen auf La Graciosa wies uns ab. So verlängerte sich die Überfahrt um acht Stunden bis wir die Marina Rubicon auf Lanzarote erreichten. Antje und ich hatten nachts schon die Reflexion der Straßenlaternen in den Wolken, so eine Art Lichtglocke, erspäht oder uns eingebildet. Am Morgen stand ich auf und schwupps, La Graciosa war da.

Eine euphorische Stimmung oder Tränen der Erleichterung blieben aus. Der Kartenplotter verdarb den Überraschungseffekt, tatsächlich das Ziel gefunden zu haben.

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Der Tagestörn führte entlang des erst 200 Jahre alten Lavafeldes. Die Gegend ist kahl und unbebaut. Die reinste Mondlandschaft. Wild brach sich der Atlantik an der Küste. Antje und ich hatten die letzte Wache des Törns von 8-12 Uhr. An einem Kap brach ich mit 8,4 Knoten Speed over Ground den bisherigen Geschwindigkeitsrekord. Ich kam mir vor, als würde ich ein zu schnelles Rennauto lenken. Meine Seele kommt bei 4 Knoten besser mit.

Mora hatte über Handy einen Platz in der Marina reserviert. Über Funk meldete ich uns an und der Marinero kam uns mit dem Schlauchboot entgegen und führte uns zum Platz: Golf-Seize- Beta. Also G6B.

Nach sechs Tagen Abstinenz tranken wir als Anleger die Biervorräte (mit Alkohol) und Weinvorräte leer. Jetzt konnten wir stolz auf unsere Leistung sein.

Susan, Antje und ich stiefelten fröhlich zu einem total künstlichen Strand. Aus gelblichen Beton wurde die Bucht ausgegossen. Auf dem noch weichen Beton runde schwarze Lavafelsen bis zu einen Meter Durchmesser verteilt. Auf dem Popo rutschend näherte ich mich über den glitschigen Beton dem Meer. Eine herrliche Erfrischung. Kaum im Wasser begleiteten uns drei „Seehunde“. Eine Spanierin spielte mit ihren drei Golden Retreivern am Strand.

Nach einer ausgiebigen, warmen Dusche in der Marina fühlte ich mich wie ein neuer Mensch. Auf der Überfahrt hatten die meisten am dritten Tag zur Halbzeit geduscht. Gruppendynamik. „Ich gehe Duschen.“ „Ich auch.“ „Ja, dann ich.“ Der Motor sorgte für warmes Wasser an Bord. Wie man bei Seegang, nicht nackt durch die Badezimmertür in den Salon fliegt, entwickelte sich mal wieder zu einem ausführlichen Diskussionsthema. Meine spontane Idee, sich auf den Fußboden vor das Klo zu setzen, fand Anklang. Obwohl die Mitsegler staunten, dass man sich auf dieser winzigen Fläche hinsetzen kann.

Zum Sundowner luden die Skipperinnen Mora und Susan ihre Crew in die schicke Strandbar mit Korbsofas und weißen Polstern ein. Vino tinto con verana, eine Bowle, und lauschige Jazzmusik lullten uns ein. Die Sonne versank bilderbuchmäßig im Horizont.

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Zurück an Bord aß ich den besten Thunfisch meines Lebens: Frisch von uns gefangen und von Mora als Steak in zwei Minuten in Olivenöl und Butter angebraten. Dazu ein Rotwein (der dritte Drink des Tages) und Rissoto.

Prost ! Hicks.

7.-12. Reisetag: Das Diskussionsschiff überquert den Atlantik- Teil 3: Tiersichtungen unterwegs und Seekrankheit

Antje witzelte, dass sie unter „Extras“ Delfine und Wale gebucht hatte und sich bei Barfuss- Segelreisen beschweren werde, wenn sie keine Tiere zu sehen bekommt.

Auf hoher See schaute ich Basstölpeln und Skuas zu. Mit vollendeter Eleganz gleiten sei knapp über der Wasseroberfläche der Wellen und suchen Beute.

Zwei Delfine mit weißen Bäuchen umkreisten einmal das Schiff und tauchten unter der Bugwelle davon.

In Landnähe (160 Seemeilen bis Marroko) flog eine braune Libelle an Bord, ein orangefarbiger Schmetterling und zwei Motten. Seltsame Tiersichtungen.

Ein Paar „Rotkehlchen“ saß erst an Deck oder auf dem Relingsdraht. Nachts schliefen sie unter dem Dinghi. Leider überlebte einer der beiden die Nacht nicht und erhielt eine Seebestattung im hohen Bogen. Sein Partner blieb an der Stelle bei ihm zurück und verließ das Boot.

Morgens lag ein toter Kalmar an Deck. Da konnten wir prima eine Stunde oder länger  rätseln, wie er dort hinkam. Können sie springen ? Hat ihn eine Welle an Bord gespült ?….

Höhepunkt der Safari: Eine Schule von Delfinen, zirka 5-7 Tiere, nähern sich im kitschigen Sonnenuntergang der Habib, als die Beach Boys aus dem Lautsprecher plärren. Ständig tauchen die Rückenflossen im Abendlicht auf. Zum Abschied springt einer aus dem Wasser, was manch‘ einen zum Applaudieren animiert und wir Frauen stoßen Begeisterungsrufe aus. Ich schaue lieber zu statt zu fotografieren und genieße den Augenblick.

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Anderes, unschönes Thema: Die Seekrankheit. Trotz der Seekrankheitspflaster hinter dem Ohr erwischte mich drei Tage lang die Übelkeit. Mehrmals fütterte ich die Fische. Das ist die Erklärung, warum wir immer Fische fingen, wenn ich mich an Deck aufhielt. Haha. Dann gibt es nämlich Fischfutter. Im Liegen mit geschlossenen Augen fühlte ich mich sofort besser. So war mit mir außer Wache gehen an den ersten drei Tagen nicht viel anzufangen. Mora nahm mir sogar eine Stunde der Nachtwache ab, weil ich vor Erschöpfung schlief statt zu steuern. Alle anderen Wachen habe ich tapfer übernommen und dafür die unsichtbare Tapferkeitsmedaille von Antje verliehen bekommen.

Das Dreamteam auf Wache:

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Die gute Nachricht ist, dass ich nach drei Tagen geheilt war und mich aktiv am Bordleben beteiligen konnte. Selbst Abspülen bei Seegang bereitete mir keine Probleme. Die große Atlantiküberquerung in die Karibik ist jedenfalls gestorben. Oder auch nicht, denn prozentual gesehen wäre ich nur kurz seekrank 😉. Mora hat die Theorie, dass ich als verantwortliche Skipperin keine Zeit für Seekrankheit hätte. Siehe Dänemarktörn, auf dem ich nie seekrank wurde. Oder Autofahren als Beifahrer (mir wird schlecht) oder als Fahrer (nicht seekrank).

7.-12. Reisetag: Das Diskussionsschiff überquert den Atlantik- Teil 2: Kochen und Soziales Leben

Vielleicht sollte ich auf Berufsangler umschulen. Kaum saß ich neben der Angel, schlug sie an. Am ersten und dritten Tag hingen eine Goldmakrele und am letzten Tag ein Bonito am Haken. Vor Fuerteventura nochmals eine Goldmakrele. Susan betäubte sie mit einem Hieb auf den Kopf und schnitt ihnen die Kehle durch. Mir wurde noch schlechter als mir sowieso schon war.

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Hut ab vor Ulf und Nati, die bei jedem Seegang in der Kombüse leckere Gerichte daraus zauberten. Goldmakrele mit Senfzwiebelsoße und Salzkartoffeln. Goldmakrele mit karibischer Ananassoße und Reis. Bonito mit Weißwein- Parmesan- Risotto, zubereitet von Mona. Das Motto „Kulinarische Segelreisen“ traf zu. Aus den Resten wurde von Susan eine bunte Reispfanne mit Ei bzw. von Mora ein schwäbischer Kartoffelsalat mit heißen Wienerle gezaubert. Meistens konnten wir draußen im Cockpit essen. Fast immer blieben wir sieben Segler zum Frühstück und frühen Abendessen (vor Sonnenuntergang) wach und aßen gemeinsam. Heiße Wienerle, Oliven und Paprikaletscho wurden in rauen Mengen vertilgt. Ulf buk sogar mittags Pfannkuchen nach Wunsch der Segler: Apfel, pur, mit Schinkenkäse oder mit Karotten (die mussten weg).

Ab dem zweiten Seetag spielten sich die Wachen ein und eine Ruhe im Team breitete sich an Bord aus. Klar wurden zu einigen Aussagen die Augen verdreht. Doch ich finde es erstaunlich, dass die Gruppe sich weder spaltete noch in Streit ausbrach. E- Book- Reader wurden hervorgeholt oder einfach der Horizont angestarrt. Im unruhigen Schlaf träumte ich die verrücktesten Sachen.

Bald wusste ich weder den Wochentag noch wie lange wir schon segeln. Um die Habib herum eine Scheibe aus tiefsten blau bis zum Horizont. Die Zeit schien zu stehen. Die Tage zu verschwammen in schier endloser Monotonie.

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7.-12. Reisetag: Das Diskussionsschiff überquert den Atlantik- Teil 1: Nachtwachen und Schlafen

Den Wachplan hatte Mora pfiffig organisiert. Während die ersten fünf Wachen jeweils vier Stunden dauern (20-24, 24-4, 4-8, 8-12 und 12-16 Uhr), folgen zwei Kurzwachen zu zwei Stunden (16-18 und 18-20 Uhr). Somit bleiben die Uhrzeiten und Dauer der Wache immer gleich. Doch die zwei Wachhabenden kommen immer zu einer anderen Uhrzeit zum Einsatz. Tauschen von Wachen wurde nicht erlaubt.

Für weniger wichtige Themen hatten wir auf dem Atlantik jede Menge Zeit, sie zu diskutieren. Beispiele gefällig: Dürfen Zitrusschalen oder Bananen über Bord entsorgt werden ? Welche Mülltüte passt ideal in die Toilette ? Werden Zwiebeln in Ringen oder Würfeln geschnitten ? Darf das Buttermesser in das Marmeladenglas ? Wie faltet man Coladosen ganz klein ? Wie schüttet man die Milch ohne Kleckern aus ? Halsen wir jetzt oder erst in 20 Seemeilen ? Wann setzen wir endlich das Großsegel ? Was gibt es als nächstes zu essen ?

Das reinste Diskussionsschiff.

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Jede meiner Nachtwachen mit Antje lief anders ab. Leider kamen wir nicht viel zum tratschen, denn am Steuer war höchste Konzentration angesagt, um die Wellen auszusteuern. Am dritten Tag stellten wir fest, dass es am besten ist, sich alle 30 Minuten abzuwechseln. Somit wird der Ausguck nicht zu schläfrig und die Steuerfrau bleibt fokussiert.

Die erste Nachtwache war gleich die unbeliebte Hundewache von 0-4 Uhr. Wir segelten mit Motor, sehr angenehm zu steuern. Unzählige Sternschnuppen fielen vom Himmel. Da fielen mir fast keine Wünsche mehr ein. Ein fliegender Fisch klatschte Antje in das Gesicht. „Ah, was ist das ?!“ Er zappelte am Boden und bevor ich die Fischhandschuhe anziehen konnte, schlüpfte er unter den Hecktüren auf die Badeplattform und zappelte sich in das Meer zurück. Als Antje später eine Deodose aus Alu in der Kabine in das Gesicht fiel, erschreckte sie sich riesig. Wie kommt der Fisch in die Kabine ? Ach ne, ist gar keiner.

Die schlimmste Wache für mich: Bei 3-4 Meter Seegang die Wellen unter Segeln herunter zu surfen. Durch einen Steuerfehler brachte ich die Habib dermaßen quer zur Welle, dass meine Hand und der Ärmel am Bugkorb in die See tauchten. Mir rutschte das Herz in die Hose. Kurioserweise bekamen die anderen Mitsegler meinen Fehler nicht unmittelbar mit und schliefen weiter. Nur Ulfs Koje hatte eine unfreiwillige Dusche mit Salzwasser erhalten. Die Luke auf dem Deck stand offen. Später brach sich eine Welle hinter dem Cockpit und das Meerwasser lief mir den Rücken herunter. Zum Glück trug ich Ölzeug und blieb trocken. Nachts hörte ich die Wellen mit einem lauten Rauschen herannahen. Und merkte am Hintern, dass die Fahrt nach oben geht. Tagsüber konnte ich die Wellen sehen. Oje. Womit ich nicht gerechnet hätte, waren die kleinen unzähligen Wellen im Wellental zwischen zwei großen Wellen. Wie eine Fahrt über Kopfsteinpflaster.

Am einfachsten fiel Antje und mir eine Flautenfahrt unter Motor und ohne Segel. Der Autopilot steuerte brav an unserer Stelle. Lediglich eine Kontrolle, ob der Kurs noch 220 Grad anliegt, war nötig. Als Ausgleich sichteten wir ein Containerschiff. Wegen der Decksbeleuchtung konnten wir lange keine Positionslichter erkennen. Endlich tauchte es auf dem AIS auf und Antje las ab, dass es 27 Grad mit 3 Knoten fährt. Eine Kollision schlossen wir aus und passierten es im relativ knappen Abstand von 1,4 Seemeilen. Anmerkung: Ab unter einer Seemeile „Closest Point of Approach“ hätten wir unseren Kurs geändert.

In der letzten Nacht belohnte uns der Atlantik mit wunderbaren Segeln bei zirka 14 Knoten Wind und meist kleiner Welle. Im Licht der untergehenden Sonne spielten Delfine. Später gab ich ein norwegisches Fischerlied und Ulf ein schwedisches Abschiedslied zum besten. Samba wurde definitiv nicht in Skandinavien erfunden. In beiden Liedern ging es um Tränen und Weinen. Abgesehen von einer langen Dünung mit schätzungsweise 1-2 Meter Seegang, kam ich mir vor wie beim Segeln auf dem Brombachsee. Die Habib segelte wie auf Schienen in das silbrige Mondlicht. Sie zog einen „Feuerschweif“ aus Leuchtplankton hinter sich her. Allein für diesen Abend hat sich die ganze Kotzerei gelohnt.

Segelmanöver waren kaum nötig. An sechs Reisetagen fuhren wir höchstens 10 Halsen. Ein Traum für faule Wincher.

Irgendwann schliefen die Skipperinnen und die Crew auch tagsüber nach ihren Wachen. Zum Beispiel von 18- 24 Uhr. Wollt Ihr einmal simulieren, wie ich im Vorschiff ruhte, schlage ich folgenden Versuchsaufbau vor. Ihr legt Euch auf eine Hüpfburg in die Mitte und lasst eine Gruppe Kindergartenkinder um Euch toben. Das ist der Seegang. Für die Vibration des Motors lasst Ihr einen Massagesessel wie bei Frisör unter Euch non-stop laufen. Anstelle der Wellen könnt Ihr auf einer Seite einen Aquarienfilter plätschern lassen und besser gleich zehn davon. Außerdem braucht Ihr eine Person die ab und zu mit einem Hammer auf eine Plastikplatte haut. Das soll die Wellen darstellen, die gegen den Bug seitlich krachen. Und jetzt versucht zu schlafen. Genau, nur in Rückenlage oder Bauchlage, sonst fallt ihr um.

Dieses Inferno erklärt, warum ich tagsüber auf der Salonbank quer zur Fahrtrichtung sogar schlafen konnte, wenn die anderen in 50 cm Entfernung das Essen zu bereiteten.

6. Reisetag: Auf den Spuren der Geschichte

Beim Frühstück versuchten wir zum zweiten Mal die Chirimoyafrucht, die in sechs Tagen nachreifen konnte. Die Schale sah stark braun gefleckt aus. Mit einem Löffel probierte jeder die Frucht und erkannte einen anderen Geschmack: Birne- Avocado- Litschi. Dazu briet Susan für die komplette Mannschaft Speck mit Eiern und Zwiebeln. Das reinste Sonntagsfrühstück an einem Donnerstag.

Nach dem Frühstück suchten Skipperin und Co- Skipperin nach der Ursache, warum wir Diesel verlieren (Tank zu voll) und warum der Motor auf den Wellengipfeln komische Geräusche von sich gibt (nichts gefunden, dafür aber den selbstlenzenden Wasserabscheider).

Gegen 12 Uhr marschierten Susan, Antje, Ulf und ich die Uferpromenade entlang. Schön angelegt mit Aloen, Kakteen und Palmen. Weiter Richtung Stadt flanierten wir auf der Stadtmauer weiter, auf der noch die historischen Kanonen samt neuen Wägen stehen. In einem Stadtpark meinte Ulf ein belgisches Männiken- Piss zu sehen. Nein, Ulf, der Knabe hält einen großen Fisch in den Händen, aus denen es plätschert, und nicht etwas anderes. Zwei uralte Gummibäume wuchsen in dem Park. Es hätte vermutlich 4-5 Personen gebraucht, um ihren Stamm zu um fassen.  Am Seefahrtsmuseum mussten wir von einem Passant erfahren, dass es geschlossen hat. Schade.

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So gingen wir gleich zu unserem Job als heutige Proviantmeister über. In den Markthallen waren die meisten Stände mit Fisch ausverkauft. Den Obst- und- Gemüsestand kauften wir „leer“ und Ulf schleppte die zwei vollen Taschen zurück auf die Habib. Susan, Antje und ich konnten dem Vergnügen nachgehen. Im alten Teil der Markthallen, einem gammelig- romantischen Säulengang kauften wir Paella, Tomaten- Gazpacho (kalte Suppe) und Tintenfischsalat. Wir teilten uns das Essen gerecht auf.

Dermaßen gestärkt irrten wir durch die Gassen der Altstadt zur Kathedrale. Auf dem Platz davor tanzte eine Flamenco- Tänzerin temperamentvoll auf den Steinplatten und einer runden Holzplattform. Ich gab ihr einen Euro für die tolle Vorführung. Susan lief weiter Richtung Museum, während Antje und ich vergeblich auf den Stufen der Kathedrale auf sie warteten. Kommunikation ist eben alles. Dank Handy trafen wir vier uns vor dem Stadtmuseum wieder. Am meisten beeindruckten mich die zwei Sargopharge der Phönizier und grinsende Frauenbüsten aus dunkelroten Ton.

Die Römer erfanden die Fischkonserve (Fische in Salz in Amphoren), die sich bald im gesamten Mittelmeer zum Verkaufsschlager entpuppte. Das Erz gossen sie in genormte Formen in Größe eines Suppentellers. Sehenswert die Säle mit den Funden aus Unterwasser- Archäologie, unter anderem ein Münzschatz. An Jens: Sogar ein Astrolabium war dabei.

Keine Zeit zum Verschnaufen. In der Siesta einen geöffneten Supermarkt zu finden, erwies sich als schwierig. Erst der dritte Markt hatte geöffnet. Diesmal füllten sich „nur“ zwei Einkaufswägen mit Mineralwasser und Wurst und Käse. Diesmal fuhr das Taxi die Vorräte und uns direkt bis zum Steg.

Kaum Wurst und Käse im Kühlschrank verstaut, eilten wir zu Fuß zurück in die Altstadt. Statt an der Kathedrale landeten wir trotz Stadtplan am Bahnhof und Fährhafen. Die restliche Crew hatte es sich derweilen in einem Cafe vis-a-vis der Kathedrale gemütlich gemacht.

Den Abend rundeten wir sieben Segler in einem Fischrestaurant ab. Meine Wahl fiel auf fangfrischen Atun en tomate (Thunfisch in Tomatensoße). Superlecker und die lauschige Stimmung in dieser Gasse hinter dem Rathaus, sagte mir zu. Ich hatte beim Vorbeilaufen das Nachbarrestaurant erspäht. Unser Motto, in der zweiten Reihe zu essen, zahlte sich aus. Die Cuenta belief sich auf gerade 120 Euro für sieben Personen.

Morgen legen wir Richtung La Graciosa ab. Bin ziemlich aufgeregt.