Dublin Docklands und Dreimaster Jeanie Johnston

Wohin zieht es den Segler auf seiner Reise nach Dublin? Natürlich zum Museumsschiff Jeanie Johnston und in die Dublin Docklands.

Durch die Große Hungersnot im 19. Jahrhundert waren viele Iren gezwungen auszuwandern. Viele Schiffe hießen „Coffin Ships“ (Sargschiffe), auf denen zirka 150.000 Kinder und Erwachsene auf der Überfahrt ihr Leben durch Krankheit ließen, denn die Eigner der Schiffe sahen in ihren Gästen nichts als Ware. Nicht so die Jeanie Johnston, deren Eigner Nicholas Donovan selbst aus Irland stammte, und seine Landsleute sicher und gesund nach Kanada bringen wollte.

Nicht nur führte ein Kapitän mit 25 Jahren Erfahrung das Schiff, sondern ein Doktor an Bord stellte sicher, dass nur gesunde Passagiere an Bord gingen. Meistens nahm die Jeanie Johnston auf dem Weg nach Kanada rund 200 Passagiere mit. Auf dem Rückweg wurden die Stockbetten mit einem einfachen Mechanismus abgebaut und es wurde Holz geladen und nach Irland transportiert. Ähnliche Segelboote nahmen angeblich bis zu 600 Personen auf.

Der Doktor kümmerte sich auf der Jeanie Johnston auch um einen Hygienestandard. Die Auswanderer durften pro Tag 30 Minuten an Deck und mussten täglich ihre Bettwäsche ausschütteln, was die Läuse eindämmen sollte, die allerlei Krankheiten übertrugen. Die Nachttöpfe wurden umgehend ausgeleert, weshalb an Bord nie die Cholera ausbrach. Geangelte Fische wurden zwischen Crew und Passagieren aufgeteilt und ein Minimum an Essen pro Person zugeteilt. Die schwangere Margaret Reilly kam der Geschichte nach mehrere Tage vor der Abfahrt an Bord, um ihren Sohn unter ärztlicher Betreuung zu gebären. Als Dank wurde der arme Junge nicht nur nach dem Eigner, dem Schiff, dem Arzt und dem Kapitän benannt, sondern zusätzlich nach allen weiteren 15 Crewmitgliedern. Der Guide wettete mit uns um 100 Euro, dass wir nicht alle 19 Namen aufsagen können. Wir Besucher verloren die Wette.

Logischerweise kostete die vier- bis sechswöchige Überfahrt auf der Jeanie Johnston mit 3 Pfund (halbes Jahresgehalt) ein Drittel mehr als auf den Coffin Ships. Heute dauert die Tour eine knappe Stunde und schlägt mit 7 Euro zu Buche, ganz schöne Inflation.

Laut dem Logbuch soll die Jeanie Johnston alle Passagiere lebend nach Kanada gebracht haben, wurde deswegen als Beispielschiff ausgesucht und 1998 nach dem gesunkenen Original in sechs Jahren nachgebaut. Die Bauzeit des Original betrug übrigens weniger als ein Jahr. Die Baukosten des Nachbaus betrugen rund 14 Millionen Euro.

Meine Fragen zur Segelfläche, dem Tiefgang und wo der dritte Mast ist, konnte der Tourguide nicht beantworten. Aber er verwies mich auf den Ticketshop, wo Leute mit seemännischen Kenntnissen säßen. Die Tour durch das Schiff war trotzdem lohnenswert und äußerst kurzweilig. „And if you liked the tour: My name is Gerald. If you didn’t like the tour: My name is Paul.“

Für die Besichtigung der Jeanie Johnston rate ich, die Eintrittskarten vorher online zu buchen. Jens und ich mussten eine Stunde auf die nächste freie Tour warten und uns wurde das nächstgelegene Cafe empfohlen. Da wir gerade erst im eleganten „Cafe en Seine“ in der Dawson Street exzellente Fish and Chips gegessen hatten, schauten wir eine weitere Attraktion der Docklands an, die Tauchglocke „Diving Bell“.

Mit dieser Tauchglocke wurde der Bau eines tiefen Hafenbeckens in kurzer Zeit ermöglicht. Fünf Männer arbeiteten in der Druckluft in dem kleinen Arbeitsraum am Fuße der Glocke. Man kann als Vergleich den Spaziergänger rechts im Bild anschauen. In der Tauchglocke sind mehrere, informative Tafeln über die Geschichte der Tauchglocke und des Dubliner Hafens angebracht. Für das realistische Erlebnis wird die Glocke ständig von rauschenden Wasser durchspült. Ein Gitter verhindert nasse Füße. Der Fußweg dorthin hat sich gelohnt. Wo sonst bekommt man schon eine historische Tauchglocke zu sehen?

Seglern, die mehr Zeit auf ihre Dublin- Reise mitbringen, empfehle ich eine Schifffahrt oder S-Bahn- Fahrt nach Howth, einem hübschen Fischerdorf mit Wanderweg zum Leuchtturm.

Oder mit der S- Bahn „Dart“ zum Fährhafen Dun Laoghaire, wo sich das kleine Marine- Museum befindet, und damals vor 15 Jahren in einigen Hafen- Pubs fangfrischer Fisch bestellt werden konnte.

Oder mit dem Amphibien- Fahrzeug Viking Splash ab St. Stephen’s eine Stadtrundfahrt zu Lande und Wasser zu erleben. Damals mit falschen Wikingerhelm (die hatten NIE Hörner) und einer Dose Bier an Bord, heute mit Rettungswesten.

Dublin ist eine Reise wert!

 

 

 

 

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