Buchkritik: Bikeline- Rund ums Ijsselmeer

An jedem ersten Sonntag des Monats stelle ich Euch ein Buch rund um das Thema Niederlande vor. Bekanntlich ist Vorfreude die schönste Freude und diesjähriger Segeltörn wird in den Niederlanden stattfinden.

In der Stadtbücherei fand ich zum Suchbegriff „Ijsselmeer“ genau ein Buch: Das Radwanderbuch „Rund ums Ijsselmeer“ von der Serie Bikeline.

ISBN 978-3-85000-658-3

Darum eignet es sich für Ijsselmeer- Segler

  1.  Das lästige Hantieren mit den Seekarten entfällt endlich. Statt mit A2- Formaten zu kämpfen, schlägt man lieber die 12×22 cm kleine Seiten im Bikeline- Büchlein auf und navigiert nach Landmarken. Nein, war ein Witz!
  2.  Jedoch ist das handliche Format und geringe Gewicht von knapp 300 Gramm tatsächlich ein Vorteil für Segler, die bekanntlich alles auf dem Rücken auf das Boot und durch die Gegend schleppen müssen.
  3.  Die Seiten des Bikeline- Radtourenbuches sind wasserabweisend gedruckt. Ein großer Vorteil für Segler, denn auf meinem vierwöchigen Dänemark- Törn sind die Seiten einiger Bücher total zusammengeklebt, als Dauerregen für viel Feuchtigkeit im Schiff sorgte und vor allem etwas Wasser durch die Deckenluke eindrang.
  4. Das Buch enthält ausschließlich Infos zu Orten am Ijsselmeer und keine unnötigen Kapitel beispielsweise zu Den Haag, die am  Ijsselmeer nicht braucht.

Worum geht es?

Die Einleitung bespricht die Anreise mit der Bahn und mit dem Auto, inklusive Parkhäusern in Amsterdam, in denen man Langzeitparken darf. Das Höhenprofil mit optisch Null Höhenmetern hätte der Verlag sich schenken können, jedoch zeigt es die Familienfreundlichkeit der Tour. Die günstigen Übernachtungsmöglichkeiten wie Jugendherbergen namens „Stayokay-Hostels“ und Naturfreundehäuser „Nivon“ habe ich im Baedeker vergeblich gesucht.

Auf den Seiten 17 bis 110 werden die drei Streckenabschnitte „Amsterdam- Afsluitdijk- Kampen- Amsterdam“ und das Special „Texel- Vlieland- Harlingen“ ausführlich beschreiben. Sehenswertes und die Adresse der Touristinfo wird zu jeder Ortschaft knapp in jeansblau gedruckt. Geschichte und Wissenwertes liest sich in kursiv. Die Beschreibung der Radtour selbst wird kurz und knapp im normalen Schriftbild gehalten.

Am Buchende befindet sich der Ortsindex mit Seitenangaben.

Wie hat es mir gefallen?

Für den Radfahrer erweist sich als äußerst nützlich, dass jede zweite halbe oder ganze Seite mit detaillierten Kartenausschnitten im Maßstab 1: 50.000 bedruckt wurde. Das ist für uns Segler natürlich sinnlos. Ebenso die lila und orange farbig markierten Routenalternativen. Außer man hat ein Bordfahrrad und unternimmt gerne Radtouren.

Positiv überrascht hat mich die Länge der Sachkapitel über die besuchten Orte. Hier bietet der Baedeker kaum mehr Text zum Ijsselmeer.

Ein toller Gag für Schreibfaule sind die Shortcuts zu Homepages von Museen über die Seite des Buchverlages. Auf Öffnungszeiten wird erfreulicherweise verzichtet, mit dem vollkommen richtigen Hinweis, dass diese sich ständig ändern.

Die Text ist in unserer Muttersprache Deutsch geschliffen verfasst. Zitat zur Fahrt über den Abschlussdeich: „…die Gleichatmigkeit des Abschnittes müssen Sie dafür aber in Kauf nehmen.“

Resümee: Ein lesenswertes Buch, jedoch nur die Hälfte des Inhalts für Segler relevant.

Fazit: 4 von 5 Seesternen

 

 

 

 

Buchkritik: Auf ein Heineken könn‘ wir uns eineken

An jedem ersten Sonntag des Monats stelle ich Euch ein Buch rund um das Thema Niederlande vor. Bekanntlich ist Vorfreude die schönste Freude und mein diesjähriger Segeltörn wird in den Niederlanden stattfinden.

Den Roman mit dem lustigen Titel „Auf ein Heineken könn‘ wir uns eineken“ (ISBN: 9783492272926/ Verlag: Piper) von Kerstin Schweighöfer las ich in den Winterferien. Im wahren Leben arbeitet die Schriftstellerin für Focus und Art, zwei Magazine.

Worum geht es?

Die Journalistin Kerstin Schweighöfer verliebt sich im Spanienurlaub in den Holländer Jan Kees und zieht alsbald in die Niederlande um. Nach eigenen Angaben mischt sie Realität und Fiktion in diesem Buch. In 32 Kapiteln beschreibt sie ihre Erlebnisse mit unseren westlichen Nachbarn und berichtet, wie die Geschichte mit ihrer Liebe Jan und der Stieftochter Daphne weitergeht. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit zwei oder drei Sachthemen. Ob Hausgeburt, Rotlichtmilieu, Außenpolitik oder Sterbehilfe. Jedes Thema wird angeschnitten. Die Autorin räumt mit Vorurteilen auf und erlebt selbst die Landesgeschichte von den sehr liberalen 1990ern bis zu den rechtsradikalen 2000ern.

Wie hat es mir gefallen?

Während die ersten Kapitel amüsant zu lesen sind, kommt spätestens nach dem ersten Buchdrittel Langeweile auf. Die Charaktere bleiben fremd und die Sachthemen werden jeweils nur angekratzt. Jedes Kapitel hat das gleiche Schema und Tulpenbild. Auf die Beziehung zu Jan und Daphne wird sehr oberflächlich eingegangen, obwohl das Leben als Patchworkfamilie sicherlich herausforderte. Auch die Freunde scheinen beliebig austauschbar. Das ist das Manko, wenn Sachbuch mit Roman verheiratet werden soll.

Gleichzeitig gelingt es meiner Namensvetterin Fakten über die Niederlande kurzweilig zu vermitteln. Von der Ankunft des Nikolauses mit dem Schiff (aus Spanien) und dem Schlittschuhrennen „Elfstedentocht“ über 200 km hatte ich noch nie gehört.

Gefallen hat mir die gelungene Einflechtung niederländischer Wörter: „Klopt!“ (Stimmt!“) rufen die Freunde. „Mut koennen“ entspricht dem Bayrischen „Leben und Leben lassen“. „Schat“ bedeutet Schatz. Und mit dem Suffix „-je“ wird verniedlicht. So wird aus „Schat“ dann „Schatje“ und aus Kerstin wird „Kersje“.

Resümee: Das Buch sorgt für einige unterhaltsame Lesestunden zum Thema Niederlande. Würde ich aber kein zweites Mal lesen.

Fazit: 3 von 5 Seesternen

 

 

 

 

Buchkritik: Baedeker Niederlande

An jedem ersten Sonntag des Monats stelle ich Euch ein Buch rund um das Thema Niederlande vor. Bekanntlich ist Vorfreude die schönste Freude und mein Segeltörn 2020 wird in den Niederlanden stattfinden.

In der Stadtbücherei gab es einen Dumont-  und einen Baedeker- Reiseführer zu unserem Nachbarland. Der schlankere Dumont enthielt leider wenig Informationen zu den Orten am Ijsselmeer. So schleppte ich den „Baedeker Reiseführer Niederlande: mit grosser Reisekarte“ nach Hause. ISBN: 978-3829718677 / Verlag: Baedeker Ostfildern. Und hier kommen schon die Kritikpunkte: Der Baedeker wiegt beinahe 800 Gramm, also ob man ständig acht Tafeln Schokolade herumtragen würde. Außerdem ist die Schrift sehr klein und die Specials sind sehr ungünstig auf grauem Hintergrund gedruckt.

Worum geht es?

Das Buch beginnt wie jeder klassische Reiseführer mit „Land und Leute“, also Geschichte, Kunst und Wirtschaft. Holland entspricht in der Realität nicht dem „Käse und Tulpen“- Klischee, da nur 2% der Wirtschaft auf die Landwirtschaft fallen. Hingegen ist es eine der größten Exportnationen Europas und handelt mit Erdöl. Der Rotterdamer Hafen setzt ein Vielfaches an Gütern wie Hamburg oder sogar Singapur um.

Geschmunzelt habe ich über das Kapitel „Kuriose Niederlande“ am Buchende. Der Bachlauf, der 15 Meter in die Tiefe sprudelt wurde kurzerhand als „höchster Wasserfall der Niederlande“ deklariert.

Weiter im Buch werden sehr kurz und knapp vier Touren auf elf Seiten beschrieben. Denn im Hauptteil des Reiseschinkens kann man auf knapp 200 Blättern Informationen zu so ziemlich jeder Stadt oder Ortschaft der Niederlande finden. So habe ich gelesen, dass in Lelystad nicht nur ein Naturschutzgebiet geboten wird, sondern auch ein Flugzeugmuseum namens „Aviodrome“ über Anthony Fokker, das Batavia- Museum über die Landgewinnung des Flevolandes (Gebiet, auf dem Lelystad 1967 gegründet wurde) und eine Werft mit dem Handelsschiff „Batavia“ der Ostindien- Kompagnie.

Wie hat es mir gefallen?

Nutzlos sind für mich als Segler die Hinweise auf Hotels. Ebenso dürften die Restaurant- Tipps schnell veralten, sobald der Koch wechselt. In Zeiten von Online- Hotelbuchungen im Internet könnte man diesen Teil komplett streichen. Ebenso die Kartenausschnitte, in denen Hotels und Lokale eingezeichnet sind. Da jeder über Navi oder Handy navigiert und lediglich in der Seefahrt ich noch Papierkarten zu Rate ziehe.

Anschaulich auf herausklappbaren Doppelseiten im Hochglanzformat und gut recherchiert, sind die Specials zu den Leuchttürmen, dem Oosterscheldedam und natürlich Käse.

Resümee: Alles in allem ein lesenswerter Reiseführer für die Generation ab 50+.

Fazit: 5 von 5 Seesternen

 

 

 

 

Buchkritik: „Elfengift“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats stelle ich Euch einen Roman vor, der an der Ostsee spielt.

Zum Abschluss der segelfreien Wintersaison stelle ich Euch ein spannendes Jugendbuch vor.

„Elfengift“ von Tamina Berger

ISBN: 978-3-410-60026-0 erschienen im Arena- Verlag

Worum geht es?  

Die Heldin Leni und ihr Halbbruder Chris erben das Häuschen ihrer Tante im fiktiven Urlaubsort Riedeshagen an der Ostsee. Kaum dort angekommen, entdeckt Leni Liebesbriefe von einem M. an eine Ulrike und mysteriöse Vorfälle ereignen sich im Haus. Wer waren Ulrike und der geheimnisvolle M? Warum wird Ulrike tot geschwiegen? Leni rollt den Fall auf und gerät selbst dabei in Gefahr.

Leni

Die Hauptperson steht mit 17 Jahren schon an der Schwelle des Erwachsenwerdens und darf ohne ihr Mutter reisen. Sie handelt verständlich und begeistert sich für die Liebesgeschichte aus den 1960er- Jahren, die sie nach und nach aufdeckt. Eine aufgeweckte junge Frau voller Mut und Elan.

Wie hat es mir gefallen? 

Ausgesprochen gut. Das Buch ist kurzweilig erzählt und stimmig. Ein Leuchtturm und ein Bunker spielen im weiteren Verlauf der Geschichte zwar eine Nebenrolle, jedoch steht die Ostsee außer bei Strandsparziergängen im Hintergrund. Den Urlaubsort hätte die Autorin noch lebendiger beschreiben können und vor allem das Haus, um das es sich dreht.

Fazit: Das Buch kann auch von Erwachsenen zur Unterhaltung gelesen werden.

4 von 5 Seesternen

 

Buchkritik: „Das Brombeerzimmer“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats stelle ich Euch einen Roman vor, der an der Ostsee spielt.

An den Weihnachtsfeiertagen habe ich einen vermeintlichen Ostseeroman gelesen:

„Das Brombeer Zimmer“ von Anne Töpfer

ISBN: 978-3-548-61317-8 erschienen im List- Verlag

Worum geht es?  

Hier die Zusammenfassung der nicht vorhandenen Handlung im Stil der „Herzblatt“- Sendungen der 1990er- Jahre mit Rudi Carrell:

„Dumme Nora, nun musst Du Dich entscheiden:

  1. Nimmst Du den durchtrainierten Polizisten, der lieber unverbindliche SMS schreibt statt Dich anzurufen ?
  2. Oder den Architekten mit den tollen Wuschelhaaren, der so schöne Handtuchhalter in seinem Bad hat ?
  3. Oder weinst Du bis zum Lebensende Julian nach, der bei den Engeln Harfe spielt ?“

Ohne zu viel zu verraten: Nora entscheidet sich überhaupt nicht. Stattdessen geht sie Kuchen essen, in die Sauna und kocht Marmelade. Pläne für Marmeladenfabriken oder ein eigenes Cafe werden geschmiedet- und fallen gelassen.

Nora

Die „Heldin“ wird ihrem Nachnamen „Kluge“ nicht gerecht, sondern ist ein naives Dummchen, das gerne rot im Gesicht wird. So bleibt sie konsequent bis zum Romanende. Ihre Freundinnen Mandy und Katharina tauchen zwar laufend auf, bleiben dem Leser aber fremd. Nur, ob jemand den Uniabschluss hat oder nicht, scheint wichtig. Warum eigentlich ?

Wie hat es mir gefallen? 

Gar nicht. Ich frage mich, ob die Autorin wirklich an der Ostsee war. Zitat: „Wir fahren zwischen den Feldern entlang. Für Menschen mit schwachen Blasen ist der Weg wohl eher ungeeignet. Es holpert ganz fürchterlich (…)“ Oder ihre Beschreibung vom Strand in Zingst: „Links am Wasser entlang geht es nach Prerow und schließlich nach Ahrenshoop, rechts, zum östlichen Zipfel der Insel, geht es nach Pramort.“ Genau, dank Google Maps kann jeder Ostsee- Romane schreiben.

Die einzigen Lichtblicke in dem Buch sind die fehlerfreie Rechtschreibung und der Ausbruch von Großtante Klara aus dem Pflegeheim.

Fazit: Das Geld kann man sich schenken. Kauft irgendein anderes Buch. Jedes ist besser als dieses, außer „Der Heiler“.

1 von 5 Seesternen

Buchkritik: „Luisa und die Stunde der Kraniche“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats werde ich Euch einen Roman vorstellen, der an der Ostsee spielt.

Zitat: „Der Moment ist wie ein Punkt, der letzte Punkt ist die Vergangenheit, der nächste Punkt die Zukunft. Alle Punkte aneinandergereiht bilden den Weg Deines Lebens.“

Schon in der Einleitung merkt man, dass die Autorin Tania Krätschmar Germanistik studiert hat und als Texterin arbeitet.

Von ihr hatten mir die Romane „Seerosensommer“ und „Die Wellentänzerin“ zugesagt, hier bespreche ich die Neuerscheinung „Luisa und die Stunde der Kraniche“, aus dem Blanvalet Taschenbuch Verlag mit der ISBN-13: 978-3734104190.

Worum geht es?

Völlig überraschend hält Richard um die Hand seiner Luisa an. Luisa soll ihn zu seinem neuen Job nach London begleiten und fortan als brave Frau ein Hausfrauendasein fristen. Luisa erbittet sich eine Bedenkzeit und reist nach Zingst in das Haus ihres Großvaters.

Dort begegnet sie nicht nur der seltsam vertrauten alten Dame Mary, sondern auch dem attraktiven Ranger Jan.  Die Schönheit der Ostsee und der Zug der Kraniche werden im Roman thematisiert. Auf touristische Highlights wird erfreulicherweise verzichtet.

Luisa

Die Hauptdarstellerin entwickelt sich im Roman vom unschlüssigen „Teenager“ zur erwachsenen Frau. Sie denkt nach statt bequem mitzulaufen und löst ihre Konflikte. Viele ältere Leserinnen werden sich mit ihr identifizieren können.

Wie hat es mir gefallen?

Sehr gut. Allein wegen der geschliffenen Sprache lohnt sich die Lektüre. Alle Charaktere wurden vor meinem inneren Auge lebendig. Auch die Nebengeschichte mit der rätselhaften Mary finde ich pfiffig. Über Kraniche weiss ich nun mehr als zuvor. Die Handlung ist etwas vorhersehbar- abgesehen von zwei dramatischen Höhepunkten. Aber das hatte ich bei diesem Genre „Intelligenter Frauenroman“ so erwartet.

Fazit: 5 von 5 Seesternen

 

 

 

 

 

 

Buchkritik: „Sanddornsommer“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats stelle ich Euch einen Roman vor, der an der Ostsee spielt.

Diesmal zur romantischen Weihnachtszeit ein bezaubernde Liebesgeschichte :

„Sanddornsommer“ von Lena Johannson

ISBN-13: 978-3426517710 von Knaur Taschenbuch

Worum geht es?  

Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag ist bei Franziska die Luft raus. Sie beschließt, sich eine Auszeit zu nehmen und gegen Kost und Logis auf einer Sanddorn- Plantage auf Rügen zu arbeiten. Der Anblick ihres Chef löst bei ihr ein Gefühlschaos aus. Ist er etwa ihr vermisster Bruder ? Die Familiengeheimnisse lüften sich nach und nach. Die Arbeit bei der Sanddornernte erweist sich als Knochenjob. Zum Glück wird sie durch Ausflüge auf der Insel (Störtebecker-Festspiel, Bernsteinschnitzen, Fischbude in Vitt,…) unterbrochen. Die Liebesgeschichte zieht sich als roter Faden durch das Buch. Gleichzeitig baut Franziska neue Freundschaften auf; zu einem Fischer und einer anderen Touristin. Der dramatische „Höhepunkt“ an der Kreidefelsenküste fehlt nicht. Mehr verrate ich nicht.

Franziska

Eine herzensgute und intelligente Frau, die weiß, was sie will. Beruflich als Coach etabliert und nach ihrem Geschmack zu erfolgreich. Franziska überdenkt ihr Leben und möchte kürzertreten. Ihre Tipps aus dem Coaching wendet sie an sich selbst an. Ihre Handlungen sind logisch und Franziska dürfte vielen Leserinnen sympathisch sein. Auf Rügen findet sie die Liebe und eine neue Heimat.

Wie hat es mir gefallen? 

Der Frauenroman plätschert dahin wie die Wellen der Ostsee an einem lauen Sommertag. Man hätte die Geschichte auf weniger Seiten erzählen können und so hieß es manchmal „durchhalten und weiterlesen“. Andererseits macht gerade die lange und ausführliche Erzählung die Figuren besonders lebendig. Im Buch kommen viele Sehenswürdigkeiten vor und sind mir von mehreren Rügenreisen bekannt. Die Insel spielt quasi die zweite Hauptrolle, was mich als Rügenurlauber anspricht. Die Geschichte ist am Schluss abgerundet und das vorhersehbare Happy End passt dazu.

Fazit: Leichte Lektüre für den Strandurlaub oder im Winter zum Träumen von der Ostsee.

4 von 5 Seesternen

 

 

Buchkritik: „Zapotek und die strafende Hand“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats (diesmal mit Verspätung) werde ich Euch einen Roman vorstellen, der an der Ostsee spielt.

Los geht es heute mit einem Krimi von Claudia Rusch :

Zapotek und die strafende Hand: Der erste Fall

ISBN-13: 978-3866481725, veröffentlicht vom Mareverlag

Worum geht es?

Der Hauptkommissar Zapotek plant für sein Sabbatical einen Segeltörn zur Insel Jan Mayen. Doch dazu kommt erst am Romanende. Denn überraschend stirbt Ingo, ein Schulfreund und gleichzeitig Mieter seines Elternhauses. So verschlägt es Zapotek in das Dorf seiner Kindheit, in dem er sich schnell um den Verkauf seines Elternhauses kümmern will. Ein Einbruch samt Schlag auf den Kopf wecken Kommissar Zapoteks Neugier, er beginnt inoffiziell zu ermitteln und verweilt länger an der Ostseeküste. Sehr verdächtig erscheint ihm der Eigentümer einer Bootsbauerei. Und mehr verrate ich nicht.
Der Kommissar Zapotek
Er floh aus der DDR ungeplant und spontan in den Westen, fühlte sich dort in Hamburg als Außenseiter und aktuell im Dorf als Heimgekehrter ebenso. Zapotek ist der typische Kommissar: Einzelgänger, Motorradraser und mit der Welt am hadern. Während des Romans entwickelt sich seine Persönlichkeit weiter und eine zarte Liebesgeschichte mit der Jugendliebe entspinnt sich.


Wie hat es mir gefallen? 
Die spannende Geschichte mit einigen überraschenden Wendungen hat mir sehr gut gefallen. Unnötigen Lokalkolorit sucht man vergeblich. Einige Orte in Stralsund werden erwähnt, spielen aber eine Nebenrolle. Die Anzahl der Freunde des Kriminaler und die der Verdächtigen bleibt überschaubar. Die Motive der Verbrecher sind stimmig und eben nicht an den Haaren herbeigezogen. Der Showdown rundet das Buch ab. Der Roman ist flüssig und in ausgezeichneten Deutsch geschrieben. Einige Einsichten und Aussagen des Kommissars bemerkenswert weise und mir eine Notiz wert.


Fazit: Mehr davon. Band 2 ist schon erschienen.


4 von 5 Seesternen

 

 

 

Buchkritik: „Nichts als Überleben“

Auf die anstehende Atlantiküberquerung habe ich mich dem folgenden Kinderbuch geistig vorbereitet. Grins.

„Nichts als Überleben“ von S.A. Bodeen

ISBN Nummer 978-3407747976

Worum geht es?  

Die unfreiwillige Heldin Robie möchte von Honolulu zur Forschungsstation ihrer Eltern auf dem Midwayinseln reisen. In Ermangelung von Linienflügen, wird sie als einziger Passagier vom Versorgungsflugzeug mitgenommen. Die Maschine stürzt in einem Gewitter in den Pazifik ab und sinkt. Nun kämpft das mutige Mädchen auf einem Rettungsfloss um ihr Überleben. Der Co-Pilot Max steht ihr zur Seite, spielt jedoch eine Nebenrolle. Größte Hilfe für die Tapfere stellen die Infotafeln aus dem „Coastal Commander“ dar, einem Handbuch im Rettungsfloss. Schließlich wird das Mädchen auf einer verlassenen Insel angespült. Das Ende verrate ich nicht.

Robie 

Die Teenagerin Robie kommt sehr erwachsen daher, sobald der Überlebenskampf beginnt. Ob Angeln oder Bootsreparatur. Sie löst gekonnt die Krisen und ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Tiefen und Höhen werden durchlebt. Die emotionale Achterbahnfahrt bringt Robie dem Leser nahe.

Wie hat es mir gefallen? 

Spitzenmäßig. Ich konnte das Taschenbuch überhaupt nicht zur Seite legen und verschlang es am letzten Sonntagnachmittag. Immer wieder kommt es zu spannenden Wendungen. Die Kapitel sind eher kurz und werden somit nie langatmig. Die Autorin schreibt gekonnt und wurde zu recht bereits mit etlichen Preisen ausgezeichnet. Man merkt, dass die Autorin selbst drei Jahre auf Hawaii lebte und sich entsprechend mit der Tierwelt und deren Verhalten auskennt. Dieser Lokalkolirit macht das Buch noch lebendiger. Gleichzeitig ist die Übersetzung aus dem Amerikanischen Englisch bis auf ein paar Kleinigkeiten gelungen.

Der Roman hat mir doppelt so gut gefallen, wie „Under Water“ und bekommt daher:

8 von 5 Seesternen

Buchkritik: „Mit allen Wassern gewaschen“

Wie der Sog der Welle auf dem Cover zieht mich der Text von Ben Hadamovskys Buch

„Mit allen Wassern gewaschen“

ISBN 978-3-940 140-951

in seinen Bann.

Mein aktueller Krimi wird zur Seite gelegt und fasziniert lese ich den Reisebericht an drei Abenden durch.

Aufmachung: 

Die Vorderseite zeigt das Vorsegel, ein Stück Reling und eine weiß schäumende Welle. Das Bild ist unscharf und verschwommen, im Gegensatz zu allen anderen Fotos des Buches. Auf der Rückseite sind die zwei Kinder des Autors am Strand spielend zu sehen. Aus der Stadtbücherei hatte ich eine stabile Hardcoverversion geliehen. Das Papier ist angenehm glänzend und strahlend weiß. Der Zeilenabstand ist gering, der Text jedoch gut lesbar. Passend zu den bereisten Ländern finden sich drei Teile mit Farbfotos im Buch.

Worum geht es? 

Der Familienvater Ben hat keinen Bock mehr auf die deutsche Leistungsgesellschaft, wirft alles hin, verkauft Wohnung, Auto und Besitz. Von dem Geld kauft er eine 10m lange Segeljacht. Seine Ehefrau Carola zieht samt den zwei Kleinkindern des Paares mit an Bord ein. Vier Jahre lang umsegelt die vierköpfige Familie mit einer schwedischen Segeljacht Typ Allegro 33 namens „Lasse“ auf der sogenannten Barfussroute die Welt. Sie überwintern in Portugal, meistern einen Motorschaden auf den Galapagosinseln, Tropenkrankheiten und einen Piratenangriff im Golf von Aden. Zum Ende der Reise leben die vier ein Jahr auf einer kleinen, griechischen Insel nahe Rhodos.

Die Strapazen werden ehrlich beschrieben, wie Seekrankheit, streitende Kinder und aufdringliche Geschäftsleute.

Rundmails von Carola und Zitate der Kinder lockern das Buch auf.

Wie hat es mir gefallen? 

Der zynische und oft nörgelnde Ton des Autors hat mir persönlich nicht zugesagt. Einzelne Wörter werden kursiv gedruckt. Warum, wurde mir nicht klar. Um sie zu betonen ? Den Sarkasmus zu kennzeichnen ? Gerade am Anfang der Reise beschreibt Ben, der Vater, alle anderen Segler als arrogante Besserwisser und Snobs. Carola, die Mutter, muss das Essen kochen und sich um die Kinder samt vollgemachten Windeln kümmern, er trägt die Verantwortung, die Windfahne steuert. Gleichzeitig regt er sich über die Frauenfeindlichkeit und Rückständigkeit auf Tonga in Ägpyten auf. Paradox.

Anderseits ist diese Ehrlichkeit das Erfrischende und Ungewöhnliche an dem Buch. Hadamovsky nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Leser wird auf die Reise mit den Höhen und Tiefen mitgenommen. Der Text bleibt immer spannend und ist eben kein beschönigter Werbeprospekt für eine Weltumsegelung. Dadurch unterscheidet er sich erfreulich von anderen Weltumseglerschinken.

Fazit: 

Leseempfehlung. Insgesamt ein kurzweiliges und lesenswertes Buch !

4 von 5 Seesternen