Buchkritik: „Elfengift“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats stelle ich Euch einen Roman vor, der an der Ostsee spielt.

Zum Abschluss der segelfreien Wintersaison stelle ich Euch ein spannendes Jugendbuch vor.

„Elfengift“ von Tamina Berger

ISBN: 978-3-410-60026-0 erschienen im Arena- Verlag

Worum geht es?  

Die Heldin Leni und ihr Halbbruder Chris erben das Häuschen ihrer Tante im fiktiven Urlaubsort Riedeshagen an der Ostsee. Kaum dort angekommen, entdeckt Leni Liebesbriefe von einem M. an eine Ulrike und mysteriöse Vorfälle ereignen sich im Haus. Wer waren Ulrike und der geheimnisvolle M? Warum wird Ulrike tot geschwiegen? Leni rollt den Fall auf und gerät selbst dabei in Gefahr.

Leni

Die Hauptperson steht mit 17 Jahren schon an der Schwelle des Erwachsenwerdens und darf ohne ihr Mutter reisen. Sie handelt verständlich und begeistert sich für die Liebesgeschichte aus den 1960er- Jahren, die sie nach und nach aufdeckt. Eine aufgeweckte junge Frau voller Mut und Elan.

Wie hat es mir gefallen? 

Ausgesprochen gut. Das Buch ist kurzweilig erzählt und stimmig. Ein Leuchtturm und ein Bunker spielen im weiteren Verlauf der Geschichte zwar eine Nebenrolle, jedoch steht die Ostsee außer bei Strandsparziergängen im Hintergrund. Den Urlaubsort hätte die Autorin noch lebendiger beschreiben können und vor allem das Haus, um das es sich dreht.

Fazit: Das Buch kann auch von Erwachsenen zur Unterhaltung gelesen werden.

4 von 5 Seesternen

 

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Buchkritik: „Das Brombeerzimmer“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats stelle ich Euch einen Roman vor, der an der Ostsee spielt.

An den Weihnachtsfeiertagen habe ich einen vermeintlichen Ostseeroman gelesen:

„Das Brombeer Zimmer“ von Anne Töpfer

ISBN: 978-3-548-61317-8 erschienen im List- Verlag

Worum geht es?  

Hier die Zusammenfassung der nicht vorhandenen Handlung im Stil der „Herzblatt“- Sendungen der 1990er- Jahre mit Rudi Carrell:

„Dumme Nora, nun musst Du Dich entscheiden:

  1. Nimmst Du den durchtrainierten Polizisten, der lieber unverbindliche SMS schreibt statt Dich anzurufen ?
  2. Oder den Architekten mit den tollen Wuschelhaaren, der so schöne Handtuchhalter in seinem Bad hat ?
  3. Oder weinst Du bis zum Lebensende Julian nach, der bei den Engeln Harfe spielt ?“

Ohne zu viel zu verraten: Nora entscheidet sich überhaupt nicht. Stattdessen geht sie Kuchen essen, in die Sauna und kocht Marmelade. Pläne für Marmeladenfabriken oder ein eigenes Cafe werden geschmiedet- und fallen gelassen.

Nora

Die „Heldin“ wird ihrem Nachnamen „Kluge“ nicht gerecht, sondern ist ein naives Dummchen, das gerne rot im Gesicht wird. So bleibt sie konsequent bis zum Romanende. Ihre Freundinnen Mandy und Katharina tauchen zwar laufend auf, bleiben dem Leser aber fremd. Nur, ob jemand den Uniabschluss hat oder nicht, scheint wichtig. Warum eigentlich ?

Wie hat es mir gefallen? 

Gar nicht. Ich frage mich, ob die Autorin wirklich an der Ostsee war. Zitat: „Wir fahren zwischen den Feldern entlang. Für Menschen mit schwachen Blasen ist der Weg wohl eher ungeeignet. Es holpert ganz fürchterlich (…)“ Oder ihre Beschreibung vom Strand in Zingst: „Links am Wasser entlang geht es nach Prerow und schließlich nach Ahrenshoop, rechts, zum östlichen Zipfel der Insel, geht es nach Pramort.“ Genau, dank Google Maps kann jeder Ostsee- Romane schreiben.

Die einzigen Lichtblicke in dem Buch sind die fehlerfreie Rechtschreibung und der Ausbruch von Großtante Klara aus dem Pflegeheim.

Fazit: Das Geld kann man sich schenken. Kauft irgendein anderes Buch. Jedes ist besser als dieses, außer „Der Heiler“.

1 von 5 Seesternen

Buchkritik: „Luisa und die Stunde der Kraniche“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats werde ich Euch einen Roman vorstellen, der an der Ostsee spielt.

Zitat: „Der Moment ist wie ein Punkt, der letzte Punkt ist die Vergangenheit, der nächste Punkt die Zukunft. Alle Punkte aneinandergereiht bilden den Weg Deines Lebens.“

Schon in der Einleitung merkt man, dass die Autorin Tania Krätschmar Germanistik studiert hat und als Texterin arbeitet.

Von ihr hatten mir die Romane „Seerosensommer“ und „Die Wellentänzerin“ zugesagt, hier bespreche ich die Neuerscheinung „Luisa und die Stunde der Kraniche“, aus dem Blanvalet Taschenbuch Verlag mit der ISBN-13: 978-3734104190.

Worum geht es?

Völlig überraschend hält Richard um die Hand seiner Luisa an. Luisa soll ihn zu seinem neuen Job nach London begleiten und fortan als brave Frau ein Hausfrauendasein fristen. Luisa erbittet sich eine Bedenkzeit und reist nach Zingst in das Haus ihres Großvaters.

Dort begegnet sie nicht nur der seltsam vertrauten alten Dame Mary, sondern auch dem attraktiven Ranger Jan.  Die Schönheit der Ostsee und der Zug der Kraniche werden im Roman thematisiert. Auf touristische Highlights wird erfreulicherweise verzichtet.

Luisa

Die Hauptdarstellerin entwickelt sich im Roman vom unschlüssigen „Teenager“ zur erwachsenen Frau. Sie denkt nach statt bequem mitzulaufen und löst ihre Konflikte. Viele ältere Leserinnen werden sich mit ihr identifizieren können.

Wie hat es mir gefallen?

Sehr gut. Allein wegen der geschliffenen Sprache lohnt sich die Lektüre. Alle Charaktere wurden vor meinem inneren Auge lebendig. Auch die Nebengeschichte mit der rätselhaften Mary finde ich pfiffig. Über Kraniche weiss ich nun mehr als zuvor. Die Handlung ist etwas vorhersehbar- abgesehen von zwei dramatischen Höhepunkten. Aber das hatte ich bei diesem Genre „Intelligenter Frauenroman“ so erwartet.

Fazit: 5 von 5 Seesternen

 

 

 

 

 

 

Buchkritik: „Sanddornsommer“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats stelle ich Euch einen Roman vor, der an der Ostsee spielt.

Diesmal zur romantischen Weihnachtszeit ein bezaubernde Liebesgeschichte :

„Sanddornsommer“ von Lena Johannson

ISBN-13: 978-3426517710 von Knaur Taschenbuch

Worum geht es?  

Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag ist bei Franziska die Luft raus. Sie beschließt, sich eine Auszeit zu nehmen und gegen Kost und Logis auf einer Sanddorn- Plantage auf Rügen zu arbeiten. Der Anblick ihres Chef löst bei ihr ein Gefühlschaos aus. Ist er etwa ihr vermisster Bruder ? Die Familiengeheimnisse lüften sich nach und nach. Die Arbeit bei der Sanddornernte erweist sich als Knochenjob. Zum Glück wird sie durch Ausflüge auf der Insel (Störtebecker-Festspiel, Bernsteinschnitzen, Fischbude in Vitt,…) unterbrochen. Die Liebesgeschichte zieht sich als roter Faden durch das Buch. Gleichzeitig baut Franziska neue Freundschaften auf; zu einem Fischer und einer anderen Touristin. Der dramatische „Höhepunkt“ an der Kreidefelsenküste fehlt nicht. Mehr verrate ich nicht.

Franziska

Eine herzensgute und intelligente Frau, die weiß, was sie will. Beruflich als Coach etabliert und nach ihrem Geschmack zu erfolgreich. Franziska überdenkt ihr Leben und möchte kürzertreten. Ihre Tipps aus dem Coaching wendet sie an sich selbst an. Ihre Handlungen sind logisch und Franziska dürfte vielen Leserinnen sympathisch sein. Auf Rügen findet sie die Liebe und eine neue Heimat.

Wie hat es mir gefallen? 

Der Frauenroman plätschert dahin wie die Wellen der Ostsee an einem lauen Sommertag. Man hätte die Geschichte auf weniger Seiten erzählen können und so hieß es manchmal „durchhalten und weiterlesen“. Andererseits macht gerade die lange und ausführliche Erzählung die Figuren besonders lebendig. Im Buch kommen viele Sehenswürdigkeiten vor und sind mir von mehreren Rügenreisen bekannt. Die Insel spielt quasi die zweite Hauptrolle, was mich als Rügenurlauber anspricht. Die Geschichte ist am Schluss abgerundet und das vorhersehbare Happy End passt dazu.

Fazit: Leichte Lektüre für den Strandurlaub oder im Winter zum Träumen von der Ostsee.

4 von 5 Seesternen

 

 

Buchkritik: „Zapotek und die strafende Hand“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats (diesmal mit Verspätung) werde ich Euch einen Roman vorstellen, der an der Ostsee spielt.

Los geht es heute mit einem Krimi von Claudia Rusch :

Zapotek und die strafende Hand: Der erste Fall

ISBN-13: 978-3866481725, veröffentlicht vom Mareverlag

Worum geht es?

Der Hauptkommissar Zapotek plant für sein Sabbatical einen Segeltörn zur Insel Jan Mayen. Doch dazu kommt erst am Romanende. Denn überraschend stirbt Ingo, ein Schulfreund und gleichzeitig Mieter seines Elternhauses. So verschlägt es Zapotek in das Dorf seiner Kindheit, in dem er sich schnell um den Verkauf seines Elternhauses kümmern will. Ein Einbruch samt Schlag auf den Kopf wecken Kommissar Zapoteks Neugier, er beginnt inoffiziell zu ermitteln und verweilt länger an der Ostseeküste. Sehr verdächtig erscheint ihm der Eigentümer einer Bootsbauerei. Und mehr verrate ich nicht.
Der Kommissar Zapotek
Er floh aus der DDR ungeplant und spontan in den Westen, fühlte sich dort in Hamburg als Außenseiter und aktuell im Dorf als Heimgekehrter ebenso. Zapotek ist der typische Kommissar: Einzelgänger, Motorradraser und mit der Welt am hadern. Während des Romans entwickelt sich seine Persönlichkeit weiter und eine zarte Liebesgeschichte mit der Jugendliebe entspinnt sich.


Wie hat es mir gefallen? 
Die spannende Geschichte mit einigen überraschenden Wendungen hat mir sehr gut gefallen. Unnötigen Lokalkolorit sucht man vergeblich. Einige Orte in Stralsund werden erwähnt, spielen aber eine Nebenrolle. Die Anzahl der Freunde des Kriminaler und die der Verdächtigen bleibt überschaubar. Die Motive der Verbrecher sind stimmig und eben nicht an den Haaren herbeigezogen. Der Showdown rundet das Buch ab. Der Roman ist flüssig und in ausgezeichneten Deutsch geschrieben. Einige Einsichten und Aussagen des Kommissars bemerkenswert weise und mir eine Notiz wert.


Fazit: Mehr davon. Band 2 ist schon erschienen.


4 von 5 Seesternen

 

 

 

Buchkritik: „Nichts als Überleben“

Auf die anstehende Atlantiküberquerung habe ich mich dem folgenden Kinderbuch geistig vorbereitet. Grins.

„Nichts als Überleben“ von S.A. Bodeen

ISBN Nummer 978-3407747976

Worum geht es?  

Die unfreiwillige Heldin Robie möchte von Honolulu zur Forschungsstation ihrer Eltern auf dem Midwayinseln reisen. In Ermangelung von Linienflügen, wird sie als einziger Passagier vom Versorgungsflugzeug mitgenommen. Die Maschine stürzt in einem Gewitter in den Pazifik ab und sinkt. Nun kämpft das mutige Mädchen auf einem Rettungsfloss um ihr Überleben. Der Co-Pilot Max steht ihr zur Seite, spielt jedoch eine Nebenrolle. Größte Hilfe für die Tapfere stellen die Infotafeln aus dem „Coastal Commander“ dar, einem Handbuch im Rettungsfloss. Schließlich wird das Mädchen auf einer verlassenen Insel angespült. Das Ende verrate ich nicht.

Robie 

Die Teenagerin Robie kommt sehr erwachsen daher, sobald der Überlebenskampf beginnt. Ob Angeln oder Bootsreparatur. Sie löst gekonnt die Krisen und ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Tiefen und Höhen werden durchlebt. Die emotionale Achterbahnfahrt bringt Robie dem Leser nahe.

Wie hat es mir gefallen? 

Spitzenmäßig. Ich konnte das Taschenbuch überhaupt nicht zur Seite legen und verschlang es am letzten Sonntagnachmittag. Immer wieder kommt es zu spannenden Wendungen. Die Kapitel sind eher kurz und werden somit nie langatmig. Die Autorin schreibt gekonnt und wurde zu recht bereits mit etlichen Preisen ausgezeichnet. Man merkt, dass die Autorin selbst drei Jahre auf Hawaii lebte und sich entsprechend mit der Tierwelt und deren Verhalten auskennt. Dieser Lokalkolirit macht das Buch noch lebendiger. Gleichzeitig ist die Übersetzung aus dem Amerikanischen Englisch bis auf ein paar Kleinigkeiten gelungen.

Der Roman hat mir doppelt so gut gefallen, wie „Under Water“ und bekommt daher:

8 von 5 Seesternen

Buchkritik: „Mit allen Wassern gewaschen“

Wie der Sog der Welle auf dem Cover zieht mich der Text von Ben Hadamovskys Buch

„Mit allen Wassern gewaschen“

ISBN 978-3-940 140-951

in seinen Bann.

Mein aktueller Krimi wird zur Seite gelegt und fasziniert lese ich den Reisebericht an drei Abenden durch.

Aufmachung: 

Die Vorderseite zeigt das Vorsegel, ein Stück Reling und eine weiß schäumende Welle. Das Bild ist unscharf und verschwommen, im Gegensatz zu allen anderen Fotos des Buches. Auf der Rückseite sind die zwei Kinder des Autors am Strand spielend zu sehen. Aus der Stadtbücherei hatte ich eine stabile Hardcoverversion geliehen. Das Papier ist angenehm glänzend und strahlend weiß. Der Zeilenabstand ist gering, der Text jedoch gut lesbar. Passend zu den bereisten Ländern finden sich drei Teile mit Farbfotos im Buch.

Worum geht es? 

Der Familienvater Ben hat keinen Bock mehr auf die deutsche Leistungsgesellschaft, wirft alles hin, verkauft Wohnung, Auto und Besitz. Von dem Geld kauft er eine 10m lange Segeljacht. Seine Ehefrau Carola zieht samt den zwei Kleinkindern des Paares mit an Bord ein. Vier Jahre lang umsegelt die vierköpfige Familie mit einer schwedischen Segeljacht Typ Allegro 33 namens „Lasse“ auf der sogenannten Barfussroute die Welt. Sie überwintern in Portugal, meistern einen Motorschaden auf den Galapagosinseln, Tropenkrankheiten und einen Piratenangriff im Golf von Aden. Zum Ende der Reise leben die vier ein Jahr auf einer kleinen, griechischen Insel nahe Rhodos.

Die Strapazen werden ehrlich beschrieben, wie Seekrankheit, streitende Kinder und aufdringliche Geschäftsleute.

Rundmails von Carola und Zitate der Kinder lockern das Buch auf.

Wie hat es mir gefallen? 

Der zynische und oft nörgelnde Ton des Autors hat mir persönlich nicht zugesagt. Einzelne Wörter werden kursiv gedruckt. Warum, wurde mir nicht klar. Um sie zu betonen ? Den Sarkasmus zu kennzeichnen ? Gerade am Anfang der Reise beschreibt Ben, der Vater, alle anderen Segler als arrogante Besserwisser und Snobs. Carola, die Mutter, muss das Essen kochen und sich um die Kinder samt vollgemachten Windeln kümmern, er trägt die Verantwortung, die Windfahne steuert. Gleichzeitig regt er sich über die Frauenfeindlichkeit und Rückständigkeit auf Tonga in Ägpyten auf. Paradox.

Anderseits ist diese Ehrlichkeit das Erfrischende und Ungewöhnliche an dem Buch. Hadamovsky nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Leser wird auf die Reise mit den Höhen und Tiefen mitgenommen. Der Text bleibt immer spannend und ist eben kein beschönigter Werbeprospekt für eine Weltumsegelung. Dadurch unterscheidet er sich erfreulich von anderen Weltumseglerschinken.

Fazit: 

Leseempfehlung. Insgesamt ein kurzweiliges und lesenswertes Buch !

4 von 5 Seesternen

Buchkritik: „Under Water“

Wer gerade fröhlich über den Pazifik segelt, sollte besser nicht

„Under Water“ von Matt de la Pena

ISBN 9783 423 71686 4

in die Hand nehmen.

Aufmachung 

Das Cover zeigt einen leeren Rettungsring, einen Hai und im Hintergrund eine geheimnisvolle Küstenlinie. Weder Hai noch Rettungsring spielen eine größere Rolle im Buch. Die Schrift ist angenehm zu lesen. Grammatik und Absätze im Buch sind einwandfrei.

Shy 

Der Held des Jugendbuches heißt Shy, ein Teenager, begabter Basketballspieler und mexikanischer Herkunft. Mit seiner Mutter, seiner Tante plus Neffen und seiner Großmutter fühlt er sich sehr verbunden. Ganz realistisch bleibt er ein mehr oder minder hilfloser Junge, der in die Ereignisse hinein schlittert.

Story 

Ohne zu viel verraten zu wollen. Der Titel der Originalausgabe „The Living“ (Das Leben, Die Existenz) trifft das Thema besser als der „deutsche“ Titel „Under Water“ (Unter Wasser). Shy jobbt auf einem Kreuzfahrtschiff als Poolboy. Das Schiff sinkt. Auf einem Rettungsboot paddelt er um sein Überleben. Der dramatische Showdown dann auf einer kleinen Insel.

Kritik 

Die Geschichte liest sich flüssig und ständig überraschende Wendungen sorgen für Spannung. Action steht im Vordergrund. Ich wollte immer weiter lesen.

Ausführliche Charakterbeschreibungen oder eine Darstellung der Umgebung fehlen. Dadurch bleiben die Protagonisten und die Orte dem Leser fremd. Das fand schlecht an dem Thriller.

Der Autor hofft wohl auf eine spektakuläre Verfilmung. Naturkatastrophe, Ausländerfeindlichkeit, Killervirus und Mord. Nichts wird ausgelassen. Fast zu viele Themen für einen einzigen Roman.

Fazit 

Trotzdem eine sehr gute Lektüre für ein paar spannende Stunden auf dem Sofa.

4 von 5 Seesterne

 

Buchkritik: „Einhandsegeln“

Das Christkind namens Schwiegermutter hat meinen Weihnachtswunsch erfüllt und mir folgendes Buch unter den Christbaum gelegt:

Einhandsegeln von Stephan Boden

ISBN 9783 667 10679 7

Zugegeben, bin ich voreingenommen, was die Kritik an diesem Buch angeht. Die ersten beiden Bücher des Autors über Segeln in Dänemark haben mich dermaßen fasziniert, dass ich selbst nach Dänemark gereist bin und für vier Wochen dort mit Crew und dann einhand segelte. Das könnt Ihr im Juli 2015- Archiv nachlesen.

Aufmachung:

Schon das Cover und Format des Ratgebers ist ungewöhnlich: Beinahe quadratisch und mit gummierten Einband. Wie auf einer Zigarettenschachtel liest sich der Warnhinweis: „Einhandsegeln kann süchtig machen!“ Das Schriftbild erinnert mich an die alte Schreibmaschinenschrift und ist gut zu lesen.

Worum geht es?

Im Buch werden Tipps und Tricks rund um das Einhandsegeln gegeben und das Gefühl, das sich bei dieser Spielart des Hobbys Segeln einstellt, verherrlicht.

Die Hälfte der 170 Seiten sind Fotos der Boote des Autors „Digger“ und „Bente.One“. Also bleiben nur zirka 85 Seiten Text.

Im ersten Teil geht es um die Ausstattung eines einhandtauglichen Bootes. Von den drei Problemlösern hatte ich zwei schon an Bord.

Der zweite Teil beschäftigt sich damit, wie typische Manöver ohne Crew bewältigt werden können: Ankern, Anlegen und Ablegen. Autopilot, der keiner ist. (Mehr verrate ich nicht.)

Eine Checkliste rundet Teil 2 ab.

Der dritte Teil beschreibt das Gefühl, alleine unterwegs zu sein.

Wie hat es mir gefallen?

Der lockere Schreibstil des Autors spricht mich sehr an. Endlich mal etwas anderes als „Seemannschaft“, die mit erhobenen Zeigefinger vermittelt wird. Die altehrwürdigen Herren der Segelclubs sind bestimmt entsetzt. Die Manöver sind simpel gestaltet und nachvollziehbar und verständlich beschrieben. Teilweise von Fotos unterstützt.

Der Autor war wirklich einfallsreich, wie er das Boot an den Steg manövrieren kann. Zitat: „Ich nehme Schwung und werfe das ganze Geraffel dann beherzt und ohne zögern hoch über den Steg.“

Andere Ratgeber, gerade zum Anlegen, sind im Vergleich so kompliziert, dass ich mir die Schritte schon ohne Stress im Hafen nicht merken kann.

Das hat mir sehr gut gefallen.

Die Fotos passen meist zum Text, nur die Rechtschreibung ist manchmal etwas nebulös. Schreibt man die Fock wirklich „Fog“? Ich widerspreche anderen Kritikern, dass es sich um einen Werbeprospekt für die Bente handelt. Der Autor war auf dem Boot unterwegs und somit ist das Boot logischerweise zu sehen. Die Bilder sind stimmungsvoll. Wunderbar, um in der segelfreien Zeit von der Ostsee zu träumen.

Fazit:

Wer kurze und knappe Tipps sucht und selbst nachdenken möchte, ist mit dem Ratgeber gut beraten. Wer lange Texte und komplizierte Manöver sucht, sollte lieber „Hafenmanöver in 100 Bildern pro Manöver“ lesen.

5 von 5 Seesternen

 

 

 

Buchkritik: „Polnische Ostseeküste“

Ob sich der Reiseführer „Polyglott on tour“ über die „Polnische Ostseeküste“ ISBN 9783 846 42926 für die Planung eines Törns durch Polen eignet, wollte ich dieses Wochenende herausfinden. Die Antwort ist: Ja.

Worum geht es ? 

Das Buch bietet auf den Innenseiten des Einbands eine erste Übersicht. Die Vorderseite listet die zwölf Highlights der Küste und alle Touren auf. Die Rückseite des Einbands bildet eine Übersichtskarte. Außerdem ist ein herausnehmbarer Faltplan im Maßstab 1 cm =12,5 km beigelegt, der nochmals die im Büchlein besprochenen Touren und Top 12 enthält. Selbstverständlich eignet sich KEINE dieser LANDkarten zur Navigation auf See. Das Vorwort der Autorin Renate Nöldeke bringt einen in Reiselaune. Daran schließen sich 50 DOS and DON’TS an.

Die Küstenregionen sind, von West nach Ost sortiert, in sechs Kapiteln auf rund 150 Seiten beschrieben: 1. Stettiner Bucht, 2. Pommersche Küste, 3. Danzig und Umgebung, 4. An der Unteren Weichsel, 5. Ermland und Oberland und 6. Masuren.

Wie hat es mir gefallen ? 

Für mich als Seglerin waren vor allem die Kapitel 1,2 und 3 interessant. Die Sehenswürdigkeiten der Hafenstädte Szczein, Kolobrzeg, Leba, Gdynia und Gdansk sind kurz und knackig umrissen. Mir sagen die Übersicht nach Regionen und die knappen Beschreibungen der Orte sehr zu. Die Masuren werden auf 11 Seiten abgehandelt, was zu wenig für eine Segeltörnplanung ist. Die jeweils halbe Seite pro größeren Ort zu Hotels und Restaurants sind für meine Low-Budget-Segelreisen nicht relevant. Landratten und betuchte Wasserratten bekommen damit doch hilfreiche Tipps, wo es gut ist und wie teuer oder billig.

Gelungen am Reisebuch finde ich die Abwechslung der beschriebenen Touren durch Polen: Ob Wanderung, Zugreise, Radtour oder mit dem Auto. Da findet jeder Leser etwas Passendes. Ich persönlich freue mich darüber, dass zu fast allen Museen die Internet- Homepage angegeben wurde. So kann man live auf der Reise mal schnell die Öffnungszeiten checken.

Kleine Specials über Strände oder Bernstein runden das Bild ab.

Für wen ist es geeignet ? 

Kunst- und Literaturliebhaber sollten zu ausführlicheren Werken greifen. Für Polenanfänger und zur Reiseplanung an List ist der Band bestens geeignet.

Fazit:

5 von 5 Seesternen