Auf Wiedersehen, lieber Brombachsee!

Zum letzten Mal für die Saison und für die nächsten Jahre drehten Shadow und ich eine Runde über den Brombachsee. Ab nächsten Jahr machen wir beide den Steinberger See bei Schwandorf unsicher.

Mit einem sanften Windhauch segelte ich heute aus dem Hafen, um den algenbewachsenen Propeller zu unterstützen. Bis zum Ramsberger Badestrand und einmal die Kaimauer entlang ging der Segeltörn zum Saisonende. Dauerte bei dieser Beinahe- Flaute eine halbe Stunde.

Der strahlende Sonnenschein trocknete die Segel hervorragend. Wanzen und Spinnen flüchteten teilweise freiwillig. Die anderen Segler wunderten sich über mein neues Manöver „Martinisegel: Geschüttelt- nicht- Gerührt“: Segel kräftig am Großbaum oder Unterliek schütteln, damit das verbliebene Ungeziefer an Deck prasselt.

Linus half mir ein letztes Mal beim Anlegen. Am Steg verabschiedeten sich auf Linus, Alex und Pekka herzlich von mir. Mit den Jahren war mit den Nachbarn eine gute, freundliche Seglergemeinschaft entstanden, die ich vermissen werde. Und irgendwer hatte wohl herumerzählt, dass ich das Revier wechsle. Ich? Beim Abschied wurde mein Herz schwer.

Dank richtigen Werkzeug schlug ich nicht nur die Segel innerhalb von einer Stunde ab, sondern schraubte auch flugs den Stegfender mit der Ratsche ab. Sogar das WC- Chemie leerte ich ohne Zwischenfälle aus.  Der der Fäkalienbodenluke benachbarte Optimisten- Trailer blieb sauber. Fünf Jahre Übung im Seglerdasein machen sich eindeutig bemerkbar.

So kann ich morgen an meinem Urlaubstag zu Hause bleiben und im Garten die Sturmschäden beseitigen, statt nochmals an den Brombachsee zu reisen.

Auf Wiedersehen, lieber Brombachsee und liebe Stegnachbarn! Danke für die unzähligen, wunderbaren, mal erholsamen, mal aufregenden Stunden!

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Nickerchen auf dem Vordeck

Nachdem mich Sehnsucht nach der Shadow überfallen hatte, schaute ich Sonntag Nachmittag bei ihr vorbei.

Aus dem Segeln wurde nichts. Schon wieder waren die Sicherungen bei meiner Stromsäule heraus gesprungen und Shadows Batterien hatten sich entladen. Ohne Batterien kein Strom für den Motor.

So ging es direkt „ohne Umweg über Segeln“ zum besten Entspannungsprogramm. Erst in „Die Bucht“ in den Lounge- Möbeln abhängen, Band 7 von „Das Tal“ lesen und einen Schokoeisbecher in Ruhe genießen- für günstige 4,90 Euro. Zu empfehlen. Danach auf dem Vordeck der Shadow in der Sonne liegen. Die ganze Saison konnten sich meine Besucher dort am Deckshaus anlehnen und entspannen. Ich war bisher nicht dazu gekommen. Vom Vordeck konnte ich prima Hafenkino gucken: Eine Schwäbische Großfamilie beim Aufbruch: „Nele, Du darfst doch nicht alleine über den Steg (Fingersteg) laufen!“ „Jakob, jetzt klemme nicht die Kabel ein, sondern mach‘ den Deckel ordentlich zu!“ „Lukas, trage endlich die Taschen auf den Steg!“ (Namen von mir geändert)

Als nächstes fliegt auf eine Mitseglerin auf einem anderen Schiff mit einem lauten Krachen den Niedergang hinunter, dass man es im ganzen Hafen hört. Ihr Mann: „Oh Gott, tu‘ Dir bloß nichts an. Wer soll sonst die Hausarbeit machen?“ Das sind Sorgen.

Zum Schluss plaudere ich mit einer Stegnachbarin über unsere Winterlager, mein Relingsnetz und den neusten Stegtratsch, während ihr Mann das Schiff aufklart.

Nach drei Stunden am See sind nicht nur Shadows sondern auch meine Batterien aufgetankt und ich habe Energie für die neue Arbeitswoche.

Wer hat von meinem Gäbelchen gegessen?

„Ich bräuchte WLAN im Hafen.“ „Danach hat seit zwei Jahren keiner gefragt. Ich weiß nicht, wie man es anschaltet. Reicht nächste Woche?“

Nein. Für HEUTE 14 -14:30 Uhr suchte öffentliches WLAN im Fränkischen Seenland. Die Hotspots im Rathaus Weißenburg und Pleinfeld haben freitags von 8-12 Uhr geöffnet. Mein Notfallplan wäre McDonald’s Weißenburg gewesen. Kein ruhiger Ort für ein geschäftliches Meeting. Die Rettung: Der Seehof (Hotel) in Langlau am Kleinen Brombachsee. Obwohl ich kein Gast bin, erhalte ich kostenlos den WLAN Zugang und darf die gemütliche und ruhige Lobby zum Telefonieren nutzen. Danke, Seehof, das nenne ich Gastfreundschaft!

Leider zieht sich der Termin bis 15 Uhr. Meine superpünktlichen Freundinnen Liv und Enya stehen derweilen im strömenden Regen unter der kleine Eiche am Stegtor und warten auf mich. Wir richten uns drei auf der Shadow ein. Die zwei hatten wie ich einen stressigen Arbeitstag und der Beginn unseres  Mädels- Abend wurde von 13 auf 15 Uhr verschoben.  Beim Kaffeeklatsch kocht der Perkolator über und speit Kaffee auf den Herd. Stelle fest, dass ich keine Kuchengabeln an Bord habe. Große Gabeln tun den Zweck auch. Enyas Zwetschgenkuchen schmeckt toll und wir tauschen den neusten Firmentratsch aus.

Segeln und Baden entfällt wegen Regen und 15 Grad Celsius Lufttemperatur. Wir eilen zur letzten regulären Rundfahrt des Trimarans um viertel sechs. Drinnen läuft mit Helene Fischer und Co. die Party an und Frauen schwingen das Tanzbein. Die Partymäuse erkennen wir an den Clubbändchen „MS Brombachsee“ in neongelb. Wir flüchten zum gutgelaunten Barkeeper auf das „Sonnendeck“, der seinen einzigen Gäste gerne ausschenkt. Die Lounge- Sofas in der Mitte des Decks bleiben vom Regen verschont. Später blitzt die tief stehende Sonne hervor und verwandelt den Brombachsee in ein Meer aus Silber. Wir sitzen inzwischen im warmen Innenraum, da ich meine Füße vor Kälte nicht mehr spüre. Naja, fast.

Zurück an Bord der Shadow serviere ich meinen Segler- Nudelsalat „Spezial“: Frag Mutti

Enya: „Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass der Salat super schmeckt. Ich esse gerade die dritte Portion. Das sagt alles.“ Leider ist meine sechste Gabel von den Sieben Zwergen oder wem auch immer entführt. Wohl eher die sieben Klabautermänner. Liv benutzt geschickt und kreativ Suppenlöffel und Messer als Ersatz.

Damit Enya nicht erst um Mitternacht in den Bayrischen Wald nach Hause kann, fahren wir mit ihrem Auto dem Trimaran MS Brombachsee an den Absberger Strand hinterher. Dort steigt um 21 Uhr die erste Lasershow „Magische Momente“.  Die fleißigen Helfer der Freiwilligen Feuerwehr lotsen die Autoschlangen durch die Ortschaften und kontrollieren die Parktickets. Bis wir auf dem Ausweichparkplatz- eine duftende frisch“g’mahte Wiesn“-  erreichen, dauert ewig.

Die MS Brombachsee stoppt vor dem Strand auf. Zwei DLRG Boote starten Nebelmaschinen und sorgen für die Projektionsfläche. Mit Bezug zur Geschichte des Fränkischen Seenland- mit der Stimme von Terra X- startet eine unglaublich abwechslungsreiche und farbige Lasershow. Strahlen, Flächen, Vierecke aus Licht. Alles dabei. Liv: „Da kann die Aida (Schiff) einpacken.“ Dass die Musik schlecht geschnitten ist, stört niemanden. Wie bei der Landung der Außerirdischen stehen die Besucher am Strand. Schwarze Schatten vor bunten Lichtblitzen. Zu schnell endet die Show nach zwölf Minuten. Wir sind uns einig, dass es eine Reise wert war.

Zurück in Ramsberg hören Liv und ich der Rockband „Champagne“ zu. Kinder tanzen in Wollmützen und Schals wie wild vor der Bühne am Strand. Mein Lieblingshit „No Roots“ von Alice Merton wird live aufgeführt. Die Sängerin „Miri“ kommt an das Original nahe dran. Noch besser singt sie „99 Luftballons“ und „Irgendwo, irgendwann“ von Nena. Klasse Stimmung! Wie bei „Lieder am See“- nur kostenloser Eintritt und 55 statt 5.500 Zuhörer. Ich kaufe eine Tüte Marzipankartoffel an einer der diversen Fressbuden und fühle mich auf einen Weihnachtsmarkt versetzt. Sogar Glühwein gäbe es.

Um Mitternacht startet synchron an allen vier Stränden ein professionelles Feuerwerk mit Musik. Perfekt gemacht ! Gold-lila Regen, Sternenschauer, rote Blitze und alles, was Feuerwerk so hergibt.

Ein sehr gelungener Abschluss der Badesaison am Brombachsee !

Boat Projects

Die Rückseite der Gewitterfront brachte einige Böen und dunkle Wolken mit sich. Zwei andere Einhandsegler vom Steg hatten sich zusammen getan und legten in einem Boot gemeinsam ab.

Ich hatte etwas anderes geplant und ein Bastelprojekt für den Schlechtwetter- Urlaubstag am Brombachsee vorbereitet. Stegnachbar: „Wird hier etwa betoniert?“ Nein. Der Baueimer enthielt sämtliche Zutaten für die Arbeit: 2 Holzbretter, Schleifpapier, eine Holzleiste, 4 Einweghandschuhe, Teaköl und Pinsel. Was das wird? Die „erste Ölung“ der Shadow.

Mit dem Akkuschrauber die zwei Handläufe abzuschrauben schlug fehl. Der größte Schlitzschrauber drehte hohl. Her mit dem gewöhnlichen Schraubenzieher aus der Werkzeugkiste. Die 2 x 6 Schrauben gingen leicht aus dem Gewinde. Ein Handlauf war mit „STB“ beschriftet. Ach so, das Schiff ist echte Handarbeit und die Handläufe somit keine standardisierte Massenware. Backbord war kerzengerade, Steuerbord leicht gebogen.

Auf den zwei Brettchen auf dem Steg legte ich die Patienten hin. STB immer in der hinteren Reihe. Die gelangweilten Stegnachbarn (auch Zwangs- Hafentag) scharten sich alsbald zusammen, um meine Arbeit zu beurteilen: „Das sieht doch passabel aus. Eine zweite Schicht reicht.“ Den groben Moos und Algenschmodder kratze ich mit der mitgebrachten Holzleiste ab. Besser wäre ein Stahlschwamm gewesen. Der silbernen Schicht rückte ich mit Schleifpapier zu Leibe.

Bereits die erste Schicht mit Teaköl lässt die Handläufe im wunderschön dunkelbraunen Farbton erleuchten. Da geht die Sonne im Herzen auf- wenn nicht schon am Himmel. Eine zweite Runde mit Öl soll zusätzlich schützen. Nach Lesepause im Salon hat der Wind das Meiste getrocknet. Überschüssiges Teaköl wische ich mit einem Schwammtuch aus der Pantry ab. Die verrotteten Trennschichten zwischen Deckshaus und Handlauf muss ich austauschen, wenn ich das passende Mittel gekauft habe. Nur was?

Nächstes Boot Projekt wird das gesandete und verschimmelte Schiebeluk, das ich mit Sprühfarbe aufpimpen werde. Wie bei „Shaggy Seas“ die Windhutzen.

 

Anker auf, ab, auf und auf

Die komplette Saison hatte ich mich davor gedrückt, Ankern zu üben. Heute hatte ich vor nach Absberg zu segeln und vor dem Heimathafen zu ankern und Nudeln zu kochen. Ein bisschen Fahrtensegler- Gefühl auf dem Brombachsee. Doch wie heißt es so treffend: Who plans to sail, plans to fail. (Wer Segeln plant, plant sein Versagen.)

Entgegen den vorgesagten 3 Bft. hauchte der Wind leise mit 0- 1 Bft. über den See. Dagegen hätte ich niemals aufkreuzen können, da die Shadow mehr abdriftet als Höhe gewinnt.

Plan geändert- statt zu versagen: Ich krieche hinüber nach Enderndorf und zurück nach Ramsberg, was zwei Stunden dauert. Somit betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 2 Stundenkilometer. Selbst die Kats stehen in der Beinahe- Flaute.

Vor dem ausgewählten Ankerplatz beim Phönix- Denkmal hole ich den Anker, Ankerkette und Ankerleine an Deck und befestige die Leine an der Klampe. Anker auf- sozusagen- nur auf das Deck. Fix die in der Bö- wo kommt die jetzt unpassend her !-  flatternden Segel geborgen und versucht auf zu stoppen. Doch ohne Segel beginnt die Shadow mit dem Wind in Richtung Flachwasserzone/ Naturschutzgebiet zu treiben. Shit. Hastig lasse ich den Anker und die Kette über die Rolle herunter. „Lasst fallen Anker“ soll man nicht. Sonst ist ein Kettenhaufen auf dem Anker. Weiß ich doch!

Ich fahre mit leichter Rückwärtsfahrt den Anker in den Grund ein. So ein weiterer Plan. Sofort fixiere ich mit den Augen eine Pappel am Ufer, deren Blätter sich silbrig im Wind wiegen und die raschelt. Die Ankerleine spannt sich. Ich bin ebenso gespannt- ob der Anker hält. Jedenfalls habe ich dazu gelernt, dass ich die Shadow bei 2- 3 Bft. besser 20 oder mehr Meter im Wind auf stoppe. Sie treibt eine erhebliche Strecke bis ich den Anker herabgelassen habe.

Nach der schweißtreibenden Arbeit steht Erfrischung auf dem Programm. Haha. Mit der Bürste bewaffnet tauche ich erst die Zehen und dann die ganze Kerstin in den See. Statt Schwimmspaß wird der Entengrütze auf der Badeplattform der Kampf angesagt. Klettere zurück auf die Badeplattform, damit ich mir den Schmodder nicht selbst in das Gesicht schaufle.

Zurück im Cockpit habe ich den (richtigen) Eindruck, dass der Anker nicht gut hält. Da koche ich lieber im Hafen an Bord, bevor die Shadow sich in das mit orange farbigen Bojen markierte Flachwasser davon macht, während ich koche.

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Anker auf. Das wäre schön. Doch Seegras über Seegrasbüschel hängen in der Ankerkette. Da muss der Bootshaken her, um das Zeug abzustreifen. Den Anker stopfe ich mitsamt Seegras in seinen Kasten. Hilfe! Die Shadow driftet über die Grenze zum Naturschutzgebiet. Merke: In Lee von Flachwasser ankern und nicht in Luv. Immerhin schaffe ich über die Ankerrolle am Bug, den Anker zu bergen ohne Shadows Gelcoat zu zerkratzen.

Im Seegras- Chaos wickelt sich allerdings ein Teil der einen Kilometer 😉 langen Ankerleine um den Bugkorb und der Ankerkasten lässt sich nicht schließen. Ein Stegnachbar gibt mir einen nützlichen Tipp zum Ankereinholen: Die Leine über die Winschtrommel am Mast mit der Winschkurbel hochkurbeln und das Kreuz schonen.

Nach köstlichen Spaghetti mit Tomaten-Cashew-Pesto fühle ich mich gestärkt für ein drittes „Anker auf“ des Tages- diesmal im Hafen. Und zwar aus dem Ankerkasten auf das Deck. Mit spitzen Fingern zupfe ich das restliche Seegras ab und wasche das Vordeck sauber.

Den restlichen Tag lummele ich im Cockpit und lese Teil 2 des Thrillers „Das Tal“. Ein Urlaubstag nach meinem Geschmack: Spannung (Ankern) und Entspannung (Lesenachmittag im sicheren Hafen).

Das Gewitter verpenne ich nachts in der Koje. Vor lauter Anker- Muskelkater kann ich nicht mehr den Kopf im Bett hochheben. Muss mit den Händen nachhelfen. Ich schlafe schwer und fest wie ein Anker in seinem Kasten!

Kaffee- Segeln

Lauter Premieren heute an Bord: 1. Das erste Mal drei Erwachsene und zwei Kinder auf Törn, 2. Perkolator eingeweiht und 3. Der erste, kleine Personenunfall.

Dass ich diesen Sonntag bei den kühlen Temperaturen überhaupt zum B’see fuhr, habe ich meiner Cousine zu verdanken. Anna (Name von mir geändert) verbrachte mit ihrer Familie ein verlängertes Wochenende in der „Zur Hopfenkönigin“ am Brombachsee und schlug vor, uns zu treffen. Die Wettervorhersage lautete „bewölkt, 15- 19 Grad Celsius“ und hätte mich sonst vom Segeln abgehalten.

Die kleine Sicherheitsweisung kam gut an. Meine Verwandten hatten bisher lediglich Erfahrungen mit Kajaks gemacht und war froh über meine Tipps. Sogar Shadows Bordtoilette wurde heute „ausprobiert“, also benutzt. Es folgte die obligatorische „Modenschau“ der Rettungswesten. Annas Tochter quetschten wir mit vereinten Kräften in Thorgers Rettungsweste. Obwohl die Weste für ihr Gewicht passen soll, ließen wir letztendlich den Reißverschluss offen und machten einfach alle Gurte zu. Keine Optimallösung, für mich, die Sicherheitsfanatikerin. Doch für einen Flautentörn einer guten Schwimmerin auf dem ruhigen Brombachsee akzeptabel. Die „Kleine“ wollte sowieso bei der Mama im Cockpit bleiben und nicht wie kleinere Kinder an Deck herum turnen.

Anna konnte gar nicht glauben wie leise und geruchlos uns Shadows Minnkota- Motor aus dem Hafen bringt. Wie sich später herausstellte, dachte sie, es wäre ein Benzin- Motor und wunderte sich sehr, dass man gar keine Abgase riecht. Später tuckerte ein Torqeedo 1003 vorbei und dessen Motorgeräusch finde ich lauter als das von Minnkota.

Bei der Fahrt aus der Box merkte ich, was ein volles Cockpit mit drei erwachsenen und zwei langbeinigen Teenagern bedeutet: Ich konnte kaum die Pinne einschlagen und stellte mich mal links und mal rechts von der Pinne hin. Annas Sohn meinte, dass wir ganz schön langsam fahren. Stimmt, die Personenfracht machte sich ebenso in der Geschwindigkeit bemerkbar.

Anna übernahm die Pinne und ich zog flott das Großsegel hoch. Schneller als Finn (Name von mir geändert) sich akrobatisch in den WC- Raum eingefädelt und wieder hinaus gezwängt hatte. Das Vorsegel zog Annas Sohn heraus. Ganz vorsichtig und langsam. Ich feuerte ihn mit „Hopp- hopp“ an, dass er kräftiger ziehen darf. Freut mich, dass die zwei Kinder so sanft und vorsichtig mit der Shadow umgingen. Da habe ich schon anderes Verhalten erlebt: Vom Türenknallen bis Beinahe- Klogriffabreißen.

Leider erreichten wir Annas Ferienort Enderndorf nur fast. Finn steuerte die ganze Zeit bis zur Hafeneinfahrt und ich behielt die zahlreichen Segelboote im Auge. Die Fahrt verlief sehr ruhig. Heute wehte ein schwacher Nord-West-Wind genau aus dem Enderndorfer Hafen heraus und die Kinder hatte keine Lust auf Kreuzen. Vor der einzigen Wende in der Enderndorfer Bucht musste die Crew aufstehen und die Schoten des Vorsegels in die Hände nehmen. Sie saßen auf den Schoten oder standen mit den Füßen drauf. Wegen des Platzmangels zu fünft im Cockpit! Die zwei Teenager durften bzw. mussten die Rückfahrt auf dem Vordeck verbringen und dösten in der Sonne. Total müde von der Radtour um den halben See von Enderndorf zu Shadows Hafen Ramsberg. Und das Grundbedürfnis der Jugend, nämlich WLAN, konnte ich an Bord nicht befriedigen. Ätzend, gell? Dafür hatten wir drei Erwachsenen wieder Beinfreiheit im Cockpit.

Heute kletterten zur Abwechslung die zwei Erwachsenen beim Anlegen unter Deck und die Kinder durften sitzen bleiben. Finn rief hoch: „Ist jetzt der Motor kaputt?“ Ich: „Nein. Ich lasse das Schiff mit Restgeschwindigkeit an den Steg treiben. Ich habe keine Bremse.“ Dort nahm Pekka meine Vorleine entgegen.

Lustig, dass wie bei meinen anderen Kindercrews, sich wieder nur ein einziges Kind für das Schwimmen begeistert. Finn und seine Tochter schwammen sehr weit durch das Hafenbecken bis zum Steg der schwimmenden Ferienhäuser und zurück.

Derweilen bereitete ich die Anlegerdrinks vor. Anna und ich teilten uns eine Dose Sekt, Finn bekam zum Aufwärmen ein Schlückchen Bramble- Whisky. Die Kinder wollten nichts trinken, was in der Bilge lagert: Wasser, Holunderlimo oder Apfelschorle. Den Perkolator hatte ich vorbereitet und stellte Spirituskocher auf „Vollgas“ ein: Stufe 5. Wir stoppten die Zeit nicht, doch bis die Baderunde beendet war, war der Kaffee fertig. Der Elektroherd war da nicht viel schneller: Der Perkolator

Passend zum Kuchenessen kam endlich die Sonne hinter den Wolken hervor und es herrschte T- Shirt- Wetter. Wir plauderten über das Schul- und Arbeitsleben. Schon waren vier Stunden an Bord verflogen. Was für ein entspannter Tag! Bis dahin.

Zum Abschluss ereignete sich leider der erster Personenunfall in Shadows fünfjähriger Geschichte: Finn haute sich barfuß auf dem Steg dermaßen die Zehen an, dass zwei bluteten. Bis ich meinen Verbandskasten holen wollte, hatte er schon Socken und Schuhe angezogen. Aua, der Arme, sagte nur: „Schön, wenn der Schmerz nachlässt.“

 

 

 

Segeln mit Kollegen

Nach einer recht kühlen Übernachtung auf der Shadow, lud Liv mich zum Frühstück im Warmen beim besten Bäcker der Welt ein: Der „Kleeberger“ in Ramsberg. Danke dafür! Bamberger („Croissants“) waren ausverkauft und stattdessen lag leckeres Rosinen- Brioche im Brotkorb. Der Kaffee weckte die Festival- müden Lebensgeister. Liv zeigte mir stolz, wie sie lediglich mit dem Schlüssel ihren neuen BMW vorwärts und rückwärts fahren lassen kann, sogar wenn sie das Auto verlassen hat. Dank Kamera und Radar lenkt das Auto selbst. Darauf wurde sie gleich von einem Rentner im Cafe angesprochen. Ich finde automatisiertes Fahren und solche Spielereien etwas unheimlich. Jedoch ist diese Funktion sehr praktisch in Parkhäusern mit engen Lücken.

Zurück alleine an Bord bekam ich einen Schreck: Das Ladegerät für die Motorbatterienbank zeigte mit einem orangen Blitz „Störung“. Dabei war ich mir sicher, dass es gestern angeschaltet war und die Batterien zu zwei Dritteln geladen hatte. Offenbar war beim Gewitter der Blitz eingeschlagen oder Regen eingedrungen. Der FI- Schalter der Landstromsäule war heraus gesprungen. Stegnachbar Tom erzählte mir, dass er den FI Schalter umgelegt hatte, doch offenbar mochte das mein Ladegerät nicht. Stegnachbar Linus reparierte mittags das Gerät, indem er den Stecker zog und neu einsteckte. Muss seine positive Ausstrahlung eines Ingenieurs ein. Bei mir funktionierte der Trick nicht.

Mir stand für den Ausflug mit meinem Arbeitskollegen (Nr. 1) Dietmar und seiner Frau Lykka (alle Namen von mir geändert) ein Abenteuer bevor: Aus dem Hafen zu segeln statt zu motoren. Um Batterien zu schonen. Die zwei bekamen eine ausführliche Sicherheitseinweisung und ich im Gegenzug als Geschenk eine Flasche Sekt und bordgeeignete Rosmarin- Brotstangen. Los ging es! Rückwärts aus der Box und in das windgeschützte Boxengassen- Ende motort. Dietmar übernahm das Steuer und ich setzte in Rekordtempo beide Segel, ließ die Fallen an Deck liegen und rannte zum Wenden zurück zur Pinne. Uff! Motor aus. Im gemütlichen Tempo segelten wir mit halben Wind und raumen Wind lautlos bis zur Hafeneinfahrt. Stegnachbarn zeigten ihren Respekt: Daumen hoch! In der Ausfahrt nahm ich den Motor dazu, um nicht die Kaimauer auf Am Wind- Kurs zu schrammen. Dietmar fand alles easy und sagte: „Uns wäre nicht aufgefallen, dass Du das nicht immer so machst.“ Ich freue mich sehr, dass die zwei sich für das Segeln interessierten und begeisterten. Dietmar lag furchtlos auf dem Vordeck, sogar als Shadow in eine leichten Bö zu krängen, d.h. Schräglage zu fahren, begann. Lykka und ich erzählten uns im Cockpit, welche Krimis wir gerade lesen. Sie „Eberhofer“, ich „Engelmord“. Flott erreichten wir Allmannsdorf und meine Crew zeigte Talent als Vorschoter bei der einzigen Wende des Tages. Alles ganz ruhig, reibungslos und ohne Hektik abgelaufen. Gegen den Wind konnte ich unmöglich mit der trägen Shadow die Gasse des Hafenbeckens hinauf kreuzen und der Motor hielt tapfer durch, bis Shadow sicher an ihrem Liegeplatz vertäut war.

Mit kleiner Verspätung erreichten wir drei waschechten Segler die Pizzeria „Yachthafen“. Von sieben Kollegen hatten erst vier zugesagt, dann zwei abgesagt. Umso besser, dass meine Kollegin Nr. 2, Marie (Name geändert), ihre drei Kinder und Ehemann als Verstärkung mitgebracht hatte. Wie erwartet gab es bei den Getränken ein Durcheinander, wenigstens die Pizzen stimmten. Der „Yachthafen“ ist berühmt berüchtigt für den grottenschlechten Service. Dietmar bestellte zur Pizza Funghi als Extrabelag Artischocken dazu. Das werde ich demnächst nachmachen- eine vegetarische Kombi ganz nach meinem Geschmack. Die hauseigene Variante der Veggie- Pizza wird nämlich mit Dosenmais und Dosenpeperoni belegt, was mir beides nicht schmeckt.

Marie und die drei Kinder kamen mit an Bord. Dietmar und Lykka radelten (auf eigenen, also brauchbaren Fahrrädern) zum Igelsbachsee und Maries Mann radelte an den Absberger Strand. Später lehnte er sein Rennrad am Steg an die Säule, es rollte auf einmal vor und versank beinahe im Hafenbecken. Mit einem beherzten Sprung von Bord rettete er es.

Der jüngste Spross meckerte: „Ich will aber nicht segeln.“ Später revidierte er sein Urteil: „Segeln ist ganz anders, als ich dachte. Ich dachte, ich muss auf einem Holzbrett mit Stecken stehen.“ „Nein, das ist surfen.“ „Und was ist dann auf den Wellen zu reiten?“ „Auch surfen.“ Die Töchter staunten, dass die Shadow von außen so klein und von innen so groß sei.

Die Jüngeren hatten erst Angst vor dem Schwimmen, weil das Wasser im Hafenbecken 10 Meter tief ist. Kaum waren die Älteste mit Schwimmbrille und Köpfer abgetaucht, sprangen die jüngeren von der Badeplattform aus hinterher.  Marie und ich gingen es etwas langsamer an: Arme und Beine abkühlen, dann rückwärts in den See sinken lassen. Der Kleinste hatte gleich bei Ankunft auf der Shadow die Backskiste aufgeklappt und geschaut, was sich darin wohl verbirgt. Zehn Minuten später beim gemeinsamen Baden konnte er problemlos den Schrubber finden und mir hinunter in das Wasser geben. Ich säuberte damit grob den Propeller des Motors. Mit einer von der Tochter ausgeliehenen Taucherbrille kontrollierte ich meinen Putzerfolg und besserte nach.

Wie fast jeden Sommer- Mittag hatte der Wind abgeflaut und zeigte sich in einer kindgerechten Stärke. Marie hatte ich Steuern und Winschen erklärt, den Kindern wurden die Rettungswesten angezogen. Die zwei Jüngeren steuerten kurz und saßen bald aufgeregt vorne mit Rücken am Deckshaus. Die Älteste verschlief den Törn unten im Vorschiff. Marie und ich redeten über Vorfahrtsregeln beim Segeln, umschifften ein Tretboot und überholten einen Kleinkreuzer. Die Zeit verflog. Nach der Wende -wieder vor Allmannsdorf wegen des heutigen Nordwindes- blieb die Shadow in einer Flaute komplett stehen. Da half nur Abwarten und Batterien schonen. Meine dritte Kindercrew des Jahres machte zur Unterhaltung den Haribo- WM- Gummibärchen den Garaus. Im Hafen durfte die Rasselbande nochmals schwimmen und stand in Badekleidung unter Deck ungeduldig parat bis ich endlich angelegt hatte. Dietmar hatte uns auf dem See gesehen, sich durch die Stegtür geschmuggelt und half mir beim Anlegen.

Marie zauberte aus der Kühltasche selbstgebackenen, erfrischenden Zitronenkuchen und kleingeschnittene Ananas hervor. Leckeres Abendessen.

Die Kollegen freuen sich jedenfalls auf den nächsten Segelausflug mit der Shadow im Jahr 2019! Und ich wundere mich nach wie vor, wie der Tag trotz Motorknappheit so reibungslos und entspannt abgelaufen ist.

 

Lieder am See- am Brombachsee

Alt – älter- am Brombachsee. Unter diesem Motto stand das diesjährige Musik- Festival „Lieder am See“ in Enderndorf am Strand des Brombachsees. Spätestens beim Auftritt von Status Quo fühlte ich mich auf dem Wandertags des hiesigen Altenheims.

Liv und ich hatten uns bei 32 Grad Außentemperatur spontan dagegen entschieden, ihren eisgekühlten Mitbringsel- Sekt zu vernichten. Im Fahrradverleih warteten nämlich sehnsüchtig uralte Blechesel darauf, uns von Ramsberg nach Enderndorf zu tragen, bevor sie ihr Leben aushauchen. Meine Pedalen ächzten angestrengt bei jedem Tritt in die selbigen. Livs Sattel löste sich und wackelte lustig wie ein Kuhschwanz hin und her. Nicht unseren Wadeln sondern den Rädern zu Liebe  😉 legten wir eine Pause auf dem Staudamm ein und genossen die großartige Aussicht auf den kompletten Großen Brombachsee.

Livs Rucksack kam nicht durch die Einlasskontrolle – zu groß. Total unloglisch: Man durfte Gartenstühle mit rein nehmen. Für uns Frauen jedenfalls die beste Ausrede an den Buden des Festivals „Lieder am See“ eine neue Handtasche im hippie- mäßigen Patchwork- Look zu erwerben.

Bei der Vorband aus Regensburg „Straying Sparrows“ (Übersetzung: Die umherziehenden Domspatzen) herrschte gähnende Leere vor der Bühne. Ein Aufseher wies uns extra darauf hin, dass man dort keine Picknick- Decken ausbreiten darf, als er Livs zusammengerollte Decke erspähte. Noch wäre Platz dafür gewesen. Die Sparrows erinnerten mich stimmlich an die Oasis- Brüder und hätten mehr Publikum verdient. Toll! Wenigstens wir zwei johlten ihnen begeistert zu. Mit den anderen zehn Zuschauern und uns sangen sie im Chor „The devil never sleeps“ als Refrain. Warum nicht.

Die Fressbuden boten vom Klassiker wie Pizza, Langos oder Zwa in am Weggla (Bratwürste) auch pfiffige, kreative Neuheiten wie „Schäufele im Weggla“ oder Knoblauchbrot an. Der Biergarten saß im Nu voll. Besonders überrascht hat mich, dass nicht abgezockt wurde und für Apfelschorle oder Spezi humane 2,50 EUR + Becherpfand verlangt wurden. Liv und ich entschieden uns für einen „Blotzen“ aus dem Holzofen. Schwäbisch Haller Mittelalterfans belegten diese Flammkuchenvariation mit Speck und Kartoffeln. Sehr schmackhaft!

Wishbone Ash und den herausragenden Ray Wilson von Genesis hörten wir vom Strand an. Zur Abkühlung plantschten wir mit Dutzenden anderen Festivalgästen in den warmen Fluten. Im Wechsel schwammen wir in Stück, während die andere unsere Taschen im Blick behielt, die im Sand auf einem Weidenzweig lagerten. Nur kurz konnten wir uns dazusetzen. Ein heftiges Unwetter brach los und der Himmel öffnete all seine Schleusen. Liv und ich flüchteten unter das Häuschen der Rutsche am Kinderspielplatz und wickelten uns in der Picknick- Decke ein. Die wärmte uns schön, bis nach einer Stunde die Sonne wieder aus den Wolken hervor lugte. Wir versuchten vergeblich uns und die Sachen wieder zu trocknen. Am Spielplatz tummelten sich einige Familien mit kleinen Kindern und ich wunderte mich doch sehr, dass Minderjährige das Festival besuchen dürfen. Spricht aber für die friedliche Atmosphäre auf der Feier.

Im extra angelegten Biergarten spielte in den Umbau- Pausen eine Live- Band alte Schlager wie „Hotel California“. Die langjährigen Fans wünschten sich Lieder, die umgehend gespielt wurden.

Die Spider Murphy Gang peppte ihre eh schon guten Lieder durch etliche Soli von Schlagzeug, Klavier und Saxofonen auf. Der Band- Leader witzelte: „Jetzt müssen wir schon nachmittags auftreten, weil Murphy und ich um sechs Uhr wieder zurück im Altenheim sein müssen. Ausgangsperre.“ Jeder Song wurde sympathisch mit einem Geschichtchen angesagt: „Auf ! Alle twisten! Außer ihr mit den frisch operierten Hüften!“ Der Platz war so voll, dass vor der Bühne die erste Schlägerei in Gang kam und sehr schnell von der Security beendet wurde. Eine Besucherin kommentierte: „Wie kann man bei der schönen Musik denn eine Schlägerei anfangen ?!“ Wohl war. Alle bekannten Hits wie Schickeria, Sommer in der Stadt, Mir san a bayrische Band und Peep Peep wurden gespielt. Natürlich als Zugabe „Skandal im Sperrbezirk“ zum Mitgrölen.

Ich muss sagen, dass ich vor dem Festival den Bandnamen „Gipsy Kings“ noch nie gehört hatte. Doch die heizten so richtig den Damen ein. Wie Urlaub in Spanien. Eine Frau tanzte mit einer als Mickey Maus verkleideten Frau Flamenco um die Wette. Alle anderen wippten mit den Hüften. Natürlich kannte ich die Hits der Gipsy Kings aus dem Radio: Bamboleo, Volare oder Baila me. Liv ist ihr Fan und konnte auf spanisch nicht nur alle Refrains, sondern sogar die Strophen mitsingen. Gut, um Sprache zu lernen: Melodische Lieder übersetzen und mitsingen!

Je später der Abend desto größer die Verstärker. Status Quo lieferte die beste Show ab. Der Frontsänger Francis Rossi spielte nicht nur unglaublich schnell alle Soli der Gitarre selbst. Auch sprang er voller Energie über die Bühne. Mit über 70 Jahren hat er mehr Energie und Fitness als die meisten Vierzigjährigen, mich eingeschlossen. Das Publikum fuhr teilweise mit dem Rollator auf den Platz und setzte sich hin. Der Rest der Menge tobte. Einer Ghetto- Barbie wurde die Nase blutig geschlagen und die Sanis trugen sie auf der Bare raus. Ich wurde dagegen immer müder und nach den Highlights „In the army“ und „Rocking all over the world“ schleppte ich mich zurück zum Drahtesel.

Zum Glück hatte Liv einen starke Taschenlampe dabei. Denn die Lichter an den Mieträdern funktionierten nicht. So fuhr sie voraus und ich ohne Beleuchtung hinterher.

Auf dem Damm hielten wir an und schauten die Milchstrasse an!

Ein Erlebnis ! Musik und Natur in einem !

 

 

 

Picture- picture

Auf Wunsch einiger neugieriger Kollegen habe ich am Wochenende Fotos vom  Schiffsinneren der Shadow gemacht und unter der Seite „Schiff“ veröffentlicht. Wie sagte Bruce so schön über Shadows gemütlichen Salon: „Das ist ja, als würde man sein Wohnzimmer überall mit hinnehmen können.“

https://kerstinundsyshadow.wordpress.com/schiff/

Zu diesen weiteren Beiträgen wurden ebenso Fotos nachgereicht:

Ein grandioser Segel- Tag

Volles Haus auf der Shadow

Segler gegen Fußballer 1:2

Der Brombachsee begrüßte mein Patenkind Robin mit einem recht frischen Wind und Schaumkronen auf den Wellen. Meinen Plan, zum Ankern hinaus zu fahren, vor Anker zu baden und Erbsensuppe aufzuwärmen, konnte ich über Bord werfen.

Robin machte das gar nichts aus. Stattdessen schwammen wir beide eine Runde im Hafenbecken, spielten Karten (Hornochse =6 nimmt und Cafe International) an Deck, angelten nach  Würstchen in der Suppe und saßen in der der Sonne im Cockpit. Abends gingen wir in die Lounge und Shishabar am Strand, der einzige Ort in Ramsberg, an dem Fußball übertragen wird. Robin lag altermäßig mit seinen acht Jahren näher am Altersdurchschnitt der Bar als ich. Wir bestellten hausgemachte Kirschlimo und Waldmeisterlimo. Das Spiel Belgien gegen Brasilien fand sogar ich kurzweilig sobald es nach einem Eigentor in der 13. Spielminute Fahrt aufnahm. Nach der Halbzeit musste Robin in die Koje und ich schaute mir ein paar Minuten durch das geschlossene Schott den orange farbigen Sonnenuntergang an.

Zum Frühstück briet der Sandwichmaker heißen Toast mit kochender Nutoka- Füllung. O- Ton Robin: „Das schmeckt so lecker. Kannst Du mir den Toaster ausleihen?“ An den Hafentoiletten trafen wir endlich einen fußballbegeisterten Segler, der Robin das Ergebnis des gestrigen Matches mitteilen konnte. Denn zu Robins Erstaunen besitze ich kein Smartphone. Den Erbsensuppentopf wollte ich unter dem Wasserhahn des Hafenklos auswaschen, den Schmodder in den Gulli am Straßenrand schütten. Die zuvorkommende Putzfrau stoppte mein Vorhaben und ließ mich das Waschbecken im Nebenraum benutzen. Ramsberg ist wohl der einzige Hafen für 500 Boote, der weder über Spülbecken noch Duschen verfügt. Selbst Lyö, der kleinste dänische Hafen den ich 2015 besegelte, war da erheblich besser ausgestattet.

Morgens wehten perfekte 2 Beaufort über den Brombachsee. Schnell hatten Robin und ich den kleinen Staudamm bei Absberg erreicht. Robin saß mutig vorne am Bug und ließ die Beine baumeln.

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Am Steuern hatte er kein Interesse, weil man sich da ja auf einen Kurs die ganze Zeit konzentrieren muss. Dafür konnte er beobachten, wie ein Kormoran nach Fischen taucht: „Der taucht gar nicht mehr auf. (….) Doch da drüben!“ Der Trimaran kreuzte unseren Kurs auf seiner ersten Fahrt des Tages, als Shadow sich schon wieder auf der Rückfahrt von Absberg befand. Robin: „Der Trimaran ist so riesig. Ich gehe lieber unter Deck.“ An der Webcam von Allmansdorf zog die Shadow so flott vorbei, dass ich leider kein Bild fand, auf dem man uns gut erkennen kann.

Der Wind drehte in Böen auf 4 Beaufort auf. Das Vorsegel flatterte und knatterte heftig bei einer Wende. Grünes Wasser spritzte seitlich an Deck hoch. Wellen bildeten sich. Da wurde Robin ganz anders. Er wollte lieber in den Hafen zurück als vor dem Hafen zu ankern. Nach Passieren der idiotisch konstruierten Hafeneinfahrt im Zick-Zack-Kurs und im ruhigen Wasser des Hafens angelangt, schlug ich Robin zur Ablenkung vom Völlegefühl vor, seine Badehose anzuziehen. Besser Vorfreude auf Schwimmen als der Gedanke an Seekrankheit. Pekka (Name geändert) hielt die Shadow vom Steg ab und übernahm meine Vorleine. Wegen Rückenwind machte ich umgehend die Achterleine und Achterspring fest. Robin wartete sehr brav unter Deck.

Seine Sprünge von Bord wurden immer ausgelassener: Froschsprung von der Badeplattform, Pirouette vom Fingersteg, Sprung oben von der Reling und schließlich ein Vorwärtssalto vom Fingersteg mit Anlauf. Note 1!

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Schwimmen und Springen macht müde. Bis die Nudeln auf dem Spirituskocher endlich kochten, schlief Robin fast am Tisch ein. Wir konnten draußen im Cockpit im angenehmen Sonnenschein essen, der durch den Wind erträglich wurde, und schauten den anderen Segelbooten zu. Auf dem Weg über den Sandstrand zum Fußballschauen wurde Robin nachdenklich: „Eine Badeweste (=Schwimmweste) ist viel praktischer als Schwimmflügel. Schwimmflügel muss man erst noch aufblasen, wenn das Schiff sinkt.“

Zum krönenden Abschluss des Ausflugs schauten wir in der Lounge wieder die erste Halbzeit eines Fußballspiels der Weltmeisterschaft in Russland an. Hinter uns ein Tisch Engländerinnen und vis-a-vis ein Schwedenfan im gelben Nationaltrikot. Alles blieb friedlich- bei Limo (Schweden) und auf deutsch bestellten Apfelschorlen (Engländerinnen).

So stand es zum Ende des Wochenendes 2:1 für den Fußballgott (gegenüber 1 x Segeltörn)!