Mondschein- Segeln

Der Mond zeigte sich zwar schon als Sichel am Himmel. Doch gleichzeitig lachte die Sonne bei milden 22 Grad Celsius vom strahlend blauen Himmel und der Wind blies  mit konstanten 1-2 Beaufort (Windstärke). Somit bot der Steinberger See perfekte Segel- Bedingungen für mich Kaffee- Seglerin bzw. Schönwetter- Seglerin.

Zuerst segelte ich mit Schmetterlingssegeln zum Seetreff Müller. Anschließend bog die Shadow um die Ecke der großen Insel und kreuzte auf. Vor dem In- Motion- Park- Freibad tummelten sich kreischende Jugendliche und mehrere Tretboote. Da wollte ich nicht hin und her kreuzen.

So kehrten „wir“, also kerstinundshadow, um und umrundeten die zweitgrößte Insel vor der Wakeboard- Anlage. Hier sparte ich mir das Kreuzen und zog mit flatternden Segeln an den Segelschülern vorbei. Die Segelschüler übten stöhnend „Fender über Bord“ auf schnittigen Jollen.

Ich konnte meinen Kurs in den Heimathafen anlegen, d.h. ohne Wenden bis zum Steg rasen. Sogar der Tiller Tamer (=Seil und Schraube als Autopilot) hielt den Kurs ohne weiteres Eingreifen. Hatte ich zufällig die Segel und die Pinne super ausbalanciert getrimmt.

Das fiel sogar den Clubkameraden auf, die mich von der Terrasse aus im Auge behielten: „Heute hat die Kerstin sogar das Großsegel ausgepackt.“ (Anmerkung: Bei den Samstags- Touren mit meinem Sohn segle ich nur mit Vorsegel, weil ich das Cockpit nicht verlassen will,um das Großsegel am Mast zu setzen.)

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Die Dauer einer Kekspackung

An der Schranke fragt mich ein Segler, ob wir heute segeln  waren. Meine Antwort: „Wir waren nur sehr kurz segeln. Nämlich bis mein Sohn seine Kekse aufgegessen hatte.“ Also dauerte der Törn eine Kekspackung lang. Trotzdem schaffte ich es, unter Segeln Fotos zu knipsen. Das Wasser strahlte türkis, als ob wir zwei in Sizilien segeln würde.

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Nach der Ausfahrt durfte Thorger solange Plantschen, bis er genug hat. Das war nach drei Stunden der Fall. Ich wurde von ihm beauftragt, ein Nashorn und den Grüffelo mit einem Stecken in den Sand zu malen. Stundenlang pobelte der Kleine an einen morschen Holzstück herum, das er hoch getaucht hatte. Er meinte, es wäre von einem Piratenschiff. Zwei Barsche trauten sich immer wieder zu unseren Füßen. Wir sahen sie durch unsere Taucherbrillen. Am Ufer hüpfte ein grüner Frosch entlang. Das hätten wir alles nicht gesehen, wenn wir in Eile gewesen wären.

 

Läuft wie geschmiert

Die bezahlte Arbeit dauert ungeplant länger. Bei meiner Ankunft am Steinberger See türmen sich hohe Wolken über dem Ufer. Ich beratschlage mich mit Gregor (Name von mir geändert), ob man noch raus fahren soll. Der Clubkamerad warnt mich vor schnell aufziehenden Gewittern und war heute lediglich Schwimmen statt Segeln.

Ich beobachte das Wetter und erledige derweilen die geplante, unbezahlte Arbeit am Boot. Der Reissverschluss der Persenning wird beidseitig mit Teflonspray eingesprüht. Wenn bei mir an Bord schon das Segeln nicht wie geschmiert läuft, so tut es wenigstens der Reissverschluss!

Nun sieht der Himmel heller aus. Ich traue dem Braten nicht. Zwischen Steg 4, 3 und der  Clubinsel drehe ich mit dem Vorsegel eine Runde. Dann komme ich in Minutenschnelle in den Hafen zurück, falls nötig. Ich möchte wenigsten eine kurze Runde zur Entspannung über das Wasser treiben. Die neuen Verklicker drehen sich lustig in entgegen gesetzte Richtungen. Wie Kreisel. Die Windrichtung kann ich jedenfalls nicht ermitteln. Die Ruhe vor dem Sturm? Über dem Nachbarort spannt sich ein Regenbogen. Schnell in den Hafen bevor das Segel oder ich nass werden!

Da verbringe ich meine Freizeit lieber trocken im Clubheim unter der Überdachung. Mir unbekannte Segler geben mir umgehend ein Stück selbstgebackenen Zwetschgenkuchen und einen Pott Milchkaffee aus. Köstlich. Ihr Hund trägt eine Rettungsweste mit Haiflosse. Sofort finden wir eine Gemeinsamkeit: Unsere Boote stammen beide aus Frankreich und wir lieben deren Eleganz.

Mit B&B quatsche ich mich dann dermaßen fest, dass schon die Supermärkte bald schließen. Mein Zwischenstopp beim Discounter in Regenstauf war ein guter Einfall. Die A3 ist gesperrt und ich stehe eine Stunde auf der Bundesstraße im Stau.

Kaffee-Regatta: Den Teil mit der Regatta lasse ich weg

Die zweite gemeinsame Ausfahrt mit dem Segelclub stand auf dem Programm. War im Mai zu viel Wind vorhanden, war heute zu wenig Wind vorhanden. Was einmal wieder die alte Seglerweisheit bestätigt: Entweder ist der Wind zu stark oder zu schwach oder er bläst aus der falschen Richtung.

Diesmal wurde ein Dreiecks- Kurs abgesteckt. Ich hatte mir vorgenommen, nur doppelt solange wie der Schnellste zu segeln. Im Mai war ich die dreifache Zeit des Gewinners gesegelt.

Leider wurde daraus nicht. An der Startlinie hatte ich fünf Minuten vor dem Start eine gute Position. Nach dem Startsignal benötigte ich drei Anläufe, d.h. Wenden, die Linie zu überqueren. Die Schiedsrichter riefen voll Freude: „Jetzt ist sie drüber.“ Der zweite Vorstand wartete extra mit seinem super schnellen Trimaran auf mich, bis ich die Startlinie erreichte. Das war richtig nett von ihm. Danke! Dann zischte der Trimaran ab und ich trödelte mit Abstand dem Feld hinterher. Wenige hundert Meter vor mir war eine Viko 26 mit ähnlichen Ausmaßen wie die Shadow.

 

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Zu der zweiten Tonne schwamm ein Badegast mit der Shadow um die Wette. Maria und Josef rasten mit dem Motorboot herbei und verwiesen ihn der Regattabahn.

Der Erstplatzierte im Laser (Boot) überholte mich alsbald. Ich schloss die erste der zwei Runden ab. Leider schlief der Wind ein. Die Segel hingen auf der Seite des Bootes, auf die ich mich setzte. Mit einem kleinen (auf Regatta verbotenen) Motorschub als Hilfe umrundete ich die erste der drei Wendemarken. Dahinter stand die Shadow eine gefühlte Ewigkeit auf dem See. Die Clubkameraden räumten im Hafen bereits ihre Schiffe auf und badeten vor den Stegen. Ich wartete zehn Minuten, ob der Wind zurückkommt. Vergeblich.

Also gab ich meine Teilnahme an der Regatta auf, fuhr mit Motor zum Liegeplatz und lief eilig zu gedeckten Kaffeetafel. Der Club gab für jeden Segler ein Stück Zwetschgen- Kuchen und einen Pott Kaffee aus. Ich lernte diesmal sympathische Seglerinnen kennen. Dafür hat sich die Teilnahme an der Regatta auf jeden Fall gelohnt. Ich gab eine Story zum Besten, wie in Irland der Mast der gemieteten Topper- Jolle abbrach, der irische Segellehrer den Schrottmast im Meer versenkte und mir einen neuen Mast mit dem Motorboot brachte.

Später schwamm ich eine Runde um den Steg 4. Ich wunderte mich sehr, warum ein Jollenkreuzer so flach im Wasser liegt. Zurück auf dem Steg sah ich, dass das Boot komplett voll Regenwasser oder Seewasser gelaufen ist. Da der Vorstand heimgefahren war, schickte ich ihm eine E- Mail, damit er die Eigner informieren kann. Aus dem Motorboot vis a vis der Shadow schöpfte ich mehrere Eimer Regenwasser und brachte die Persenning wieder in die richtige Position.

Abends blieben Uschi (Name geändert), ihr Mann und ich zum Abendessen. Die Terrasse des Club- Heims bietet eine Ausblick über den ganzen südlichen See. Die Erbsensuppe mit Wienerle schmeckte nach dem sportlichen Tag ausgezeichnet. Uschis leckeren Couscous- Salat durfte ich probieren. Mittags hatte mich eine Seglerin mit ihrer selbstgemachten Lasagne versorgt, als ich dem Ehepaar am Tisch Gesellschaft leistete. Ja, essenstechnisch war der Tag ein Erfolg, seglerisch weniger.

Die Sonne versank im wunderschönsten kitschigsten rosa hinter den Birken. Dazu spielte ich ein paar romantische Songs mit der Ukulele.

 

P.S.: Bildrechte bei Josef Schwarz

Godzilla im Steinberger See

Mein Sohn hat sich prima an den Ablauf des Törns gewöhnt: Segeln- Baden am Strand- Softeis bei Macci.

Wir segeln also einmal um die Clubinsel. Bei der Einfahrt in den Hafen kämpft Thorger mit seiner Schwimmhilfe. Ich schiele mit einem Auge auf die Schnalle und mit dem anderen auf den Nachbarsteg. Klappt. Beim Anlegen halte ich wegen Seitenwind etwas vor -zu viel-und halte den Bug mit dem Bootshaken vom Steg ab. Geht einfach, wenn man wie ich im Schneckentempo anlegt.

Am Strand denkt sich Thorger ein Spiel aus: Wie Godzilla stampft er an Land. Ich muss nun alle Gegner nachmachen. Flattern wie Mothra, die Motte oder roboterartig bewegen wie der Shingodzilla aus Stahl. Thorger alias Godzilla spuckt dann den blauen Todesstrahl aus. Danach spiele ich, spektakulär zu sterben und in den See zu stürzen. Thorger amüsiert sich prächtig und wir spielen alle Figuren ein zweites Mal.

Die anderen fünf  Strandbesucher sind damit beschäftigt, ihre SUPs aufzupumpen und beachten uns nicht weiter. Ja, der Privatstrand vom Club ist eben schön privat!

 

 

 

Die dunkle Seite der Skipperin

Seit 32 Jahren sind Vera (alle Namen von mir geändert) und ich Freundinnen. Also sehr langjährige Freunde, die sich seit drei Vierteln des Lebens nahe stehen. Daher hatte ich ihr einen freien Tag angeboten, wollte ihre Töchter abholen, um mit den Mädels und meinem Sohn Thorger einen Ferientag am Steinberger See zu verbringen. Eigentlich. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Der Urlaub von Bruce, Veras Mann, begann just an meinem geplanten Segel- Ausflug. Bruce ist der größte Segelfan der Familie.

So packte Vera die komplette fünfköpfige Familie ein. Nur der Hund musste daheim bleiben, denn im Clubheim sind Tiere verboten.

Thorger hat den tieferen Sinn vom Segeln durchschaut: Herum sitzen und leckere Sachen essen. Im Salon vertilgte er Butterkekse, während ich die Shadow segelfertig machte.

Vera fand dank meiner Wegbeschreibung problemlos zur Shadow. Wie letztes Jahr am Brombachsee wollte die Kleinste, Ste, den beiden Älteren den Vortritt beim Segeln lassen. Während ich aus dem Hafen fuhr, musste Bruce Thorger auf der Toilette helfen. Der Deckel klappt nämlich zu, wenn man sich umdreht und das Klopapier ist für Kinderarme auf dem Boden schwierig erreichbar. Ich konnte jetzt aber gerade nicht vom Steuer weg und manövrierte Shadow rückwärts aus der Boxengasse.

Dafür durfte Bruce ab dem Segelsetzen die Pinne übernehmen und übte fleißig zu wenden. Dass man die Segel auf die andere Seite bringt, weiß er als Surfer. Die Mädchen durften auf dem Vordeck sitzen und die Beine in der Luft baumeln lassen. Um die Boje vor der Segelschule wollten wir eine regatta- mäßige Wende kratzen. Gelang. Etwas zu knapp nach meinem Geschmack. Das Seil der Boje geht jedoch senkrecht zum Seegrund herunter und meine Sorge, es mit dem Kiel oder schlimmer dem Propeller einzufangen, war somit unbegründet.

Bruce überlegte, wie man Shadows alte, vier Bleibatterien, aus dem Rumpf hochheben kann. Mit der Sackkarre, die Zementsäcke aushält, war seine gute Idee. Der Wind legte einen Zahn zu und Bruce fragte, ob wir in den Hafen segeln können. Meine Antwort: „Kannst Du gerne machen. Auf einem anderen Boot und mit einer anderen Skipperin.“

Dummerweise wollte ich teilweise auf seinen Wunsch eingehen. Die Shadow sollte möglichst lange unter Vorsegel dahinflitzen. Beim Bergen des Großsegels brach das Chaos aus: Bruce steuerte durch den Wind, das Vorsegel stand back, ich auf dem Vordeck im Weg, der Motor hätte gejault, wenn er könnte. Ich brüllte los: „Mensch, hol‘ das Segel auf die andere Seite! Oder willst Du, dass wir kentern!“ Rannte selbst nach hinten in das Cockpit, weil die Crew die Vorschot nicht aus der Klemme bekam. Derweilen flatterte das Großsegel unkontrolliert im Wind. Und was lerne ich daraus: Nie die Abläufe ändern, auch wenn es die Crew gerne hätte. Normalerweise rolle ich immer zuerst das Vorsegel weg und als zweites das Großsegel. Damit das Vorsegel mir eben nicht um die Ohren fliegen kann, wenn ich am Mast stehe und das Groß berge.

Bruce kommentierte den Vorfall später gegenüber Vera: „Kerstin hat heute ihre dunkle Seite gezeigt.“ Sorry an alle für meinen unfreundlichen Tonfall!

Thorger unterhielt uns beim Anlegen bzw. lenkte mich ab. Er hatte zwar selbständig die Badehose und die neuen, großen Neoprenschuhe angezogen. Doch diesmal wollte er Jens Schnorchel an seiner Taucherbrille befestigen, was misslang. Er weinte laut vor Wut, was die Mädels irritierte. Fi half ihm. Denn wie beim Ablegen kann ich in der Hafengasse nicht von der Pinne weg. Vor allem nicht bei Seitenwind.

Die kleinste Tochter Ste hatte am Strand ein hübsches Terrarium aus Sand gebaut, mit einer Seerosenblüte und einem Seerosenblatt dekoriert. Darin saß ein Grasfrosch, den sie vorsichtig mit der Hand eingefangen hatte. Kein Ekel vor Amphibien. Finde ich super. Sie verzichtete freiwillig heute auf eine Segeltour. Denn mein, kleiner, süßer Frosch, Thorger, plantschte zwei Stunden im Wasser und wollte anschließend nach Hause- mit Abstecher zu Macci.

Wir sieben verbrachten zusammen eben am Strand und nicht auf der Shadow eine gute Zeit. Bruce passte im Wasser auf den Nichtschwimmer Thorger auf. Fi und ich schwammen zum Kran und sprangen vom Steg. Thorger wollte hinterher. Die Aussicht auf einen spannenden Sprung spornte ihn an, ein paar Züge zu „schwimmen“. Also Wasser zu treten und sich auf den Schwimmgurt zu verlassen. Später hatte Vera auf der riesigen Picknick- Decke mit Wasserschildkröten (passend) ein Picknick mit viel frischen Obst gezaubert. Für Himbeeren verließ sogar Thorger das Wasser. Lecker!

Danke für Euren Besuch!

P:S: Ich hoffe, Ihr kommt spätestens nächstes Jahr wieder, auch wenn Ihr meine dunkle Seite kennengelernt habt.

 

 

 

Der Wantenverklicker

Letzten Freitag habe ich mit einem Klick die zwei Wantenverklicker installiert und sie umgehend ausprobiert. Noch eine Bö durchziehen lassen und natürlich unter Motor abgelegt. Trotz neuer Verklicker.

Ich stelle fest, dass ich dank Hilfsmittel den Kurs am Wind besser halten kann und segle gen Segelschule. Nach der Abdeckung der Großen Insel dreht der Wind und ich luve an. Diesmal ohne an meinem Verstand zu zweifeln. Auf dem Rückweg kann ich bei Raumen Wind sogar kurz mit einem H Boot mithalten. Bis dessen Skipper aus der Lethargie erwacht und mich korrekt in Lee überholt.

An der Insel dreht der Wind wieder und ich kann dank Verklicker die Windrichtung sofort erkennen. Auf Am Wind Kurs ist der leeseitige Wantenverklicker luvgierig. Man schaut besser, was der Kerl in Luv macht.

Über der Autobahn scheint es aus den Wolken zu regnen – es hängen Schleier unter den grauen Wolken- und ich beende die Probefahrt mit trockenen Tüchern. Morgen kommt Vera samt fünfköpfiger Familie an Bord. Freue mich schon.

Wie im Urlaub

Zum Glück konnte ich um 14 Uhr Feierabend machen. Schnell düste ich an den Steinberger See. Meine Freundin Steffi und mein Patenkind Robin kamen zu Besuch.

Sonntags hatten Unwetterwarnungen und starker Regen unseren gemeinsamen Ausflug verhindert, heute sorgten die Rekord- Temperaturen für perfektes Badewetter und kinderfreundlich schwachen Wind.

Steffi ist sehr unternehmungslustig und wanderte sogleich vom Segelclub zur Wakeboard- Anlage und zurück, mit Zwischenstopp für einen hausgemachten Maracuja- Limetten- Eistee an der Holzkugel.

Derweilen wollte Robin ausdrücklich OHNE MAMA eine Runde mit mir segeln. Mit den Persenningen durfte er mir heute nicht helfen, da er wegen seiner schwarzen Turnschuhe nur barfuß an Bord durfte. Dafür übernahm Robin bald die Pinne. Ich setzte das Großsegel, Robin hielt Kurs. Das Vorsegel setzte er und barg es später auch ganz selbstständig und eifrig, bequem dank Rollfock- Anlage.

Leider konnten wir nicht parallel zu Steffis Wanderweg zur Holzkugel segeln. Ich wählte einen leicht zu haltenden Halben- Wind- Kurs und Robin steuerte die Shadow auf eine Rote Boje des Badestrands „Südufer“ zu. Er hielt gut den Kurs und hatte gleich ‚raus, dass Pinne und Bug sich gegengleich bewegen.

Wir durchlebten ein angsteeinflößendes Naturerlebnis:

Robin: „Die Gänse schwimmen auf uns zu. Kommen die an Bord?“ Ich: „Nein. Die schwimmen nur vor sich hin. Fahr einfach links an ihnen vorbei.“ Kaum waren wir vorbeigefahren, da drehten der ganze Schwarm Kanadawildgänse mit einer Graugans darunter um und verfolgte uns. Futter erbetteln! Wir fütterten die Vögel nicht und sie ließen von der Verfolgung ab. Wildtiere sollte man dem Gleichgewicht der Natur überlassen, finde ich.

Vor dem Südufer- Strand ließ der Wind nach und ich schaltete den Torqeedo an. Mit einem sanften Windhauch glitt die Shadow am Clubheim vorbei und zurück in ihre Box. Robin konnte kaum erwarten, bis ich alle vier Festmacherleinen belegt hatte, damit er schwimmen darf. Er traute sich, am Stegkopf in das ganz tiefe Wasser zu springen. Ich lief mit ihm vor zum Stegende, zeigte ihm, wo die Leiter ist, allein zurück zur Shadow und klarte auf. Schiff aufräumen ist doof, meinen alle Kinder.

Später wollten wir Steffi am Strand des Segelclubs abholen. Robin war dermaßen enttäuscht, weil seine Mama weg war, dass er lieber auf der Picknick- Decke auf sie warten wollte statt mit mir am zehn Meter entfernten Strand zu schwimmen. Er erzählte mir von der Urlaubsplanung, von Rostock nach Trelleborg mit der Fähre in den Urlaub zu fahren und wußte die Länge der Strecke nach Rostock: 613 km. Gerade wollte ich Salamisticks von der Shadow holen, als Steffi zum Treffpunkt kam. Zu dritt schwammen wir um die Landzunge und Robin zeigte uns seinen Salto- Sprung.

Zum Abschluss des Tages ging es an den Kiosk der Wakeboard- Anlage. Wir bestellten drei Mal Burger mit Pommes und schauten den vorbei flitzenden Wakeboardern zu. Mein Veggieburger war pfiffig mit Mangocurrysoße und roten, frischen Zwiebeln gewürzt und die Pommesmenge war reichlich. Sogar einen Arbeitskollegen von mir trafen wir, der eine Stunde auf seinem Board fuhr.

Steffi sagte treffend: „Wenn man an einem See ist, kommt man sich gleich vor wie im Urlaub!“

Damenbesuch an Bord

Wie freute sich mein Sohn, dass ich eine junge, hübsche Blondine an Bord eingeladen habe! Nicht, was Ihr denkt! Heute begleitete uns die Babysitterin meines neunjährigen Sohnes zum Segeln.

Zu ihrem luftigen Sommerkleid hatte Marina (Name von mir geändert) kurzerhand weiße Turnschuhe kombiniert. Klasse! Ich hatte ihr nämlich eingeimpft, dass an Bord geschlossene Schuhe mit heller Sohle Pflicht sind.

Morgens um zehn Uhr waren wir allein auf dem Vereinsgelände. Thorger meckerte laut herum, dass er mit Marina lieber (wie sonst) in das Hallenbad gehen möchte, und weigerte sich, aus dem Auto auszusteigen. Er schmiss sich quer über die Rückbank und brüllte. Der Wutanfall legte sich schnell. Ich zeigte ihm die Badetasche und deutete Richtung Strand. Na also!

Die Sicherheitseinweisung hatte ich während der Autofahrt erledigt und vergas im Trubel an Bord, Marina unterschreiben zu lassen. Thorger packte umgehend die Löffel -Biscuits aus und saß wie hin geklebt im Salon, den er komplett mit Zuckerbröseln einsaute. Tisch, Bänke, Boden, alles eingezuckert. In der Zeit, bis die Packung leer war, hatte ich die drei Persenninge abgeschlagen (Pinne, Vorsegel, Großsegel) und den Akku an den Motor angeschlossen. Marina hielt Wache im Cockpit.

Der Schrittgurt der Rettungsweste und ein Sommerkleid? Passt nicht zusammen. Ich wickelte Marina den Schrittgurt einfach um die Hüfte. Sie wollte wie ich ein gutes Vorbild sein und die Weste tragen.

Los ging das Segeln! Marina behielt Thorger, der heute unter Deck blieb, im Auge und ich konnte das Cockpit verlassen, vor zum Mast klettern und das Großsegel setzen. Ein laues Sommerlüftchen trieb die Shadow Richtung Holzkugel über den Steinberger See. Thorger schaute von unten aus dem Fenster. Marina war begeistert vom blauen Wasser und der vielfältigen Vogelwelt. Sie hatte nur mit Stockenten gerechnet. Doch das braune Küken einer Silbermöwe schwamm vorbei. Vor der kleinen Insel trieb ein Schwarm Kanada- Wildgänse sein Unwesen.

Wir redeten über Segelscheine und Marinas zukünftige Arbeitsstelle. Shadow segelte sich quasi von selbst bis Flaute herrschte. Das Flautenloch überbrückte ich mit dem Motor und fuhr gemächlich zurück Richtung Heimathafen. Kurz vor dem Hafen drehte der Wind auf 1 Beaufort (Windstärke) auf. Kleine Wellen. Thorger wühlte inzwischen friedlich plappernd in der Heckkabine herum. Also fragte ich Marina, ob wir einen kurzen Umweg um die Clubinsel herum segeln wollen. Sie bejahte. Shadow hielt erstaunlich gut den moderaten Am- Wind- Kurs. Ich holte das Großsegel ein. Dann drehte ich sie auf Raumen Wind und nur unter dem Vorsegel zogen wir am Hafen vorbei. Wunderbar.

Das Anlegen hätte theoretisch super funktioniert. Hätte sich praktisch nicht der Step- Fender (für Thorger) am Stegkopf verheddert. Ich kam auch mit Bootshaken nicht an die Vorleinen heran und versenkte die am Steg fixierte Heckleine im Hafenbecken. Wieder abgelegt, einen großen Bogen gedreht und erneut angelegt. Unter Thorgers lauten Protest- Geschrei: „Nein. Nein. Nein. Komm zurück!“ Der kleine Mann wollte ja ENDLICH an den Strand.

Am Strand war Thorger glücklich. Er tauchte Steine aus dem See hoch und türmte sie auf einen Haufen, schmierte sich mit Matsch ein oder trampelte „wie Godzilla“ (O- Ton) aus den Fluten. Marina passte wie immer gut auf ihn auf und ich konnte ein paar Schwimmzüge im tiefen Wasser vor dem Strand machen.

Das war ein schöner Ausflug!

Batteriebank- kann weg

Dieses Jahr habe ich Hab und Gut für einen Torqeedo Travel ausgegeben.

Den alten Minnkota- Außenborder versuchte ich vergeblich über das Internet zu verkaufen. Niemand wollte einen fünf Jahre alten Elektromotor. Über den Chat der Verkaufsplattform erhielt ich diese amüsante Nachricht:

„Guten Tag, ich habe größtes Interesse an Ihrem Außenbordmotor. Auf der kurzen Wegstrecke von K. nach M., auf der ich in etwa 11km zurückgelegt habe, bin ich etwa auch 11 mal havariert, weil mein zum Überhitzen neigender Außenborder gestreikt hat. Das war zwar maximal ereignisreich, aber meine lang geplante Reise ans Schwarze Meer kann ich so nicht fortsetzen.
Ich wäre Ihnen also äußerst dankbar, wenn Sie den Bootsmotor an mich verkaufen würden. Die beiden Batterien würde ich in diesem Fall gerne dazu kaufen.

Herzliche Grüße (…)“

Ich antwortete dem Interessenten, dass ich den Motor gerne nach M bringen kann, und wies ihn hin:“ Noch etwas. Es handelt sich um einen Elektromotor, der über Batterien betrieben wird. Als alleiniger Antrieb für eine Fahrt zum Schwarzen Meer ist er schlecht geeignet, eher als Backup.“

Daraufhin rief der Käufer an und sagte ab.

Auf dem Recyclinghof sollte ich das funktionsfähige Teil laut einem Angestellten in den Elektroschrott- Container werfen. Ein anderer Angestellten hält mich auf: „Ist das ein Elektro- Außenborder? Darf ich den geschenkt haben?“ „Ja. Ist aber 24 Volt. Also brauchen Sie zwei Batterien.“ „Vielen Dank, das ist ja ein richtiger Schatz.“ Somit konnte ich den Minnkota doch noch in gute Hände abgeben.

Die alten Bleibatterien an Bord der Shadow wollte ich heute ausbauen. Batteriebank- kann weg. Erste Überraschung: Es sind nicht zwei Batterien, sondern vier! Die Verkabelung zu den Batteriekontakten schraubte ich mehr oder minder problemlos mit einem Sortiment an Schraubenschlüssel aus meiner Werkzeugkiste ab.

Zweite, nicht ganz so große, Überraschung: Jede Batterie wiegt bestimmt zwanzig Kilo oder mehr. Ich schaffte nicht, die bleischweren Dinger aus dem Rumpf zu wuchten. Über die Kante der Koje hätte ich sie an den Griffen hebeln können. Jedoch den Niedergang hoch? Keine Chance. Mein Mann hat mir dann daheim vorgeschlagen, dass ich Baum und Großschot als Flaschenzug missbrauchen kann. Die Idee finde ich gut. Noch besser wären zwei starke, männliche Segelkameraden, die die Batterien anheben können Wir werden sehen.