Der frühe Vogel fängt den Mistkäfer

Wandere nach dem sehr frühen Frühstück zu den Binnendünen von Altwarp. Eine kleine Sensation, nur an der Elbe gibt es Binnendünen von diesem Ausmaß. Ich lese an der Infotafel, dass die besondere Tierwelt Große Waldameisen und Mistkäfer sind. Kurz darauf versuche ich, einen blau schillernden Mistkäfer mit der Kameralinse einzufangen. Er krabbelt aber so fix durch das silbrige Dünengras, dass ein scharfes Bild ohne Stativ nicht gelingen will.
Durch weichen Sand erklimme ich die Bilderbuch- Düne am Waldrand. Oben versinkt die Aussichtbank im Sand. Der sandige Wanderweg schlängelt sich durch den Wald, dessen Kiefern auf weiteren unzähligen Sanddünen gedeihen. Die Motorsense aus dem Ort ist eine gute Weile zu hören. Da taucht ein Ehrendenkmal und ein Gräberfeld aus lauter weißen Gräbern mit Sternen auf dem sonst leeren Grabstein auf. Es ist der etwas vernachlässigte sowjetische Soldatenfriedhof.
Weiter geht es auf einem Waldweg aus Kopfsteinpflaster. Der Weihnachtsmann überholt mich in einem Passat laut ratternd, hält einige Meter vor mir am Straßenrand und kriecht auf allen Vieren durch das Unterholz. Überlege, ob ich umdrehen soll, entscheide mich dagegen und grüße den Typen mit weißen Rauschebart freundlich neutral.
Er antwortet: „Haben Sie Pfifferlinge gesehen? Es herrscht genau das richtige Pilzwetter. Ich fahre hierher, um nachzuschauen, ob die Pilze schon da sind. Leider ist nichts zu sehen.“
Ich frage nach dem Weg in das Wacholdertal. Ich bin auf dem richtigen Wanderpfad unterwegs. An der nächsten Kreuzung liegt ein umgefallenes Schild. Ich richte es auf, um zu sehen, wohin die Wegweiser zeigen. Aha, rechts abbiegen und noch 1,5 km bis zum Wacholdertal. Im Wacholdertal hoppelt mir ein Feldhase vor die Fotolinse. Das Tal besteht aus Trockenwiesen und sehr vielen Wacholderbüschen. Sogar die ersten blauen Beeren hängen an den Büschen. Viel Faszinierender als das Tal finde ich den Hinweg durch den Wald. Die Natur macht vor dem Waldrand nicht halt und zwischen die Kiefern wachsen Wacholderbüsche ohne Ende. Weder einen Wald noch ein Tal mit Wacholder habe ich bisher gesehen. Nur Vogelzwitschern, sonst keine Geräusche im Tal.
Im Hafen erwische ich den historischen Kutter „Lütt Matten“, der die Touristen in den polnischen Nachbarort „Nowe Warpno“ schippert. Die Überfahrt dauert zehn Minuten.
Nowe Warpno hat sich herausgeputzt. Vom modernen Aussichtsturm (wie das Ei vom Waldwipfelweg in Freyung- Grafenau in klein) reicht die Aussicht bis zur Einfahrt zur Kaiserfahrt.
Rund um den Ort schlängelt sich eine nagelneue, grau beplankte Strandpromenade. Zwei Männer mähen das Gras am Damm und den Rampen. Ein Trupp von drei Frauen recht das Schnittgut auf Haufen zusammen. Alles barrierefrei. Entlang der Promenade erzählen Schilder die Leistungen berühmter Seefahrer von James Cook bis Joshua Slocum, leider auf Polnisch. Neben dem schlossartigen Rathaus mit Türmchen und schwarzen Fachwerk finde ich eine Poststation,  wo ich endlich meine Postkarten aus Swinemünde aufgeben kann.
Die Zeiten der Butterfahrten sind vorbei. Zwei Tante Emma Läden mit einer Verkäuferin mit weißer Schürze hinter der Theke scheinen die besten Zeiten hinter sich zu haben.
Auf Blumenerdesäcken stapelt sich frischer Blumenkohl und Kinderspielzeug. Ein anderer Touri beschwert sich später auf dem Kutter beim Kapitän, dass es keine
Zigarettenstangen mehr gäbe.
Im einzig geöffneten Cafe des Ortes werden frische Pierogi mit Heidelbeeren für mich zubereitet. Darauf kommt eine Art Vanillejoghurt, der mich aber eher an Creme Fraiche erinnert. Fettig wie die englische Clotted Cream. Es werden pro Person genau 10 Pierogi serviert, die laut der Kellnerin zusammen 200 Gramm wiegen. Optisch erinnern sie mich an Ravioli, sind auch im Wasserbad erhitzt. Sehr lecker und kein Fast Food, sodass ich nur mit einem Sprint die Abfahrt des Kutters um 12:30 Uhr erwische.
Unter Deck der Elise könnte man Eier direkt auf der Tischplatte braten. Ich setze mich auf eine schattige Bank am Fischereihafen und halte Schwätzchen mit vorbeikommenden Touristen und Seglern. Die Seglerin Marina hatte ich im Büro der Hafenmeisterin kennengelernt. Ihr Freund Hendrik will ‚mal schnell den Müll wegbringen und quatscht sich fast eine Stunde bei mir fest. Marina winkt mir vom Boot aus zu. Wir reden über unsere Törns in Dänemark und auf Rügen. Das Seglerpaar verleiht gerne ihr hübsches rotes Folkeboot namens Lille Vind an segelnde Paare oder Dreiercrews (nicht mehr nach Einhandsegler nach schlechten Erfahrungen): Hendriks und Marinas Homepage
Der echte Fischereihafen hat seinen speziellen Charme. Schreddelig- schön, hat mal ein anderer Autor formuliert. Ich bleibe eine weitere Nacht hier.
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