Kaffee- Segeln

Lauter Premieren heute an Bord: 1. Das erste Mal drei Erwachsene und zwei Kinder auf Törn, 2. Perkolator eingeweiht und 3. Der erste, kleine Personenunfall.

Dass ich diesen Sonntag bei den kühlen Temperaturen überhaupt zum B’see fuhr, habe ich meiner Cousine zu verdanken. Anna (Name von mir geändert) verbrachte mit ihrer Familie ein verlängertes Wochenende in der „Zur Hopfenkönigin“ am Brombachsee und schlug vor, uns zu treffen. Die Wettervorhersage lautete „bewölkt, 15- 19 Grad Celsius“ und hätte mich sonst vom Segeln abgehalten.

Die kleine Sicherheitsweisung kam gut an. Meine Verwandten hatten bisher lediglich Erfahrungen mit Kajaks gemacht und war froh über meine Tipps. Sogar Shadows Bordtoilette wurde heute „ausprobiert“, also benutzt. Es folgte die obligatorische „Modenschau“ der Rettungswesten. Annas Tochter quetschten wir mit vereinten Kräften in Thorgers Rettungsweste. Obwohl die Weste für ihr Gewicht passen soll, ließen wir letztendlich den Reißverschluss offen und machten einfach alle Gurte zu. Keine Optimallösung, für mich, die Sicherheitsfanatikerin. Doch für einen Flautentörn einer guten Schwimmerin auf dem ruhigen Brombachsee akzeptabel. Die „Kleine“ wollte sowieso bei der Mama im Cockpit bleiben und nicht wie kleinere Kinder an Deck herum turnen.

Anna konnte gar nicht glauben wie leise und geruchlos uns Shadows Minnkota- Motor aus dem Hafen bringt. Wie sich später herausstellte, dachte sie, es wäre ein Benzin- Motor und wunderte sich sehr, dass man gar keine Abgase riecht. Später tuckerte ein Torqeedo 1003 vorbei und dessen Motorgeräusch finde ich lauter als das von Minnkota.

Bei der Fahrt aus der Box merkte ich, was ein volles Cockpit mit drei erwachsenen und zwei langbeinigen Teenagern bedeutet: Ich konnte kaum die Pinne einschlagen und stellte mich mal links und mal rechts von der Pinne hin. Annas Sohn meinte, dass wir ganz schön langsam fahren. Stimmt, die Personenfracht machte sich ebenso in der Geschwindigkeit bemerkbar.

Anna übernahm die Pinne und ich zog flott das Großsegel hoch. Schneller als Finn (Name von mir geändert) sich akrobatisch in den WC- Raum eingefädelt und wieder hinaus gezwängt hatte. Das Vorsegel zog Annas Sohn heraus. Ganz vorsichtig und langsam. Ich feuerte ihn mit „Hopp- hopp“ an, dass er kräftiger ziehen darf. Freut mich, dass die zwei Kinder so sanft und vorsichtig mit der Shadow umgingen. Da habe ich schon anderes Verhalten erlebt: Vom Türenknallen bis Beinahe- Klogriffabreißen.

Leider erreichten wir Annas Ferienort Enderndorf nur fast. Finn steuerte die ganze Zeit bis zur Hafeneinfahrt und ich behielt die zahlreichen Segelboote im Auge. Die Fahrt verlief sehr ruhig. Heute wehte ein schwacher Nord-West-Wind genau aus dem Enderndorfer Hafen heraus und die Kinder hatte keine Lust auf Kreuzen. Vor der einzigen Wende in der Enderndorfer Bucht musste die Crew aufstehen und die Schoten des Vorsegels in die Hände nehmen. Sie saßen auf den Schoten oder standen mit den Füßen drauf. Wegen des Platzmangels zu fünft im Cockpit! Die zwei Teenager durften bzw. mussten die Rückfahrt auf dem Vordeck verbringen und dösten in der Sonne. Total müde von der Radtour um den halben See von Enderndorf zu Shadows Hafen Ramsberg. Und das Grundbedürfnis der Jugend, nämlich WLAN, konnte ich an Bord nicht befriedigen. Ätzend, gell? Dafür hatten wir drei Erwachsenen wieder Beinfreiheit im Cockpit.

Heute kletterten zur Abwechslung die zwei Erwachsenen beim Anlegen unter Deck und die Kinder durften sitzen bleiben. Finn rief hoch: „Ist jetzt der Motor kaputt?“ Ich: „Nein. Ich lasse das Schiff mit Restgeschwindigkeit an den Steg treiben. Ich habe keine Bremse.“ Dort nahm Pekka meine Vorleine entgegen.

Lustig, dass wie bei meinen anderen Kindercrews, sich wieder nur ein einziges Kind für das Schwimmen begeistert. Finn und seine Tochter schwammen sehr weit durch das Hafenbecken bis zum Steg der schwimmenden Ferienhäuser und zurück.

Derweilen bereitete ich die Anlegerdrinks vor. Anna und ich teilten uns eine Dose Sekt, Finn bekam zum Aufwärmen ein Schlückchen Bramble- Whisky. Die Kinder wollten nichts trinken, was in der Bilge lagert: Wasser, Holunderlimo oder Apfelschorle. Den Perkolator hatte ich vorbereitet und stellte Spirituskocher auf „Vollgas“ ein: Stufe 5. Wir stoppten die Zeit nicht, doch bis die Baderunde beendet war, war der Kaffee fertig. Der Elektroherd war da nicht viel schneller: Der Perkolator

Passend zum Kuchenessen kam endlich die Sonne hinter den Wolken hervor und es herrschte T- Shirt- Wetter. Wir plauderten über das Schul- und Arbeitsleben. Schon waren vier Stunden an Bord verflogen. Was für ein entspannter Tag! Bis dahin.

Zum Abschluss ereignete sich leider der erster Personenunfall in Shadows fünfjähriger Geschichte: Finn haute sich barfuß auf dem Steg dermaßen die Zehen an, dass zwei bluteten. Bis ich meinen Verbandskasten holen wollte, hatte er schon Socken und Schuhe angezogen. Aua, der Arme, sagte nur: „Schön, wenn der Schmerz nachlässt.“

 

 

 

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