Lieder am See- am Brombachsee

Alt – älter- am Brombachsee. Unter diesem Motto stand das diesjährige Musik- Festival „Lieder am See“ in Enderndorf am Strand des Brombachsees. Spätestens beim Auftritt von Status Quo fühlte ich mich auf dem Wandertags des hiesigen Altenheims.

Liv und ich hatten uns bei 32 Grad Außentemperatur spontan dagegen entschieden, ihren eisgekühlten Mitbringsel- Sekt zu vernichten. Im Fahrradverleih warteten nämlich sehnsüchtig uralte Blechesel darauf, uns von Ramsberg nach Enderndorf zu tragen, bevor sie ihr Leben aushauchen. Meine Pedalen ächzten angestrengt bei jedem Tritt in die selbigen. Livs Sattel löste sich und wackelte lustig wie ein Kuhschwanz hin und her. Nicht unseren Wadeln sondern den Rädern zu Liebe  😉 legten wir eine Pause auf dem Staudamm ein und genossen die großartige Aussicht auf den kompletten Großen Brombachsee.

Livs Rucksack kam nicht durch die Einlasskontrolle – zu groß. Total unloglisch: Man durfte Gartenstühle mit rein nehmen. Für uns Frauen jedenfalls die beste Ausrede an den Buden des Festivals „Lieder am See“ eine neue Handtasche im hippie- mäßigen Patchwork- Look zu erwerben.

Bei der Vorband aus Regensburg „Straying Sparrows“ (Übersetzung: Die umherziehenden Domspatzen) herrschte gähnende Leere vor der Bühne. Ein Aufseher wies uns extra darauf hin, dass man dort keine Picknick- Decken ausbreiten darf, als er Livs zusammengerollte Decke erspähte. Noch wäre Platz dafür gewesen. Die Sparrows erinnerten mich stimmlich an die Oasis- Brüder und hätten mehr Publikum verdient. Toll! Wenigstens wir zwei johlten ihnen begeistert zu. Mit den anderen zehn Zuschauern und uns sangen sie im Chor „The devil never sleeps“ als Refrain. Warum nicht.

Die Fressbuden boten vom Klassiker wie Pizza, Langos oder Zwa in am Weggla (Bratwürste) auch pfiffige, kreative Neuheiten wie „Schäufele im Weggla“ oder Knoblauchbrot an. Der Biergarten saß im Nu voll. Besonders überrascht hat mich, dass nicht abgezockt wurde und für Apfelschorle oder Spezi humane 2,50 EUR + Becherpfand verlangt wurden. Liv und ich entschieden uns für einen „Blotzen“ aus dem Holzofen. Schwäbisch Haller Mittelalterfans belegten diese Flammkuchenvariation mit Speck und Kartoffeln. Sehr schmackhaft!

Wishbone Ash und den herausragenden Ray Wilson von Genesis hörten wir vom Strand an. Zur Abkühlung plantschten wir mit Dutzenden anderen Festivalgästen in den warmen Fluten. Im Wechsel schwammen wir in Stück, während die andere unsere Taschen im Blick behielt, die im Sand auf einem Weidenzweig lagerten. Nur kurz konnten wir uns dazusetzen. Ein heftiges Unwetter brach los und der Himmel öffnete all seine Schleusen. Liv und ich flüchteten unter das Häuschen der Rutsche am Kinderspielplatz und wickelten uns in der Picknick- Decke ein. Die wärmte uns schön, bis nach einer Stunde die Sonne wieder aus den Wolken hervor lugte. Wir versuchten vergeblich uns und die Sachen wieder zu trocknen. Am Spielplatz tummelten sich einige Familien mit kleinen Kindern und ich wunderte mich doch sehr, dass Minderjährige das Festival besuchen dürfen. Spricht aber für die friedliche Atmosphäre auf der Feier.

Im extra angelegten Biergarten spielte in den Umbau- Pausen eine Live- Band alte Schlager wie „Hotel California“. Die langjährigen Fans wünschten sich Lieder, die umgehend gespielt wurden.

Die Spider Murphy Gang peppte ihre eh schon guten Lieder durch etliche Soli von Schlagzeug, Klavier und Saxofonen auf. Der Band- Leader witzelte: „Jetzt müssen wir schon nachmittags auftreten, weil Murphy und ich um sechs Uhr wieder zurück im Altenheim sein müssen. Ausgangsperre.“ Jeder Song wurde sympathisch mit einem Geschichtchen angesagt: „Auf ! Alle twisten! Außer ihr mit den frisch operierten Hüften!“ Der Platz war so voll, dass vor der Bühne die erste Schlägerei in Gang kam und sehr schnell von der Security beendet wurde. Eine Besucherin kommentierte: „Wie kann man bei der schönen Musik denn eine Schlägerei anfangen ?!“ Wohl war. Alle bekannten Hits wie Schickeria, Sommer in der Stadt, Mir san a bayrische Band und Peep Peep wurden gespielt. Natürlich als Zugabe „Skandal im Sperrbezirk“ zum Mitgrölen.

Ich muss sagen, dass ich vor dem Festival den Bandnamen „Gipsy Kings“ noch nie gehört hatte. Doch die heizten so richtig den Damen ein. Wie Urlaub in Spanien. Eine Frau tanzte mit einer als Mickey Maus verkleideten Frau Flamenco um die Wette. Alle anderen wippten mit den Hüften. Natürlich kannte ich die Hits der Gipsy Kings aus dem Radio: Bamboleo, Volare oder Baila me. Liv ist ihr Fan und konnte auf spanisch nicht nur alle Refrains, sondern sogar die Strophen mitsingen. Gut, um Sprache zu lernen: Melodische Lieder übersetzen und mitsingen!

Je später der Abend desto größer die Verstärker. Status Quo lieferte die beste Show ab. Der Frontsänger Francis Rossi spielte nicht nur unglaublich schnell alle Soli der Gitarre selbst. Auch sprang er voller Energie über die Bühne. Mit über 70 Jahren hat er mehr Energie und Fitness als die meisten Vierzigjährigen, mich eingeschlossen. Das Publikum fuhr teilweise mit dem Rollator auf den Platz und setzte sich hin. Der Rest der Menge tobte. Einer Ghetto- Barbie wurde die Nase blutig geschlagen und die Sanis trugen sie auf der Bare raus. Ich wurde dagegen immer müder und nach den Highlights „In the army“ und „Rocking all over the world“ schleppte ich mich zurück zum Drahtesel.

Zum Glück hatte Liv einen starke Taschenlampe dabei. Denn die Lichter an den Mieträdern funktionierten nicht. So fuhr sie voraus und ich ohne Beleuchtung hinterher.

Auf dem Damm hielten wir an und schauten die Milchstrasse an!

Ein Erlebnis ! Musik und Natur in einem !

 

 

 

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