Buchkritik: „Mit allen Wassern gewaschen“

Wie der Sog der Welle auf dem Cover zieht mich der Text von Ben Hadamovskys Buch

„Mit allen Wassern gewaschen“

ISBN 978-3-940 140-951

in seinen Bann.

Mein aktueller Krimi wird zur Seite gelegt und fasziniert lese ich den Reisebericht an drei Abenden durch.

Aufmachung: 

Die Vorderseite zeigt das Vorsegel, ein Stück Reling und eine weiß schäumende Welle. Das Bild ist unscharf und verschwommen, im Gegensatz zu allen anderen Fotos des Buches. Auf der Rückseite sind die zwei Kinder des Autors am Strand spielend zu sehen. Aus der Stadtbücherei hatte ich eine stabile Hardcoverversion geliehen. Das Papier ist angenehm glänzend und strahlend weiß. Der Zeilenabstand ist gering, der Text jedoch gut lesbar. Passend zu den bereisten Ländern finden sich drei Teile mit Farbfotos im Buch.

Worum geht es? 

Der Familienvater Ben hat keinen Bock mehr auf die deutsche Leistungsgesellschaft, wirft alles hin, verkauft Wohnung, Auto und Besitz. Von dem Geld kauft er eine 10m lange Segeljacht. Seine Ehefrau Carola zieht samt den zwei Kleinkindern des Paares mit an Bord ein. Vier Jahre lang umsegelt die vierköpfige Familie mit einer schwedischen Segeljacht Typ Allegro 33 namens „Lasse“ auf der sogenannten Barfussroute die Welt. Sie überwintern in Portugal, meistern einen Motorschaden auf den Galapagosinseln, Tropenkrankheiten und einen Piratenangriff im Golf von Aden. Zum Ende der Reise leben die vier ein Jahr auf einer kleinen, griechischen Insel nahe Rhodos.

Die Strapazen werden ehrlich beschrieben, wie Seekrankheit, streitende Kinder und aufdringliche Geschäftsleute.

Rundmails von Carola und Zitate der Kinder lockern das Buch auf.

Wie hat es mir gefallen? 

Der zynische und oft nörgelnde Ton des Autors hat mir persönlich nicht zugesagt. Einzelne Wörter werden kursiv gedruckt. Warum, wurde mir nicht klar. Um sie zu betonen ? Den Sarkasmus zu kennzeichnen ? Gerade am Anfang der Reise beschreibt Ben, der Vater, alle anderen Segler als arrogante Besserwisser und Snobs. Carola, die Mutter, muss das Essen kochen und sich um die Kinder samt vollgemachten Windeln kümmern, er trägt die Verantwortung, die Windfahne steuert. Gleichzeitig regt er sich über die Frauenfeindlichkeit und Rückständigkeit auf Tonga in Ägpyten auf. Paradox.

Anderseits ist diese Ehrlichkeit das Erfrischende und Ungewöhnliche an dem Buch. Hadamovsky nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Leser wird auf die Reise mit den Höhen und Tiefen mitgenommen. Der Text bleibt immer spannend und ist eben kein beschönigter Werbeprospekt für eine Weltumsegelung. Dadurch unterscheidet er sich erfreulich von anderen Weltumseglerschinken.

Fazit: 

Leseempfehlung. Insgesamt ein kurzweiliges und lesenswertes Buch !

4 von 5 Seesternen

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