Buchkritik: Wer sich umdreht oder lacht (Thriller)

An jedem ersten Sonntag des Monats stelle ich Euch ein Buch rund um das Thema Niederlande vor. Bekanntlich ist Vorfreude die schönste Freude und mein diesjähriger Segeltörn wird in den Niederlanden stattfinden.

Den Thriller „Wer sich umdreht oder lacht/ Pijn“ (ISBN: 9783846600818 im One- Verlag) von der niederländischen Bestseller- Autorin Mel Wallis de Vries fand ich ziemlich brutal dafür, dass er für Jugendliche geschrieben wurde.

Worum geht es?

Das sarkastisch gemeinte „Bitte lächeln“ wäre ein besserer Titel für den Jugendroman gewesen. Der hinterhältige Mörder erwürgt vier Mädchen, die alle in Amsterdam leben. Dabei nimmt er mit dem Handy die Tat auf und verbreitet das Video im Internet.

Die Hauptfigur Mandy ist mit Puck, Gwen und Jade befreundet. Es werden Szenen aus der Schule und auf Partys beschreiben. Ein weiteres Thema wird beschrieben: Die krebskranke Mutter, die im Krankenhaus liegt. Angeschnitten wird ebenso Mandys Beziehung zu ihrer Schwester Nina. Am Ende gerät Mandy selbst in das Visier des Killers.

Wie hat es mir gefallen?

Ich fand das Buch sehr langweilig, obwohl es ein Thriller sein soll. Vielleicht gingen der „Queen of Crime der Niederlande“ im Teil 5 der „deVries“- Thrillerreihe die Ideen aus.

Die Übersetzung von Verena Kiefer geht in Ordnung. Dank Straßennamen aus Amsterdam, Einkäufen bei Hema und der Beschreibung von Häusern mit den vielen Stockwerken- Mandy ist neidisch auf Ninas Zimmer im niedrigen ersten Stock- kann man sich gut die holländischen Schauplätze vorstellen. Das waren leider die einzigen zwei positiven Kritikpunkte.

Die Romanfiguren scheinen wie in einer Theateraufführung einen kurzen Auftritt auf der Bühne zu haben und verschwinden danach wieder hinter dem Vorhang. Die Mordopfer kommen überhaupt nicht im restlichen Buch vor. Ich hätte es spannender gefunden, wenn z.B. Mandys Freundinnen nacheinander über die Klinge gesprungen wären und sie am Schluss übrig bleibt. Selbst der Mörder- Achtung, Spoiler!- wird in einem Nebensatz im Buch erwähnt. Weder die Schönlinge aus der Disco noch der liebe Alex aus dem Krankenhaus spielen irgendeine weitere Rolle im Verlauf der Handlung.

Die Charaktere werden weder ausführlich beschrieben, gleichzeitig handeln sie sprunghaft ohne Konsistenz. Die Kapitel sind zu knapp und zu kurz. Die Szenen sollen eventuell kurzen Videos auf Youtube o.ä. ähneln.  Oder die heutige Jugend kann nur noch fünf Seiten am Stück lesen und muss dann wieder das Smartphone checken?

Die Themen „Lesbische Liebesbeziehung“ und „krebskranke Mutter“ hätten ganz entfallen können, dann wäre mehr Raum für die Handlung des Krimis geblieben. Zu viele Themen auf 200 Seiten.

Resümee: Ein langatmiges Buch aus einzelnen Skizzen zusammen gestümpert.

Fazit: 1 von 5 Seesternen

 

 

 

 

Clubgelände gesperrt

An alle Leser, die wie ich auf den Saisonbeginn warten: Wir müssen Geduld üben!

Der Segelclub ist richtigerweise gesperrt, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Die zwei Wochen Osterferien werde ich im heimischen Garten verbringen. Kann als Trostpflaster mein Playmobil- Segelboot auf dem Gartenteich segeln lassen.

Bleibt gesund und geduldig!

Sehnsucht nach Meer

Vermisst Ihr Euer Boot auch so sehr im Winter wie ich?

Hier ein treffendes Zitat von Eric Berg aus „Das Küstengrab“ (Limes):

„Wenn die Sehnsucht einen aufs Meer hinauszieht und man nach einigen Jahren im Sturm kentert, dann sagen Leute (…) hinterher über einen: „Wäre er doch an Land geblieben.“ Aber kann das Ufer für denjenigen, der sich nach dem Meer sehnt, wirklich ein lebenswerter Ort sein? Wäre er dort nicht auch zugrunde gegangen, nur langsamer, stiller und qualvoller?“

 

Buchkritik: Summer Girls (Krimi)

An jedem ersten Sonntag des Monats stelle ich Euch ein Buch rund um das Thema Niederlande vor. Bekanntlich ist Vorfreude die schönste Freude und mein diesjähriger Segeltörn wird in den Niederlanden stattfinden.

Den Thriller „Summer Girls/ Zommermeisjes“ (ISBN: 978332810229 im Penguin Verlag) von Jobien Berkouwer verschlag ich in drei Tagen und langen, durchlesenen Nächten.

Worum geht es?

Der Teaser auf dem Klappentext „Nachts im Wald hört Dich niemand schreien“ wird dem Buch nicht gerecht. Meine Erwartung war, dass es sich um einen Thriller ähnlich Joy Fielding handelt. Weit gefehlt, denn es handelt sich um einen klassischen Krimi mit viel Ermittlungsarbeit. Die Profilerin Lot fängt gerade noch entlaufene Pferde ein, als ein Ex- Soldat den Fund eines toten Mädchens der Polizei meldet. Zusammen mit ihrem Kollegen Jaap sucht sie den Mörder. Bald taucht ein zweites ermordetes Mädchen auf. Lot setzt alles daran, mit Intelligenz den Täter zu finden. Verdächtige gibt es genug: Der gewalttätige Soldat Zacharias, der verrückte Obdachlose Rikus, der verschrobene Pathologe oder das bekiffte Muttersöhnchen Bob. Jeder könnte der Täter sein, dessen Taten immer wieder in den Roma eingeflochten werden. Im letzten Drittel verschwindet ein drittes Mädchen. Ob sie gerettet wird, müsst Ihr selbst nachlesen.

Wie hat es mir gefallen?

Obwohl die Hauptdarstellerin Lot eindeutig im Mittelpunkt steht, wird in der dritten Person erzählt. Dadurch schaute ich wie ein Beobachter eher von außen auf die Handlung als beim Ich- Erzähler dabei zu sein. Trotzdem hat mir die Erzählperspektive zugesagt und erinnerte mich an Hercule Poirot- Krimis.

Man merkt dem Krimi an, dass die Autorin selbst als Profilerin arbeitet. Die Arbeitsweise der Romanheldin, die Vernehmung der Verdächtigen und Abteilungsrunden in der Polizeistation erscheinen äußerst stimmig. Nicht ausgedacht und konstruiert.

Es wird kein künstlicher Spannungsbogen mit unnötigen Cliffhangern aufgebaut. Nein, die faszinierende Geschichte zieht den Leser auch so in den Bann. Die Angst der Opfer wird nur als spannender Einstieg verwendet. Ansonsten steht die Polizeiarbeit im Vordergrund.

Ich erriet zirka nach der Hälfte, wer der Täter ist. Tat meiner Spannung keinen Abbruch.

Das vorhersehbare Ende rundet den Roman ab und lässt keine Fragen offen.

Die Übersetzung von Simone Schroth finde ich gelungen. Die deutsche Übersetzung liest sich flüssig.

Resümee: Ein ausgezeichneter Krimi ohne Splatter- Effekte.

Fazit: 5 von 5 Seesternen

 

 

 

 

Buchkritik: Bikeline- Rund ums Ijsselmeer

An jedem ersten Sonntag des Monats stelle ich Euch ein Buch rund um das Thema Niederlande vor. Bekanntlich ist Vorfreude die schönste Freude und diesjähriger Segeltörn wird in den Niederlanden stattfinden.

In der Stadtbücherei fand ich zum Suchbegriff „Ijsselmeer“ genau ein Buch: Das Radwanderbuch „Rund ums Ijsselmeer“ von der Serie Bikeline.

ISBN 978-3-85000-658-3

Darum eignet es sich für Ijsselmeer- Segler

  1.  Das lästige Hantieren mit den Seekarten entfällt endlich. Statt mit A2- Formaten zu kämpfen, schlägt man lieber die 12×22 cm kleine Seiten im Bikeline- Büchlein auf und navigiert nach Landmarken. Nein, war ein Witz!
  2.  Jedoch ist das handliche Format und geringe Gewicht von knapp 300 Gramm tatsächlich ein Vorteil für Segler, die bekanntlich alles auf dem Rücken auf das Boot und durch die Gegend schleppen müssen.
  3.  Die Seiten des Bikeline- Radtourenbuches sind wasserabweisend gedruckt. Ein großer Vorteil für Segler, denn auf meinem vierwöchigen Dänemark- Törn sind die Seiten einiger Bücher total zusammengeklebt, als Dauerregen für viel Feuchtigkeit im Schiff sorgte und vor allem etwas Wasser durch die Deckenluke eindrang.
  4. Das Buch enthält ausschließlich Infos zu Orten am Ijsselmeer und keine unnötigen Kapitel beispielsweise zu Den Haag, die am  Ijsselmeer nicht braucht.

Worum geht es?

Die Einleitung bespricht die Anreise mit der Bahn und mit dem Auto, inklusive Parkhäusern in Amsterdam, in denen man Langzeitparken darf. Das Höhenprofil mit optisch Null Höhenmetern hätte der Verlag sich schenken können, jedoch zeigt es die Familienfreundlichkeit der Tour. Die günstigen Übernachtungsmöglichkeiten wie Jugendherbergen namens „Stayokay-Hostels“ und Naturfreundehäuser „Nivon“ habe ich im Baedeker vergeblich gesucht.

Auf den Seiten 17 bis 110 werden die drei Streckenabschnitte „Amsterdam- Afsluitdijk- Kampen- Amsterdam“ und das Special „Texel- Vlieland- Harlingen“ ausführlich beschreiben. Sehenswertes und die Adresse der Touristinfo wird zu jeder Ortschaft knapp in jeansblau gedruckt. Geschichte und Wissenwertes liest sich in kursiv. Die Beschreibung der Radtour selbst wird kurz und knapp im normalen Schriftbild gehalten.

Am Buchende befindet sich der Ortsindex mit Seitenangaben.

Wie hat es mir gefallen?

Für den Radfahrer erweist sich als äußerst nützlich, dass jede zweite halbe oder ganze Seite mit detaillierten Kartenausschnitten im Maßstab 1: 50.000 bedruckt wurde. Das ist für uns Segler natürlich sinnlos. Ebenso die lila und orange farbig markierten Routenalternativen. Außer man hat ein Bordfahrrad und unternimmt gerne Radtouren.

Positiv überrascht hat mich die Länge der Sachkapitel über die besuchten Orte. Hier bietet der Baedeker kaum mehr Text zum Ijsselmeer.

Ein toller Gag für Schreibfaule sind die Shortcuts zu Homepages von Museen über die Seite des Buchverlages. Auf Öffnungszeiten wird erfreulicherweise verzichtet, mit dem vollkommen richtigen Hinweis, dass diese sich ständig ändern.

Die Text ist in unserer Muttersprache Deutsch geschliffen verfasst. Zitat zur Fahrt über den Abschlussdeich: „…die Gleichatmigkeit des Abschnittes müssen Sie dafür aber in Kauf nehmen.“

Resümee: Ein lesenswertes Buch, jedoch nur die Hälfte des Inhalts für Segler relevant.

Fazit: 4 von 5 Seesternen

 

 

 

 

Buchkritik: Auf ein Heineken könn‘ wir uns eineken

An jedem ersten Sonntag des Monats stelle ich Euch ein Buch rund um das Thema Niederlande vor. Bekanntlich ist Vorfreude die schönste Freude und mein diesjähriger Segeltörn wird in den Niederlanden stattfinden.

Den Roman mit dem lustigen Titel „Auf ein Heineken könn‘ wir uns eineken“ (ISBN: 9783492272926/ Verlag: Piper) von Kerstin Schweighöfer las ich in den Winterferien. Im wahren Leben arbeitet die Schriftstellerin für Focus und Art, zwei Magazine.

Worum geht es?

Die Journalistin Kerstin Schweighöfer verliebt sich im Spanienurlaub in den Holländer Jan Kees und zieht alsbald in die Niederlande um. Nach eigenen Angaben mischt sie Realität und Fiktion in diesem Buch. In 32 Kapiteln beschreibt sie ihre Erlebnisse mit unseren westlichen Nachbarn und berichtet, wie die Geschichte mit ihrer Liebe Jan und der Stieftochter Daphne weitergeht. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit zwei oder drei Sachthemen. Ob Hausgeburt, Rotlichtmilieu, Außenpolitik oder Sterbehilfe. Jedes Thema wird angeschnitten. Die Autorin räumt mit Vorurteilen auf und erlebt selbst die Landesgeschichte von den sehr liberalen 1990ern bis zu den rechtsradikalen 2000ern.

Wie hat es mir gefallen?

Während die ersten Kapitel amüsant zu lesen sind, kommt spätestens nach dem ersten Buchdrittel Langeweile auf. Die Charaktere bleiben fremd und die Sachthemen werden jeweils nur angekratzt. Jedes Kapitel hat das gleiche Schema und Tulpenbild. Auf die Beziehung zu Jan und Daphne wird sehr oberflächlich eingegangen, obwohl das Leben als Patchworkfamilie sicherlich herausforderte. Auch die Freunde scheinen beliebig austauschbar. Das ist das Manko, wenn Sachbuch mit Roman verheiratet werden soll.

Gleichzeitig gelingt es meiner Namensvetterin Fakten über die Niederlande kurzweilig zu vermitteln. Von der Ankunft des Nikolauses mit dem Schiff (aus Spanien) und dem Schlittschuhrennen „Elfstedentocht“ über 200 km hatte ich noch nie gehört.

Gefallen hat mir die gelungene Einflechtung niederländischer Wörter: „Klopt!“ (Stimmt!“) rufen die Freunde. „Mut koennen“ entspricht dem Bayrischen „Leben und Leben lassen“. „Schat“ bedeutet Schatz. Und mit dem Suffix „-je“ wird verniedlicht. So wird aus „Schat“ dann „Schatje“ und aus Kerstin wird „Kersje“.

Resümee: Das Buch sorgt für einige unterhaltsame Lesestunden zum Thema Niederlande. Würde ich aber kein zweites Mal lesen.

Fazit: 3 von 5 Seesternen

 

 

 

 

Buchkritik: Baedeker Niederlande

An jedem ersten Sonntag des Monats stelle ich Euch ein Buch rund um das Thema Niederlande vor. Bekanntlich ist Vorfreude die schönste Freude und mein Segeltörn 2020 wird in den Niederlanden stattfinden.

In der Stadtbücherei gab es einen Dumont-  und einen Baedeker- Reiseführer zu unserem Nachbarland. Der schlankere Dumont enthielt leider wenig Informationen zu den Orten am Ijsselmeer. So schleppte ich den „Baedeker Reiseführer Niederlande: mit grosser Reisekarte“ nach Hause. ISBN: 978-3829718677 / Verlag: Baedeker Ostfildern. Und hier kommen schon die Kritikpunkte: Der Baedeker wiegt beinahe 800 Gramm, also ob man ständig acht Tafeln Schokolade herumtragen würde. Außerdem ist die Schrift sehr klein und die Specials sind sehr ungünstig auf grauem Hintergrund gedruckt.

Worum geht es?

Das Buch beginnt wie jeder klassische Reiseführer mit „Land und Leute“, also Geschichte, Kunst und Wirtschaft. Holland entspricht in der Realität nicht dem „Käse und Tulpen“- Klischee, da nur 2% der Wirtschaft auf die Landwirtschaft fallen. Hingegen ist es eine der größten Exportnationen Europas und handelt mit Erdöl. Der Rotterdamer Hafen setzt ein Vielfaches an Gütern wie Hamburg oder sogar Singapur um.

Geschmunzelt habe ich über das Kapitel „Kuriose Niederlande“ am Buchende. Der Bachlauf, der 15 Meter in die Tiefe sprudelt wurde kurzerhand als „höchster Wasserfall der Niederlande“ deklariert.

Weiter im Buch werden sehr kurz und knapp vier Touren auf elf Seiten beschrieben. Denn im Hauptteil des Reiseschinkens kann man auf knapp 200 Blättern Informationen zu so ziemlich jeder Stadt oder Ortschaft der Niederlande finden. So habe ich gelesen, dass in Lelystad nicht nur ein Naturschutzgebiet geboten wird, sondern auch ein Flugzeugmuseum namens „Aviodrome“ über Anthony Fokker, das Batavia- Museum über die Landgewinnung des Flevolandes (Gebiet, auf dem Lelystad 1967 gegründet wurde) und eine Werft mit dem Handelsschiff „Batavia“ der Ostindien- Kompagnie.

Wie hat es mir gefallen?

Nutzlos sind für mich als Segler die Hinweise auf Hotels. Ebenso dürften die Restaurant- Tipps schnell veralten, sobald der Koch wechselt. In Zeiten von Online- Hotelbuchungen im Internet könnte man diesen Teil komplett streichen. Ebenso die Kartenausschnitte, in denen Hotels und Lokale eingezeichnet sind. Da jeder über Navi oder Handy navigiert und lediglich in der Seefahrt ich noch Papierkarten zu Rate ziehe.

Anschaulich auf herausklappbaren Doppelseiten im Hochglanzformat und gut recherchiert, sind die Specials zu den Leuchttürmen, dem Oosterscheldedam und natürlich Käse.

Resümee: Alles in allem ein lesenswerter Reiseführer für die Generation ab 50+.

Fazit: 5 von 5 Seesternen

 

 

 

 

Törnplanung 2020: Ijsselmeer

Nächstes Jahr werde ich wieder als Einhandseglerin die Weltmeere für eine Woche unsicher machen. Holland, ich komme!

In den Sommerferien werde ich mit einer Friendship 22- Segeljacht das Ijsselmeer und eventuell das Markermeer befahren. Mit 7,30 Metern Länge hat die „Sundream“ ähnliche Ausmaße wie meine Shadow, also für mich beherrschbar. Meere sind übrigens in Holland Binnengewässer. Das deutsche Wort Meer wäre auf holländisch die „Zee“. Für die „Waddenzee“/ Nordsee hat das Boot leider keine Fahrerlaubnis. Sonst hätte Texel ganz oben auf der Wunschliste gestanden. Nun rutscht der Ort „Volendam/ Edam“ als Törnziel auf die Bucket- List. Dort findet im Sommer mittwochs ein Käsemarkt für Touristen statt und man kann diverse Käsereien anschauen.  Inzwischen nehme ich mir nur ein einziges Törnziel pro Woche vor, denn Wetter und Wind passen nie zur idealisierten Törn- Planung.

Hier trotzdem der Törnplan:

 Seemeilen  Sehenswert  Link
Donnerstag Ruhrgebiet Übernachtung                   –
Freitag Yachtübergabe                   – Strandtag in Lemmer
Samstag Enkhuizen              17,4  Bauernhof Museum https://www.zuiderzeemuseum.nl/
Sonntag Hoorn              11,9  Museum über Goldenes Zeitalter https://www.westfriesmuseum.info/de/
Volendam o. Lelystad                 8,9  Käserei https://henriwillig.com/de/kasefarm/volendam/
Dienstag Lelystad o. Lemmer              14,8 Batavia Werft https://www.batavialand.nl/de/werft
Mittwoch Lemmer              22,0
Donnerstag Zeitpuffer                   –
Freitag Yachtübergabe                   –
Summe              75,0

Ich habe es einer Kollegin zu verdanken, dass ich so früh das Boot gebucht habe. Sie meinte, dass die Sommerferien die beliebteste Zeit für einen Segeltörn im kalten Norden wären und ich bald buchen soll. Somit habe ich dank 10% Frühbucher- Rabatt sogar 49 EUR gespart, was meinem Essensbudget für Restaurants und Kioske der kompletten Charterwoche entspricht.

Apropos Budget: Meinen ursprünglichen Plan, auf dem Stettiner Haff zu chartern, habe ich verworfen, weil der Preis auf 800 EUR pro Woche für die alte Neptun 25 von 1975 erhöht wurde. Das sprengt mein Budget von 1.000 EUR pro Urlaubswoche. Meine Preisvorstellung liegt bei 600 EUR für die Koje/Einhandboot + 300 EUR Marinagebühren und Essen + 100 EUR für die Benzinkosten bei Anfahrt mit dem Auto.

Der Christo unter den Seglern

Schrubbe mit einer Bürste den Rumpf der Shadow von Algen sauber. Mein erster Versuch, mit einem weichen, lackschonenden Schwamm den Algen zu Leibe zu rücken scheiterte. Außer, dass das Putzwasser mir schwallweise in die Ärmel lief, kaum ein Unterschied am Rumpf. Krieche zwischen den Kimmkielen herum und muss den Schrubber über Kopf halten. Jetzt sind meine Haare klatschnass. Inzwischen bricht die Dämmerung herein und beendet meine Putzaktion. Ich werfe den Motor meines Autos an und leuchte mit den Scheinwerfern Shadows Stellplatz aus.

Ich zolle im Nachhinein dem Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude meinen Respekt. Hatten diese den Reichstag in Berlin komplett verhüllt. Ich schaffe nicht einmal, die in Relation winzig kleine Shadow mit der Plane korrekt zu verhüllen.

Die 5 Kilo schwere Abdeckplane wuchte ich in Shadows Cockpit hoch. Danach klettere ich die wackelige Leiter hinterher an Deck. Huch, das Schiff schwankt auf dem Trailer. Ich rolle die Plane aus, wobei ich neben dem Mast balanciere und krieche. Das 8×12-Meter- Monster hängt über die Reling herunter.

Erfreut knote ich die Plane mit Bändseln auf der Bugseite am Trailer fest. Danach ziehe ich sie nach hinten soweit es geht. Jetzt fällt mir auf, dass die Plane nicht bis zu Shadows Popo reicht. Der guckt raus. Shit. Längs und quer verwechselt. Die 8-Meter-Seite ist dort, wo die 12-Meter-Seite sein sollte. Wie ein vereister Wasserfall ergießt sich der Planenrest zu Boden, der mir entgegen fällt, als ich daran ziehe. Befestige vorerst die Heckseite an den Metallstreben des Bootsanhängers.

I will be back!

P.S: Habe drei Tage später erfolgreich die Plane gedreht und mit der Allzweckwaffe „Kabelbinder“, die Ösen fest verschlossen.

Der richtige Trailer

Die Werft kam mit zwei Autos. Auf einem weiteren straßentauglichen Trailer stand obendrauf mein Trailer. Somit standen für die Shadow kurzeitig drei Trailer auf dem Gelände herum: Der Falsche Trailer 1, mein Trailer und der Straßentrailer 2. Konnte gleich meine Kenntnisse bei der Kranbedienung anwenden und hob mit dem Kran einen Trailer von dem anderen. Clubkameraden legten gerade bei einer gelben Neptun den Mast am Mastenkran und ließen mich an den Lastenkran bis sie mit der Mittagspause fertig sind. Sehr nett.

Die Shadow wurde auf dem falschen Trailer zum Kran gezogen. Obwohl wir die 6 Meter- Gurte an den Markierungen anbrachten, neigte die Shadow sich bedenklich nach vorne. Also Gurt versetzt, brachte wenig. Nun die ganze Traverse versetzt. Passt. Hing perfekt waagerecht. Ab auf meinen Trailer. Erst saß sie in meinen Augen zu weit vorne, außerhalb ihrer Aluminium- Schienen. Wieder hochgehoben, Trailer verschoben. Passt.

Zum Glück hatte ich die richtigen Spanngurte im Baumarkt gekauft. Die Werftmitarbeiter brachten diese an und erklärten mir, dass ich sie am besten auf Klampen befestige und den Bug nach hinten abspannen soll. Für die 100 Meter Fahrt über die Wiese tat es der Bugkorb.

Ein Schreckmoment für mich war die Hiobsbotschaft, dass der Trailer sich nur vorwärts bewegen lässt und bei Rückwärtsfahrt die Bremse blockiert. Shadows Gewicht löste die Blockade und die Werftmitarbeiter fuhren sie auf die Winterlagerwiese des Segelclubs.

Am Wochenende feierten wir das Saisonende im Club. Ein kurzweiliger Abend mit Backschinken im Brotteig, Leberkäse und Käseplatten. Niemand wollte heimgehen. Wir feierten vier Stunden und ein Segelkamerad gab zu seinem 80. Geburtstag ein Fass Bier aus.

Jetzt steht der lange, segelfreie Winter mit Zeit zum Plätzchen- Backen und Ukulele- Spielen bevor. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich oft genug segeln war.