Buchkritik: „Luisa und die Stunde der Kraniche“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats werde ich Euch einen Roman vorstellen, der an der Ostsee spielt.

Zitat: „Der Moment ist wie ein Punkt, der letzte Punkt ist die Vergangenheit, der nächste Punkt die Zukunft. Alle Punkte aneinandergereiht bilden den Weg Deines Lebens.“

Schon in der Einleitung merkt man, dass die Autorin Tania Krätschmar Germanistik studiert hat und als Texterin arbeitet.

Von ihr hatten mir die Romane „Seerosensommer“ und „Die Wellentänzerin“ zugesagt, hier bespreche ich die Neuerscheinung „Luisa und die Stunde der Kraniche“, aus dem Blanvalet Taschenbuch Verlag mit der ISBN-13: 978-3734104190.

Worum geht es?

Völlig überraschend hält Richard um die Hand seiner Luisa an. Luisa soll ihn zu seinem neuen Job nach London begleiten und fortan als brave Frau ein Hausfrauendasein fristen. Luisa erbittet sich eine Bedenkzeit und reist nach Zingst in das Haus ihres Großvaters.

Dort begegnet sie nicht nur der seltsam vertrauten alten Dame Mary, sondern auch dem attraktiven Ranger Jan.  Die Schönheit der Ostsee und der Zug der Kraniche werden im Roman thematisiert. Auf touristische Highlights wird erfreulicherweise verzichtet.

Luisa

Die Hauptdarstellerin entwickelt sich im Roman vom unschlüssigen „Teenager“ zur erwachsenen Frau. Sie denkt nach statt bequem mitzulaufen und löst ihre Konflikte. Viele ältere Leserinnen werden sich mit ihr identifizieren können.

Wie hat es mir gefallen?

Sehr gut. Allein wegen der geschliffenen Sprache lohnt sich die Lektüre. Alle Charaktere wurden vor meinem inneren Auge lebendig. Auch die Nebengeschichte mit der rätselhaften Mary finde ich pfiffig. Über Kraniche weiss ich nun mehr als zuvor. Die Handlung ist etwas vorhersehbar- abgesehen von zwei dramatischen Höhepunkten. Aber das hatte ich bei diesem Genre „Intelligenter Frauenroman“ so erwartet.

Fazit: 5 von 5 Seesternen

 

 

 

 

 

 

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SBF See und SBF Binnen im Scheckkartenformat

Anbei eine gute Nachricht.

Endlich gibt es unsere Amtlichen Motorboot- und Segelscheine im praktischen Scheckkartenformat. Umtausch kostet 33,89 EUR.

https://www.dsv.org/nachrichten/2017/11/neuer-sportbootfuehrerschein-im-scheckkartenformat-ab-1-januar-2018-2/?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter+1.18

Schade, dass wir zukünftig auf Törns kein Segelschein-Quartett (mit SBF See, SBF Binnen, SRC und SKS) spielen können. 😉

P.S: Für die Seite des DSV übernehme ich natürlich keinerlei Verantwortung.

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Der Perkolator

Der PERKOLATOR.

Klingt wie ein Kampfroboter oder Superheld. Ist aber eine Kaffeemaschine ohne Strom, also für meinen Spirituskocher auf der Shadow oder auch den gruseligen Gasherd auf Eurem Boot. Habe ungehend das Lateinlexikon befragt, was wohl „percolare“ bedeutet. Ganz einfach: Filtern oder seihen.

Jens schenkte mir diesen „Coffeemaker“ für Leute mit Zeit zu Weihnachten.  Sobald gemahlener Kaffee im Haus war, probierte ich das Teil aus. Ich habe den Perkomax von Petromax (schöner Zungenbrecher) bekommen.

Es handelt sich dabei um eine emaillierte Kanne mit separaten Deckel, in der ein Filter auf einer Art Aluminium- Fuß steht. Passend zum lateinischen Begriff „Filtern“.

Das Vorgehen ist simpel: Man füllt die Kanne mit 1,5 Liter kalten Wasser (der Filter bleibt trocken). Stellt den Fuß in die Kanne. Steckt den Filter auf den Fuß. Füllt 12 gehäufte Teelöffel Kaffee in den Filter und verschließt diesen mit Filterdeckel und alles mit dem Kannendeckel. Topflappen für den Griff bereitlegen. Dauer 2-3 Minuten.

Der Petromax eignet sich für alle Herdarten und sogar offenes Feuer. So konnte ich auf dem Ceranherd Probe kochen (statt die Shadow im Winterlager zu besuchen).

Ganz vorsichtig begann ich die Platte bei 3 von 9 Stufen zu erhitzen. Und wartete fünf Minuten. Nachdem nichts geschah, außer dass die Platte die Farbe Rot zeigte, drehte ich auf Stufe 7 hoch. So ist es besser. Nach weiteren fünf Minuten Wartezeit begann das Wasser zu brodeln.

Damit nichts überkocht drehte ich auf Stufe 1 herunter und ließ die Mindestkochdauer von 8 Minuten verstreichen. Der gelbliche Probeausschank erinnerte mich an abgestandenes Wasser in einer Gießkanne. Definitiv kein Kaffee.

Also den Herd auf Stufe 3 eingestellt und das Wasser zum Sprudeln gebracht.

Ich schlussfolgere, dass nur der Wasserdampf von kräftig kochenden Wasser den Petromax zum Kaffeemachen bringt. Leichtes Blubbern reicht nicht.

Weitere 4 Minuten bis zum Erreichen der Maximalkochzeit von 12 Minuten. Die Küche duftet lecker nach Kaffee. Das Gebräu sieht inzwischen passabel dunkelbraun nach Kaffee aus. Und schmecken tut es mir auch. Ein milder Cowboy- Kaffee, der noch eine Stunde nach dem Aufbrühen in der aufgeheizten Kanne angenehm warm bleibt.

Endlich, nach 26 Minuten, kann das Frühstück beginnen! Mahlzeit!

Nach jeder getrunkenen Tasse haben wir Riesenspaß dabei, im Bodensatz auf dem Grund der Tasse die Zukunft zu lesen. Ich erkenne eine schlafende Katze, Jens einen Schwamm. Was das für uns bedeuten wird?

P.S. Schaffe es inzwischen in einer guten Viertelstunde Kaffee im Perkomax zu kochen und bin mit dem Teil zufrieden.

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Vortragsabend mit Tim Kröger

Endlich mal etwas Positives an der Tatsache, dass mit Adressen gehandelt wird.

Die Zeitschrift „Segeln“ und das Autohaus Dünnes hatten mich zu einem Vortragsabend aus der Reihe „Landrover Live- Above and Beyond“ eingeladen. Danke dafür.

Der bekannte Regattasegler Tim Kröger plauderte unterhaltsam aus dem Nähkästchen der Regattaszene.

Wie könnte es anders sein, treffe ich beim Sektempfang einen Kollegen, Steve. „Na, Kerstin, Du gehörst überhaupt nicht zum Zielpublikum.“ „Wieso?“ „Schau Dich doch um. Die bist die einzige Frau und einer der wenigen Zuhörer unter 60 Jahren.“ „Prima, dann kann ich noch mindestens weitere 20 Jahre segeln gehen.“ Im Showroom des Autohauses sehe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Maserati für 98.000 Euro aus der Nähe. Wow. Unaufdringliche Werbefilme über die neusten Modelle von Land Rover und Range Rover werden gezeigt. Schick, wie die Anhängerkupplung herausfährt und das Boot angehängt wird. Und tolle Diesel- Motoren mit 8 Zylindern !

Tim Kröger beginnt seinen Vortrag gleich mit einem Angeberfilm, wie eine Segeljacht, vermutlich beim Volvo Ocean Race, auf Am-Wind-Kurs durch die Wellen pflügt und das Deck vom Meer überspült wird. Da möchte ich jedenfalls nicht an Bord sein.

Der Teil 1 seines Vortrags ist auf die anwesenden Manager zugeschnitten. Anhand von Beispielen aus seinem Skipperleben bringt er seine Methode zur Teamführung dem Publikum nahe: 1. Ziel klar machen 2. Jeder muss seine Aufgabe ausführen 3. Jeder soll sich weiterentwickeln und 4. Eigenen Willen durchsetzen

Weitere Bilder und Videoclips untermalen das Ganze. Sehr anschaulich und kurzweilig. Steve und ich amüsieren uns, wie Herrn Krögers Crew im Nord-Stream-Race über die Ostsee die Halse versemmelt und die Schot unkontrolliert ausrauschen lässt. Herr Kröger guckt in der Szene entsprechend genervt in die Kamera.

Beim Zuhören habe ich mir gedacht, dass die Skipperin Mora auf unserem Atlantiktörn alles richtig gemacht hat. Und wir haben sogar das Missgeschick gesteigert und bei der Halse eine Schot verloren und aus dem Wasser ziehen müssen.

Im zweiten Teil des Abends erklärt Tim Kröger sehr anschaulich die Technik des America Cup- Katamarans des Sponsors Land Rover. Die Wincher kurbeln nur noch, um Druck für die Hydraulik aufzubauen, mit der die flugzeugflügel- ähnlichen „Segel“ bewegt werden und die Neigung der Schwerter eingestellt wird. Wie sich Neuseelands Kat in den Wellen überschlägt und mit einem Vorwärtssalto zum stehen kommt, sehen wir in einem weiteren Video. Zwei Crewmitglieder bleiben in ihren Sitzen festgeklebt -trotz Kopfstand des Schiffes. Auch wie ein Prototyp in der Mitte zerbricht und in Sekundenschnelle sinkt, beeindruckt das Publikum. (Gut, dass ich das erst NACH dem Atlantiktörn gesehen habe.) Hätte gar nicht gedacht, dass Technik interessant sein kann.

Einen Vortrag von Tim Kröger zu besuchen, kann ich jedem Segler und Segelbegeisterten empfehlen. Es lohnt sich.

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Buchkritik: „Sanddornsommer“

Für die segelfreie Saison von November bis März bleibe ich meinem Blogmotto „Segeln- Brombachsee- OSTSEE“ treu. An jedem ersten Samstag des Monats stelle ich Euch einen Roman vor, der an der Ostsee spielt.

Diesmal zur romantischen Weihnachtszeit ein bezaubernde Liebesgeschichte :

„Sanddornsommer“ von Lena Johannson

ISBN-13: 978-3426517710 von Knaur Taschenbuch

Worum geht es?  

Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag ist bei Franziska die Luft raus. Sie beschließt, sich eine Auszeit zu nehmen und gegen Kost und Logis auf einer Sanddorn- Plantage auf Rügen zu arbeiten. Der Anblick ihres Chef löst bei ihr ein Gefühlschaos aus. Ist er etwa ihr vermisster Bruder ? Die Familiengeheimnisse lüften sich nach und nach. Die Arbeit bei der Sanddornernte erweist sich als Knochenjob. Zum Glück wird sie durch Ausflüge auf der Insel (Störtebecker-Festspiel, Bernsteinschnitzen, Fischbude in Vitt,…) unterbrochen. Die Liebesgeschichte zieht sich als roter Faden durch das Buch. Gleichzeitig baut Franziska neue Freundschaften auf; zu einem Fischer und einer anderen Touristin. Der dramatische „Höhepunkt“ an der Kreidefelsenküste fehlt nicht. Mehr verrate ich nicht.

Franziska

Eine herzensgute und intelligente Frau, die weiß, was sie will. Beruflich als Coach etabliert und nach ihrem Geschmack zu erfolgreich. Franziska überdenkt ihr Leben und möchte kürzertreten. Ihre Tipps aus dem Coaching wendet sie an sich selbst an. Ihre Handlungen sind logisch und Franziska dürfte vielen Leserinnen sympathisch sein. Auf Rügen findet sie die Liebe und eine neue Heimat.

Wie hat es mir gefallen? 

Der Frauenroman plätschert dahin wie die Wellen der Ostsee an einem lauen Sommertag. Man hätte die Geschichte auf weniger Seiten erzählen können und so hieß es manchmal „durchhalten und weiterlesen“. Andererseits macht gerade die lange und ausführliche Erzählung die Figuren besonders lebendig. Im Buch kommen viele Sehenswürdigkeiten vor und sind mir von mehreren Rügenreisen bekannt. Die Insel spielt quasi die zweite Hauptrolle, was mich als Rügenurlauber anspricht. Die Geschichte ist am Schluss abgerundet und das vorhersehbare Happy End passt dazu.

Fazit: Leichte Lektüre für den Strandurlaub oder im Winter zum Träumen von der Ostsee.

4 von 5 Seesternen

 

 

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Angeln auf Hoher See

Nach den fantastischen Fängen auf dem Atlantiktörn, habe ich mit einem Kollegen gesprochen, was zu beachten gilt. Er ist erfahrener Angler.

Hier seine Ratschläge:

  • Den Fisch mit mehreren Schlägen auf dem Kopf betäuben.
  • Wenn der Fisch betäubt ist, reagieren seine Augen nicht mehr und wirken trüb.
  • Mit einem sehr scharfen Messer die Kiemen durchstoßen.
  • Auf keinen Fall mit Schnaps oder so ersticken. Das ist eine Qual für das Tier.
  • Beim Ausnehmen schnittsichere Handschuhe tragen. Fischblut verursacht schlimmste Wundentzündungen am Menschen.
  • Fisch wegen Würmern immer gut durchbraten. Also Sushi nur aus tiefgekühlten Fisch rollen.

Guten Appetit!

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Lessons learned- Lehrstunden auf der Habib Sanna von Barfuss- Segelreisen

Natürlich war ich auf einigen Segeljachten auf Törn, die eine ähnliche Größe wie die Habib Sanna haben. Doch die Habib Sanna unterscheidet sich erfreulich von diesen seelenlosen Charterbooten, da die Eigner Karin und Jörg auf dem Boot ihr Leben verbringen. Entsprechend umfangreich ist die Ausrüstung und selbst Kleinigkeiten wie ein Akkustaubsauger sind an Bord .

Zu vielen Themen habe ich während des Atlantiktörns von Mora dazu gelernt. Inwiefern sich das auf die Shadow übertragen ließe, habe ich ebenso überlegt.

1a.  Gute Ausrüstung

Statt auf Kapokkissen saßen wir draußen im Cockpit auf zwei nagelneuen, günstigen Isomatten. Der Riesenvorteil ist, dass die Dinger schnell trocknen. Der Nachteil war unsere ständige Sorge, dass sie über Bord geweht werden. So erfanden Antje und ich zur Ablösung am Steuerrad sogar das Isomatten- Manöver: Die alte, abzulösende Steuerfrau pickt ihre Lifeline aus und stellt sich ganz nah an das Steuer. Parallel dazu setzt sich die neue Steuerfrau schon hinter sie auf die angewärmte Isomatte. Danach tritt die alte Steuerfrau zur Seite und hält immer noch das Steuerrad fest. Nun hat die neue Steuerfrau freie Bahn, pickt sich in Ruhe ein und übernimmt das Steuer. Bis wir das raus hatten, hat ein paar Verhedderungen der Lifelines gekostet oder eine hat aus Versehen das Ruder losgelassen. Für das Frühstück auf dem vom Morgentau nassen Deck der Shadow könnte ich mir vorstellen, ein Isositzkissen zu kaufen, wie es zum Beispiel im Gartenbereich als Kniekissen verwendet wird.

Das meiste Süßwasser auf einem Törn wird zum Händewaschen verwendet. Die Toiletten und das Abspülwasser funktionierten mit Salzwasser- und dieses ist gefühlt unendlich vorhanden. Als Alternative hatte ich in der Vergangenheit auf der Shadow (ganz ohne Wasservorräte) Babyeinwegwaschlappen, die ein öliges Gefühl auf der Haut hinterlassen. Mora hatte- inklusive Konsultation einer Ärztin- einen besseren Einfall: Im Waschbecken jeder Toilette lag eine Flasche Händedesinfektionsmittel parat. So wurden die Hände nicht nur sauber sondern rein- oder wie lautet die Werbung ?

Auf der Shadow liegen im Ankerkasten ein Paar einfache Gartenhandschuhe, die ich beim Ankermanöver trage. Für unsere „Meuchlerin“, die die Fische tötete und ausnahm, hing alsbald ein Paar gummierte Handschuhe auf der Reling. Übrigens lassen sich die Blutflecken mit Essig vom Teakdeck reinigen. Werde im Brombachsee keine Angelversuche starten. Obwohl ich bestimmt Angelglück hätte.

Für die leidenschaftlichen Biertrinker hatte Mora mehrere Palletten alkoholfreies San Miguel 0% Dosenbier „bestellt“, d.h. wir schleppten es aus dem Supermarkt an Bord. Angeblich schmeckt es fast genauso gut wie echtes Bier, wenn man es als Radler mischt. Wer mochte, durfte zum Mittagssnack so ein gekühltes „Bier“ geniessen. Für den kleinen Energieschub auf Nachtwache oder tagsüber tranken wir Unmengen Cola aus Dosen. Die 0,3 Liter- Menge ist genau richtig zum Leertrinken. Mora wollte explizit umweltfeindliche Dosen und keine Flaschen, in denen das Getränk absteht und schal schmeckt. Die leeren Dosen wurden ausgespült und flach gedrückt. Das mit dem Cola merke ich mir für nächste Küstentörns.

Zum Festmachen der Lifeline hatten wir Augen an jedem Steuerstand auf dem Boden oder unter dem Cockpittisch zur Auswahl. Viel besser als die Wanten zu verwenden. Denn bei Seegang soll man im Cockpit gehalten werden. Und an den Wanten geht es leicht über Bord. Könnte man bei der Shadow sicherlich nachrüsten lassen, falls an die Küste geht.

Meine Werft kann sofort im Winterlager eine simple Sicherung nachbauen, dank der die Backskiste nicht wie ein Fallbeil auf die Finger fällt. Mit einem Beschlag im Inneren der Backskiste, einem Bändsel und einem Haken konnte man die aufgeklappten Backskisten von Habib an der Reling sichern. Clever durchdacht! Kleine Änderung und große Wirkung.

Von der Leistung des Windgenerators „Silent Wind“ war ich schwer beeindruckt. Selbst bei leichten Winden schaffte er es, ausreichend Strom für den Kühlschrank zu generieren. Jetzt habe ich auf der Shadow zwar keinen Kühlschrank und täglich Landstrom. Für eine Langfahrt wären aber Laptop, Tablet und Kartenplotter mit Strom zu versorgen. Und ein Elektromotor produziert nun einmal keinen Strom. Solarpaneele halte ich in nördlichen Gefilden für ungeeignet.

1b. Fehlende Ausrüstung und Fehlkonstruktionen

Dagegen war ich vom AIS enttäuscht. Wegen mangelnder Reichweite erschienen Containerschiffe erst auf dem Gerät, wenn wir sie vorher mit dem bloßen Auge schon längst gesehen haben. Im Nebel mag es hilfreich sein. Wäre ich einhand auf der Shadow in Küstengewässern unterwegs, hätte ich sowieso keine Zeit so ein Teil im Auge zu behalten.

Um das Bimini (Sonnendach) der Habib ein- oder auszuklappen, musste erst der Großbaum gelöst werden und über die Reling gedrückt werden. Zusätzlich mussten wir aufpassen, die Bändsel auf keinen Fall in den Windgenerator wehen zu lassen und diesen zu schrotten. Eine totale Fehlkonstruktion, das Bimini der Habib. Auf der Shadow werde ich in Nordeuropa dieses Luxusproblem wohl nie bekommen. Muss eher an der Erfindung eines sturmsicheren Riesenregenschirms arbeiten. Grins.

Die Rettungsinsel unten in der Backskiste unter den gefüllten Benzinkanistern aufzubewahren, ist in meinen Augen umständlich und sogar gefährlich. Sehr schlecht im Notfall zugänglich. Die Konstrukteure der Shadow haben mit dem offenen Fach im Heck über der Badeplattform den idealen Aufbewahrungsort designt. Besser geht es nicht, findet sogar die „Segeln“ (Zeitschrift). Momentan besitze ich die Original- Rettungsinsel von Playmobil. Sie schwimmt sogar im Wasser. Damit kann ich im Notfall spielen, bis die Wasserwacht kommt.

Eine längere Passage über den Atlantik würde ich zukünftig nur mit einer Segeljacht fahren, die eine Windfahnen- Selbststeuerung am Heck führt. Auf der Habib fand ich das ständige Steuern anstrengend und ermüdend. Auf kürzeren Strecken mit der Sanira lief immer der elektrische Autopilot, sobald der Motor lief und der Seegang es erlaubte. Das Steuern von Hand wäre für mich als Einhandseglerin auf der Shadow auf tagelangen Passagen sowieso unmöglich. Kann ja anfangen, auf die „Windpilot Pacific Light“ für die Shadow zu sparen.

2. Materialschonend segeln

Manch‘ ein Jachthändler wirbt angeblich mit dem Argument, dass das Schiff eine weibliche Vorbesitzerin hatte und somit besonders geschont wurde. Stimmt so.

Die meiste Strecke meisterte die Habib Sanna nur unter Genua (großes Vorsegel). Das Großsegel hätte im Raumen Wind unnötig hin und her geschlagen, ohne signifikanten Vortrieb zu bringen. Mora ermahnte die Männer, nicht den letzten Grad aus dem Kurs zu quetschen. Lieber nach dem Wind und nicht dem Kompass zu fahren, sodass die Genua nicht einfällt und dann schlägt sondern stabil steht.

Damit der Baum nicht zu geigen beginnt, wurde er auf der Mittelklampe mit einer ausrangierten Schot sehr stramm festgezurrt. Die Schot und die durchgesetzte Großschot hielten den Baum an Ort und Stelle. Eine gute Idee sogar für einen Hafen mit Schwell, wenn mir das Geschepper auf den Geist geht.

Vor Dunkelheit wurde gerefft, damit nicht nachts in Panik Schäden am Schiff verursacht werden. Extrem materialschonend und nervenschonend für die Skipperin.

Selbst auf dem Schlag von Los Lobos nach Lanzarote achtete Mora penibel darauf, dass die Genau nicht an der Want scheuert. Ich spottete in Richtung Vorschoter: „Pass auf die Heilige Naht auf, wenn Du fierst.“ Nehme mir trotz Sarkasmus vor, künftig besser auf Shadows Segel aufzupassen.

3. Törnplanung

Dank des Atlantiktörns habe ich die Anzahl meiner Nachtfahrten von drei auf neun verdreifacht. Bisher fuhr ich nachts vom Kvarner bis zum Ziel Rovinji (Kroatien), von Sardinien nach Sizilien und von Marstal (Dänemark) in Saniras Heimathafen Flensburg. Meine Kenntnisse über die Planung eines Schlags über mehrere Tage kann man eher  theoretisch als praktisch bezeichnen.

Mora hat die Wettervorhersage bei www.passageweather.com nachgelesen. Letztendlich folgte sie den Vorschlägen des Eigners Jörg, der 15 Jahre Erfahrung als Skipper aufweisen kann. Genauso ging ich in Dänemark vor. Ich schaute bei www.windfinder.com nach der Vorhersage und beriet mich anschließend mit mehreren Stegnachbarn. Lehre: Höre auf Deinen persönlichen Wetterguru!

Kein Mensch weiß bei einer Strecke von 500 Seemeilen, wie viele Stunden die Fahrt dauern wird. Mora ließ uns vor der Abfahrt ausführlich und ohne Zeitdruck frühstücken. Susan briet für die Crew Eier und Speck. Die Hafenduschen und Hafentoiletten wurden ein letztes Mal ausgiebig genutzt. Wir fuhren zwar eine Stunde später los als anvisiert. Waren aber nach fünf Tagen zu schnell in der Ansteuerung von La Graciosa und mussten die Geschwindigkeit drosseln. Lehre: Ein gemütlicher Aufbruch ist besser als unnötige Hektik!

Apropos Geschwindigkeit: Ab 12 Knoten wahrem Wind wurde die Genua gesetzt. Darunter ließ die Skipperin den Motor stundenweise bei 1.500 bis 1.700 Umdrehungen mitlaufen. Ziel war die „Fahrt über Grund“ möglichst bei 5 Knoten zu halten. Es gibt dazu sogar eine Formel aus der Physik, die mir wieder entfallen ist. Susan, falls Du den Beitrag liest, kannst Du die Formel bitte im Kommentarfeld hinterlassen. Wurde die Habib zu schnell oder schwer steuerbar, wurde gerefft oder getrimmt. Lehre: Konstante, moderate Geschwindigkeit halten!

Einen Kniff zum Segel fieren lernte ich auf der Habib. Auf den Schoten ist ganz schöner Druck und sie sollen nicht aus der Hand gerissen werden. Lehre: Schot auf der Winsch belegen. Klemme öffnen. Schot auf der Winschtrommel mit der flachen Hand gegen den Uhrzeigersinn drehen!

Moras Entscheidung, die letzte Nacht langsam zu segeln und nach Sonnenaufgang La Graciosa anzusteuern, erwies sich als goldrichtig. Der Hafen war voll und wir wurden abgewiesen. Wer möchte schon nachts von Hafen zu Hafen tingeln und leere Boxen suchen ? Besser tagsüber mit dem Hafenmeister telefonieren, wo etwas frei ist. Außerdem entstand zwischen Lanzarote und La Graciosa der typische Starkwind mit dem lustigen Namen „die Düse“. Mit der Düse würde ich nachts nicht kämpfen wollen. Im Kontrast dazu plötzliche Flauten, die Motorschub erforderten. Lehre: Zielhafen tagsüber ansteuern und zuvor Platz reservieren!

Wie Ihr sehen könnt, habe ich vieles auf diesem „Urlaubstörn“ gelernt. Danke an die zwei Skipperinnen!

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