Der richtige Trailer

Die Werft kam mit zwei Autos. Auf einem weiteren straßentauglichen Trailer stand obendrauf mein Trailer. Somit standen für die Shadow kurzeitig drei Trailer auf dem Gelände herum: Der Falsche Trailer 1, mein Trailer und der Straßentrailer 2. Konnte gleich meine Kenntnisse bei der Kranbedienung anwenden und hob mit dem Kran einen Trailer von dem anderen. Clubkameraden legten gerade bei einer gelben Neptun den Mast am Mastenkran und ließen mich an den Lastenkran bis sie mit der Mittagspause fertig sind. Sehr nett.

Die Shadow wurde auf dem falschen Trailer zum Kran gezogen. Obwohl wir die 6 Meter- Gurte an den Markierungen anbrachten, neigte die Shadow sich bedenklich nach vorne. Also Gurt versetzt, brachte wenig. Nun die ganze Traverse versetzt. Passt. Hing perfekt waagerecht. Ab auf meinen Trailer. Erst saß sie in meinen Augen zu weit vorne, außerhalb ihrer Aluminium- Schienen. Wieder hochgehoben, Trailer verschoben. Passt.

Zum Glück hatte ich die richtigen Spanngurte im Baumarkt gekauft. Die Werftmitarbeiter brachten diese an und erklärten mir, dass ich sie am besten auf Klampen befestige und den Bug nach hinten abspannen soll. Für die 100 Meter Fahrt über die Wiese tat es der Bugkorb.

Ein Schreckmoment für mich war die Hiobsbotschaft, dass der Trailer sich nur vorwärts bewegen lässt und bei Rückwärtsfahrt die Bremse blockiert. Shadows Gewicht löste die Blockade und die Werftmitarbeiter fuhren sie auf die Winterlagerwiese des Segelclubs.

Am Wochenende feierten wir das Saisonende im Club. Ein kurzweiliger Abend mit Backschinken im Brotteig, Leberkäse und Käseplatten. Niemand wollte heimgehen. Wir feierten vier Stunden und ein Segelkamerad gab zu seinem 80. Geburtstag ein Fass Bier aus.

Jetzt steht der lange, segelfreie Winter mit Zeit zum Plätzchen- Backen und Ukulele- Spielen bevor. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich oft genug segeln war.

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Der falsche Trailer

Endlich war es soweit. Mein eigenes Boot sollte gekrant werden. Und zwar von mir!

Schnell mittags von der Arbeit abgehauen, beim Discounter Joghurt mit Roter Grütze und Knusper- Haferflocken als seltsames Mittagessen gegessen (die anderen fleischlosen Snacks waren ausverkauft) und den blauen Segel- Fleeceanzug angezogen.

Shadows Kimmkiele beweisen ihre wenigen Vorzüge: Selbst im flachen Teil des Kran- Hafenbeckens kann ich ohne Auflaufen anlegen.

Mein Segelkamerad und Kranlehrer Hubert (Name von mir geändert) ist überpünktlich da und gibt mir Tipps zum Mastabbau, die ich versuche umzusetzen. Kämpfe gegen die Sicherungsringe mit einer Zange. Er erklärt mir außerdem, wie ich die Segel besser trimmen kann: Beim Am-Wind- Kurs muss der Holepunkt nach hinten verlegt werden. Probiere ich nächste Saison definitiv aus. Bisher war ich froh, wenn die Shadow sich überhaupt in die von mir gewünschte Richtung unter Segeln bewegt.

Die Werft kommt 2 Minuten nach 14 Uhr. Ich habe derweilen schon die Krangurte geholt, allerdings die falschen, nämlich die 5 Meter Gurte. Shadows voluminöser Bauch braucht die 6 Meter Gurte plus die Verlängerung. Komme vom Geschleppe ins Schwitzen, denn zeitgleich mit der Werft ist die Sonne erschienen.

Der Mast wird unter Diskussionen gelegt. Viele Köche verderben den Brei. Shadows Gurte müssen nur einmal verschoben werden, danach hängt sie waagerecht. Beim Schwingen des Kranarmes gerät sie in leichte Schieflage. Hilfe. Kurz darauf steht sie auf dem Trailer. Aber auf dem falschen Trailer! Einem Leihtrailer, der der Werft gehört und Tüv hat.

Die Werft schließt leider aus gesundheitlichen Gründen im nächsten Frühling ihren Betrieb. Da muss die Shadow spätestens abgeholt werden und zurück zum Steinberger See gebracht werden. Hätte ich das früher erfahren, hätte sie gleich meinen Trailer mitbringen können. Nun steht die Shadow auf dem falschen Trailer am Steinberger See.

Morgen wird mein Trailer gebracht. Ich werde berichten, wie es weitergeht.

 

„Kranführerin“ Kerstin

Verstecke mich vor der Kälte im Clubheim und esse dort einen Salat mit Käse, Croutons, Reisnudeln und Sylter Dressing. Erster und zweiter Vorstand schauen nach dem Rechten, obwohl sie offiziell auf Abreise zu ihrem Korfu- Segeltörn sind. Die ersten zwei Boote liegen schon an den Kränen, obwohl erst in 90 Minuten die Krantermine beginnen sollen.

Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen, esse den Salat auf und spüle ab.

Dann bin ich doch aufgeregt, weil gleich meine Kraneinweisung anfängt. Übungsobjekt ist eine Shark 24. Ich lerne, dass man bei links oder rechts schwenken niemals stoppt, sondern in einem langsamen Zug das Boot vom Becken bis zum Trailer schwenkt. Die obersten Knöpfe der Kransteuerung fahren den Haken mit langsamer (sachte drücken) oder schneller (fest drücken) Geschwindigkeit hoch und runter. Immer langsam hochfahren oder nachschauen, ob das Boot waagerecht in den Gurten hängt.

Bei der Shark klappt das Austarieren relativ schnell. Nun lerne ich, das die Gurte von Bugklampe zu Gurt 1 zu Gurt 2 zu Heckklampe auf beiden Seiten des Bootes gesichert werden. Die Hilfsleine soll um die Gurte mit einem Webleinstek geknüpft werden. „Wie ging der nochmal ?“, fragt sich manch‘ einer der Eigner heute. Ich Streberin darf nicht eingreifen. Denn mein Kranlehrer Hubert (Name von mir geändert) lehrt mich, dass wir nicht die Boote betreten sollen, sondern nur den Kran bedienen. Vorallem wegen eventueller Schäden, die dem Club angelastet werden könnten.

Die Shark schwenke ich problemlos über den Trailer. Sitzt. Der Eigner findet, dass ich das super gemacht habe. Ich antworte, dass sein Boot mein erster Versuch war. Gespieltes Entsetzen seinerseits. Das nächste Boot, eine Dehler 22, übernimmt die neue Hausmeisterin, die heute wie ich ihre Kraneinweisung bekommt. Ich koche im Clubheim für alle Anwesenden Kaffee und packe zwölf Gebäckstücke auf einen Teller. Der neue Besitzer der Dehler 22 freut sich so richtig über ein Marzipanhörnchen, weil er den ganzen Tag vor lauter Kranen nicht zum Essen kam.

Den nächsten Krantermin hat eine Bavaria 770 gebucht, deren Ausmaße der Shadow ähneln. Die grüne Gurtverlängerung wird am Heck angebracht. Spannend für den Eigner und dessen drei Helfer: Wo ist der Saildrive? Den könnte ein falsch angebrachter Gurt beschädigen. Die Hilfsmarken für die Gurte stimmen bei unserer neuen Traverse nicht mehr. Hin und her und hin und her. Jetzt fängt es auch noch an zu nieseln. Die Großschot als Hilfsleine für die Gurte verknotet sich endlos. Als das Boot auf dem Trailer steht, bin ich richtig erleichtert.

Hubert telefoniert mit der Condor 70. Wegen Motorversagen mussten die zwei Eigner-Paare zurück in ihren Hafen paddeln und sich einen anderen Motor ausleihen. Ich räume das Kaffeegeschirr in die Küche, bis das Boot unseren Club- Hafen erreicht. Zum Abspülen komme ich nicht. Denn schon gilt es, die Gurte gefühlt zwanzig Mal neu auszurichten. Im frischen Wind treibt die Condor leicht vor und zurück, was die Angelegenheit erschwert. Ich bediene wieder den Kran und bugsiere die Jacht im ersten Anlauf direkt über den Trailer. Auf dem Trailer hängt das Boot etwas windschief, was aber laut Besitzer so in Ordnung geht.

Die schweren Krangurte und Verlängerungen werden mit dem Schubkarren in die Garage gefahren und zum Trocknen aufgehängt. Die Leiter im Eingang des Clubheims bis morgen früh zum nächsten Krantermin zwischengeparkt.

Tags darauf habe ich Muskelkater in den Armen und die Hüfte fühlt sich steif an. Trotzdem hat mir das Kranen der fremden Boote eine riesige Freude bereitet!

 

 

 

Island Hopping

Glücklicherweise fährt auf dem Steinberger See kein Fahrgastschiff, mit dem ich eine Abschiedsrunde über den See drehen kann. So benenne ich Shadow kurzerhand in das „Kleinste Fahrgastschiff der Welt“ um: Mit mir als einzigen Passagier, der gleichzeitig Kapitän ist.

„MS Shadow“ legt um 10:30 Uhr im Heimathafen ab. Der Akku zeigt eine restliche Kapazität von 86%. Erstes Ziel ist die Umrundung der Großen Insel vor dem Movin‘ Ground Freizeitaktivpark. Dort hatte ich heute morgen Shadows Chemie- WC entleert. Die Entsorgungsstation befindet sich rechts vor dem Eingang, unterhalb der Womo- Stellplätze. Anfahrt laut Navi über den Damm zwischen den Seen. Im Kiosk bezahlt man 1,50 Euro die Entsorgung. Dem Betreiber erhält 2 Euro, klappt den Deckel für mich auf und warnt mich, dass das Frischwasser aus dem Schlauch mit Wucht heraus spritzt. So wird mein Fleeceanzug etwas nass, als den Hahn aufdrehe.

Hinter der Großen Insel gebe ich „Volle Fahrt voraus“. Die Shadow wirft eine kleine Heckwelle auf und die Akku- Laufzeit sinkt rapide auf 77%. Man kann wie bei einem Countdown mit dem Zähler rückwärts zählen: 80%- 79%-78%-77%. Der Motor wird laut. Die Sonne lacht und ich ziehe das Ölzeug aus. Die Wolken sehen dramatisch aus: Dunkelblaue, dunkelgraue, lila und weiße Streifen. Das Ölzeug lasse ich auf der Cockpitbank liegen.

Mit moderater Fahrt gleitet die Shadow fast lautlos um die Kleine Holzkugel- View- Insel herum. Die Kanada- Wildgänse im Flachwasser schnattern aufgeregt, fliegen jedoch nicht davon. Von der Holzkugel klingen die Freudenschreie der Rutschenden herüber. Tief Lorenzo schickt ein paar Böen und zirka 3 Beaufort Gegenwind in die Oberpfalz. Shadows Fahrt reduziert sich, doch ich habe Zeit. Ölzeug fröstelnd wieder angezogen. Plötzlich taucht achterlich eine Friendship 23 auf, die mich kurz darauf korrekt links überholt. Der Eigner möchte offenbar als Erster bei den Kränen sein.

Dabei halte ich doch auf die Club- Insel zu und gar nicht auf den Hafenabschnitt mit den Kränen! Mit deren Umrundung schließe ich das heutig Island- Hopping am Steinberger See ab. Der Akku zeigt um 11:15 Uhr 50%. Somit habe ich in 45 Minuten 36% des Akkus verbraucht. Von den im Werbeprospekt versprochenen 10 Stunden Fahrtzeit ist das weit entfernt. Diese Angabe gilt vermutlich für ein Schlauchboot mit 4 PS Torqeedo- Elektromotor.

 

 

Segeln= Bootfahren ohne Motorgeräusche

Zum Saisonabschluss kamen meine Freunde Liv und H. (Namen von mir geändert) an Bord. Das Sturmtief Mortimer sorgte für Action.

Ein lautes, metallisches Krachen drang über den Steinberger See. Oh nein, bei einem Katamaran war der Mast abgebrochen und auf einen der Rümpfe gekracht. Ein Clubkamerad eilte mit seinem Boot den Verunglückten zur Hilfe herbei. Die Besatzung war unverletzt und hatte sogar Paddel dabei, mit denen sie das havarierte Boot selbst an den Kopf des Steges 3 paddelten.

Ich beschloss jedenfalls, dass das Vorsegel heute als Segelfläche reicht. Segelkameraden wiesen mich darauf hin, dass das Großsegel die bessere Wahl wäre. Mag sein, aber dafür muss ich aus dem Cockpit raus. Der Wind wehte aus günstiger Richtung. Die Shadow lag windgeschützt am Steg im ruhigen Wasser. Liv und H. überlegten, ob sie die Rettungswesten anziehen sollen, weil ja kaum Wind weht. Ich zog meine Rettungsweste wie immer an und wies auf die Boote hin, die draußen auf dem See schräg in den Böen liegen.

Dann legte ich ab. Liv war wie ich ganz begeistert von dem Vortrieb meines neuen Torqeedo- Motors; selbst im Rückwärtsgang. Mit dem Minnkota- Motor waren wir die letzten Jahre wie in Zeitlupe aus dem Ramsberger Hafen geschlichen. Der Wind rollte das Vorsegel fast ohne mein Zutun in Sekunden aus. Die Shadow preschte los und wollte Liv und H. wohl zeigen, wie schnell sie sein kann.

H. fasste Segeln aus Sicht eines Motorboot- Fahrers zusammen: „Man hört keine Motorengeräusche, kommt aber trotzdem schnell voran.“ Der Hafen lag nach fünf Minuten weit achteraus. Unser Törn führte mit angenehmen Halbwindkurs bis zur Segelschule über den See. Im warmen Sonnenschein. Auf dem Rückweg spritzte bei Am-Wind- Kurs sogar Wasser auf das Deck hoch. Und Action! Die Shadow lag trotz Böen mit fünf Beaufort ruhig und stabil im Wasser. Liv und H. blieben so entspannt, wir unterhielten uns angeregt und philosophierten über Seekrankheit.

Beim Anlegen machte Liv noch Witze, dass ein Nicht- Bootfahrer rufen würde: „Vorsicht! Der Baum!“ Shadows Bug berührt fast die Birke am Ufer, bevor ich das Ruder anschlage. Liv und H. applaudierten mir total lieb, nachdem ich fehlerfrei angelegt hatte. Zur Belohnung gab es für uns Frauen einen Sekt und für H. einen Autofahrer- Cocktail, also eine Flasche Wasser. Livs selbst gebackenen Gugelhupf mit Schokoladen- Stücken und Haselnuss aßen wir zur Hälfte auf. Köstlich. Ursprünglich wollte ich im Clubheim Kaffee holen. Doch wir saßen so gemütlich im Cockpit zusammen und blieben hocken. Plauderten über Livs neue Lektüre „Das Meer“ von Wolfram Fleischhauer und lachten über meinen Selbstversuch gemäss der Lektüre „Speed Cleaning- In 8 Minuten zur blitzblanken Wohnung“. (Ich putzte fast eine Stunde statt 8 Minuten.) H. führte mir vor, wie er seinen neuen Staubsauger über das Handy aktivieren kann. Faszinierend für mich Techniknull. Die zwei Innovators sind immer auf dem neusten Technikstand.

Tief Mortimer schickte seine Wolken in die Oberpfalz. Meine Freunde verabschiedeten sich. Die Segel schlug ich wegen der heranrasenden Regenfront in Rekordzeit ab. Demontierte hastig den Großbaum. Die ersten Regentropfen fielen. Der Himmel weinte mit mir über das Saisonende. Zum Abschied schickte mir Thor, der Gott des Wetters, einen Regenbogen, der sich über den See spannte.

Unter der Herbstsonne

Der Herbst ist die schönste Jahreszeit zum Segeln:

  • Die Sonne lacht, aber man nicht schwitzt nicht.
  • Der Wind bläst wieder nach der Sommerflaute.
  • Anlegen klappt am Saisonende ohne Panikattacken der Skipperin. Wenn nicht, gilt der Tassenspruch: „Es liegt nicht an Dir, es liegt am Steg.“

Trotz dieser idealen Segelbedingungen war ich am Mittwoch komplett allein im Segelverein. Eine neue Erfahrung. Wirft die Frage auf: Wird der Segelclub lieber als Freibad statt Segelverein genutzt?

Die Wellen schwappen sanft auf das sandige Ufer. Nur zwei weitere Boote auf dem Steinberger See unterwegs.

Die Sonne strahlt so gelb über dem Horizont, dass Shadows Segels sich in pures Gold verwandeln. Team „kerstinundshadow“ segelt flott an der Clubinsel vorbei zum Südufer. Bei der Wende bleibt die Vorschot auf der Bugklampe hängen, was meiner Laune keinen Abbruch tut. Viel Höhe laufen wir nicht, jedoch kann ich den Kurs „MovinGround“- Schwimmbad halten.

Am Kap der Großen Insel dreht der Wind zu meinen Ungunsten. Wende. Mit Rauschefahrt und gurgelnder Heckwelle düst die Shadow in den Heimathafen. Anlegen läuft wie geschmiert- muss wohl am neuen Teflonspray liegen.

Wie gut, dass ich mich aufgerafft habe, nach der Arbeit zum Boot zu fahren.

 

Mondschein- Segeln

Der Mond zeigte sich zwar schon als Sichel am Himmel. Doch gleichzeitig lachte die Sonne bei milden 22 Grad Celsius vom strahlend blauen Himmel und der Wind blies mit konstanten 1-2 Beaufort (Windstärke). Somit bot der Steinberger See perfekte Segel- Bedingungen für mich Kaffee- Seglerin bzw. Schönwetter- Seglerin.

Zuerst segelte ich mit Schmetterlingssegeln zum Seetreff Müller. Anschließend bog die Shadow um die Ecke der großen Insel und kreuzte auf. Vor dem „MovinGround“- Freibad tummelten sich lärmende Jugendliche und mehrere Tretboote. Da wollte ich nicht hin und her kreuzen.

So kehrten „wir“, also kerstinundshadow, um und umrundeten die zweitgrößte Insel vor der Wakeboard- Anlage. Hier sparte ich mir das Kreuzen und zog mit flatternden Segeln an den Segelschülern vorbei. Die Segelschüler übten stöhnend „Fender über Bord“ auf schnittigen Jollen.

Ich konnte meinen Kurs in den Heimathafen anlegen, d.h. ohne Wenden bis zum Steg rasen. Sogar der Tiller Tamer (=Seil und Schraube als Autopilot) hielt den Kurs ohne weiteres Eingreifen. Hatte ich zufällig die Segel und die Pinne super ausbalanciert getrimmt.

Das fiel sogar den Clubkameraden auf, die mich von der Terrasse aus im Auge behielten: „Heute hat die Kerstin sogar das Großsegel ausgepackt.“ (Anmerkung: Bei den Samstags- Touren mit meinem Sohn segle ich nur mit Vorsegel, weil ich das Cockpit nicht verlassen will,um das Großsegel am Mast zu setzen.)

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Die Dauer einer Kekspackung

An der Schranke fragt mich ein Segler, ob wir heute segeln  waren. Meine Antwort: „Wir waren nur sehr kurz segeln. Nämlich bis mein Sohn seine Kekse aufgegessen hatte.“ Also dauerte der Törn eine Kekspackung lang. Trotzdem schaffte ich es, unter Segeln Fotos zu knipsen. Das Wasser strahlte türkis, als ob wir zwei in Sizilien segeln würde.

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Nach der Ausfahrt durfte Thorger solange Plantschen, bis er genug hat. Das war nach drei Stunden der Fall. Ich wurde von ihm beauftragt, ein Nashorn und den Grüffelo mit einem Stecken in den Sand zu malen. Stundenlang pobelte der Kleine an einen morschen Holzstück herum, das er hoch getaucht hatte. Er meinte, es wäre von einem Piratenschiff. Zwei Barsche trauten sich immer wieder zu unseren Füßen. Wir sahen sie durch unsere Taucherbrillen. Am Ufer hüpfte ein grüner Frosch entlang. Das hätten wir alles nicht gesehen, wenn wir in Eile gewesen wären.

 

Läuft wie geschmiert

Die bezahlte Arbeit dauert ungeplant länger. Bei meiner Ankunft am Steinberger See türmen sich hohe Wolken über dem Ufer. Ich beratschlage mich mit Gregor (Name von mir geändert), ob man noch raus fahren soll. Der Clubkamerad warnt mich vor schnell aufziehenden Gewittern und war heute lediglich Schwimmen statt Segeln.

Ich beobachte das Wetter und erledige derweilen die geplante, unbezahlte Arbeit am Boot. Der Reissverschluß der Persenning wird beidseitig mit Teflonspray eingesprüht. Wenn bei mir an Bord schon das Segeln nicht wie geschmiert läuft, so tut es wenigstens der Reissverschluß!

Nun sieht der Himmel heller aus. Ich traue dem Braten nicht. Zwischen Steg 4, 3 und der Clubinsel drehe ich mit dem Vorsegel eine Runde. Dann komme ich in Minutenschnelle in den Hafen zurück, falls nötig. Ich möchte wenigstens eine kurze Runde zur Entspannung über das Wasser treiben. Die neuen Verklicker drehen sich lustig in entgegen gesetzter Richtung. Wie Kreisel. Die Windrichtung kann ich jedenfalls nicht ermitteln. Die Ruhe vor dem Sturm? Über dem Nachbarort spannt sich ein Regenbogen. Schnell in den Hafen bevor das Segel oder ich nass werden!

Da verbringe ich meine Freizeit lieber trocken im Clubheim unter der Überdachung. Mir unbekannte Segler geben mir umgehend ein Stück selbstgebackenen Zwetschgenkuchen und einen Pott Milchkaffee aus. Köstlich. Ihr Hund trägt eine Rettungsweste mit Haiflosse. Sofort finden wir eine Gemeinsamkeit: Unsere Boote stammen beide aus Frankreich und wir lieben deren Eleganz.

Mit B&B quatsche ich mich dann dermaßen fest, dass schon die Supermärkte bald schließen. Mein Zwischenstopp beim Discounter in Regenstauf war ein guter Einfall. Die A3 ist gesperrt und ich stehe eine Stunde auf der Bundesstraße im Stau.

Kaffee-Regatta: Den Teil mit der Regatta lasse ich weg

Die zweite gemeinsame Ausfahrt mit dem Segelclub stand auf dem Programm. War im Mai zu viel Wind vorhanden, war heute zu wenig Wind vorhanden. Was einmal wieder die alte Seglerweisheit bestätigt: Entweder ist der Wind zu stark oder zu schwach oder er bläst aus der falschen Richtung.

Diesmal wurde ein Dreiecks- Kurs abgesteckt. Ich hatte mir vorgenommen, nur doppelt solange wie der Schnellste zu segeln. Im Mai war ich die dreifache Zeit des Gewinners gesegelt.

Leider wurde daraus nicht. An der Startlinie hatte ich fünf Minuten vor dem Start eine gute Position. Nach dem Startsignal benötigte ich drei Anläufe, d.h. Wenden, die Linie zu überqueren. Die Schiedsrichter riefen voll Freude: „Jetzt ist sie drüber.“ Der zweite Vorstand wartete extra mit seinem super schnellen Trimaran auf mich, bis ich die Startlinie erreichte. Das war richtig nett von ihm. Danke! Dann zischte der Trimaran ab und ich trödelte mit Abstand dem Feld hinterher. Wenige hundert Meter vor mir war eine Viko 26 mit ähnlichen Ausmaßen wie die Shadow.

 

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Zu der zweiten Tonne schwamm ein Badegast mit der Shadow um die Wette. Maria und Josef rasten mit dem Motorboot herbei und verwiesen ihn der Regattabahn.

Der Erstplatzierte im Laser (Boot) überholte mich alsbald. Ich schloss die erste der zwei Runden ab. Leider schlief der Wind ein. Die Segel hingen auf der Seite des Bootes, auf die ich mich setzte. Mit einem kleinen (auf Regatta verbotenen) Motorschub als Hilfe umrundete ich die erste der drei Wendemarken. Dahinter stand die Shadow eine gefühlte Ewigkeit auf dem See. Die Clubkameraden räumten im Hafen bereits ihre Schiffe auf und badeten vor den Stegen. Ich wartete zehn Minuten, ob der Wind zurückkommt. Vergeblich.

Also gab ich meine Teilnahme an der Regatta auf, fuhr mit Motor zum Liegeplatz und lief eilig zu gedeckten Kaffeetafel. Der Club gab für jeden Segler ein Stück Zwetschgen- Kuchen und einen Pott Kaffee aus. Ich lernte diesmal sympathische Seglerinnen kennen. Dafür hat sich die Teilnahme an der Regatta auf jeden Fall gelohnt. Ich gab eine Story zum Besten, wie in Irland der Mast der gemieteten Topper- Jolle abbrach, der irische Segellehrer den Schrottmast im Meer versenkte und mir einen neuen Mast mit dem Motorboot brachte.

Später schwamm ich eine Runde um den Steg 4. Ich wunderte mich sehr, warum ein Jollenkreuzer so flach im Wasser liegt. Zurück auf dem Steg sah ich, dass das Boot komplett voll Regenwasser oder Seewasser gelaufen ist. Da der Vorstand heimgefahren war, schickte ich ihm eine E- Mail, damit er die Eigner informieren kann. Aus dem Motorboot vis a vis der Shadow schöpfte ich mehrere Eimer Regenwasser und brachte die Persenning wieder in die richtige Position.

Abends blieben Uschi (Name geändert), ihr Mann und ich zum Abendessen. Die Terrasse des Club- Heims bietet eine Ausblick über den ganzen südlichen See. Die Erbsensuppe mit Wienerle schmeckte nach dem sportlichen Tag ausgezeichnet. Uschis leckeren Couscous- Salat durfte ich probieren. Mittags hatte mich eine Seglerin mit ihrer selbstgemachten Lasagne versorgt, als ich dem Ehepaar am Tisch Gesellschaft leistete. Ja, essenstechnisch war der Tag ein Erfolg, seglerisch weniger.

Die Sonne versank im wunderschönsten kitschigsten rosa hinter den Birken. Dazu spielte ich ein paar romantische Songs mit der Ukulele.

 

P.S.: Bildrechte bei Josef Schwarz