Fahrstunde ohne Fahrlehrer

Am Freitag machte ich meine zweite Fahrstunde mit dem Trailer (Bootsanhänger). Diesmal ohne „Fahrlehrer“ in Form eines Segelkameraden, der mich dirigiert. Michi meinte dazu: „Ist doch ganz einfach, der Anhänger läuft dem Auto hinterher.“ Stimmt, jedoch ist MEIN Anhänger 8,50 Meter lang und breiter als das Auto. Da sind extraweite Kurven angesagt.

Erste Schwierigkeit war für mich, die Anhängerkupplung in die Nähe des Anhängers zu bekommen. Die Rückfahrkameras erkennen die Grashalme auf der Trailer- Wiese nämlich fälschlicherweise als Hindernis und der Yeti piepte ohrenbetäubend, sobald ich den Rückwärtsgang einlegte. Nach zehn Mal Hin- und Herfahren kam ich dem Trailer zu nahe. Minikratzer in der Stoßstange. Ups.

Die Fahrt zum Boat Service klappte bestens. Obwohl mich das Navi über eine nicht geteerte Straße führte, die selbst der Boat Service nicht kannte. Einmal verpasste ich im kleinen Örtchen die Abzweigung, schaffte das Rückwärtsrangieren leider nicht und drehte eine Ehrenrunde durch das Dorf der Einbahnstraßen. Die Bauarbeiter dachten bestimmt: „Fehler in der Matrix. Wieder dasselbe Auto und dieselbe Frau wie vor fünf Minuten.“ Durch meine Verspätung lief mir der Boat Service entgegen. So kuppelten wir den Trailer eine Straße vor dem Ziel ab und schoben ihn von Hand die sehr schmale Seitengasse entlang zum Carport, in dem die Schienen verbreitert werden werden. Die neuen Bleche stehen bereits parat.

Vorher hatte ich auf der Shadow den aufgeladenen Akku mehrfach an den Motor angestöpselt. Wieder neue Fehler. Beim ersten Versuch flackerte das Display auf und zeigte über all die Ziffer 8. Beim zweiten Versuch kam „Fehler E32“. Kommunikationsfehler. Beim dritten Versuch blieb alles grau. Beim vierten Versuch ging er an. Ärgerlich.

Tank leer

Jens hatte sowieso keine Lust auf Segeln. Wenn ich es mir recht überlege, war er in den letzten 24 Jahren dreimal mit mir Segeln und immer warteten Abenteuer auf ihn: Einen Herbst auf dem zu kühlen Brombachsee im Islandpulli frierend unter Deck. Einmal Shadows Jungfernfahrt mit überraschenden Sommergewitter. Auf dem Atlantik bei Cork in riesigen Wellen zum Schweinebraten- Essen auf Beara Island.

So war Jens bestimmt erleichtert, dass der Akku des Aussenborders leer war und wir ohne Umweg über Leinen-los direkt zum Strand gingen. Dort war er in seinem Element, suchte seltene Steine im flachen Wasser und baute Sandburgen für Thorger am Wassersaum. Thorger wälzte sich im Sand und sah aus wie ein paniertes Schnitzel. Ich hatte nichts zu tun, ausser zwei Colas für uns Eltern zu holen. Ein stressfreier Vormittag am Strand. Fast. Eine Hornisse krabbelte mir über das Bein und den Bauch hoch zum Hals. Am Kragen pustete Jens sie weg und ich rannte ein paar Meter in Sicherheit davon.

Zum Glück bekamen wir später beim Mc Doe einen Tisch im Schatten und ließen uns Pommes und Eis schmecken. Vor zwei Tagen waren Thorger und mir die Lautsprecher beinahe auf den Kopf gefallen. Vor denen waren wir unter dem Sonnenschirm heute sicher.

Libellen- Rettungseinsatz

Der Juni verheißt den ersten warmen Tag, den ich als Frau barfuß in Schuhen aushalte. Ich packe meinen Sohn und die Badetasche ein. Wir verbringen einen erholsamen Ferienvormittag am Steinberger See.

Segeln hat Thorger am Muttertag erledigt und hängt lieber cool im Salon ab. Mit ein paar Gummibärchen und mir als Gesellschaft. Vergnügt schlüpft er in seine Badehose und schlurft zum Strand. Mit den neuen Badeschlappen kommt er nicht so gut klar wie mit den alten Neoprenbadeschuhen. Alle paar Meter bleiben wir stehen und puhlen Steinchen von den Fußsohlen.

Überall herrscht rege Betriebsamkeit: Am Steg 1 werden Segel angeschlagen, am Masten- Kran ein schwarzer Mast gestellt und am Bootskran ein Schiff zum Wässern vorbereitet. Thorger und ich haben am privaten Strand unsere Ruhe. Thorger zählt 1-2-3 und kann sich nicht zum Abtauchen überwinden. Startet einen weiteren Countdown 1-2-3 und setzt sich dann auf 3 in das kalte Seewasser anstelle eines Köpfers.

Thorger erzählt mir begeistert irgendetwas von einer Libelle. Ich sehe erst keine. Doch, da treibt eine mit den Beinchen paddelnd im Wasser. Vermutlich frisch geschlüpft. Ich raffe mein Kleid hoch und stapfe in den See. Mit einen Holzstecken als Rettungsfloß ausgerüstet. Die Ertrinkende (=Libelle) klammert sich sofort an der Schwimmhilfe fest. Ich setze sie zum Trocknen in ein blühendes Unkraut auf der Landzunge. Sie krabbelt über die Wiese davon. Die Flügel brauchen wohl noch Zeit.

Mein Sohn setzt sich später zum Trocknen in Shadows Cockpit. Mir gelingen ein paar schöne Schnappschüsse von ihm, die ich später Jens zeige. Der Himmel richtig knallblau: „Wenn im Hintergrund Palmen statt Birken wären, könnte das glatt in Miami sein.“

Egal ob Miami und „Steini“: Der Sommer ist da.

Reisekosten für eine Woche Einhandsegeln

Vielleicht denkt mancher Leser, dass Segeln nur etwas für Managergehälter wäre.

Daher hier die Kosten meiner Segelwoche (5 Tage) am Edersee

  • Charter Segelboot 400 Euro
  • Hafengebühren 0 Euro
  • Benzin für An und Abreise 78 Euro
  • 2x WC Gebühr A3 2 Euro
  • Aldi Einkauf Daheim und in Bad Wildungen: 25 Euro, inkl 6 Liter Trinkwasser
  • Pizza Funghi in Waldeck 7 Euro
  • Cappuccino in Waldeck 3 Euro
  • Bäckerei in Bad Wildungen 2 Euro
  • Eintritt Wildpark 6 Euro
  • Eintritt Baumkronenpfad 8 Euro

Die Summe beträgt 531 Euro als Einhandseglerin und somit 106 Euro pro Tag. Diese Kosten sind für Urlaub an Binnenseen, Nordsee oder Ostsee auf einem 7 Meter Boot realistisch. (Am Mittelmeer habe ich eine Viko 22 in Split für 799 Euro Chartergebühr für 7 Tage gesehen und die Anreise ist teurer. Somit solltet Ihr für das Mittelmeer die doppelten Kosten einplanen.)

Das Boot am Edersee wäre ideal für zwei Personen gewesen. Drei Freundinnen hätten auch Platz gehabt (2 im Salon und 1 im Bug samt Gepäck auf der zweiten Hälfte der Doppelkoje). Bei drei Leuten hätte ich an Chartergebühren und Benzin zwei Drittel, d.h. 185 Euro, gespart. Hypothetisch lägen die Kosten bei 346 Euro pro 5 Tagewoche und 69 Euro pro Tag.

5. Reisetag: Doch noch Segeln

Kaum zu glauben. Am Abreisetag herrschen ideale Segelbedingungen: 2 Beaufort, in Böen 3 Beaufort.

Daher frühstücke ich um 6 Uhr und lege um 7 Uhr ab. Das Boot, eine flotte Wegu 701, führe ich von Hand zum Stegkopf und steige seitlich ein. Ich segle in die diesige Morgensonne. Kämpfe in den Böen mit dem Vorsegel, das aus der Klemme rauscht. Packe das Vorsegel einfach wieder ein und segle vergnügt mit dem Großsegel eine Runde.

Erstens Richtung Staudamm, der allerdings in der Windabdeckung liegt. Zweitens zum Segelverein unterhalb vom Wildpark. Die Wölfe heulen die Sonne an. Drittens gen Halbinsel Scheid. Viertens die Strandpromenade von Waldeck West entlang.

Zwei Stunden verfliegen. Ich gebe das Boot ohne Macken zurück. Natürlich hätte ich länger segeln wollen. Jedoch dauert die Rückfahrt über A7 und A3 knapp fünf Stunden.

Fazit: Der Edersee ist für jedermann einen Kurzurlaub wert und für mich seglerisch attraktiver als das IJsselmeer es war. Zwar nur 11 qkm Wasserfläche, aber weder Schleusen noch Binnenfrachtschiffe.

Vorschau: Nächstes Jahr wird es zum Moldaustausee namens Lipnomeer gehen, falls die Pandemie es zulässt.

Segeln in die Morgensonne am Edersee- Richtung Schloss Waldeck
Segeln am Edersee- Richtung Halbinsel Scheid

4. Reisetag: Galadriel vor verschlossenen Toren

Morgens badet sich eine Bachstelze in der Pfütze im Cockpit. Da wird mir sofort klar, dass heute kein Kerstin- taugliches Segelwetter herrscht. Mit anderen Worten: Regen, Böen und 6 Grad Lufttemperatur. Setze mich für drei Stunden in die Segelschule, frühstücke, trinke Tee und lese. Wie Sommerurlaub in Island!

Bin jetzt schon eine alte Bekannte vom sympathischen Apotheker in Bad Wildungen, der über Voltaxxx- Salben- Verkäufe plaudert und mich nach dem gestrigen Tierparkbesuch fragt, so lange bis mein Corona- Test negativ anzeigt.

Ab in die Waldwipfel! Die pampige Kassiererin hat gepennt, eine halbe Stunde nach Einlass noch nicht geöffnet und ich muss zwei Meter zurücktreten. Um halb elf bin ich der erste und einzige Besucher des Baumkronenpfades, der mich mit riesigen Holzblütenkelchen an das Baumhaus der Elfe Galadriel aus Herr der Ringe erinnert.

Auf dem angeblichen Waldlehrpfad kann ich ausser drei Lehrtafeln und einem Kletternetz nicht viel Lehrreiches entdecken. (Außer dass Wildschweine weiter als Rehe springen können und eine Buche im Herbst 500.000 Blätter abwirft.) Selbst nachdem ich die Strecke dreimal abgelaufen war. Denn wie eine Galadriel ohne Haustürschlüssel stand ich vor dem versperrten Tor zum Waldwipfelweg. Mein Ticket wird nicht gelesen. Wieder zurückgekehrt zu meiner Lieblingskassiererin, die mich anmault, warum ich nicht an der Tür geklingelt hätte. Ich latsche wütend wieder zurück zum Tor. Eine Stimme klingt aus dem Lautsprecher, öffnet die Metalltür und brüllt: „Viel Vergnügen!“

Der Baumkronenpfad gefällt mir trotz Pannen super. Die Insekten, die in Buchen leben, sind als stark vergrößerte, plastische Holzmodelle in Kinderaugenhöhe montiert und Schilder dazu geben Kurioses bekannt: Die Kürbisspinne baut als Einzige kein Netz und besitzt einen grünen Leib. Alle Lebewesen werden auf dem kostenlosen Flyer beschrieben. Ich lese später, dass die Babys der Kürbisspinne mit braunen Körper schlüpfen, um im Herbstlaub besonders gut getarnt zu sein.

Die Metallgitter knirschen unter meinen Füßen, aber ich betrete todesmutig den Ausichtskorb an der höchsten Stelle des Baumkronenpfades. Der Edersee liegt mürrisch und grau unter mir.

Der steile Fussweg zum Parkplatz lohnt sich. Alle zehn Meter hat ein lokaler Politiker einen Baum gesponsert. Weisstanne, Elsbeere, Wildapfel und Ginkgo sind vertreten.

Ich habe von drei bis sechs Uhr gewartet, dass der Wind nachlässt. Vergeblich. Das Radio warnte vor Aquaplaning durch Starkregen. Kein einziges Boot unterwegs. Alle Parkplätze in Waldeck West leer. Kaum zu glauben, dass vor Corona zwei Millionen Leute jährlich den Edersee besuchten. Der Segelschulbesitzer meint, dass bei 2 Mio auch alle vorbeifahrenden Motorradfahrer mitgezählt wurden.

Baumkronenweg- hoch über dem Edersee

3. Reisetag: Die mit dem Wolf spazieren geht

Hätte bei 6 Grad Celsius und Regen natürlich eine Runde Segeln können. War aber zu verfroren dafür. Mein Mann prophezeit schon eine weitere Woche „Bootgehocke“ wie am IJsselmeer. Ein Tourist kommentiert das Wetter: “ Haben wir eigentlich Mai oder Februar?“ Ich stehe an der Strandpromenade und wärme meine Hände an einen Cappuccino auf.

Die Füsse tauen im Auto auf. Ich tue mir den Corona -Schnelltest an, der in der Löwenapotheke in Bad Wildungen angeboten wird. Mit dem Wisch habe ich Zugang zum Wildpark. Zumindest theoretisch. Denn die Eingangstür ist verriegelt, als ich erster und einziger Besucher des Tages eintreten wollte.

Über die Wildschweine amüsiere ich mich köstlich. Die liegen zufrieden grunzend in einer Kuhle. Sie scheinen selig im Schlaf zu lächeln.

Highlight der Raubvögel : Ein zahmer Gänsegeier, der im Park herum laufen darf. Schaue erst, ob eine Voliere offen steht, sehe aber dann das Schild „Nicht den Geier streicheln“.

Für die Polar- Wölfe bin ich das heutige Unterhaltungsprogramm. Sie kommen neugierig zum Zaun gelaufen und spazieren „mit mir“ mit. Später schnüffeln sie interessiert an den Büschen. Mein Mann vermutet, die Wölfe hätten eher auf mich Jagd gemacht als Gassi zu gehen.

Die eurasischen Wölfe traben aufgeregt herum, weil zwei Nilgänse im Tiefflug über das Gehege fliegen. Kann mich nicht erinnern, ob ich jemals zuvor diese langbeinigen, braun- weißen, löwenartigen Wölfe gesehen habe. Viecher, riesig wie Fenris, der Götterwolf.

Das Rotwild hebt aufmerksam den Kopf, erkennt, dass eine Kamera statt einer Flinte im Anschlag habe, und äst weiter. Die trächtige Tarpan – Stute läuft mir entgegen, weil sie frisches Gras von der anderen Seite des Zaunes möchte. Dort ist das Gras bekanntlich immer grüner. Pech für sie. Ich halte mich daran, die Tiere nicht zu füttern.

Den Nachmittag verbringe ich unter Deck und lese in den Schlafsack gewickelt mit Wollmütze auf dem Kopf den zweiten Band Lockwood: Der Wispernde Schädel. Zwei Segler legen im trügerischen Sonnenlicht ab und flüchten kurz darauf unter Topp und Takel um die windgeschützte Ecke am Staudamm. Eine kluge Taktik. Bin froh, im Hafen geblieben zu sein.

Später kutschiere ich mit dem Auto zum Ende des Edersees, zur Ortschaft Herzhausen.

Zu viel Wind für mich Schönwetterseglerin

2. Reisetag: I am walking – Down the Panoramafahrradweg

Wind und Regen bringen den Mast zum Singen. Das Grossfall trommelt im Halbe- Sekundentakt. Ich schlottere vor Kälte als ich fix das Kabel für den Landstrom einhole. Ein zweiter Hafentag steht bevor.

Als allererstes parke ich das Auto freudig auf den kostenlosen Gästeparkplatz der Segelschule um. Bis mir auffällt, dass ich beim Ausparken den schmalen Grat zwischen Hafenmauer und Segelschule rückwärts rangieren werden muss. Es gibt keine Absperrung zur Steilkante. Später heißt es für mich- Ausparken in 30 Zügen.

In der verlassenen Segelschule koche ich zum Aufwärmen gleich zwei Tassen Schwarzen Tee. Dazu meine obligatorischen Haferflocken mit Milch. Lieb, dass ich den Kühlschrank mitbenutzen darf. Überhaupt sehr familiär und relaxed, die hiesige Bootsschule.

Bei Sonnenschein wandere ich zur Staumauer Edersee los. Überlege kurz, umzudrehen und einen Segelversuch zu starten. Doch am Horizont zieht die nächste Regenfront auf. Der Panorama- Fahrradweg ist eine spezielle Konstruktion mit im Fels verankerten Betonsäulen und sehr stabilen, hohen Geländer. Das an manchen Stellen Raser vor einem Sturzflug in den Edersee bewahrt hat. Zu erkennen an den Dellen. Kein Ast hängt auf den vom Regen blitzblank gewaschenen Wanderpfad. Am Tauchspot 2 lege ich einen Fotostopp ein.

Radweg am Edersee

Allmählich finde ich meinen Wandertrott und bin überrascht als Schilder das Ende des Panorama Fahrradweges ankündigen. Die Talsperre ist erreicht. Wie Hogwarts aus Harry Potter ragen schiefergedeckte Türme und braune Steinmauern aus dem See. Der Blick herunter zum Ablauf ist atemberaubend. Das Bauwerk wurde von Kaiser Wilhelm dem Zweiten erbaut, dann im Zweiten Weltkrieg zerstört und von 2.000 Zwangsarbeitern wieder errichtet.

Bei Brautpaaren offenbar trotz der Historie beliebt, denn im Turmzimmer finden Trauungen statt. Heute ist jedoch das Standesamt, die Kioske und die Touristinfo geschlossen. Ich hätte die Ffp2 Maske nicht aufsetzen brauchen. Zwei fränkische Radfahrer überholen mich und ein Womo Rentnerpaar mit weißen Schäferhund begegnet mir.

Zur Fahrgastschiffahrt führt die kürzeste Seilbahn der Welt. Im Sommer geht sie bestimmt steil zum tiefen Wasserpegel herunter. Momentan liegt sie sinnlos horizontal zur Wasseroberfläche.

Einen Regenguss warte ich im Torbogen ab.

Beim nächsten Schauer stelle ich mich im Teufelsgraben unter. Ein Feldhase hoppelt über den (wegen ständiger Teufelsanbetungen?) gesperrten Parkplatz „Teufelsgraben“. Ein Eichhörnchen klettert eine Buche zum See hinab. Vom Panoramageländer krächzen drei schwarze Krähen. Eine macht einen auf Seeadler und taucht mit Krallen und Schwanzgefieder in den Edersee ein, um Reste eines Fischbrötchen zu angeln.

Das inspiriert mich, zum Abendessen Matjessalat und Fladenbrot beim Aldi zu holen. Und wo Bad Wildungen liegt, finde ich gleichzeitig heraus.

Morgen geht es zum Wildpark und vorher Corona Test in Bad Wildungen.

1. Reisetag: Hafenkino de luxe

Ein sehr frischer Wind pustete über den Edersee. Ich blieb den Nachmittag im Hafen. Dank Liegeplatz in der ersten Reihe beobachtete ich die anderen Segler. Eine Jolle kenterte und die Wasserwacht rückte aus. Eine andere legte mit zu viel Schwung an und fuhr in die festgemachte Jolle hinein, bis sie von deren Vorleine gebremst wurde. Eltern brüllten maulende Kinder an: „Ich schmeiße Dich gleich von Bord, wenn Du nicht die Klappe hältst. Und schau nach den Segelbooten!“

Unzählige Elektoboote mit und ohne Führerschein Inhaber tummelten sich auf der Talsperre. Ein Mietboot krachte frontal in die Kaimauer, sodass das Gelcoat absplitterte. Die Vermieterin kommentierte genervt: „Dass der Tag ausgerechnet mit einem Unfall enden muss!“

Für mich endete der Tag mit einer leckeren Pizza Funghi aus dem Strassenverkauf mit dem Schild „Bikers welcome“. Die Motoradfahrer nutzten das herrliche Wetter für Touren um den Edersee und beäugten neugierig mein Seglerdress.

Abends zogen Wolken auf (Foto).

Könnte Schottland sein, ist aber der Edersee

Schauerböen – mit einem Hauch Glasreiniger

Heute stand mein erster Arbeitseinsatz im Segelverein auf dem Programm. Hatte mich zu früh über die Info gefreut, dass Renate (alle Namen von mir geändert) vorletzte Woche alle Fenster geputzt hätte. Das ist alleine in 4 Stunden nicht machbar. Aber immerhin zwei Drittel bis zur Verandatür strahlten staubfrei. Ich nahm mir das letzte Drittel vor. Bei sechs Grad Kälte stimmte ich nur zu gerne dem Vorschlag vom Vorstand zu, zuerst die Innenseiten zu putzen. Drinnen im Clubheim war es erheblich wärmer als draußen. Außerdem reinigte Christoph die Dachrinne und ich wäre ihm in die Quere gekommen.

Wie üblich gab Heinrich vom Gloxxx belegte Brötchen aus. Sobald die Innenseite meines Fensterabschnittes Spinnweben- los glänzte, hatte ich Zeit, zwei Kannen Kaffee zu kochen und Kaffeehumpen mit Milch und Zucker aufzubauen. Der Teenager Lucca staubte derweilen alle Blumenholzkästen feucht ab, weil ihm langweilig war. Dann half er mit einen Stuhlkreis für die Brotzeitpause aufzubauen. Im windgeschützten Eck vor dem Bootsschuppen. Corona- gerecht mit großen Abstand zwischen den Sitzplätzen.

Nach der Pause reinigte ich die Außenseite der Nordfensterfront. Ich bekam laufend Gesellschaft von Clubkameraden. Unwetterartige Schauerböen vertrieben die Hobbyhandwerker mehrmals von den Stegen und trieben sie auf die überdachte Veranda. Das Regenwasser stand kurz darauf auf den Tischen unter der Veranda. Eine Böe fegte um die Ecke und der Glasreiniger flog auf den Fensterrahmen statt auf das Glas. Die Luft wirbelte richtiggehend herum. Da legte ich besser ein Päuschen ein und unterhielt mich mit Günter über die Sinnhaftigkeit des SSS- Segelscheins. 95% der Theorie könne man nach der Prüfung wieder vergessen.

Mittags genoss ich in Shadows warmen Salon einen Couscous- Kichererbsensalat. Zum Schluss zeigte ich Markus die aufgeräumte Shadow. Er sagte: „Das Deck ist sehr sauber.“ Hach, Lob geht herunter wie Öl!