Banana Drama- Akt 2

Väter gehen am Vatertag alleine auf Sauftour. Mütter verbringen den Muttertag mit der Familie. Kipp‘ die Tradition!

Am Muttertag zog ich alleine mit meinem Faltboot in ein weiteres Abenteuer los. Erst einmal brachte ich auf beiden Seiten den Bootsnamen „No Shadow“ an, den mir der Copyshop für einen Wucherpreis auf zwei Aufkleber gedruckt hatte. Wenigstens ganz nach Wunsch im allerschönsten Navy- Blau und einer hübsch weiblich gerundeten Schriftart gedruckt.

Mit dem Auto fuhr ich den zusammengeklappten Bootskörper, die Paddel und die Sitzbank hinunter zur Naab. Das war gleichzeitig der Test, ob das Boot in den Kleinwagen passt. Wow! Mit zurückgelegten Beifahrersitz und umgeklappter Rückbank passen die 2,20 Meter Rumpf locker in das Auto. Das hätte ich nie gedacht, weil in den Zwergenautokofferraum weder Wasserkasten noch Klappbox gehen.

Dieses Mal suchte ich eine Stelle an der Naab, die ein leichteres Einsteigen und vor allem eine einfachere Probefahrt ohne Strömung ermöglicht: Ein Altwasser außerhalb des Naturschutzgebietes. Durch einen Pfad aus Brombeeren (autsch), Brennnesseln (autsch) und Pusteblumen (nett) trug ich die Bootsteile an das Ufer der Naab. Schuhe und Autoschlüssel flogen in das Boot, ich stieg barfuß in das flache, schlammige Wasser und von dort in das Banana Boot.

Erst versuchte ich die Paddel synchron durch das Wasser zu ziehen. Stellte wie beim Kajakfahren fest, dass mein rechter Arm als Rechtshänder stärker zieht und ich im Kreis fahre. Nächster Paddelversuch: Abwechselnd links und rechts kleine Schläge ziehen und gelegentlich ein winziger, zarter Korrekturzug mit dem linken Paddel. Die No Shadow dreht sich gewöhnungsbedürftig mit jedem Ruderzug ein paar Grad um die eigene Achse. Von Spurtreue wie bei Robson Kajaks kann keine Rede sein. Hauptsache ich komme ungefähr in eine Richtung vorwärts.

So fand das Drama um das Bananaboot ein glückliches Ende und mit dem Wind ruderte ich langsam und zufrieden das Altwasser hinauf. Zwischendrin verhedderte ich mich mit dem rechten Paddel in einem umgekippten Baum, der im Wasser lag und die No Shadow kippelte etwas. Schwamm drüber! Auch an das Rückwärtsfahren werde ich mich gewöhnen. Drei blaue Libellen mit schwarzen Flügeln jagten sich über den Fluss. Ein großer Karpfen zog wie ein Hai die Wasseroberfläche entlang und seine Rückenflosse und Schwanzflosse schaute ständig aus dem Wasser.

Gegen den Wind dauerte die Rückfahrt erheblich länger. Dafür plätscherten kleine Wellen den Bug entlang. Musik in meinen Ohren. Flapp-flapp-flapp-flapp-flapp.

Aus dem Bananaboot und mir sind Freunde geworden. Happy End!

 

 

 

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Schiffsreparatur mit Handtascheninhalt

Liebe Schiffbauer, lest jetzt nicht weiter, sonst werdet Ihr Euch fürchterlich aufregen. Ich führte heute zwei Schönheitsreparaturen mit kreativen Lösungen aus meiner Handtasche durch.

Die Zierleiste aus weißem Plastikband war von der Ankerkette zerkratzt. Mit weißgefärbten Klebeband besserte ich die kaputten Stellen aus. Einfach kleine Stückchen darüber geklebt und fertig. Sieht man keinen Unterschied, sobald die Shadow den Steg verlassen hat bzw. in zehn Metern Entfernung segelt.

Letzte Saison versuchte die Shadow sich vor dem Sturm mit einem Sprung auf den Steg zu flüchten. Dabei kratzte sie sich etwas Farbe rund im das Abflussloch des Ankerkastens ab. Drei Stellen zu je einem Zentimeter, wo seitdem leider der weiße Originalrumpf durchschimmert. Mit drei Pinselstrichen aus blauen Nagellack beseitigte ich die Schäden. Der Nagellack kostet 1,50 Euro. Eine Dose Bootslack dagegen 20 Euro und muss dann geöffnet in den Sondermüll. Den Nagellack kann ich anderweitig verwenden- zum Beispiel um Fensterläden zu lackieren.

Die Morgenflaute wurde von einem sanften Lüftchen vertrieben. Ein Segel- Tag, so erholsam für mich wie ein Wellness- Hotelwochenende für manch‘ anderen, stand bevor. Ich hatte mir vorgenommen bis Allmannsdorf zum Damm hoch zu kreuzen. Doch der Wind drehte leicht, ich übte stattdessen ordentliche Wenden und nahm mir als neues Ziel die Anlegestelle „Pleinfeld“ vor. Till, der Autopilot „Tiller Tamer“, übernahm die Pinne und ich konnte mein Alukissen an Deck holen. Bei 13 Grad Celsius in Leggings auf der Cockpitbank zu sitzen, war zu kalt für mich. Diese Idee mit dem Campingkissen aus Alu habe ich von der Habib Sanna von http://www.Barfuss-Segelreisen.de abgeschaut, deren Firma ich gerne weiterempfehle. Dort sind Isomatten aus Alu als Sitzkissen im Einsatz.

Alles lief rund und ich konnte in Ruhe die kalten Specknudeln von gestern essen und gleichzeitig die anderen Boote im Auge behalten. Mit zwölf Seglern blieb genug Platz für jeden auf dem Brombachsee. Das Ufer entlang dümpelte ich unter Vorsegel an Ramsberg vorbei zur Hafeneinfahrt und hatte sogar die Muße, Radfahrern und Drachenlenkern zu zuschauen. So gefällt mir Segeln!

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Schlemmen wie Neptun

Meine Freundin Liv hatte Enya und mich zu einem Mädelsabend inklusive Spritztour und Drei-Gänge-Menü auf ihrer Motorjacht eingeladen.

Abends kam wie vorhergesagt die Sonne hinter den Gewitterwolken hervor und die Bavaria (Jacht, nicht Bayerns Schutzpatronin) preschte mit 35 Knoten (fast 70 Stundenkilometer) über die blaue Donau. Da muss man sich schon festhalten. Liv saß als Skipperin am Steuerstand, Enya auf dem „Beifahrersitz“ und ich fläzte mich auf dem L-förmigen Sofa hin. Familien mit 18 Entenküken, Vorzeigedörfer mit Zwiebelturmkirchen und ein Arbeitskollege auf seinem Boot zogen oder rasten an uns vorbei. Enya und ich durften mal an das Steuerrad und lernten, dass wir sanft die Geschwindigkeit reduzieren sollen. Ansonsten steigt die eigene Heckwelle in das Boot ein. Platsch. Liv zeigte uns, wie eine Wende im Rennfahrermanier geht und die Kaffeemaschine unter Deck kippte um. Zum Glück ohne Wasser oder Kaffee in den Tanks. Zum Abschluss der Fahrt schlichen wir über den Kanal bis die Befreiungshalle bei Kelheim in Sichtweite kam. Ich hatte genug Freude daran, zu sehen wie begeistert und glücklich Liv ihr Boot steuert. Das Steuer übernahm ich daher nur kurz vor der Hafeneinfahrt als Liv die Fender ausbrachte.

Am Steg stand Livs Ehemann bereit, der ihr Tipps zum Anlegen gab, und die Leinen festmachte. Liv hat perfekt 2 cm entfernt vom Steg aufgestoppt. Hut ab! Das nenne ich großartige Team- Arbeit!

Mit einem Gläschen Sekt stießen wir auf die gelungene Tour an. Die Jacht besitzt gleich zwei Kühlschränke: Einen in der Pantry und einen im Cockpit. Luxuriös.

Nun hieß es „Schlemmen wie ein Meeresgott“. Liv hatte aus ihrem neuen Kochbuch „Boat Cooking“ als Vorspeise gebackene Lachstörtchen mit Ei, Frischkäse und Meerrettich gezaubert. Köstlich. Zur Take-Away- Steinofenpizza Schinken- Champignon aus der Hafenpizzeria hatte Enya einen erfrischenden griechischen Salat mit Paprika, Tomaten, Schafskäse und Oliven mitgebracht. Meine Nachspeise stammte natürlich aus meinem Lieblingskochbuch „Kochen nach Beaufort“. Um Geschirr zu sparen, füllte ich Quark-Orangencreme wie im Rezept vorgeschlagen in Waffeln ab. Allerdings in stinknormale Eiswaffeltütchen, denn die flachen Zuckerwaffel- Schälchen waren nirgendwo zu bekommen.

Der kurzweilige Abend klang mit lustigen Geschichten aus: „Als der Soundso die Fahrwassertonne überfuhr“, „Als ich ablegte und die Batterie für das Bugstrahlruder leer war“ und „Tanken mit Seitenwind“. Motorbootfahren erleben auch so einiges.

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Neues Manöver: Anlegen mit Tauchgang

Bis zum Erreichen der Hafeneinfahrt hätte der Titel des heutigen Beitrags „Der perfekte Segel- Tag“ lauten können. Doch dann ging alles schief, womit ich nie gerechnet hätte.

Shadow und ich waren über den Brombachsee bis nach Enderndorf geflitzt. Mit den leichten Böen (ohne Schaumkronen auf den Wellen) kamen wir beide, also Schiff und Skipperin, prima klar. Die Fender ließ ich ausnahmsweise durch das Wasser schleifen, damit ich bei der ersten Ausfahrt der Saison ohne Stolperfallen an Vorsegel oder Großsegel komme, wenn sich etwas vertörnt.

Vor der Hafeneinfahrt – zu nah vor der Hafeneinfahrt- rollte ich fix das Vorsegel ein. Das Großsegel zierte sich und flatterte fröhlich im Wind statt wie gewünscht auf den Großbaum zu fallen. Endlich gebändigt fegte es eine Böe wieder vom Baum und das Schiff nahm unkontrolliert Drift Richtung Betonkai auf. Panisch zerrte ich an den verhedderten Gummistropps, bekam einen zu fassen, und tuchte das Großsegel auf. Schon fauchte die nächste Böe (inzwischen mit Schaumkronen auf den Wellen) heran und mein Motor schaffte es nicht, die Shadow in den Wind zu drehen. Also abfallen (mit dem Wind wegdrehen) und einen großen Kreis zur Hafeneinfahrt tuckern. Wie könnte es anders sein, legte der Trimaran ab und störte meine Kreise.

„Uff, Hürde Nummer 1 geschafft! Bin im Hafenbecken“ , dachte ich.  Mit ausreichend Schwung traf ich auf Anhieb Shadows Box (Hürden Nummer 2 und 3 sind die Nachbarboote) und das sogar in der Mitte. Die vorbereitete Vorleine mit Palstek (Auge am Leinenende) fädelte ich beim ersten Versuch über den Poller. Jetzt konnte nichts mehr schiefgehen. Von wegen! Ich sprang auf den Fingersteg als im selben Moment ein Lüftchen Shadow darauf drückte. Die Fender flutschten nach oben weg und Shadows Ein- Tonnen- Hintern war zu viel für den Fingersteg. Der Steg tauchte komplett unter Wasser. Meine Beine gingen bis über die Knöchel auf Tauchgang, das Wasser schwappte in die Schuhe und die Skipperin wäre vor Schreck beinahe in die Blütenstaubgrütze geplumpst.  Mein neues Manöver: Anlegen mit Schuhen auf Tauchgang.

Wieder an Bord und alle Leinen fest. Jubelnd riss ich die Faust in die Höhe und schleuderte mit einem unabsichtlichen Fausthieb den teuren, neuen Bootshaken über Bord. Erst -oh nein- ging der Bootshaken unter, dann tauchte er in der Nachbarbox wieder an der Wasseroberfläche auf. Aber wie einfangen- so OHNE Bootshaken? Vorsichtig balancierte ich und kauerte mich auf den Fingersteg und beugte mich, soweit ich mich traue, nach vorne. Nun macht sich Yoga bezahlbar. Tatsächlich erwischte ich den Boothaken und verstaute ihn als Strafe in der dunklen Backskiste.

Auf diese Schrecken öffnete ich das Rauchbier, das mir Jens für besondere Anlässe mitgegeben hatte.

Der Erholungseffekt war dafür heute umso größer. Die nackten Füße wärmte ich in der Aprilsonne wieder auf. Hose, Socke und Schuhe trockneten an der Reling, während ich ein paar Seiten in Band 3 der Krimiserie „Zu schön zu sterben“ las.

Wie heißt es nochmal? At (Brombach-)“sea“ the highs are higher and the lows are lower.

 

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Kerstin macht klar Schiff auf dem Schiff

Die Werft hatte im Winterlager Kleinigkeiten eingebaut, die ich teilweise auf der „Habib Sanna“ von Barfuss Segelreisen abschaute: Die Backskiste wurde mit einem Gummistropp mit Haken versehen, sodass ich sie künftig am Relingsnetz fixieren kann und sie nicht auf Kopf oder Finger kracht.

Mein neues Batterieladegerät (schaltet automatisch ab) wurde fest installiert und liegt im Regal des WC- Raums. Ob die Klappe des Motorschacht angeschraubt wurde, kann ich erst bei einem Tauchgang prüfen. Reffleine und Dirk wurden ausgetauscht von gammeligen veralgten Tauwerk zu kreischend bunten Dynema. Die Decksluke wurde ausgebaut, neu abgedichtet und eingebaut. Ob es gegen eindringenden Regen hilft, wird sich weisen. Wie sagte Linus später treffend über Boote (!): „Wenn Frauen älter werden, werden sie etwas undicht. Das muss man hinnehmen. “ Alle Arbeiten der Werft wurden zu meiner vollsten Zufriedenheit ausgeführt. Die Shadow wurde mit einem Hochdruckreiniger abgewaschen, denn sie glänzt im Gegensatz zu meinem gelbgetupften Auto blütenstaubfrei in der Sonne.

Den frühen Morgen feudelte ich unter Deck. Alle Kunstlederpolster wurden von Spinnenkacke befreit, Salonholztisch, Holztüren und Holzwände mit Stinkeholzpolitur gebohnert und die Staufächer mit Schimmel- Ex eingesprüht und ausgewischt. Bei der Putzaktion fand ich zwei Packungen Kekse und mein Frühstück war gesichert. Gestern brach ich gedankenlos mit Minimalgepäck aus zwei Wasserflaschen, Zahnbürste, Zahnpasta und Deo auf und vergas Essen mitzunehmen.

Um acht Uhr morgens beschloss ich die Nachbarn zu wecken, indem ich meine Tätigkeiten an Deck ausweitete. Die Fender bekamen neue Leinen. Jetzt muss ich sie dringend schrubben, denn der Kontrast von weißer Leine zu algengrünen Fender fällt auf. Am Hafen wurden gerade mit Tiefladern die ersten vier Floatinghouses (www.eco-lodges.de) angeliefert. Der arme Hafenmeister im Stress. Ein Haus krachte irgendwo rein und ein Teil der Terrasse splitterte ab, was ich später auf dem Weg zum Klo feststellte. Gerade jetzt am Saisonbeginn werden die Slipanlage und die Kräne für uns Segler gesperrt. Doch zurück an Bord.

Mit dem nagelneuen Trittfender, der für meinen Sohn den Weg die Bordwand hinauf erleichtern soll, kämpfte ich eine Weile. Erster Versuch: Mit zwei kurzen Leinen an zwei Relingstützen festmachen. Nein, hängt zu weit unten. Zweiter Versuch: Mit einer langen Leine zwischen zwei Relingfüßen fixieren. Hält nicht richtig und sieht scheiße aus. Dritter Versuch: Mit einer übrig gebliebenen Fenderleine ganz dicht ein einer einzigen Relingstütze anknoten. So geht es. Frage die neuen Stegnachbarn um Rat, denen nichts Besseres einfällt.

Dafür bekomme ich eine Tipp, wie ich die Handläufe verschönern kann: Mit Leinöl mehrfach einlassen. Lack würde abblättern. Werde ich ausprobieren. Das Ehepaar ist sehr sympathisch und alsbald kabbeln sie sich in einem liebevollen Tonfall, wie herum das Großsegel in den Baum eingezogen wird. Ich wende mich ebenfalls dem Großsegel bzw. erst einmal der Großschot zu.

Das verklebte Ende der Großschot hatte Jens letztes Jahr irgendwie in Sekundenschnelle mit Hilfe eines Schraubenzieher durch die Klemme gestopft. Ich scheitere beim Nachmachen und bohre voller Wut mit den Schraubenzieher ein Loch durch die Großschot und fädle eine dünne Schnur ein. Beide Schnurenden ziehe ich durch die Klemme und zerre die Großschot mit Gewalt nach.

Zur Entspannung bastle ich als nächstes mit Kabelbindern. Die extralangen Teile ließen mich immer drei Maschen des Relingnetzes einfädeln und optisch ansprechend an der Reling festzurren. So flattert ab sofort nicht mehr das Ende im Cockpit herum. Wenigstens ein Erfolg.

Weiter im Programm: Eine Führung mit Öse für die neue Reffleine montiere ich in einer Minute an der Reling. (Mit der Reling habe ich es heute irgendwie.) Zwei Spaziergänger auf dem Steg sprechen mich an. Erst – keine Brille auf- dachte ich, es wäre Vater mit Tochter. Bei genaueren Hinsehen erkenne ich, dass SIE mit weit über Fünfzig Hotpants und ein rosa Top trägt und ER passend zum Look ein fettes Goldkettchen auf ergrauter Brustbehaarung. SIE: „Tolles Design.“ ICH: „Was denn?“ (Meine Latzhose aus Fleece ist wohl kaum gemeint.) SIE: „Na das gelbe Zeug im Wasser.“ ICH: „So viel Blütenstaub gab es noch nie.“ ER: „Wie der wohl in den Hafen kommt?“ ICH: „Vermutlich aus dem Wald da drüben. Die Fichten blühen.“ ER kopfschüttelnd: „Aber wie kommt er in das Hafenbecken? Freilich, der muss unter der Brücke durchgeschwommen sein.“ Auweia! Kopfschütteln meinerseits.

Nach dem spaßigen Gespräch schlage ich Großsegel und Genua (=Vorsegel) an. Wie immer komme ich bei den Segellatten durcheinander und ziehe das Trumm hoch und runter bis alle Latten in der richtigen Tasche klemmen. Merke: Im Herbst die Latten mit Edding durchnummerieren. Leider ist der neue Mastrutscherstopper einen winzigen Millimeter zu breit und das Edelstahl lässt sich mit besten Willen nicht biegen. Jens feilt daheim auf der jeder Seite einen Millimeter ab. Derweilen kommt Seglers Geheimwaffe zum Einsatz: Panzertape. Damit umwickle ich den Mast, sodass die Mastrutscher in der Mastschiene bleiben.

Schade, dass ich keine Kamera dabei habe, mit der ich „Kerstin macht klar Schiff“ festhalten kann. Drei Mülltüten und zwei Kisten voll Gerümpel fliegen vom Schiff. Alles, was auf dem segelbereiten Schiff nicht im Einsatz ist und letztes Jahr (oder noch nie)benutzt wurde, wird entrümpelt. Die zweite Hälfte vom Relingsnetz und eine Lampion- Lichterkette lege ich auf den Elektroschaltkasten am Stegtor und wünsche beiden einen neuen Besitzer, der dafür Verwendung findet. Ich klettere in die Backskiste und entdecke sogar einen vergammelten Schwamm, der in meiner Hand zerbröselt, und Schlauchreste in einer Ecke hinter dem Regal, die ich in der ersten Saison vor fünf (!) Jahren übersehen hatte.  Das rostbraune Wasser wische ich weg und passe das Fach ein, das ich Ostern für das Schott gebastelt habe. Vier Holzbretter bilden als eckiges „O“ den perfekten Stauraum für das Schott. Gut, dass ich fünf Zentimeter Spiel dazugegeben hatte. Denn entweder war der Meterstab besoffen oder ich habe fälschlicherweise die schmale Oberkante gemessen. Die breite Unterkante passt genau in das Fach.

In zwei Tagen werde ich die neue Saison als Alleinseglerin eröffnen und freue mich schon jetzt auf zahlreiche Gäste an Bord !

Fair Winds!

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Die erste Nacht der Saison

Lichter über dem Großen Brombachsee! Alle paar Minuten leuchtet es rot oder weiß über den Bäumen. Sind es Aliens? Fliegende Drohnen? Und das alles bevor mein Weißwein serviert wird. Bei der nächsten Lichterscheinung wird mir alles klar: Die Rücklichter und Frontscheinwerfer vorbeifahrender Autos blitzen zweifach verdoppelt in den deckenhohen Doppelfenstern der Pizzeria auf.

Auf solche verrückten Gedanken kommt man nur, wenn man um 21 Uhr alleine im Restaurant sitzt und sein müdes Hirn plappern lässt. Dieses Jahr hat der Koch gewechselt und die Pizza Funghi entspricht genau meinen Vorstellungen: Kross, aber nicht verbrannt. Ein wenig Mozzarellakäse, aber keine Emmentalerstreusel. Frische Pilze und vor allem kein Würzöl. Auch die furchtbare „OPEN“- Leuchtreklame verschandelt nicht mehr das Ambiente. Sogar die altbekannte Kellnerin „Bulldogge“ ist zurück und ringt sich ein Lächeln ab, als ich zu ihr sage, dass es schön sei sie wiederzusehen.

Der ursprüngliche Plan „15 Uhr Feierabend machen- 17 Uhr Beide Segel anschlagen und 20 Uhr Nach Hause fahren“ hatte sich zerschlagen.

Realität: „18 Uhr Total genervt den Computer herunterfahren- 20 Uhr Endlich am See, Plausch mit Stegnachbarn und Schiff einräumen- 21 Uhr Restaurantbesuch – 22 Uhr K.O. in die Koje fallen“.  Nach dem anstrengenden Tag wollte ich unbedingt eine Nacht in absoluter Stille und Ruhe auf der sanft am Steg schaukelnden Shadow verbringen.

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Die Jungfernfahrt der NO SHADOW

Fürchte, meine Aufnahme in das olympische Ruderteam wird sich um ein Jahr verzögern. Bin auf der Jungfernfahrt mit dem Faltboot / Bananaboot lediglich zwei Meter weit im Kreis gerudert. Die Angler am Ufer gegenüber mussten sich fremdschämen.

Mein Faltboot heißt „No Shadow“, passend zum meinem Segelboot „Shadow“.

Die Naab fließt in zirka 300 Metern Entfernung an meinem Zuhause vorbei. Ideal, um bei schönsten Sommerwetter am Samstag das neue Faltboot auszuprobieren. Boot, Ruder und Sitzbank gleichzeitig zu tragen, bekomme ich nicht hin. Ich schleppe erst die Ruder und die Sitzbank zum Fluss hinunter. Danach klemme ich mir das Faltboot unter den Arm und wechsle alle paar Meter die Seite. Der linke Arm ist irgendwie kürzer oder schwächer als der rechte.

Der Aufbau des Bootes auf der Wiese gelingt mir gut und dauert höchstens fünf Minuten. Den aufgeklappten Bootskörper halte ich mit Bein und Schulter offen und angle mir die Sitzbank und raste diese ein.

Problem sind die Ruderriemen.  Ich steche mich damit in die Brust und die Paddel zeigen in die falsche Fahrtrichtung. Sie sind so lang, dass sie über Kreuz gehen und meine Hände und Kopf nicht zusammenspielen. Und wenn ich nach vorne das Gewicht verlagere, schwappt beinahe Wasser in das Boot.  So verzichte ich für weiteres Rudertraining für Olympia 😉 und bin erleichtert, in einem strömungsarmen Gewässer mehr und minder hilflos vor mich hin zu treiben. An den Wasserpflanzen- sorry Fische- ziehe ich die No Shadow in Ufernähe zurück.

Am Ufer erwartet mich ein Empfangskomitee: Ein toter Fisch, eine blaue Plastikflasche und eine leere Bierflasche. Nun paddle ich vor einem Problem: Das Ufer steigt sehr flach an. Mit meinem Kanu konnte ich ganz nah anlegen und trockenen Fußes auf die Wiese übersteigen. Das Bananaboot hat mehr Tiefgang und vor allem die doppelte Breite. Mit der Hand taste ich den Grund des Flusses nach einer flachen Stelle ab. Flugs die Schuhe ausgezogen und in den Schlamm gestiegen. Damit das Boot nicht wegtreibt, halte ich es an dem Spanngurt fest, den ich als Vorleine durch die Ösen am Bug gefädelt habe.

Der Abbau geht superschnell und die Angler schütteln über die verrückte Aktion den Kopf. Mein Mann holt mich mit dem Auto ab, damit ich die schwere No Shadow nicht den Berg zum Haus hinauf tragen muss. Lieb von ihm.

Im Garten klappe ich die No Shadow ein weiteres Mal auf und stelle die Ruderriemen auf die richtige Länge ein. Ein mitgelieferter Imbusschlüssel erleichtert die Sache ungemein. Zur Übung ziehe ich die Ruder ein paar Mal durch und schaufle erfolgreich statt Wasser eben das Laub im Beet zur Seite.

Ich freue mich, dass das Boot wenigstens an Land nun nach meinen Vorstellungen funktioniert und hoffe auf eine baldige weitere Probefahrt!

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