Wanderung um den Steinberger See

„Was machst Du denn am Montag, Deinem Urlaubstag?“ „Ich will um den Arbersee wandern.“ „Ist das nicht eine für einen Vormittag zu weite Reise?“ … „Stimmt, das sind ja 120 Kilometer einfacher Weg.“ „Fahr‘ doch zum Steinberger See. Dann kannst Du Dein neues Segelrevier anschauen.“

Super Idee. Wegen meinen langsamen LKW-Überholmanövern auf der A93 brauche ich heute nicht eine knappe sondern eine gute halbe Stunde zu meinem zukünftigen Heimathafen am Steinberger See; parke vor der verschlossenen Schranke.

Der Rundweg um Steinberger See ist ohne Verlaufen 6 Kilometer lang und lässt sich mit kleinen Pausen in zwei Stunden locker ablaufen.

Vom Südufer laufe ich gegen den Uhrzeigersinn Richtung Steinberg am See los. Die Strecke zieht sich durch den Wald und von dem See ist leider nicht viel zu sehen. Etwas spooky, die dunklen Fichten. Nach kurzer Zeit erreiche ich ein Wohnviertel mit schicken Villen und Einfamilienhäusern. Eigentlich suche ich einen Bäcker, werde dort nicht fündig. Im gerodeten Baugebiet für eine Feriensiedlung endet die Straße am See. Den Wanderweg habe ich aus den Augen verloren. Hätte mir schon denken können, dass es hier nicht weitergeht, weil ich mich zwischen zwei Bauzäunen durchquetschen musste.

Auf der anderen Seite einer sehr großen Wiese erspähe ich ein Schwungrad aus der Bergbauvergangenheit. Dort geht wie vermutet der Rundweg weiter. Ohne es zu merken, hatte ich die Attraktion „Movin‘ Ground“, einen Spielplatz für Jung und Alt, passiert. Daneben befindet sich der erste, kleine Campingplatz direkt am See.

Ab dort führt ein Kiesweg in hübsch geschwungenen Kurven unmittelbar am Ufer entlang. Am Seetreff Müller liegen viele gepflegte Segelboote im Wasser, die Jollen an Land haben schon bessere Zeiten gesehen. Die kleine Terrasse hat ab Oktober nur noch selten geöffnet.

Ich schrecke aus meinen Gedanken, als ich einen anderen Sparziergänger mit grau gelockten Pudel treffe. Er warnt mich: „Sagen Sie nichts, sonst ist der Hund nicht zu halten.“  Tja, folge ich eben stillschweigend dem Pfad.

Bald ist die Wakeboard- Anlage erreicht. Sie hat in der Nebensaison gelegentlich am Sonntag geöffnet. Ich probiere, auf der Slackline zu balancieren und schaffe drei Schritte, bevor es mich in die Wiese haut. Der zweite, wieder verlassene Campingplatz ist picobello sauber und bietet sogar Beach- Volleyballfeld.

Neu gebaut wurde eine liebevoll designte Minigolf- Anlage. Über den Zaun erspähe ich treffende Bezüge zum Bergbau: Einen lebensgroßen aus Holz geschnitzten Bergmann und ein Förderrad.

Die zweiten Menschen des Tages sehe ich auf der Baustelle zur größten Holzkugel Europas. Das Nebengebäude ist fertig, von der Kugel ist nur ein Turm zu sehen, sozusagen die Innereien. Die Eröffnung wird sich wohl auf 2019 verschieben.

Durch kleine Pinien schlängelt sich die Strecke zur Steinberger Segelschule und der Anblick der Bäume erinnert mich an Südfrankreich. Ich hoffe, dass der Gasthof geöffnet hat, als Rauch aus dem Kamin aufsteigt. Montag und Dienstag ist jedoch Ruhetag.

Birken rascheln leise im Wind. Hier scheint die romantische Landschaft einem schwedischen Liebesdrama der öffentlichen Fernsehsender entsprungen zu sein. Fehlt nur noch, dass die blonde Hauptdarstellerin in ihrem Oldtimer- Volvo vorbeifährt. Nein, stattdessen kommt mir ein knatterndes Mofa entgegen, dessen rotgesichtiger Fahrer mir verkniffen entgegenlinst. Brille vergessen?

Der kleine Sandstrand am Südufer liegt wie erwartet menschenleer da. Nur ein paar Granitfelsen aalen sich in der Herbstsonne. So beende ich meine Wanderung um den Steinberger See, ohne ein Wort gesagt zu haben. Ein komisches Erlebnis.

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Auf Wiedersehen, lieber Brombachsee!

Zum letzten Mal für die Saison und für die nächsten Jahre drehten Shadow und ich eine Runde über den Brombachsee. Ab nächsten Jahr machen wir beide den Steinberger See bei Schwandorf unsicher.

Mit einem sanften Windhauch segelte ich heute aus dem Hafen, um den algenbewachsenen Propeller zu unterstützen. Bis zum Ramsberger Badestrand und einmal die Kaimauer entlang ging der Segeltörn zum Saisonende. Dauerte bei dieser Beinahe- Flaute eine halbe Stunde.

Der strahlende Sonnenschein trocknete die Segel hervorragend. Wanzen und Spinnen flüchteten teilweise freiwillig. Die anderen Segler wunderten sich über mein neues Manöver „Martinisegel: Geschüttelt- nicht- Gerührt“: Segel kräftig am Großbaum oder Unterliek schütteln, damit das verbliebene Ungeziefer an Deck prasselt.

Linus half mir ein letztes Mal beim Anlegen. Am Steg verabschiedeten sich auf Linus, Alex und Pekka herzlich von mir. Mit den Jahren war mit den Nachbarn eine gute, freundliche Seglergemeinschaft entstanden, die ich vermissen werde. Und irgendwer hatte wohl herumerzählt, dass ich das Revier wechsle. Ich? Beim Abschied wurde mein Herz schwer.

Dank richtigen Werkzeug schlug ich nicht nur die Segel innerhalb von einer Stunde ab, sondern schraubte auch flugs den Stegfender mit der Ratsche ab. Sogar das WC- Chemie leerte ich ohne Zwischenfälle aus.  Der der Fäkalienbodenluke benachbarte Optimisten- Trailer blieb sauber. Fünf Jahre Übung im Seglerdasein machen sich eindeutig bemerkbar.

So kann ich morgen an meinem Urlaubstag zu Hause bleiben und im Garten die Sturmschäden beseitigen, statt nochmals an den Brombachsee zu reisen.

Auf Wiedersehen, lieber Brombachsee und liebe Stegnachbarn! Danke für die unzähligen, wunderbaren, mal erholsamen, mal aufregenden Stunden!

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Nickerchen auf dem Vordeck

Nachdem mich Sehnsucht nach der Shadow überfallen hatte, schaute ich Sonntag Nachmittag bei ihr vorbei.

Aus dem Segeln wurde nichts. Schon wieder waren die Sicherungen bei meiner Stromsäule heraus gesprungen und Shadows Batterien hatten sich entladen. Ohne Batterien kein Strom für den Motor.

So ging es direkt „ohne Umweg über Segeln“ zum besten Entspannungsprogramm. Erst in „Die Bucht“ in den Lounge- Möbeln abhängen, Band 7 von „Das Tal“ lesen und einen Schokoeisbecher in Ruhe genießen- für günstige 4,90 Euro. Zu empfehlen. Danach auf dem Vordeck der Shadow in der Sonne liegen. Die ganze Saison konnten sich meine Besucher dort am Deckshaus anlehnen und entspannen. Ich war bisher nicht dazu gekommen. Vom Vordeck konnte ich prima Hafenkino gucken: Eine Schwäbische Großfamilie beim Aufbruch: „Nele, Du darfst doch nicht alleine über den Steg (Fingersteg) laufen!“ „Jakob, jetzt klemme nicht die Kabel ein, sondern mach‘ den Deckel ordentlich zu!“ „Lukas, trage endlich die Taschen auf den Steg!“ (Namen von mir geändert)

Als nächstes fliegt auf eine Mitseglerin auf einem anderen Schiff mit einem lauten Krachen den Niedergang hinunter, dass man es im ganzen Hafen hört. Ihr Mann: „Oh Gott, tu‘ Dir bloß nichts an. Wer soll sonst die Hausarbeit machen?“ Das sind Sorgen.

Zum Schluss plaudere ich mit einer Stegnachbarin über unsere Winterlager, mein Relingsnetz und den neusten Stegtratsch, während ihr Mann das Schiff aufklart.

Nach drei Stunden am See sind nicht nur Shadows sondern auch meine Batterien aufgetankt und ich habe Energie für die neue Arbeitswoche.

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Wer hat von meinem Gäbelchen gegessen?

„Ich bräuchte WLAN im Hafen.“ „Danach hat seit zwei Jahren keiner gefragt. Ich weiß nicht, wie man es anschaltet. Reicht nächste Woche?“

Nein. Für HEUTE 14 -14:30 Uhr suchte öffentliches WLAN im Fränkischen Seenland. Die Hotspots im Rathaus Weißenburg und Pleinfeld haben freitags von 8-12 Uhr geöffnet. Mein Notfallplan wäre McDonald’s Weißenburg gewesen. Kein ruhiger Ort für ein geschäftliches Meeting. Die Rettung: Der Seehof (Hotel) in Langlau am Kleinen Brombachsee. Obwohl ich kein Gast bin, erhalte ich kostenlos den WLAN Zugang und darf die gemütliche und ruhige Lobby zum Telefonieren nutzen. Danke, Seehof, das nenne ich Gastfreundschaft!

Leider zieht sich der Termin bis 15 Uhr. Meine superpünktlichen Freundinnen Liv und Enya stehen derweilen im strömenden Regen unter der kleine Eiche am Stegtor und warten auf mich. Wir richten uns drei auf der Shadow ein und trinken einen großen Schluck Hugo. Die zwei hatten wie ich einen stressigen Arbeitstag und der Beginn unseres  Mädels- Abend wurde von 13 auf 15 Uhr verschoben.  Beim Kaffeeklatsch kocht der Perkolator über und speit Kaffee auf den Herd. Stelle fest, dass ich keine Kuchengabeln an Bord habe. Große Gabeln tun den Zweck auch. Enyas Zwetschgenkuchen schmeckt toll und wir tauschen den neusten Firmentratsch aus.

Segeln und Baden entfällt wegen Regen und 15 Grad Celsius Lufttemperatur. Wir eilen zur letzten regulären Rundfahrt des Trimarans um viertel sechs. Drinnen läuft mit Helene Fischer und Co. die Party an und Frauen schwingen das Tanzbein. Die Partymäuse erkennen wir an den Clubbändchen „MS Brombachsee“ in neongelb. Wir flüchten zum gutgelaunten Barkeeper auf das „Sonnendeck“, der seinen einzigen Gäste gerne ausschenkt. Die Lounge- Sofas in der Mitte des Decks bleiben vom Regen verschont. Später blitzt die tief stehende Sonne hervor und verwandelt den Brombachsee in ein Meer aus Silber. Wir sitzen inzwischen im warmen Innenraum, da ich meine Füße vor Kälte nicht mehr spüre. Naja, fast.

Zurück an Bord der Shadow serviere ich meinen Segler- Nudelsalat „Spezial“: Frag Mutti

Enya: „Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass der Salat super schmeckt. Ich esse gerade die dritte Portion. Das sagt alles.“ Leider ist meine sechste Gabel von den Sieben Zwergen oder wem auch immer entführt. Wohl eher die sieben Klabautermänner. Liv benutzt geschickt und kreativ Suppenlöffel und Messer als Ersatz.

Damit Enya nicht erst um Mitternacht in den Bayrischen Wald nach Hause kann, fahren wir mit ihrem Auto dem Trimaran MS Brombachsee an den Absberger Strand hinterher. Dort steigt um 21 Uhr die erste Lasershow „Magische Momente“.  Die fleißigen Helfer der Freiwilligen Feuerwehr lotsen die Autoschlangen durch die Ortschaften und kontrollieren die Parktickets. Bis wir auf dem Ausweichparkplatz- eine duftende frisch“g’mahte Wiesn“-  erreichen, dauert ewig.

Die MS Brombachsee stoppt vor dem Strand auf. Zwei DLRG Boote starten Nebelmaschinen und sorgen für die Projektionsfläche. Mit Bezug zur Geschichte des Fränkischen Seenland- mit der Stimme von Terra X- startet eine unglaublich abwechslungsreiche und farbige Lasershow. Strahlen, Flächen, Vierecke aus Licht. Alles dabei. Liv: „Da kann die Aida (Schiff) einpacken.“ Dass die Musik schlecht geschnitten ist, stört niemanden. Wie bei der Landung der Außerirdischen stehen die Besucher am Strand. Schwarze Schatten vor bunten Lichtblitzen. Zu schnell endet die Show nach zwölf Minuten. Wir sind uns einig, dass es eine Reise wert war.

Zurück in Ramsberg hören Liv und ich der Rockband „Champagne“ zu. Kinder tanzen in Wollmützen und Schals wie wild vor der Bühne am Strand. Mein Lieblingslied „No Roots“ von Alice Merton wird live aufgeführt. Die Sängerin „Miri“ kommt an das Original nahe dran. Noch besser singt sie „99 Luftballons“ und „Irgendwo, irgendwann“ von Nena. Klasse Stimmung! Wie bei „Lieder am See“- nur kostenloser Eintritt und 55 statt 5.500 Zuhörer. Ich kaufe eine Tüte Marzipankartoffel an einer der diversen Fressbuden und fühle mich auf einen Weihnachtsmarkt versetzt. Sogar Glühwein gäbe es.

Um Mitternacht startet synchron an allen vier Stränden ein professionelles Feuerwerk mit Musik. Perfekt gemacht ! Gold-lila Regen, Sternenschauer, rote Blitze und alles, was Feuerwerk so hergibt.

Ein sehr gelungener Abschluss der Badesaison am Brombachsee !

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Boat Projects

Die Rückseite der Gewitterfront brachte einige Böen und dunkle Wolken mit sich. Zwei andere Einhandsegler vom Steg hatten sich zusammen getan und legten in einem Boot gemeinsam ab.

Ich hatte etwas anderes geplant und ein Bastelprojekt für den Schlechtwetter- Urlaubstag am Brombachsee vorbereitet. Stegnachbar: „Wird hier etwa betoniert?“ Nein. Der Baueimer enthielt sämtliche Zutaten für die Arbeit: 2 Holzbretter, Schleifpapier, eine Holzleiste, 4 Einweghandschuhe, Teaköl und Pinsel. Was das wird? Die „erste Ölung“ der Shadow.

Mit dem Akkuschrauber die zwei Handläufe abzuschrauben schlug fehl. Der größte Schlitzschrauber drehte hohl. Her mit dem gewöhnlichen Schraubenzieher aus der Werkzeugkiste. Die 2 x 6 Schrauben gingen leicht aus dem Gewinde. Ein Handlauf war mit „STB“ beschriftet. Ach so, das Schiff ist echte Handarbeit und die Handläufe somit keine standardisierte Massenware. Backbord war kerzengerade, Steuerbord leicht gebogen.

Auf den zwei Brettchen auf dem Steg legte ich die Patienten hin. STB immer in der hinteren Reihe. Die gelangweilten Stegnachbarn (auch Zwangs- Hafentag) scharten sich alsbald zusammen, um meine Arbeit zu beurteilen: „Das sieht doch passabel aus. Eine zweite Schicht reicht.“ Den groben Moos und Algenschmodder kratze ich mit der mitgebrachten Holzleiste ab. Besser wäre ein Stahlschwamm gewesen. Der silbernen Schicht rückte ich mit Schleifpapier zu Leibe.

Bereits die erste Schicht mit Teaköl lässt die Handläufe im wunderschön dunkelbraunen Farbton erleuchten. Da geht die Sonne im Herzen auf- wenn nicht schon am Himmel. Eine zweite Runde mit Öl soll zusätzlich schützen. Nach Lesepause im Salon hat der Wind das Meiste getrocknet. Überschüssiges Teaköl wische ich mit einem Schwammtuch aus der Pantry ab. Die verrotteten Trennschichten zwischen Deckshaus und Handlauf muss ich austauschen, wenn ich das passende Mittel gekauft habe. Nur was?

Nächstes Boot Projekt wird das gesandete und verschimmelte Schiebeluk, das ich mit Sprühfarbe aufpimpen werde. Wie bei „Shaggy Seas“ die Windhutzen.

 

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Anker auf, ab, auf und auf

Die komplette Saison hatte ich mich davor gedrückt, Ankern zu üben. Heute hatte ich vor nach Absberg zu segeln und vor dem Heimathafen zu ankern und Nudeln zu kochen. Ein bisschen Fahrtensegler- Gefühl auf dem Brombachsee. Doch wie heißt es so treffend: Who plans to sail, plans to fail. (Wer Segeln plant, plant sein Versagen.)

Entgegen den vorgesagten 3 Bft. hauchte der Wind leise mit 0- 1 Bft. über den See. Dagegen hätte ich niemals aufkreuzen können, da die Shadow mehr abdriftet als Höhe gewinnt.

Plan geändert- statt zu versagen: Ich krieche hinüber nach Enderndorf und zurück nach Ramsberg, was zwei Stunden dauert. Somit betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 2 Stundenkilometer. Selbst die Kats stehen in der Beinahe- Flaute.

Vor dem ausgewählten Ankerplatz beim Phönix- Denkmal hole ich den Anker, Ankerkette und Ankerleine an Deck und befestige die Leine an der Klampe. Anker auf- sozusagen- nur auf das Deck. Fix die in der Bö- wo kommt die jetzt unpassend her !-  flatternden Segel geborgen und versucht auf zu stoppen. Doch ohne Segel beginnt die Shadow mit dem Wind in Richtung Flachwasserzone/ Naturschutzgebiet zu treiben. Shit. Hastig lasse ich den Anker und die Kette über die Rolle herunter. „Lasst fallen Anker“ soll man nicht. Sonst ist ein Kettenhaufen auf dem Anker. Weiß ich doch!

Ich fahre mit leichter Rückwärtsfahrt den Anker in den Grund ein. So ein weiterer Plan. Sofort fixiere ich mit den Augen eine Pappel am Ufer, deren Blätter sich silbrig im Wind wiegen und die raschelt. Die Ankerleine spannt sich. Ich bin ebenso gespannt- ob der Anker hält. Jedenfalls habe ich dazu gelernt, dass ich die Shadow bei 2- 3 Bft. besser 20 oder mehr Meter im Wind auf stoppe. Sie treibt eine erhebliche Strecke bis ich den Anker herabgelassen habe.

Nach der schweißtreibenden Arbeit steht Erfrischung auf dem Programm. Haha. Mit der Bürste bewaffnet tauche ich erst die Zehen und dann die ganze Kerstin in den See. Statt Schwimmspaß wird der Entengrütze auf der Badeplattform der Kampf angesagt. Klettere zurück auf die Badeplattform, damit ich mir den Schmodder nicht selbst in das Gesicht schaufle.

Zurück im Cockpit habe ich den (richtigen) Eindruck, dass der Anker nicht gut hält. Da koche ich lieber im Hafen an Bord, bevor die Shadow sich in das mit orange farbigen Bojen markierte Flachwasser davon macht, während ich koche.

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Anker auf. Das wäre schön. Doch Seegras über Seegrasbüschel hängen in der Ankerkette. Da muss der Bootshaken her, um das Zeug abzustreifen. Den Anker stopfe ich mitsamt Seegras in seinen Kasten. Hilfe! Die Shadow driftet über die Grenze zum Naturschutzgebiet. Merke: In Lee von Flachwasser ankern und nicht in Luv. Immerhin schaffe ich über die Ankerrolle am Bug, den Anker zu bergen ohne Shadows Gelcoat zu zerkratzen.

Im Seegras- Chaos wickelt sich allerdings ein Teil der einen Kilometer 😉 langen Ankerleine um den Bugkorb und der Ankerkasten lässt sich nicht schließen. Ein Stegnachbar gibt mir einen nützlichen Tipp zum Ankereinholen: Die Leine über die Winschtrommel am Mast mit der Winschkurbel hochkurbeln und das Kreuz schonen.

Nach köstlichen Spaghetti mit Tomaten-Cashew-Pesto fühle ich mich gestärkt für ein drittes „Anker auf“ des Tages- diesmal im Hafen. Und zwar aus dem Ankerkasten auf das Deck. Mit spitzen Fingern zupfe ich das restliche Seegras ab und wasche das Vordeck sauber.

Den restlichen Tag lummele ich im Cockpit und lese Teil 2 des Thrillers „Das Tal“. Ein Urlaubstag nach meinem Geschmack: Spannung (Ankern) und Entspannung (Lesenachmittag im sicheren Hafen).

Das Gewitter verpenne ich nachts in der Koje. Vor lauter Anker- Muskelkater kann ich nicht mehr den Kopf im Bett hochheben. Muss mit den Händen nachhelfen. Ich schlafe schwer und fest wie ein Anker in seinem Kasten!

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Kaffee- Segeln

Lauter Premieren heute an Bord: 1. Das erste Mal drei Erwachsene und zwei Kinder auf Törn, 2. Perkolator eingeweiht und 3. Der erste, kleine Personenunfall.

Dass ich diesen Sonntag bei den kühlen Temperaturen überhaupt zum B’see fuhr, habe ich meiner Cousine zu verdanken. Anna (Name von mir geändert) verbrachte mit ihrer Familie ein verlängertes Wochenende in der „Zur Hopfenkönigin“ am Brombachsee und schlug vor, uns zu treffen. Die Wettervorhersage lautete „bewölkt, 15- 19 Grad Celsius“ und hätte mich sonst vom Segeln abgehalten.

Die kleine Sicherheitsweisung kam gut an. Meine Verwandten hatten bisher lediglich Erfahrungen mit Kajaks gemacht und war froh über meine Tipps. Sogar Shadows Bordtoilette wurde heute „ausprobiert“, also benutzt. Es folgte die obligatorische „Modenschau“ der Rettungswesten. Annas Tochter quetschten wir mit vereinten Kräften in Thorgers Rettungsweste. Obwohl die Weste für ihr Gewicht passen soll, ließen wir letztendlich den Reißverschluss offen und machten einfach alle Gurte zu. Keine Optimallösung, für mich, die Sicherheitsfanatikerin. Doch für einen Flautentörn einer guten Schwimmerin auf dem ruhigen Brombachsee akzeptabel. Die „Kleine“ wollte sowieso bei der Mama im Cockpit bleiben und nicht wie kleinere Kinder an Deck herum turnen.

Anna konnte gar nicht glauben wie leise und geruchlos uns Shadows Minnkota- Motor aus dem Hafen bringt. Wie sich später herausstellte, dachte sie, es wäre ein Benzin- Motor und wunderte sich sehr, dass man gar keine Abgase riecht. Später tuckerte ein Torqeedo 1003 vorbei und dessen Motorgeräusch finde ich lauter als das von Minnkota.

Bei der Fahrt aus der Box merkte ich, was ein volles Cockpit mit drei erwachsenen und zwei langbeinigen Teenagern bedeutet: Ich konnte kaum die Pinne einschlagen und stellte mich mal links und mal rechts von der Pinne hin. Annas Sohn meinte, dass wir ganz schön langsam fahren. Stimmt, die Personenfracht machte sich ebenso in der Geschwindigkeit bemerkbar.

Anna übernahm die Pinne und ich zog flott das Großsegel hoch. Schneller als Finn (Name von mir geändert) sich akrobatisch in den WC- Raum eingefädelt und wieder hinaus gezwängt hatte. Das Vorsegel zog Annas Sohn heraus. Ganz vorsichtig und langsam. Ich feuerte ihn mit „Hopp- hopp“ an, dass er kräftiger ziehen darf. Freut mich, dass die zwei Kinder so sanft und vorsichtig mit der Shadow umgingen. Da habe ich schon anderes Verhalten erlebt: Vom Türenknallen bis Beinahe- Klogriffabreißen.

Leider erreichten wir Annas Ferienort Enderndorf nur fast. Finn steuerte die ganze Zeit bis zur Hafeneinfahrt und ich behielt die zahlreichen Segelboote im Auge. Die Fahrt verlief sehr ruhig. Heute wehte ein schwacher Nord-West-Wind genau aus dem Enderndorfer Hafen heraus und die Kinder hatte keine Lust auf Kreuzen. Vor der einzigen Wende in der Enderndorfer Bucht musste die Crew aufstehen und die Schoten des Vorsegels in die Hände nehmen. Sie saßen auf den Schoten oder standen mit den Füßen drauf. Wegen des Platzmangels zu fünft im Cockpit! Die zwei Teenager durften bzw. mussten die Rückfahrt auf dem Vordeck verbringen und dösten in der Sonne. Total müde von der Radtour um den halben See von Enderndorf zu Shadows Hafen Ramsberg. Und das Grundbedürfnis der Jugend, nämlich WLAN, konnte ich an Bord nicht befriedigen. Ätzend, gell? Dafür hatten wir drei Erwachsenen wieder Beinfreiheit im Cockpit.

Heute kletterten zur Abwechslung die zwei Erwachsenen beim Anlegen unter Deck und die Kinder durften sitzen bleiben. Finn rief hoch: „Ist jetzt der Motor kaputt?“ Ich: „Nein. Ich lasse das Schiff mit Restgeschwindigkeit an den Steg treiben. Ich habe keine Bremse.“ Dort nahm Pekka meine Vorleine entgegen.

Lustig, dass wie bei meinen anderen Kindercrews, sich wieder nur ein einziges Kind für das Schwimmen begeistert. Finn und seine Tochter schwammen sehr weit durch das Hafenbecken bis zum Steg der schwimmenden Ferienhäuser und zurück.

Derweilen bereitete ich die Anlegerdrinks vor. Anna und ich teilten uns eine Dose Sekt, Finn bekam zum Aufwärmen ein Schlückchen Bramble- Whisky. Die Kinder wollten nichts trinken, was in der Bilge lagert: Wasser, Holunderlimo oder Apfelschorle. Den Perkolator hatte ich vorbereitet und stellte Spirituskocher auf „Vollgas“ ein: Stufe 5. Wir stoppten die Zeit nicht, doch bis die Baderunde beendet war, war der Kaffee fertig. Der Elektroherd war da nicht viel schneller: Der Perkolator

Passend zum Kuchenessen kam endlich die Sonne hinter den Wolken hervor und es herrschte T- Shirt- Wetter. Wir plauderten über das Schul- und Arbeitsleben. Schon waren vier Stunden an Bord verflogen. Was für ein entspannter Tag! Bis dahin.

Zum Abschluss ereignete sich leider der erster Personenunfall in Shadows fünfjähriger Geschichte: Finn haute sich barfuß auf dem Steg dermaßen die Zehen an, dass zwei bluteten. Bis ich meinen Verbandskasten holen wollte, hatte er schon Socken und Schuhe angezogen. Aua, der Arme, sagte nur: „Schön, wenn der Schmerz nachlässt.“

 

 

 

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