Schaum im Hafenbecken

Als hätte Neptun einen riesigen Mixer eingeschaltet, war das „Hafenbecken“, also der Bereich zwischen den Stegen, voller Schaum. Selbst am Ufer trieben weiße Wölkchen Seeschaum. Die 3 Beaufort hatte ich bereits auf der Webcam erkannt und Wanderschuhe eingepackt. Der Wind verhinderte ein gemütliches „Kaffeesegeln“.

Zum Glück hatte ich heute keine Gäste an Bord. Somit machte ich den geplanten Sparziergang vom Segelclub zur Holzkugel am Steinberger See statt zu Segeln. Ich entdeckte zwei Neuerungen. Auf dem Nachbargelände hat die Gemeinde gleich drei Rastplätze mit stabilen Picknickbänken und -tischen eingerichtet. Zum Seeufer wurden dort drei breite Schneisen geschnitten und gemäht. So ergeben sich prima neue Liegewiesen mit Seezugang. Die zweite Neuerung ist ein festes Toilettenhäuschen am Parkplatz „P5 Südufer“. Die Toilette passt sich mit der Holzverkleidung schön in die Landschaft ein. Die Toilette hat laut Schild ganzjährig von 10 – 18 Uhr geöffnet.

An der Mündung des Schreckenbachs in den Steini blieb ich auf der Brücke stehen und genoss den Ausblick auf die zwölf sportlich segelnden, krängenden Segelboote und die hektischen Zick-Zack-Kurse der Katamarane. Eine Joggerin lief mir im Vorbeilaufen zu: „Herrlich! Hier!“

Vor der Holzkugel mit lauter Livemusik drehte ich um. Zurück auf der Shadow klappte ich die Badeleiter hoch. Badesaison beendet. Im Cockpit ließ ich mich von den kleinen Wellen wogen und lauschte den „Ostseewellengeräusch“ vom Ufer hinter mir.

Idylle pur.

Weisswurst und Segeln mit Musik

Ein weiteres Mal fiel die Regatta aus. Heute wegen Flaute. Eine Regattateilnehmerin kommentierte sehr treffend: „Das ist eine Kalorienregatta. Man zählt die Kilokalorien statt Punkte auf der Regattabahn.“

Als ich um 8 Uhr morgens das Clubheim betrat, saßen die beiden Gäste- Crews vom Traunsee und der Vorstand beim gemeinsamen Frühstück. Ich setzte mich mit einem Kaffee dazu und lauschte den amüsanten Anekdoten über vergangene Regatten.

Kurz darauf traf die restliche Küchencrew, Dietmar und Ludwina (Namen geändert), ein. Wir mussten gar nicht diskutieren, wie wir die drei Arbeitsbereiche „Ausschank- Kasse- Küche“ aufteilen. Dietmar übernahm umgehend den Ausschank und stellte die letzten fünf Sorten Bier, die im Kühlschrank vorrätig waren, als Auslage auf dem Bar- Tresen auf. Eine clevere Idee von ihm. Somit musste er nicht 50 Leuten einzeln erklären, was es zur Auswahl gibt.

Ludwina ging in die Massenproduktion von Bestecksets mit Serviettenumwicklung. Wo sind die Messer? Im untersten Schrankfach zeigte uns Maria das Geheimversteck mit Dutzenden Messern. Den restlichen Tag war Ludwina für die Kasse verantwortlich und musste mit Wertmarken und Karteikarten die Speisen und Getränke abrechnen. Und da versteh mal einer die Nachnamen durch die FFP2- Masken.

Für mich blieb für die Speisenzubereitung und -ausgabe als Aufgabe übrig. Frühmorgens kochte ich drei Kannen Kaffee für die rund 50 Regattateilnehmer und stellte das Kaffee- und Kuchen- Buffet auf. Jedes Kuchenstück auf einen kleinen Teller und Kuchengabel dazu. Dieser Teil macht mir Naschkatze am meisten Spaß! Zu meiner Wurstküche: Wie erprobt stellte ich Teller mit süßen oder scharfen Senf auf dem Küchentisch und die Tüten mit Brezen und Brötchen auf den Küchenstühlen parat. Huch, ein Senffass aus Plastik lief aus. Im Kühlschrank, auf dem Boden und auf dem Küchentisch musste ich die Sauerei aufwischen. Ich füllte den Senf in den zweiten, intakten Senfbecher um. Außerdem ließ ich schonmal das Sauerkraut köcheln und erhitzte Pfälzer und Wienerle. Wie die letztes Jahr beim Küchendienst mit meinem Teethermometer, um 80 Grad Celsius nicht zu überschreiten. Weißwürste hätten wir verkaufen können, bevor deren Wasser aufkochte. Neu war der Leberkäse, den ich bei 150 Grad Celsius und Umluft im Ofen zusammen mit einer Tasse Wasser heiß halten sollte. Wieder etwas für die Hausfrauentrickkiste gelernt. Die Semmeln für den Leberkäse werde ich nächstes Mal aufgeschnitten und mit Senf bestrichen auf Servietten bereitlegen, um schneller zu servieren. Ansonsten verlief mein Einsatz als Köchin ohne jegliche Pannen.

Der verschrumpelten Wiener Würstchen mit Haltbarkeitsdatum Juli 2021 von der Sommerregatta warf ich in den Müll, der vom gestrigen Regatta- Tag überquoll. Leere Müllsäcke werden anscheinend geklaut und Maria musste einen neuen Müllsack für mich aus dem abgesperrten Regattabüro holen. Die Hausmeisterin hat wiederum den Schlüssel zur Mülltonne und entsorgte den vollen Müllsack. Umständlich.

Am Tagesende verschenkten wir vier Haferl Kaffee und vier Paar Wienerle. Niemand wollte Sauerkraut pur zum Kaffee. Ich warf es in den Restmüll. Alle anderen Speisen hatten wir bis auf den letzten Krümel verkauft. Es freut mich, dass wir dank Flaute einen hohen Umsatz für den Segelverein generieren konnten und kaum Lebensmittel verschwendet wurden.

Kurioserweise kam nachmittags Wind auf, nachdem die Siegerehrung vorbei war. Zur Erholung vom erfolgreichen Kücheneinsatz segelte ich mit der Shadow von Ost nach West über den Steinberger See. Nach der vierten Wende gelang mir die Passage der Clubinsel. Mein kleiner Segeltörn wurde musikalisch von Akkordeonklängen untermalt, die von der Holzkugel herüberwehten. Die Musik und die goldene Abendsonne sorgten für eine romantische Stimmung am Steinberger See. Entspannungssegeln wie es mir gefällt!

Schwimmen mit Eichhörnchen

Drei von sieben Urlaubstagen verbrachte ich im Segelverein. Eine Quote nach meinem Gusto.

Diesmal ließen mein Sohnemann und ich den anstrengenden Part des Segelsports weg, nämlich das Segeln selbst. Im Clubheim holte ich die restlichen Schweineohren und Nussecken von gestern aus dem Schrank. Thorger begeisterte sich für die geschnitzten Signalflaggen über der Bar und erklomm jeden der fünf Barhocker, um sie genauer zu betrachten. Mit dem Herumkippeln kann er mich nicht aus der Ruhe bringen, weil er seit Kindergartenzeiten sicher klettern und balancieren kann. Die Signalflagge 1 Unaone hatte es ihm angetan. Er erkannte im roten Punkt auf weißen Grund die Japanische Nationale.

An Bord knusperte er das Schweineohr und ich die Nussecke weg. Wie Ihr seht, sind wir gleich zum gemütlichen Teil des Segelns übergegangen: Hafensitzen und Landgang, genaugenommen „Strandgang“.

Am Strand schwammen etliche Eicheln im Wasser herum. Thorger fühlte sich inspiriert, die Szenen des Eichhörnchens Scrat aus den „Ice Age“- Filmen nachzuspielen. Wir stritten uns wie zwei Eichhörnchen spielerisch um die Eichel. Ich durfte die traurige „Eichhörnchen“- Frau nachahmen, der Scrat die „Nuss“ wegnimmt. Später musste ich Thorger die Eichel mit imaginären Kleber von den nicht vorhandenen Brusthaaren reißen. Er brüllte so laut wie Scrat im Film. Sein Schrei hallte über den See. Zwei Vereinskameraden kamen angelaufen, um den vermeintlich Verletzten zu verarzten.

Zur Erfrischung tauchte ich zur Abbruchkante herunter und sah die Schuppen eines großen Barsches golden in der Sonne glänzen. Der hatte wohl nicht mehr mit Schwimmerinnen gerechnet und zuckte vor mir erschrocken zurück in seine Wasserpflanze. Thorger watete mir unerschrocken in das tiefere Wasser hinterher und übte Salto vorwärts unter Wasser.

Ein Segler hatte Probleme seinen Torqexxx- Motor zu starten. Selbst der Vorstand probierte einen Motorstart vergeblich. Ich rief meine Tipps zum Steg 1 hinüber: Kontakte mit WD40 einsprühen. Akku an das 230 Volt- Ladegerät für 15 Minuten anschließen (erzeugt ein neues Signal beim Anschluss). Meine Tipps wurden ignoriert. Habe sie an meinem baugleichen Motor erfolgreich erprobt. Frauen und Technik- Vorurteile oder so.

Wir zwei „Eichhörnchen“ plantschten bis die Haut an unseren Zehen schrumpelig wurde und ich vor Kälte Gänsehaut an den Armen bekam.

Die eiserne Genua

Verbringe einen chilligen Nachmittag mit meiner Freundin Steffi und meinem Patenkind Robin rund um den Steinberger See.

Steffi ist super pünktlich am See, wir treffen uns am Parkplatz und ich war gar nicht auf der Shadow, um sie segelklar zu machen.

Ich lotse die beiden Besucher auf den schattigen Teil der Clubterrasse und koche Erdbeertee mit Vanillearoma für alle. Dazu verteile ich die liebevoll selbst gekauften Schweineohren und Nussecken auf Kuchentellern aus dem Clubheim. Steffi erzählt mir ausführlich von ihrem Familienurlaub nahe Kalmar in Schweden und auf der deutschen Ferieninsel Fehmarn. Gerne schaue ich die Urlaubfotos auf dem Handy an.

Robin darf die erste Runde schwimmen und vom Stegkopf springen, bis ich derweilen die Persenninge abgeschlagen und den Akku angestöpselt habe. Robin steuert die Shadow in den nicht vorhandenen Wind und ich setze motiviert die Segel. Anfangs sorgt die „eiserne Genua“, also der Außenborder, für den meisten Vortrieb. Wir cruisen bis zur Holzkugel und bestaunen die Ferienhaussiedlung, die aus dem Boden gestampft wurde. Nach der Umrundung der Insel vor der Holzkugel kommt ein Lüftchen auf und wir können einige Meter an der Segelschule vorbei segeln.

Danach lasse ich die Shadow treiben bis sie aufstoppt. Robin darf vom Heck aus schwimmen gehen und ich überrede ihn, vom Seitendeck in das Wasser zu hüpfen, was er dann mehrfach wiederholt. Steffi und ich bleiben an Bord.

Vor der Hafeneinfahrt rolle ich das Vorsegel heute aus statt ein. Angenehmer kühler, erfrischender Wind kommt auf und ich wende die Shadow. Robin darf einen Am- Wind- Kurs steuern und Wenden üben. Wir kommen flott voran und beim Anlegen drückt der Wind die Shadow seitlich weg. Somit gebe ich mehr Gas als sonst, damit die Shadow manövrierbar bleibt. Das Anlegen gelingt und darauf trinken Steffi und ich eine Dose Sekt. Wichtigster Seemannsbrauch: Der Anlegeschluck. Robin friert ein bisschen und will kein drittes Mal Schwimmen gehen. Ich glaube, die Sprünge vom Schiff waren sowieso das Highlight des Tages.

Den Tag lassen wir drei Freunde auf der Veranda der Wild Wake Ski- Anlage ausklingen. Robin liebt den dortigen Cheeseburger und schafft heute zum ersten Mal nicht nur den Burger, sondern auch alle Pommes aufzuessen. Steffi und ich treffen beiden mit dem Veggieburger eine hervorragende Wahl, der hier aus Mais, Erbsen und Blumenkohl besteht. Ein echter Gemüseburger, nicht solche Sojaschnetzel wie bei McDoe.

Die wagemutigen Sprünge der Wakeboard- Fahrer wurden abrupt gestoppt, als ein Seilzug am Start- Eck aus der Schiene sprang. Robin beobachtete wie zwei Mitarbeiter in luftige Höhe den Anlagenarm ungesichert hochkletterten und die Reparatur begannen. Steffi und ich hatten ohne Ablenkung durch Fahrer die Muse, mein Fotoalbum mit Papierabzügen der letzten beiden Jahre anzuschauen.

Und was war das Schönste an dem Tag? Endlich wieder Freunde zu treffen und gleichzeitig einen Tag ohne Zeitdruck und frei von Anschlussterminen zu verbringen.

You can leave your hat on

Mittags fahren wir als einer der wenigen Anwohner durch die Baustelle vor unserem Zuhause. Der Walzenfahrer bekommt so einen Schreck, dass er in den Graben lenkt und samt seiner Miniwalze umkippt. Er zerrt sie wieder aus dem Graben. Quer zur Fahrbahn. Wie Austin Powers wendet er die Walze in hundert Zügen. Hin und her. Hin und her. Hin und er. Er muss plötzlich anfangen zu kichern. Thorger und ich lachen mit.

Am Steinberger See weht ein laues Lüftchen und der Motor springt trotz dem frisch aufgeladenen Akku sofort an. Meistens erkennt er den neuen Ladezustand nicht und muss mit der Taste „C“ mehrfach kalibriert werden. Gleich eine Runde um King Kong’s Skull Island mit dem Sohn gesegelt. Heute stimmt mein Schlagwort „Segeln mit Kindern“. Die anderen Male hätte es „Schwimmen mit Kind“ heißen müssen.

Ich ziehe Thorger die Rettungsweste an und besteche ihn mit einer Tupperdose voll Erdnussflips.

  • Ich nach dem Ablegen: „Schau mal Thorger. Wir sind aus dem Hafen draußen.“
  • Kind reißt sich die Rettungsweste vom Leib und beäugt zornig das Vorsegel, das bei der Wende flattert: „Will Baden gehen!“

Etwas später ganz nahe (fast zu nahe) am Kap der Clubinsel, damit Thorger etwas sehen kann…

  • Ich : „Komm hoch! Da sind viele Kanada- Gänse.“
  • Kind ruft von unten: „Toilette bitte.“ Stress! Pinne fest gelascht und fix den Spanngurt gelöst, der das Chemie- WC an Ort und Stelle hält. Wieder zurück an das Steuer gehetzt.

Einige Minuten darauf läuft die Shadow sehr gerade in ihre Box ein. Thorger steht parat an Deck. Er hat die Badehose selbst angezogen und alle Rettungswesten, Schuhe und seine Kleidung auf dem Boden verteilt. Er will vom Schiff steigen, noch bevor die Heckleine fest ist. Wieder Gezeter zwischen uns. Ich sage: „Warte, bitte!“ Ihn drängt es zum Strand.

Bis die Shadow komplett vertäut ist und ich das Chaos unter Deck beseitigt habe, wippt Thorger ungeduldig mit dem kompletten Fingersteg auf und ab. Er hat seinen Schwimmgurt an und würde wieder auftauchen, wenn er in den flachen Teil des Sees plumpst.

Für das Herumsitzen im nassen Badeanzug ist es mir zu kalt und ich sitze angezogen auf dem Handtuch am Strand. Thorger spritzt Wasser herum, taucht zu den Fischen und macht sogar drei Brustschwimmzüge im Hundekraustil.

Zum Schluss wärmen wir uns im Cockpit bei Apfelschnitzen und Gummibärchenfröschen in der Sonne auf. Thorger hat lediglich sein Käppi gegen sie Sonne auf (und ein Handtuch um die Hüften). Ich singe: „Baby, take off your Badehose! Baby, take off your Badelatschen. But you can leave your hat on!“

Einfach Segeln

Für heute ist ein Tag voller Sonnenschein vorhergesagt, doch eigentlich soll ich ganztags arbeiten. Ich arbeite in den Sommerferien im Büro auf dem Firmengelände statt im „Homeoffice“. Dort kann ich ungestört arbeiten und daheim können Mann und Sohn so laut sein, wie sie wollen. Ausführlich gehe ich mit drei Kollegen in die Kantine zum Essen. Danach mache ich ausnahmsweise Feierabend. Der See ruft.

Ich merke meine Routine beim Segeln. Das Schiff segelklar zu machen, geht mir wie von selbst ohne größeres Nachdenken von der Hand: 1. Persenning von der Pinne 2. Akku an Motor anschließen und zur Probe starten 3. Persenning vom Großsegel 4. Persenning vom Vorsegel 5. Bootshaken parat legen 6. Achterleine, Vorspring und zwei Vorleinen lösen

Ich übe heute, möglichst eng aus der Box zu drehen und an den Nachbarschiffen vorbei zu fahren. Mit dem Bootshaken drücke ich das Heck vom Fingersteg weg, damit es schnell Richtung „Hafenausfahrt“ zeigt. Ich fahre rückwärts aus der Boxengasse.

Zwischen der Ortschaft Steinberg und dem Parkplatz Südufer kreuzen die Shadow und zehn weitere Segelboote hin und her. Der Wind dreht ab und zu auf 2 Beaufort auf und die Shadow segelt einfach vor sich hin. Mal schneller, mal langsamer. Entspannend. Ich habe Muße, den Trimm des Vorsegels zu überprüfen: Zu bauchig. Schaffe nicht, das Achterliek zu strecken. Der Schotholepunkt ist ganz vorne. Ist das richtig?

Genieße den Nachmittag unter Segeln und traue mich, die Engstelle zwischen Steg 2 und Clubinsel zu besegeln. In Lee dreht der Wind und der Großbaum schlägt unkontrolliert über. Gut, dass ich sitze, sonst hätte ich eine riesige Beule am Kopf. Beim Aufschießer hält der Tillertamer den Kurs nicht und die Madame treibt quer zum Wind, was meiner guten Laune keinen Abbruch tut. Lasse das Großsegel flattern, gehe ruhig zurück in das Cockpit, drehe die Shadow erneut in den Wind und hole die zweite Hälfte des Großsegels ein.

So soll Segeln sein!

Segeltrockungstörn

Endlich schien die Sonne und ich konnte die nassen Segel trocken segeln. Jens, meinem Mann, war es ganz recht, dass ein laues Lüftchen wehte. Dem abwesenden Eigner der Jacht mit dem herausstehenden Ruderblattes drohte er scherzhaft: „So, jetzt habe ich Dein Ruderblatt abgesägt. Ist nicht mehr im Weg. Ich habe es aber an Deck gelegt. Und eine Flasche Holzleim. Kann man wieder ankleben.“

Wir motor- segelten eine Runde um andere Flautensegler herum bis zur Holzkugel und zurück. Der Tillertamer und ich wechselten uns beim Steuern ab. Die Wellen warfen silberne Muster in die flappenden Segel. Hübsch anzusehen. Jens saß zufrieden unter Deck im Schatten und trank das kühle Desperado- Bier, das ich ihm von daheim mit gebracht hatte.

Später war ich mit dem Ausruhen an der Reihe: Ich sollte mich und die Sektdose möglichst wenig im Cockpit bewegen. Die Fenster der Shadow sollten abgedichtet werden. Jens wollte nicht mit dem Sikaflex kleckern oder selbst über Bord kippen. Er schnitt die alte Fugenmase mit dem Cuttermesser ab, füllte Sikaflex in die Fuge ein und zog die Schrauben am Frontfenster wieder dicht.

Für drei große Fenster brauchte Jens zirka eine halbe Kartusche Sikaflex. Irgendwann will er die Fenster komplett abmontieren, sauber schaben, das Plexiglas anrauen und die Fenster neu hin kleben und verfugen. Spätestens vor einer Langfahrt wird diese Arbeit nötig sein. Die nächsten Jahre hält das Provisorium!

Inklusive Autofahrt dauerte die Aktion knappe fünf Stunden. Solche Bootsjobs sind nichts, was in ein paar Minuten erledigt ist.

Regen statt Regatta

Die Regattaleitung hatte noch nicht einmal die Flaggensignale für den Start zu Ende erklärt, da wurde sie von den ersten lauten Donnerschlägen des herannahenden Gewitters unterbrochen. Ich lernte eine neue Flagge kennen: Rot- gelbe diagonale Streifen bedeuten Rettungswestenpflicht. Da hatte mich ein Kamerad letztes Jahr falsch informiert, dass es bei den Clubregatten NIEMALS Rettungswestenpflicht gäbe.

Kurz nach den Donnerschlägen schüttete es wie aus Eimern und der Wind schlief ein. Ein Pech für mich fleißige Seglerin. Ich hatte meine Shadow segelklar gemacht, die Persenninge abgedeckt und die Segel teilweise hochgezogen. Die Segel waren sofort vom Regen durchweicht. Alle Crews machten das Beste aus der Situation und tauschten bei einem Bier oder anderen Kaltgetränk Gerüchte und Neuigkeiten aus. Auf der Terrasse saßen wir Corona- konform an der frischen Luft und unter dem Vordach blieben wir zum Glück trocken. Nach einer guten Stunde wurde abgestimmt, ob wir in zwanzig Minuten starten wollen und bereits im Gewitter zur Startlinie aufbrechen werden. Ich stimmte dagegen und wurde überstimmt. Trotzdem hätte ich bei Gewitter nicht abgelegt. Ablegen bei Blitz und Donner ist nicht sportlich, sondern dumm. Jedoch ließ der Regen nicht nach. Nach rund 90 Minuten gesamter Wartezeit wurde die Regatta abgesagt und es gab Kaffee und Kuchen. Sehr leckerer Käsekuchen mit Mandarinen.

Um die Segel zu trocknen, wollte ich in der Regenpause eine Runde um King Kong’s Skull Island motoren und die Segel im Fahrtwind flattern lassen. Leider setzte der Regen ein, sobald ich aus dem Hafen gefahren war und die Segel gesetzt hatte. Ich legte mit nassen Segeln und nassen Leggings wieder an. Meine Segeljacke bewährte sich und hielt mich trocken.

Was für ein verregneter Sommer!

Manöver im letzten Augenblick

Richtig heisst es im Seglerlatein: Manöver DES letzten Augenblicks. Es bedeutet, dass man ausweicht, obwohl man Vorfahrt hätte.

Ich glotzte auf Segler am Steg 3 und hätte beinahe das Ruderblatt einer Mariner 24 gerammt. Im letzten Augenblick stoppte ich auf. Im allerletzten Augenblick versetzte ich dem Boot einen sanften Tritt, um Shadows Heck wegzudrücken. Dabei hatte das andere Segelboot definitiv Vorfahrt und konnte nicht ausweichen: Es lag am Steg 3 vertäut.

Ungewollt steht die Shadow am Stegkopf vom Nachbarsteg 3 auf der Stelle. Als ob ich perfekt aufstoppen könnte. Ein Prüfer hätte seine Freude gehabt. Der Sportwart kommt vorgelaufen und berichtet mir, wer am Sonntag alles bei der Regatta dabei sein wird, der sich nicht online gemeldet hat, und schwärmt vom heutigen Wind.

Ich widme dann eine gute Stunde meinen Manövern im letzten Augenblick: Ich übe unzählige Wenden und Halsen. Warum letzter Augenblick: Na, heute ist Freitag und schon am Sonntag Regatta. Da wird es Zeit für Manövertraining.

Der Wind weht konstant aus West. Super! Zuverlässig wie ein Ventilator. Er ist genau stark genug, die Shadow mit gerefften Vorsegel durch die Wende zu drücken. Bei Schwachwind bleiben wir manchmal in der Wende stehen. Heute nicht.

Ich winke dem griechischen Segelboot zu, dessen Eigner ich auf dem Sommerfest kennengelernt habe. Abgesehen davon komme ich heute nicht zum hinsetzen. Ich steuere im Stehen und halte mich am Großbaum fest.

Jedenfalls freue ich mich auf die Kaffeeregatta und setze mir folgende Ziele: Vorletzter oder Vorvorletzter werden. Maximal die doppelte Zeit wie der Schnellste brauchen. Ziellinie auch bei der zweiten beziehungsweise letzten Wettfahrt überqueren. Drückt mir die Daumen!

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Haifisch- Zahn

Wer an einem Tag am See etwas erleben will, muss nur Fantasie haben.

An der Shadow angekommen, gibt es eine kleine Krise: Die Handläufe fehlen. Sie wurde beim Seglerinnen- Triatholon (ich berichtete) demontiert, geschrubbt und zum Trocknen in das Cockpit gelegt. Somit kann sich mein Sohn Thorger nirgends hochziehen. Bis zur Großschot reicht sein Arm nicht. Ich biete ihm meine Hand an, aber er will alleine auf’s Schiff klettern. Letztendlich hält er sich an den Blöcken fest, an denen der Handlauf verschraubt ist. Er sieht auf jeden Fall ein, dass die Mama erst einmal das Schiff „reparieren“ muss, bevor unser Programm weitergeht.

Ich fixiere jeden Handlauf mit zwei Schrauben, bevor mein Sohn darauf kommt, sie als „Speere“ in das Wasser zu werfen. Thorger fläzt im Salon und futtert die mitgebrachten Apfelschnitze. Nachdem die vordersten beiden Schrauben in die Handläufe gedreht sind, folgen auf jeder Seite die drei Sicherungsschrauben. Doppelt hält besser.

Unser Strand wird von einem Rentner auf seinem SUP- Board komplett belagert. Das Board füllt das Flachwasser aus. Thorger geht sofort zum Angriff über: „Battleship! Kämpfen!“ Er spritzt Wasser auf den überrumpelten Mann, ich greife schnell ein und es erwischt nur die Sandalen auf der Board- Spitze. Nach dem abrupten Ende der Wasserschlacht, rede ich mit dem Rentner über Behinderten- Werkstätten. Thorger spielt friedlich im schattigen Bereich des Strands.

Als wir zwei wieder unter uns sind, quengelt er: „MAMA! 1-2-3!“ Ich verschiebe meinen Köpfer um ein paar Minuten: „Später!“ Er drückt mir seine Taucherbrille in die Hand: „MAMA! 1-2-3!“ Zum Akklimatisieren setze ich mich in das Wasser und tauche die Ellbogen ein. Danach tue ich Thorger den Gefallen, tauche komplett unter, schwimme ein Stück in das tiefere Wasser raus, drehe um und tauche Thorger unter Wasser entgegen. Er reißt Augen und Mund auf und kommt mir entgegengepaddelt bis unsere Stirnen sich berühren. Klare Sicht heute.

Danach suchen wir einen Stein für den daheim gebliebenen „Papa“. Ich finde tatsächlich einen Quarz, der mit etwas Fantasie wie ein Haifisch- Zahn aussieht. Thorger ist begeistert: „Wie Liopleurodon! Wie Ur- Hai!“

Und beim nächsten Mal finden wir dann die restliche Versteinerung! 😉

Zahn- Stein