Segeln mit Kollegen

Nach einer recht kühlen Übernachtung auf der Shadow, lud Liv mich zum Frühstück im Warmen beim besten Bäcker der Welt ein: Der „Kleeberger“ in Ramsberg. Danke dafür! Bamberger („Croissants“) waren ausverkauft und stattdessen lag leckeres Rosinen- Brioche im Brotkorb. Der Kaffee weckte die Festival- müden Lebensgeister. Liv zeigte mir stolz, wie sie lediglich mit dem Schlüssel ihren neuen BMW vorwärts und rückwärts fahren lassen kann, sogar wenn sie das Auto verlassen hat. Dank Kamera und Radar lenkt das Auto selbst. Darauf wurde sie gleich von einem Rentner im Cafe angesprochen. Ich finde automatisiertes Fahren und solche Spielereien etwas unheimlich. Jedoch ist diese Funktion sehr praktisch in Parkhäusern mit engen Lücken.

Zurück alleine an Bord bekam ich einen Schreck: Das Ladegerät für die Motorbatterienbank zeigte mit einem orangen Blitz „Störung“. Dabei war ich mir sicher, dass es gestern angeschaltet war und die Batterien zu zwei Dritteln geladen hatte. Offenbar war beim Gewitter der Blitz eingeschlagen oder Regen eingedrungen. Der FI- Schalter der Landstromsäule war heraus gesprungen. Stegnachbar Tom erzählte mir, dass er den FI Schalter umgelegt hatte, doch offenbar mochte das mein Ladegerät nicht. Stegnachbar Linus reparierte mittags das Gerät, indem er den Stecker zog und neu einsteckte. Muss seine positive Ausstrahlung eines Ingenieurs ein. Bei mir funktionierte der Trick nicht.

Mir stand für den Ausflug mit meinem Arbeitskollegen (Nr. 1) Dietmar und seiner Frau Lykka (alle Namen von mir geändert) ein Abenteuer bevor: Aus dem Hafen zu segeln statt zu motoren. Um Batterien zu schonen. Die zwei bekamen eine ausführliche Sicherheitseinweisung und ich im Gegenzug als Geschenk eine Flasche Sekt und bordgeeignete Rosmarin- Brotstangen. Los ging es! Rückwärts aus der Box und in das windgeschützte Boxengassen- Ende motort. Dietmar übernahm das Steuer und ich setzte in Rekordtempo beide Segel, ließ die Fallen an Deck liegen und rannte zum Wenden zurück zur Pinne. Uff! Motor aus. Im gemütlichen Tempo segelten wir mit halben Wind und raumen Wind lautlos bis zur Hafeneinfahrt. Stegnachbarn zeigten ihren Respekt: Daumen hoch! In der Ausfahrt nahm ich den Motor dazu, um nicht die Kaimauer auf Am Wind- Kurs zu schrammen. Dietmar fand alles easy und sagte: „Uns wäre nicht aufgefallen, dass Du das nicht immer so machst.“ Ich freue mich sehr, dass die zwei sich für das Segeln interessierten und begeisterten. Dietmar lag furchtlos auf dem Vordeck, sogar als Shadow in eine leichten Bö zu krängen, d.h. Schräglage zu fahren, begann. Lykka und ich erzählten uns im Cockpit, welche Krimis wir gerade lesen. Sie „Eberhofer“, ich „Engelmord“. Flott erreichten wir Allmannsdorf und meine Crew zeigte Talent als Vorschoter bei der einzigen Wende des Tages. Alles ganz ruhig, reibungslos und ohne Hektik abgelaufen. Gegen den Wind konnte ich unmöglich mit der trägen Shadow die Gasse des Hafenbeckens hinauf kreuzen und der Motor hielt tapfer durch, bis Shadow sicher an ihrem Liegeplatz vertäut war.

Mit kleiner Verspätung erreichten wir drei waschechten Segler die Pizzeria „Yachthafen“. Von sieben Kollegen hatten erst vier zugesagt, dann zwei abgesagt. Umso besser, dass meine Kollegin Nr. 2, Marie (Name geändert), ihre drei Kinder und Ehemann als Verstärkung mitgebracht hatte. Wie erwartet gab es bei den Getränken ein Durcheinander, wenigstens die Pizzen stimmten. Der „Yachthafen“ ist berühmt berüchtigt für den grottenschlechten Service. Dietmar bestellte zur Pizza Funghi als Extrabelag Artischocken dazu. Das werde ich demnächst nachmachen- eine vegetarische Kombi ganz nach meinem Geschmack. Die hauseigene Variante der Veggie- Pizza wird nämlich mit Dosenmais und Dosenpeperoni belegt, was mir beides nicht schmeckt.

Marie und die drei Kinder kamen mit an Bord. Dietmar und Lykka radelten (auf eigenen, also brauchbaren Fahrrädern) zum Igelsbachsee und Maries Mann radelte an den Absberger Strand. Später lehnte er sein Rennrad am Steg an die Säule, es rollte auf einmal vor und versank beinahe im Hafenbecken. Mit einem beherzten Sprung von Bord rettete er es.

Der jüngste Spross meckerte: „Ich will aber nicht segeln.“ Später revidierte er sein Urteil: „Segeln ist ganz anders, als ich dachte. Ich dachte, ich muss auf einem Holzbrett mit Stecken stehen.“ „Nein, das ist surfen.“ „Und was ist dann auf den Wellen zu reiten?“ „Auch surfen.“ Die Töchter staunten, dass die Shadow von außen so klein und von innen so groß sei.

Die Jüngeren hatten erst Angst vor dem Schwimmen, weil das Wasser im Hafenbecken 10 Meter tief ist. Kaum waren die Älteste mit Schwimmbrille und Köpfer abgetaucht, sprangen die jüngeren von der Badeplattform aus hinterher.  Marie und ich gingen es etwas langsamer an: Arme und Beine abkühlen, dann rückwärts in den See sinken lassen. Der Kleinste hatte gleich bei Ankunft auf der Shadow die Backskiste aufgeklappt und geschaut, was sich darin wohl verbirgt. Zehn Minuten später beim gemeinsamen Baden konnte er problemlos den Schrubber finden und mir hinunter in das Wasser geben. Ich säuberte damit grob den Propeller des Motors. Mit einer von der Tochter ausgeliehenen Taucherbrille kontrollierte ich meinen Putzerfolg und besserte nach.

Wie fast jeden Sommer- Mittag hatte der Wind abgeflaut und zeigte sich in einer kindgerechten Stärke. Marie hatte ich Steuern und Winschen erklärt, den Kindern wurden die Rettungswesten angezogen. Die zwei Jüngeren steuerten kurz und saßen bald aufgeregt vorne mit Rücken am Deckshaus. Die Älteste verschlief den Törn unten im Vorschiff. Marie und ich redeten über Vorfahrtsregeln beim Segeln, umschifften ein Tretboot und überholten einen Kleinkreuzer. Die Zeit verflog. Nach der Wende -wieder vor Allmannsdorf wegen des heutigen Nordwindes- blieb die Shadow in einer Flaute komplett stehen. Da half nur Abwarten und Batterien schonen. Meine dritte Kindercrew des Jahres machte zur Unterhaltung den Haribo- WM- Gummibärchen den Garaus. Im Hafen durfte die Rasselbande nochmals schwimmen und stand in Badekleidung unter Deck ungeduldig parat bis ich endlich angelegt hatte. Dietmar hatte uns auf dem See gesehen, sich durch die Stegtür geschmuggelt und half mir beim Anlegen.

Marie zauberte aus der Kühltasche selbstgebackenen, erfrischenden Zitronenkuchen und kleingeschnittene Ananas hervor. Leckeres Abendessen.

Die Kollegen freuen sich jedenfalls auf den nächsten Segelausflug mit der Shadow im Jahr 2019! Und ich wundere mich nach wie vor, wie der Tag trotz Motorknappheit so reibungslos und entspannt abgelaufen ist.

 

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Lieder am See- am Brombachsee

Alt – älter- am Brombachsee. Unter diesem Motto stand das diesjährige Musik- Festival „Lieder am See“ in Enderndorf am Strand des Brombachsees. Spätestens beim Auftritt von Status Quo fühlte ich mich auf dem Wandertags des hiesigen Altenheims.

Liv und ich hatten uns bei 32 Grad Außentemperatur spontan dagegen entschieden, ihren eisgekühlten Mitbringsel- Sekt zu vernichten. Im Fahrradverleih warteten nämlich sehnsüchtig uralte Blechesel darauf, uns von Ramsberg nach Enderndorf zu tragen, bevor sie ihr Leben aushauchen. Meine Pedalen ächzten angestrengt bei jedem Tritt in die selbigen. Livs Sattel löste sich und wackelte lustig wie ein Kuhschwanz hin und her. Nicht unseren Wadeln sondern den Rädern zu Liebe  😉 legten wir eine Pause auf dem Staudamm ein und genossen die großartige Aussicht auf den kompletten Großen Brombachsee.

Livs Rucksack kam nicht durch die Einlasskontrolle – zu groß. Total unloglisch: Man durfte Gartenstühle mit rein nehmen. Für uns Frauen jedenfalls die beste Ausrede an den Buden des Festivals „Lieder am See“ eine neue Handtasche im hippie- mäßigen Patchwork- Look zu erwerben.

Bei der Vorband aus Regensburg „Straying Sparrows“ (Übersetzung: Die umherziehenden Domspatzen) herrschte gähnende Leere vor der Bühne. Ein Aufseher wies uns extra darauf hin, dass man dort keine Picknick- Decken ausbreiten darf, als er Livs zusammengerollte Decke erspähte. Noch wäre Platz dafür gewesen. Die Sparrows erinnerten mich stimmlich an die Oasis- Brüder und hätten mehr Publikum verdient. Toll! Wenigstens wir zwei johlten ihnen begeistert zu. Mit den anderen zehn Zuschauern und uns sangen sie im Chor „The devil never sleeps“ als Refrain. Warum nicht.

Die Fressbuden boten vom Klassiker wie Pizza, Langos oder Zwa in am Weggla (Bratwürste) auch pfiffige, kreative Neuheiten wie „Schäufele im Weggla“ oder Knoblauchbrot an. Der Biergarten saß im Nu voll. Besonders überrascht hat mich, dass nicht abgezockt wurde und für Apfelschorle oder Spezi humane 2,50 EUR + Becherpfand verlangt wurden. Liv und ich entschieden uns für einen „Blotzen“ aus dem Holzofen. Schwäbisch Haller Mittelalterfans belegten diese Flammkuchenvariation mit Speck und Kartoffeln. Sehr schmackhaft!

Wishbone Ash und den herausragenden Ray Wilson von Genesis hörten wir vom Strand an. Zur Abkühlung plantschten wir mit Dutzenden anderen Festivalgästen in den warmen Fluten. Im Wechsel schwammen wir in Stück, während die andere unsere Taschen im Blick behielt, die im Sand auf einem Weidenzweig lagerten. Nur kurz konnten wir uns dazusetzen. Ein heftiges Unwetter brach los und der Himmel öffnete all seine Schleusen. Liv und ich flüchteten unter das Häuschen der Rutsche am Kinderspielplatz und wickelten uns in der Picknick- Decke ein. Die wärmte uns schön, bis nach einer Stunde die Sonne wieder aus den Wolken hervor lugte. Wir versuchten vergeblich uns und die Sachen wieder zu trocknen. Am Spielplatz tummelten sich einige Familien mit kleinen Kindern und ich wunderte mich doch sehr, dass Minderjährige das Festival besuchen dürfen. Spricht aber für die friedliche Atmosphäre auf der Feier.

Im extra angelegten Biergarten spielte in den Umbau- Pausen eine Live- Band alte Schlager wie „Hotel California“. Die langjährigen Fans wünschten sich Lieder, die umgehend gespielt wurden.

Die Spider Murphy Gang peppte ihre eh schon guten Lieder durch etliche Soli von Schlagzeug, Klavier und Saxofonen auf. Der Band- Leader witzelte: „Jetzt müssen wir schon nachmittags auftreten, weil Murphy und ich um sechs Uhr wieder zurück im Altenheim sein müssen. Ausgangsperre.“ Jeder Song wurde sympathisch mit einem Geschichtchen angesagt: „Auf ! Alle twisten! Außer ihr mit den frisch operierten Hüften!“ Der Platz war so voll, dass vor der Bühne die erste Schlägerei in Gang kam und sehr schnell von der Security beendet wurde. Eine Besucherin kommentierte: „Wie kann man bei der schönen Musik denn eine Schlägerei anfangen ?!“ Wohl war. Alle bekannten Hits wie Schickeria, Sommer in der Stadt, Mir san a bayrische Band und Peep Peep wurden gespielt. Natürlich als Zugabe „Skandal im Sperrbezirk“ zum Mitgrölen.

Ich muss sagen, dass ich vor dem Festival den Bandnamen „Gipsy Kings“ noch nie gehört hatte. Doch die heizten so richtig den Damen ein. Wie Urlaub in Spanien. Eine Frau tanzte mit einer als Mickey Maus verkleideten Frau Flamenco um die Wette. Alle anderen wippten mit den Hüften. Natürlich kannte ich die Hits der Gipsy Kings aus dem Radio: Bamboleo, Volare oder Baila me. Liv ist ihr Fan und konnte auf spanisch nicht nur alle Refrains, sondern sogar die Strophen mitsingen. Gut, um Sprache zu lernen: Melodische Lieder übersetzen und mitsingen!

Je später der Abend desto größer die Verstärker. Status Quo lieferte die beste Show ab. Der Frontsänger Francis Rossi spielte nicht nur unglaublich schnell alle Soli der Gitarre selbst. Auch sprang er voller Energie über die Bühne. Mit über 70 Jahren hat er mehr Energie und Fitness als die meisten Vierzigjährigen, mich eingeschlossen. Das Publikum fuhr teilweise mit dem Rollator auf den Platz und setzte sich hin. Der Rest der Menge tobte. Einer Ghetto- Barbie wurde die Nase blutig geschlagen und die Sanis trugen sie auf der Bare raus. Ich wurde dagegen immer müder und nach den Highlights „In the army“ und „Rocking all over the world“ schleppte ich mich zurück zum Drahtesel.

Zum Glück hatte Liv einen starke Taschenlampe dabei. Denn die Lichter an den Mieträdern funktionierten nicht. So fuhr sie voraus und ich ohne Beleuchtung hinterher.

Auf dem Damm hielten wir an und schauten die Milchstrasse an!

Ein Erlebnis ! Musik und Natur in einem !

 

 

 

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Picture- picture

Auf Wunsch einiger neugieriger Kollegen habe ich am Wochenende Fotos vom  Schiffsinneren der Shadow gemacht und unter der Seite „Schiff“ veröffentlicht. Wie sagte Bruce so schön über Shadows gemütlichen Salon: „Das ist ja, als würde man sein Wohnzimmer überall mit hinnehmen können.“

https://kerstinundsyshadow.wordpress.com/schiff/

Zu diesen weiteren Beiträgen wurden ebenso Fotos nachgereicht:

Ein grandioser Segel- Tag

Volles Haus auf der Shadow

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Segler gegen Fußballer 1:2

Der Brombachsee begrüßte mein Patenkind Robin mit einem recht frischen Wind und Schaumkronen auf den Wellen. Meinen Plan, zum Ankern hinaus zu fahren, vor Anker zu baden und Erbsensuppe aufzuwärmen, konnte ich über Bord werfen.

Robin machte das gar nichts aus. Stattdessen schwammen wir beide eine Runde im Hafenbecken, spielten Karten (Hornochse =6 nimmt und Cafe International) an Deck, angelten nach  Würstchen in der Suppe und saßen in der der Sonne im Cockpit. Abends gingen wir in die Lounge und Shishabar am Strand, der einzige Ort in Ramsberg, an dem Fußball übertragen wird. Robin lag altermäßig mit seinen acht Jahren näher am Altersdurchschnitt der Bar als ich. Wir bestellten hausgemachte Kirschlimo und Waldmeisterlimo. Das Spiel Belgien gegen Brasilien fand sogar ich kurzweilig sobald es nach einem Eigentor in der 13. Spielminute Fahrt aufnahm. Nach der Halbzeit musste Robin in die Koje und ich schaute mir ein paar Minuten durch das geschlossene Schott den orange farbigen Sonnenuntergang an.

Zum Frühstück briet der Sandwichmaker heißen Toast mit kochender Nutoka- Füllung. O- Ton Robin: „Das schmeckt so lecker. Kannst Du mir den Toaster ausleihen?“ An den Hafentoiletten trafen wir endlich einen fußballbegeisterten Segler, der Robin das Ergebnis des gestrigen Matches mitteilen konnte. Denn zu Robins Erstaunen besitze ich kein Smartphone. Den Erbsensuppentopf wollte ich unter dem Wasserhahn des Hafenklos auswaschen, den Schmodder in den Gulli am Straßenrand schütten. Die zuvorkommende Putzfrau stoppte mein Vorhaben und ließ mich das Waschbecken im Nebenraum benutzen. Ramsberg ist wohl der einzige Hafen für 500 Boote, der weder über Spülbecken noch Duschen verfügt. Selbst Lyö, der kleinste dänische Hafen den ich 2015 besegelte, war da erheblich besser ausgestattet.

Morgens wehten perfekte 2 Beaufort über den Brombachsee. Schnell hatten Robin und ich den kleinen Staudamm bei Absberg erreicht. Robin saß mutig vorne am Bug und ließ die Beine baumeln.

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Am Steuern hatte er kein Interesse, weil man sich da ja auf einen Kurs die ganze Zeit konzentrieren muss. Dafür konnte er beobachten, wie ein Kormoran nach Fischen taucht: „Der taucht gar nicht mehr auf. (….) Doch da drüben!“ Der Trimaran kreuzte unseren Kurs auf seiner ersten Fahrt des Tages, als Shadow sich schon wieder auf der Rückfahrt von Absberg befand. Robin: „Der Trimaran ist so riesig. Ich gehe lieber unter Deck.“ An der Webcam von Allmansdorf zog die Shadow so flott vorbei, dass ich leider kein Bild fand, auf dem man uns gut erkennen kann.

Der Wind drehte in Böen auf 4 Beaufort auf. Das Vorsegel flatterte und knatterte heftig bei einer Wende. Grünes Wasser spritzte seitlich an Deck hoch. Wellen bildeten sich. Da wurde Robin ganz anders. Er wollte lieber in den Hafen zurück als vor dem Hafen zu ankern. Nach Passieren der idiotisch konstruierten Hafeneinfahrt im Zick-Zack-Kurs und im ruhigen Wasser des Hafens angelangt, schlug ich Robin zur Ablenkung vom Völlegefühl vor, seine Badehose anzuziehen. Besser Vorfreude auf Schwimmen als der Gedanke an Seekrankheit. Pekka (Name geändert) hielt die Shadow vom Steg ab und übernahm meine Vorleine. Wegen Rückenwind machte ich umgehend die Achterleine und Achterspring fest. Robin wartete sehr brav unter Deck.

Seine Sprünge von Bord wurden immer ausgelassener: Froschsprung von der Badeplattform, Pirouette vom Fingersteg, Sprung oben von der Reling und schließlich ein Vorwärtssalto vom Fingersteg mit Anlauf. Note 1!

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Schwimmen und Springen macht müde. Bis die Nudeln auf dem Spirituskocher endlich kochten, schlief Robin fast am Tisch ein. Wir konnten draußen im Cockpit im angenehmen Sonnenschein essen, der durch den Wind erträglich wurde, und schauten den anderen Segelbooten zu. Auf dem Weg über den Sandstrand zum Fußballschauen wurde Robin nachdenklich: „Eine Badeweste (=Schwimmweste) ist viel praktischer als Schwimmflügel. Schwimmflügel muss man erst noch aufblasen, wenn das Schiff sinkt.“

Zum krönenden Abschluss des Ausflugs schauten wir in der Lounge wieder die erste Halbzeit eines Fußballspiels der Weltmeisterschaft in Russland an. Hinter uns ein Tisch Engländerinnen und vis-a-vis ein Schwedenfan im gelben Nationaltrikot. Alles blieb friedlich- bei Limo (Schweden) und auf deutsch bestellten Apfelschorlen (Engländerinnen).

So stand es zum Ende des Wochenendes 2:1 für den Fußballgott (gegenüber 1 x Segeltörn)!

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Packliste für ein Wochenende Segeln

Ab morgen werde ich ein Wochenende mit meinem Patenkind auf der Shadow verbringen. Dort fehlt ein Kühlschrank und fließendes Wasser. Einerseits macht frische Luft uns richtig hungrig. Andererseits will ich keine Tonnen an Lebensmitteln mitschleppen. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn vom Parkplatz zum Boot sind bestimmt 600 Meter zu Fuß zu bewältigen.

Hier meine Packliste:

  • 2 x 8 Liter Leitungswasser in Kanistern
  • 6x 0,5 Liter Holunderlimo (so etwas zuckerhaltiges darf man bei der Patin trinken)
  • 1 Packung Kirschtee- Beutel (für einen warmen Tee nach dem Schwimmen oder der kühlen Nacht)
  • 1 Packung Toast, 1 Glas Nutoka, 1 Packung Margarine (Schokotoast aus dem Sandwichmaker für ein warmes Frühstück)
  • 1 Packung Gummibärchen, 1 Packung Kartoffel- Chips, 1 Tüte Mini- Salami
  • 1 Packung Spaghetti, 1 Zucchini und 1 Tüte fertige Gemüse- Tomatensoße
  • 1 Packung Spiralnudeln und Tomaten- Pesto (Notfall für den Regentag; Alternative: eine Pizza vom Italiener zum Mitnehmen holen und teilen)
  • 1 Küchenrolle (das Allround- Talent zum Putzen)
  • 1 Rolle Klopapier

Das wäre dann alles. Den Sixpack Limo habe ich in einer Tragetasche verstaut, die man über die Schulter hängen kann. Alle Essensvorräte passen in einen einzigen Jutebeutel, der sich prima zusammenfalten lässt, wenn die Sachen aufgefuttert sind.

Die Küchenutensilien sind dauerhaft auf dem Schiff gelagert. Ansonsten könnte man auf der obigen List Salz, Kochtopf, Müllbeutel, Spülmittel, Schwamm und Geschirrtuch ergänzen.

Zur Unterhaltung warten auf der Shadow vier CDs mit Kinderhörspielen und zwei Kartenspiele auf junge Besucher.

Weitere Ideen zum Minimalismus findet Ihr auf meinem zweiten Blog

Kerstin macht klar Schiff

Eine ausführliche Packliste zur Ausrüstung habe ich hier gepostet

Packliste Segelsachen

Welche Ideen fallen Euch ein, um Vorräte zu minimieren?

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Ein grandioser Segel- Tag

Luxus pur! Ein Tag Urlaub mitten unter der Woche- am Dienstag.

Zuerst machte ich einen Abstecher mit dem Auto zum Pleinfelder Strand, wobei ich erst auf dem Campingplatz landete und dann unten am Staudamm, statt auf dem richtigen Parkplatz. Bisher fuhr ich die Strecke von Pleinfeld Bahnhof an den See mit dem Rad und konnte einige Abkürzungen nehmen, die mit dem Auto unbefahrbar sind oder durch Schranken verhindert werden. Am Strand fotografierte ich den Steg, dass es eines kitschigen IKEA- Bildes würdig wäre, und bewunderte die rosa Weidenröschen und Nelken, die sich in den Felsen festklammerten.

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Zwei Joggerinnen mit Golden Retriever rannten vorbei- ansonsten beschauliche Ruhe um 9 Uhr morgens.

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Zum neuen Aussichtsturm lief ich die paar Meter am Uni- Segelclub vorbei. Der Turm wird wie folgt ausgeschildert: „Springen strengstens verboten“. Über einen unschönen Scherbenhaufen und leere Mini- Sektflaschen stieg ich drüber und die ersten Stufen der massiven Leiter hinauf. Beim Blick nach unten wurde mir etwas komisch und ich trat den Rückweg an ohne ganz oben im Krähennest gewesen zu sein. Ein Andermal.

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Schnell das Schiff klar gemacht, um den Baulärm im Hafen zu entrinnen. An den 20 schwimmenden Ferienhäuser wird fleißig gewerkelt. Stinkende Benzin- Außenborder mit 50 PS schleppen auf Flößen Bauholz durch das Hafenbecken und knattern mit Generatoren auf einem Tauchboot um die Wette. Die Taucher verlegen Abwasser- und Frischwasserleitungen unter den Stegen. Wegen dem Bau der Ferienhäuser scheint alles im Hafen geduldet, was für Segler sinnvollerweise verboten ist (Benzinmotoren, Dieselmotoren, Generatoren).

Gleichzeitig mit einem Jollensegler erreicht die Shadow die Hafeneinfahrt. Wie in Zeitlupe trennen sich unsere Wege sobald die Segel beider Boote gesetzt sind. Der andere Segler biegt nach Enderndorf ab, ich möchte nach Allmannsdorf zum Staudamm hinunter. Je nachdem auf welchem Bug ich sitze, hängt das Großsegel schlaff auf meine Seite und spendet Schatten. Vorsichthalber schalte ich den Motor an, weil mich der Trimaran passiert, der gerade die erste Runde des Tages vollendet.

Im Schneckentempo kriecht die Shadow durch das grüne Wasser. Staub auf dem Wasser zieht unendlich langsam vorbei, ich entspanne mich und glühe in der Sonne vor mich hin. Der Autopilot übernimmt und mein Surfershirt mit UV50- Schutz muss her. Bei der Gelegenheit hole ich die Gummibärchen mit an Deck, die von Veras Besuch übrig sind, und probiere, ob sie noch gut sind. Ja, nach 10 oder mehr Proben kann ich das bestätigen. Schmetterlinge flattern über den See und scheinen irritiert zu gucken und stoppen, wenn die Shadow ihren Weg kreuzt. Die Pfauenaugen ziehen am Bug vorbei, die Kohlweißlinge am Heck.  Das reinste Verkehrstrennungsgebiet und ich mittendrin.

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Ein sanfter Wind kommt auf, das Wasser kräuselt sich ein hunderten kleinen Wellen und Äolus schiebt uns in zwanzig Minuten nach Allmannsdorf. Von dort kreuze ich in acht Schlägen zurück in den Heimathafen Ramsberg. An immer neuen Landmarken des Südufers kann ich ablesen, dass ich Höhe gewinne: 1. Blaue Fahne Anlegestelle Pleinfeld, 2. L- Förmiges Werftgebäude Ramsberg, 3. Blaue Fahne Anlegestelle Ramsberg und 4. Badestrand Ramsberg. Der perfekte Segeltörn dieser Saison.

Die Webcam der Firma „Sports Addicted“, für die ich keinerlei Haftung etc. übernehme, hat mich aufgenommen:

20180704 Webcam Brombachsee 11_50 Uhr

Zum Schluss hätte ich fast das Tretboot „Henrik“ gerammt, das urplötzlich vom Strand auftaucht, während ich damit abgelenkt bin die Segel zu bergen. Zum Glück haben sie eine Heulboje in Form eines Kleinkindes an Bord und machen sich laut und unfreiwillig bemerkbar.

Sicher vertäut habe ich heute die Muse, endlich die Artikel aus der „Wirtschaftswoche“ zu lesen, die Papa für mich ausgeschnitten hat. Sogar ein Artikel über Sailing Vessel Delos ist dabei: „Aussteiger als Beruf“. Klingt gut.

 

 

 

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Lampen für jede Lebenslage

Die vergangenen Tage zogen etliche Unwetter über das Fränkische Seenland. Deswegen schaute ich nach der Arbeit kurz auf der Shadow, ob wie üblich Wasser im Schiff schwappt und die Möbelplatten aus Spanholz zu schimmeln anfangen.

Puh, der Ausbau und Wiedereinbau der Decksluke scheint Wunder zu wirken. Nur in einem „Auffangeimer“ in Form einer Müslischale hatte sich vielleicht 0,1-0,2 Liter Regenwasser auf dem Salontisch gesammelt.

Für Frischluft riss ich alle Luken auf und warf mich in ein zu den Sommer- temperaturen passendes Arbeitsoutfit: Unterhemd und Bikinihose. Herrlich, Anzughose und Geschäftsbluse ins Cockpit hinaus zu schleudern.

Folgende vier Lampen können mich ab sofort erleuchten:

  • Solarlampe bei Sonnenschein
  • Petroleumlampe auf dem Ankerplatz
  • LED- Leiste bei Landstrom im Hafen
  • Batterie- LED- Lampe beim Leseabend in der Koje

Zuerst schraubte ich also zwei rostfreie, u-förmige Klemmen – im Fachjargon Augplatten- an die Decke, in denen ich ab sofort die Solarlampe „Lucy Light“ oder die Petroleumlampe aufhängen kann.

Vom Discounter hatte ich dieselbe eine LED- Leiste wie mein Stegnachbar bestellt, die mit 230V- Netzstecker funktioniert. Diese ersetzt die kaputte Neonröhrenlampe über dem Salontisch, deren Kabel keinen Strom mehr lieferte. Ich berichtete davon.

Damit ich zukünftig komfortabel lesen kann, wenn ich in meiner Lieblingskoje im Heck übernachte, bohrte und schraubte der Akkuschrauber kreischend in die Deckenholzplatte bis eine LED- Lampe über den Kopfbereich der Koje hing. Diese Lampe funktioniert mit drei handelsüblichen Batterien. Ein Teil der Deckenplatte war vor zwei Jahren ein Stück heruntergekracht. Das schraubte ich bombenfest bis der Akkuschrauber hohl drehte.

Sehnsüchtig schauten meine Augen einem Segler hinterher, der die laue Abendbrise zum Segeln nutzte und im sanften Abendlicht aus der Boxengasse ablegte. Zwei junge Männer beluden ein Schiff mit Bierkästen für eine feuchtfröhliche Bordparty. Meine Heimfahrt im Auto verlief angenehm und spannend zugleich mit dem Hörspiel „Die Kreuzweg- Legende“ von Geisterjäger John Sinclair.

 

 

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