Segeln trotz Schottland- Wetter

Dicke, graue Wolken hängen über dem Steinberger See. Fast alleine im Hafen. Nur der Hausmeister kämpft mit dem Laub auf der Zufahrt.

Ich stoppe die Zeit, die ich brauche, um die Shadow segelfertig zu machen: 10 Minuten, um drei Persenninge abzuschlagen und zu falten und den Akku an den Motor anzustöpseln. Das ging ja schneller, als ich dachte.

Ein paar Sekunden beobachte ich die Wetterlage über dem See. Weder Böen auf dem Wasser noch Regenschlieren am Horizont. Der Regen soll ab 11 Uhr kommen und ich lege um 9:30 Uhr ab.

Als einziges Boot auf dem See  habe ich Muße den Segeltrimm zu verbessern und behalte ständig die Windfäden auf dem Vorsegel im Auge. Die Landschaft genieße ich. Einzelne Sonnenstrahlen blitzen silbern auf dem bleigrauen Wasser. Erinnert mich an Schottland.

Um die Boje der Segelschule fahre ich eine weiträumige Wende und lege tiefenentspannt wieder im Heimathafen an.

 

 

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Holzkugel am Steinberger See

Einen weiteren ruhigen und erholsamen Urlaubstag verbringe ich am Steinberger See.

Gleich morgens segle ich zum ersten Mal im neuen Revier eine Runde um die „Große Insel“, die größte der drei Inseln im Steinberger See. Ganz nach meinem Gusto mit schwachen Wind von 1-2 Beaufort, die dafür sorgen, dass ich die Pinne arretieren, unter Deck gehen und eine Wasserflasche holen kann. Was ich den Clubkameraden nicht glauben wollte, erlebe ich heute am eigenen Leib: Die Insel lenkt den Wind ab und sorgt für wechselnde Windrichtungen. Vom Clubgelände lege ich mit Westwind ab und fahre bis zum Freibad, in dem Jugendgruppen laut juchzen und kreischen, mit Raumen Wind.

Hinter der Insel wollen die Segel partout nicht auf der Steuerbordseite bleiben, selbst mit Gewichtstrimm. Sogar den Motor schalte ich an, um die Shadow gegen ihren Willen zurück auf den alten Kurs zu bringen. Ich sehe an einer Flagge am Ufer, das der Wind plötzlich aus Nordosten zu kommen scheint. Shadows Verklicker ist leider auf dem Yachttransport verloren gegangen und liegt irgendwo auf der A6 bei Nürnberg. Somit steuere ich dieses Jahr nach der Wellenrichtung und die bleibt bei West. Hilft ja nichts, ich schifte die Segel nach Backbord und schleiche an der romantischen, dicht mit Baumbestand bewachsenen Insel vorbei.

Beim Seetreff Müller kann ich Am- Wind- Segeln üben bis der Wind total einschläft und ich die letzten paar Hundert Meter motore. Anlegen heute versemmelt und zehn Zentimeter neben dem Stegfender den Holzsteg sanft angeditscht.

Zur Erfrischung schwimme ich ein paar Bahnen zwischen Shadows Heck und dem nächsten Steg hin und her. Tauche zum Seegrund herunter. Wische Shadows Wasserpass  und ihren Rumpf mit einem Schwamm sauber. Viele Braunalgen.

Mittags steht eine kleine Wanderung an. Als Wegzehrung nehme ich ein leckeres Stieleis mit Waldbeeren und Zartbitterschokolade aus der Club- Kühltruhe mit. Ich brauche eine gute halbe Stunde zu Fuß bis zur neusten Attraktion am Steinberger See, der Erlebnis- Holzkugel.

Wer mit dem Auto anreist, kann entweder an der Wake-Board- Anlage parken oder am Seeufer unterhalb der Kugel auf einer gemähten Wiese. Unter der Woche standen gerade einmal zwei Autos auf diesem Parkplatz.

An der Holzkugel probiere ich als erstes die Gastronomie aus und bestelle einen vegetarischen Salat mit Antipasti, was hier mit Frischkäse gefüllte Peperoni sind. Das hausgemachte Mango- Dressing wird pfiffig in kleinen Einweckgläsern angeboten. Plastikmüll wird erfreulicherweise vermieden. Die Preise finde ich moderat für einen Touristen- Hotspot. Der Salat kostet rund 9 Euro, Schnitzel mit Pommes für die Herren läge bei 12 Euro. Die Biertische habe eine große Tiefe und alle Speisen einer Familie dürften ihren Platz finden. Vom Biergarten aus hat man einen ersten Ausblick auf den Steinberger See.

An der Kasse im Restaurant kann man bar oder mit EC-/ Visa- Karte bezahlen und erhält statt einer Eintrittskarte eine Wertmarke (Münze mit Loch) für das Drehkreuz zur Holzkugel. Andere Besucher mokieren sich, dass in der Holzkugel das Rauchen verboten ist. Vermutlich wissen die zwei Stadtkinder nicht, dass Holz brennen kann.

Die Steigung der Wege in der Kugel beträgt sechs Grad und kann problemlos von Kinderwägen und Rollstühlen erklommen werden. Auf dem Weg zum ersten Balkon stehen nur zwei Schilder zu Breitengraden und Längengraden. Sonst ist nichts geboten. Auf dem ersten Balkon von zwei angelangt, reiht sich für Schwindelfreie ein Balancier- Parcour mit unzähligen Stationen. Durch ein Gitter geht der Blick 28 Meter in die Tiefe und mir fällt ein, dass ich nicht schwindelfrei bin. Huch, durch die Bodenbretter kann man auch durchschauen! Auf die Hängebrücken in 32 (?) Höhe verzichte ich gerne.

Die Aussicht über den Steinberger See lohnt sich. Jedoch finde ich, dass man für 10,90 Euro Eintrittsgeld ( Familie 29,90 Euro) verglichen mit dem Waldwipfelweg St. Englmar wenig geboten bekommt. (In St. Englmar wird anschaulich über die Bäume und Tiere informiert und unter dem Wipfelweg laufen die Kinder den Naturkundepfad mit Mitmachstationen gerne ab.)

Mutige schleppen eine Mischung auf Schlafsack und Teppich bis zur zweithöchsten Ebene der Erlebnis- Holzkugel und rutschen durch eine Blechröhre mit einigen Bullaugen rasend nach unten.

Insgesamt würde ich der Holzkugel vier von fünf Sternen verleihen.

 

Segeln mit ’nem Kollegen

Wo kann ich meinen Urlaubstag am besten verbringen? Natürlich auf der Shadow im Segelclub.

Morgens legte ich einen Shoppingtag im benachbarten Schwandorf ein. Spülmittel im Drogeriemarkt und Wein, Bier, Limo und Snacks im Discounter. Minutenlang die Körbe mit Angeboten durchwühlt, aber nichts gebraucht.

Drei Mal musste ich die steile, alte Treppe auf und ab laufen, bis alle Getränke und Snacks auf der Shadow waren. Hätte die komplette Abteilung einladen können. Dann machte ich das Schiff segelklar. Bis es soweit war, standen Wellen mit Schaumkronen in das Hafenbecken, was den Torqeedo und meine Nerven an die Grenzen brachte. Also las ich statt zu segeln zum 20. Mal „Digger Hamburg“ von Stephan Boden. Schon war Zeit zum Mittagessen! In der Clubküche machte ich Wasser heiß und füllte es in die Thermoskanne. An Bord zogen die chinesischen Nudeln und der Tee um die Wette. Der Tee gewann.

Dann ging ich meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Auf das türkise Wasser des vollkommen leeren Sees starren. Und nach einer langen Verdauungspause tauchte ich vom Steg in die Fluten. Okay, okay. Ich kletterte in Zeitlupe bibbernd die Badeleiter hinunter und plumpste eher in den See.

Am späten Nachmittag kamen Clubkameraden zum Segeln und ich hatte nette Gesellschaft auf der Terrasse des Seglerheims. Das Paar kam gerade vom Urlaub an der Ostsee zurück, da fand sich gleich ein gemeinsames Thema.

Der Kollege hatte eine SMS geschrieben, als er losfuhr. Ich hatte die Fahrtzeit gut geschätzt und lief gerade zu Fuß zur Schranke, als er anrief und sagte, er wäre an der Schranke. Schnell in das Auto gehüpft und zum Tor gerast.

Nach der inzwischen erprobten Sicherheitseinweisung zu den Themen Festhalten, Winschen, Schuhen und Rettungswestentragepflicht löste ich die Leinen. Nichts passierte, denn der frische Westwind presste die Shadow in ihre Box. Mit Vollgas schoben uns die drei PS aus der Gasse. Der Kollege stellte mir derweilen interessierte Fragen zum Boot, was mich von meinem Gedankenkarrusell zu meinen Manövrierfähigkeiten ablenkte. Über Backbord wollte Shadow nicht drehen, aber über Steuerbord klappte es. Andernfalls hätte ich vorwärts wenden können.

Ich rollte wegen der Böen nur das Vorsegel aus und bald überholte uns eine Neptun. Wir kreutzen vor dem Clubheim hin und her. Dem Kollegen gefiel das und er stellte fest: „Jetzt weiß ich, warum Du in der Arbeit immer so entspannt bist. Das kommt vom Segeln!“ So ist es!

Nach einem reibungslosen Anlegemanöver gingen wir zum gemütlichen Teil über. Ein Bierchen als Anlegeschluck. Dazu servierte ich Salamisticks, Meersalzblätterteigstangen, Oliven, Aprikosen und neu entdeckte spanische Tostados. Das ist Knäckebrot mit pulverisierten Tomaten und Kräutern. Superlecker!

Zum Abschluss lobte der Kollege die Schönheit der Anlage und des Seglerheims. Ja, hier ist der Himmel auf Erden!

 

Schiff zerstört?

Heute lasse ich einmal meinen Sohn von unserem ersten Törn zu zweit erzählen. Bisher traute ich mich nicht, den furchtlosen Nichtschwimmer ohne weiteren Erwachsenen mitzunehmen. Zum Einstieg fuhren wir beide eine Runde unter Motor, sodass ich immer im Cockpit bleiben konnte und es nicht zum Segelsetzen verlassen musste. Thorger stand wie hingeklebt am Niedergang und ließ sich den Fahrtwind in das Gesicht wehen. Meistens zumindest.

Thorger erzählt von unserem Ausflug:

„Am Samstag Morgen um 6 Uhr hat die Mama endlich die Kekse mit Smarties gebacken,  worauf ich schon die ganze Woche gewartet habe. Ich habe die Smarties ausgepackt und in eine Schüssel ausgeleert. Jeden Keks dekorierte ich mit einem roten Smartie in der Mitte und vier anderen Farben im Viereck herum. Wie eine Fünf auf dem Würfel. Mama hat irgendwelche Farben genommen. Geht ja gar nicht!

Später fuhren Mama und ich zum Segelclub. Ich habe meine coole Rettungsweste angezogen. Wie Feuerwehrmann Sam.

Dann ist der Motor nicht gestartet. Ich weinte und rief: „Schiff zerstört!“  Mama hat den Motor repariert. Wir fuhren mit dem Boot über den ganzen See bis zu einer Holzkugel.

Auf der Rückfahrt mit dem Boot entdeckte ich ein  Freibad am Ufer und ich wollte sofort schwimmen gehen. Ich versuchte die engen Neoprenschuhe anzuziehen, aber es klappte nicht und ich warf mich wütend auf den Schiffsboden. Mama machte schnell das Schiff mit Seilen fest und hat mir mit den Schuhen geholfen. Meine Badehose konnte ich mir alleine anziehen.

Wir liefen an allen anderen Booten vorbei zum privaten Badestrand mit zirka fünf Metern Sandstreifen. Genug für mich und Mama. Voller Freude rannte ich in den See, versank plötzlich im Schlamm und mein Gesicht war unter Wasser. Da brüllte ich: „Hilfe!“ Und blieb lieber im flachen Wasser sitzen. Trotzdem habe ich die Taucherbrille aufgesetzt und ordentlich alle Steine im Wasser aufgeklaubt und auf einem Haufen aufgetürmt. Einen wollte ich für Papa einpacken, der im Sandstein sogar zwei versteinerte Muscheln entdeckte.

Später kam der Hund Butzi von einem Segelkameraden an den Strand. Mama warf „Stockmann“ in das Wasser, der Dackel schwamm schnell und brachte den Stock zurück zu uns.

Nachmittags musste ich auf dem Schiff meine Hose und mein T-Shirt anziehen, was mir missfiel. Bei dieser Hitze heute! Als Trost gab es ein Softeis mit Schokososse. Das war ein schöner Tag!“

 

Vorsicht vor dem fliegenden Kuchenteller

Kaum zurück vor meinem Segeltörn durch das Stettiner Haff, stand die erste Tour mit der Shadow über den Steinberger See auf dem Programm. Damit es nicht langweilig wird, gleich im Rahmen einer Regatta, der sogenannten Kaffeeregatta.

Meine erste Regatta seit 14 Jahren. Am Tag zuvor habe ich mir den Kopf zerbrochen, wo der Magnet- Chip für den Motorstart wohl sein könnte. Haus und Auto ergebnislos abgesucht. Schlussfolgerung: Der Chip muss irgendwo auf dem Boot sein. War er, in der Spüle.

Andere Clubkameraden nahmen die Regatta erheblich ernster als ich. Ich war schon zum Kuchenessen Teil 1 über gegangen. Von Mama als Mittagessen mitgegeben. Boote wurden ausgekrant, um den Rumpf zu schrubben. Der Algenbewuchs kostet einen oder zwei oder mehr Zehntelknoten. Wanten wurden nachgespannt. Segel ausgerollt oder schnelle Teflon (?)- Segel angeschlagen. Ich war eigentlich startbereit, nachdem ich die Persenning von Vorsegel und Großsegel abgenommen und verstaut hatte. Ließ mich aber vom Treiben anstecken. Schaute nach, ob alle Sicherungsringe der Wanten noch da sind. Haken dahinter. Setzte probehalber beide Segel um zu prüfen, ob sie sich gut ausrollen. Haken dahinter.

Die Regattaleiterin zeigte mir ausführlich anhand eines Flipcharts, wie ich um die Wendemarken und Start- und Ziellinie herumfahren muss. Später wurde der Kurs allen Teilnehmern kurz erklärt. Ein erfahrener Regatta- Segler erläuterte mir die Startsignale: 5-4-1-0- Regel. Bei jeder Minute gibt es ein Schallsignal. Bei 0 Minuten ist Start. Passend dazu werden Flaggensignale gezeigt: 5 Minuten bis zum Start (1 Flagge hoch) – 4 (2 Flaggen noch) – 1 (1 Flagge davon herunter) – 0 =Start (zweite Flagge herunter). Um die Flaggen zu sehen, hätte ich ein Fernglas gebraucht!

Es starteten 21 Boote. An der Startlinie herrschte ein Gedrängel und ich stellte mich mit der Shadow hinten an. Leider war in Lee der kleinen Insel Flaute und bis ich endlich über die Startlinie kam, waren die schnellsten bereits an der ersten Wendemarke. Die erste Wendemarke sollte man mit Am- Wind- Kurs erreichen können. Ich nicht, mit der Shadow als Kimmkieler und mit mir als Sonntagsseglerin. So musste ich vier lange Schläge kreuzen, bis ich an der Wendemarke 1 ankam. In den Böen schaffte ich es nicht, die Shadow auf Kurs zu halten. Luvgierig. Hätte doch Stephans Buch zum idealen Segeltrimm verinnerlichen sollen.

Shadow neigte sich einige, wenige Male so stark auf die Seite, dass beim ersten Mal Tablett und Kuchenteller wie ein Geschoss durch den Salon flogen und scheppernd auf dem Boden landeten. Vorsicht vor dem fliegenden Kuchenteller! Kurz darauf nahm die Shadow schöne Fahrt auf, als die Bö durchgezogen war und ich freute mich, dass sich der Abstand zum vorletzten des Feldes verringert.

Der Vorwindkurs bremste mich aus, weil das Großsegel das Vorsegel abdeckte. Schlauer wäre es vermutlich gewesen, mit Raumen Wind mehrmals zu halsen. Die schnellsten Teilnehmer überholten mich bereits und segelten die zweite Runde von zwei.

Frustriert dachte ich daran, aufzugeben. Nicht mein Stil.

Zurück im Hafen nahmen sich die Segler Zeit, ihre Boote auf zu klaren. Bis sie fertig waren, erreichten „kerstinundshadow“ endlich die Ziellinie.

Ich wurde Zweite- von hinten. Also 20. Platz von 21. (Nachtrag: Der 21. Platz war ohne Wertung, somit war ich Letzte. Ich habe für die dritte Runde dreimal solange gebraucht wie der Schnellste. Somit ist mein Vorsatz für die nächste Regatta im August, dass ich doppelt so lange fahre wie der Schnellste.)

Der Segelclub sponsorte für jeden Segler ein Stück leckeren Kuchen (Erdbeerkuchen oder Käsekuchen) und eine Tasse Kaffee. Die Erlebnisse auf der Regatta mit den Clubkameraden Revue passieren zu lassen, war für mich der beste Teil der Regatta. Ich bekam nett gemeinte Tipps zum Segeltrimm. Eine Seglerin gratulierte mir herzlich, dass ich allein das große Boot in das Ziel gebracht hatte, worüber ich mich sehr freute.

Von den vier Jugendlichen mit den Lasern (das sind Segelboote!) erreichten ein junger Mann den fünften Platz und eine junge Frau den zweiten Platz. Ein Glück, dass es motivierten und erfolgreichen Nachwuchs für den Club gibt!

 

 

Proviantliste für eine Woche Segeltörn

Wie Ihr bereits wisst, packe ich für Autoreisen in Modulen.
Außerdem habe ich eine sehr ausführliche Packliste veröffentlicht
Heute möchte ich auflisten, welche Vorräte ich für meinen Törn als Einhandseglerin mitgenommen habe. Das Transportmittel war eine Kühlbox aus Hartplastik ohne Kühlelemente. Ich konnte die Box zwischen den Salontischbeinen vis-a-vis der Pantry verkeilen. Die Box isolierte die Sachen gegen Sonnenstrahlung und schwüle Luft. Ich beschreibe nur, was ich als eine Person in einer Woche verbraucht habe. An Land aß ich einmal Fish and Chips, einmal Hering mit Bratkartoffeln, zwei Fischbrötchen, vier Eis und einmal Pierogi (Maultaschen mit Heidelbeeren).
Frühstück
20 Beutel Schwarzer Tee (1 Tasse, 2 für Kanne)
1 Packung haltbare Brioche- Brötchen
1 Nuspli Schokocreme (schnittfester als der Marktführer und für Schlaftrunkene nicht im Glas sondern im Plastikbecher)
5 Bananen
Snacks unter Segeln
1 Packung Zwieback mit Kokosraspeln
1 halbe Packung Eierplätzchen (Harte Kekse)
2 Packungen Vegetarische Gummibärchen
1 Glas Wiener Würstchen (4 davon)
1 Dose Artischockenherzen
1 Thermoskanne (für den Rest Schwarzen Tee vom Frühstück)
4 Äpfel
Getränke und Nudelwasser
12 Stille Wasser je 1,5 Liter (unter Salonbank gelagert. Sie haben nicht in die Kühltasche gepasst.)
1 Flasche Rotwein
(Bereits an Bord befand sich ein 30 Literkanister, der vor meinen Augen mit frischen Wasser aufgefüllt wurde.)
Warmes Abendessen
a) 1 kleine Dose Chili Sin Carne mit Tofu
mit 1 Reis (Packungsreste von daheim)
b) 1 Packung Nudeln (Reste von daheim)
mit 1 Glas Paprika- Ricotta- Pesto
1 frische Paprika dazu
c) 1 kleine Dose Kichererbsen- Gemüsetopf
mit 1 Glas Wiener Würstchen aus Geflügel (2 davon) aufgepimpt
d) 1 große Dose Tomatensuppe mit Nudeln und
1 halbe, frische Zucchini dazu
zu a+b) 1 Dose Meersalz in Mühle (läuft nicht aus wie feines Salz)
Tipp: Die Dosengerichte strecke ich mit etwas Wasser, weil die dünnwandigen Alutöpfe auf dem Spiritus- Kocher sehr heiß werden und die Sachen sonst am Topfboden festbrennen.
Zusätzlich nahm ich einen Korb „Küchen-/ Bad- Grundausstattung“ mit (für ganze kleine Schiffe ohne Spüle kann Frau die Sachen in einer kleinen Spülwanne mitbringen):
1 Rolle Küchenpapier
2 Mülltüten
1 Geschirrspülmittel
1 Schwamm
1 Geschirrabtrockentuch
1 Lappen
1 Rolle Klopapier
2 weitere Mülltüten
1 Handseife
1 Händehandtuch
Die Sachen habe ich zu Hause eingekauft und zugeteilt. Wenn man vor Ort im Supermarkt einkauft, hat man als Einhandsegler viel zu viel dabei (8 Klopapierrollen, 20 Mülltüten, 3 Schwämme, ein Kilo Nudeln oder ein Kilo Reis). Das kann man erst an Bord und dann von Bord mit nach Hause schleppen. Ich hatte noch zwei Wasserflaschen übrig, eine Packung Dosenbrot und eine Dose Chili con Carne. Den Großteil von Spülmittel und Handseife ebenso.
Daheim esse ich sehr selten Dosengerichte, doch für einen Segeltörn finde ich sie unglaublich praktisch. Nach der meist stundenlangen Fahrt unter Segeln fühle ich mich müde und will nicht stundenlang Gemüse schnippeln.
Wichtig ist, dass Ihr Sachen mitnehmt, die Euch persönlich schmecken und die keine Ekelgefühle hervorrufen (wichtig gegen Seekrankheit). An der frischen Luft bekommt man Heißhunger auf Speisen, die man daheim nicht mag. In meinem Fall: Wiener Würstchen und Artischocken.

Hafenrundfahrt, Castrum Torgelow und Ukranenland

An meinem letzten Reisetag lasse ich den Urlaub gemütlich ausklingen. Beim Edeka „Berndt“ sind die Waren liebevoll hindrapiert. Auch eine Bäckerei, ein Blumenladen und eine Postpaketstation sind integriert. Für Segler, die sich dort mit Proviant eindecken wollen: Der Laden befindet sich in der Belliner Str. 9 in Ueckermünde. Für Thorger finde ich Chuppa Chup Lollies als Mitbringsel und für Mama einen Ueckermünder Sekt, Sandornaufstrich und Schlehengelee als Geburtstagsgeschenk.
Nächster Halt: Castrum Torgelow. Ich darf mich einer Führung für Kindergartenkinder anschließen, die der Museumsguide lustig anführt. Mit Figuren aus einem Wachsfigurenkabinett wurden Mittelalter- Szenen nachgebaut und von Band wird der Text dazu erzählt. Für die Kinder und Junggebliebenen hat das Museum in den Szenen moderne Gegenstände eingebaut und die Kinder erraten vieles, was es im Mittelalter nicht so gab: Stethoskop, Feldstecher, Brille Fielmann usw. Kurzweilig gemacht.
Im Museumsdorf stört mich, dass Plastikplanen mit modernen Haken die Vordächer bilden. Das passt einfach nicht. Auch moderne Chucks hat jemand stehen lassen. Es werden moderne Zangen mit gummierten Griffen verwendet. Wie Disneyland für Mittelalter.  Die Kinder haben ihren Spaß und drehen maschinell ein Seil, punzen ein Lederarmband und flechten aus Wollfäden ein Lesezeichen. Trotzdem ist das Castrum Torgelow meiner Meinung nach nicht die 6 Euro Eintritt wert.
Ganz anders dagegen das Ukranenland. Das ist sein Geld wert. Anhand des Flyers und mithilfe dieser braunen Tourischilder finde ich den Parkplatz. Dort steht ein einsamer roter Kiosk und ein Wohnhaus. Durch den Wald schlängelt sich ein langer Pfad zum Museumsdorf. Wollte schon umdrehen, aber zwei Hamburger Touristen schließen sich Wanderung an.
Im Museum erzählt mir eine Museumsmitarbeiterin, ich vermute Historikerin, dass die Ukranen sehr kriegerisch waren. Darum ist das Dorf stark mit Holzpalisaden gesichert.
Helme trugen die Krieger damals. Mit spitzen Hauben und Kettengesichtsschutz. Dazu Brustpanzer aus Lederplatten. Das Erz hier war minderwertig und die beliebten
slawischen Töpferwaren und Schafe wurden exportiert und gegen Erz eingetauscht. Die Slawen waren Bauern, Viehzüchter, Töpfer und Händler. Von den drei Museumsschiffen liegt eines am Steg, das zweite ist in der Werft, das dritte im Castrum Torgelow,
wo ich es wohl übersehen habe. Mit den Ruderbooten mit Segelunterstützung befuhren die Slawen die Flüsse und Küstengewässer. Es waren also keine Kriegsschiffe wie
die der zeitgleichen Wikingerstämme. Ein Tempel nach Ausgrabungsfunden wurde nachgebaut. Lange Stelen mit Gesichtern. Heidnische Göttern, denen Tiere (Tierschädel
im Museum) oder wertvolle Brote vom Priester geopfert wurden. Nur der Priester durfte das Heiligtum betreten.
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Ab acht Besuchern hätten wir eine Bootstour mit dem nachgebauten Slawenboot auf der Uecker machen können und wären gerudert. Doch wie gesagt, sind das Hamburger Paar und ich die einzigen drei Museumsbesucher. Schade.
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Die Worte der Historikerin inspirieren mich zu meiner privaten Bootstour mit der Elise auf der Uecker. Wolfgang hatte mir geraten, zu üben, wie man über den Teller
dreht. Vorwärts- Auskuppeln- Rückwärts in Endlosschleife. Dabei Pinne unverändert hart steuerbord eingeschlagen. Elise und ich tuckern die Uecker hinauf- diesmal mit Absicht! Am Stadthafen vorbei erreichen wir die Kogge Ukra. Ein beeindruckendes Schiff. Auf derem großzügigen Wendeteller übe ich das Drehen auf dem Teller. Ich habe zu viel Vorwärtsfahrt, der Seitenwind drückt mich zurück in die Ausgangsposition. Mehr Gas geben, hilft nichts. Letztendlich lerne ich dazu, dass man beim Wenden nur mit Einkuppeln und Standgas am besten das Schiff umdreht.
Zurück im Hafen der Marina Lagunenstadt Ueckermünde lädt sich der Einhandsegler Markus (Name von mir geändert), den ich gestern beim Anlegen geholfen habe, auf ein
Glas Wasser zu mir an Bord ein. „Ich trinke keinen Alkohol. Nur stilles Wasser.“ Ja, ist auch vernünftiger. Ich trinke ein Glas Trollinger. Markus wartet auf seinen Kumpel, mit dem er heute abend nach Swinemünde segeln will. Er hat eine interessante Lebensgeschichte. Arbeitet Jazzpianist, IT- Ingenieur und ehremamtlich christlicher Unternehmensberater für Start-ups in Meck-Pomm. Wir plaudern ein Stündchen über Altwarper und Neuwarper Hafen und unser Leben. In der Region gibt es zu wenige Arbeitsstellen. Jedoch schaffen es viele junge Leute, sich als Handwerker erfolgreich selbstständig zu machen. Diesen Leuten hilft Markus. Ich finde es schön, wenn die Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren können.
Zum Abschluss ein paar Infos für Segler zur Marina Lagunenstadt Ueckermünde:
Die Anfahrt erfolgt durch den sehr schmalen Kanal der nachts nichts befeuert ist. Links und rechts der Kanaleinfahrt befinden sich Stellnetze, die nicht passierbar sind. Über die Ansteuerungstonne UE und die Fahrrinne ist die Einfahrt bei Tag einfach.
Das Hafenbecken ist auf drei Seiten von Apartmenthäusern umgeben und auf der vierten Seite von einer Baumallee, einem hüfthohen Damm und darauf parkenden Autos. Somit bieten die örtlichen Gegebenheiten eine sehr guten Windschutz beim Anlegen und Ablegen. Dafür wird der Segler eine Attraktion für die Feriengäste in den Wohnungen.
Duschen und WCs an jeder Stegmitte vorhanden. Tipp: Die Toiletten und Duschen beim Hafenmeister sind tagsüber ohne Karte offen, wenn das Hafenmeisterpaar in der Nähe arbeitet.
Dusche kostet ein Zwei- Euro- Stück für sechs Minuten Wasser. Der Hafenmeister war im Juni von 16:30 – 19:00 Uhr anzutreffen und betreibt das Sonnendeck „Skippermesse“, auf dem kühle Getränke für durstige Segler serviert werden.
Der wunderschöne Badestrand mit dem edlen Restaurant „Strandhalle“ und dem Geheimtipp- Kiosk „Nordlicht“ können in fünf Gehminuten erreicht werden.
Einziges Manko waren die mangelnden Versorgungsmöglichkeiten. Die Supermärkte im Ueckermünde Stadtgebiet sind 25 Minuten einfache Strecke zu Fuß entfernt. Taxi- Unternehmen sind mit Handynummer auf der Tafel an der Autoschranke aufgelistet.
Insgesamt eine gepflegte und saubere Anlage, die ich empfehlen kann.
Morgen geht es nach Hause. Nächstes Jahr hoffentlich in das Achterwasser des Stettiner Haffs zur Insel Usedom!

Gegenan knüppeln

Entweder zu viel Wind, gar kein Wind oder Wind von vorne. Welcher Segler kennt das nicht? Ich traue der App Windfinder, dass zirka 8 Knoten Wind vorherrschen und lege bei fast Windstille um 8 Uhr ab. In der Landabdeckung geht der Wind noch. Jedoch sehe ich auf dem Haff draußen schon Schaumkronen auf den Wellen. Von wegen 8 Knoten Wind!
Nach der Landabdeckung verlangsamt sich die Fahrt der Elise von selbst von drei Knoten auf zwei Knoten. Der Gegenwind kostet uns 33% der Geschwindigkeit!
Schlieren aus Schaum liegen auf dem Wasser und einige Wellen brechen sich leicht. Die etwas höheren Brecher kommen meist als Dreiergruppe daher und ich falle ab (drehe von der Welle weg), um den Motor zu schonen. Die Schraube dreht kein einziges Mal hohl. Er überhitzt sonst ohne Seewasserkühlung nämlich, daher passe ich gut auf.
Nun heißt es „Gegenan knüppeln“, wie der Segler sagt. Unter Maschine krache ich schräg gegen die Wellen an, dass das Haffwasser links und rechts auf das Deck spritzt. Ich schaue auf die Navionics App. Zehn Minuten ziehen sich dahin wie eine ganze Stunde!
Bei dem bewölkten Himmel habe ich Schwierigkeiten, die Fahrwassertonnen zu erspähen. Selbst mit Fernglas! Was sind das für seltsame, blutrote Tonnen, die unten schmal und oben breit sind? Ähem. Es handelt sich nicht um Tonnen, sondern um
zwei Traditionssegler mit blutroter Gaffeltakelung (oben breit, unten schmal), die Elise auf Parallelkurs entgegen kommen. Der Wind hat wie vorhergesagt um 11 Uhr nachgelassen und ich habe die Muße, die beiden Segler mit dem Handy zu filmen. Selbst setze ich probehalber das Vorsegel. Jedoch sinkt die Geschwindigkeit unter Segeln auf 0,4 Knoten. Unter 1 Knoten (=2 Stundenkilometer) ist selbst mir geduldiger Binnenseglerin zu lahm.
Die Flaute passt jedoch perfekt für mein Anlegemanöver im Heimathafen Ueckermünde. An der Ansteuerungstonne stoppe ich Elise im tiefen Wasser auf und lasse sie treiben.
Derweilen packe ich den Bootshaken aus und messe die beiden Heckleinen in der richtigen Länge ab: Länge bis zur zweiten Relingsstütze von hinten. Eine weitere
Leine lege ich als Vorleine parat. Ich stelle fest, dass Elise vorwärts eingekuppelt immerhin noch 1,7 Knoten fährt. Viel zu schnell zum Anlegen.
Ich lasse einen dicken Zweimaster in den Ueckerkanal an Elise vorbei und auch ein Fischerboot. Der Zweimaster macht mir den Weg frei. Er hupt mehrfach, weil er ein bisschen dick für den Kanal ist und kein Schiff aus der Gegenrichtung passieren kann und darf. Auf dem Foto der Kanal von Land aus gesehen.
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Vor der Hafeneinfahrt warte ich, ob die Gorch Fock wieder rauskommt. Nö. Also abgebogen und Motor ausgekuppelt. Mit einem einzigen Gasschub treibt Elise bis zu
ihrer Box. Ich erwische beide Dalben auf Anhieb, kann eine Heckleine von Hand, die andere mit dem Bootshaken problemlos festmachen. Zur Feier schenke ich mir
ein Glas Trollinger ein, den ich für besondere Anlässe eingepackt hatte. Ein gelungenes Einhand- Anlegemanöver ist für mich Grund genug zum Feiern!
Der restliche sommerlich heiße Nachmittag sollte am Strand verbracht werden. Endlich schwimmen!
Doch der Vercharterer legt an und ruft quer über das Hafenbecken :“ Können wir kurz telefonieren?“ Wozu ein Telefon  wenn der Gesprächspartner gegenüber steht? Ich laufe zu Wolfgangs Schiff hinüber. Bei einem kühlen Limo wird die Rückgabe der Elise klar gemacht. Später inspiziert Wolfgang den Rumpf und ich zeige ihm die Stelle am Bug, die etwas Schwarz aus Altwarp abbekommen hat. „Das ist ja gar nix. Da brauche ich nichts zu tun.“ , sind wir uns über den kleinen Farbstrich einig. Ich hatte die Elise auf sofort von Hand von der Hafenmauer weggeschubst.
Später aale ich mich in den angenehm warmen Fluten im flachen Wasser am Ueckermünder Strand.
Den Törn schließe ich zum Sonnenuntergang auf der Terrasse der schicken Strandhalle ab. Es war eine super Segelreise!

Gefangen im Hafenklo

Die freundliche Camperin mit heimischen Neumarkter Kennzeichen begrüßt mich morgens: „Wie geht es Ihnen?“ „Danke. Gut. Und Ihnen?“ „Uns geht es gut. Aber wir haben uns ja SOLCHE SORGEN um Sie gemacht, als Sie im Gewitter ganz alleine auf dem Boot waren. Und wie verrückt das Boot geschaukelt hat!“ „Ich dachte auch, es versucht, wie ein Rodeopferd mich abzuwerfen. Ich bin aufgestanden und habe den Blitzen zugeschaut.“ Tatsächlich hatte ich letzte Nacht, keine Lust im Schlafanzug durch Hagelschauer und Blitze zu den Toiletten zu laufen.
Für diesen Abend ist das nächste Unwetter vorhergesagt. Unwetterwarnung für Ueckermünde: „Starkregen. Sturmböen bis 12 Beaufort möglich.“
Na, prima. Gegen 20:30 Uhr zieht die geschlossene Gewitterfront herbei. In einem Wahnsinnstempo, das Ungutes verheißt. Die tiefhängenden Wolken zerfasern, als ob Finger nach den Booten greifen wollen. Die Leinen gehen auf Spannung, ächzen und krachen. So überprüfe ich nochmals den Sitz aller Festmacherleinen und hole die Gewitterfrontseite etwas dichter. Danach sperre ich das Boot ab und flüchte in die Toilette. Warm und sicher sitze ich auf dem Duschhocker vor der Waschmaschine und lese. Zum zweiten Mal „Das Muschelhaus am Deich“ von Tanja Janz.

Der Regen lässt schnell nach. Die Gewitterböen höre ich weiterhin durch die geschlossenen Türen und Fenster des Containerbaus heulen. Zweimal wird ein Prüfungsblick nach draußen geworfen und wieder der Hocker bezogen.
Der Sturm hält mich sozusagen im Hafenklo gefangen.
Nach drei Stunden Gefangenschaft werde ich in die Freiheit entlassen. Vollkommen übermüdet schlafe ich wie ein Stein die restliche Nacht durch. Verschlafe die zweite Front, die durchzieht.
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Der frühe Vogel fängt den Mistkäfer

Wandere nach dem sehr frühen Frühstück zu den Binnendünen von Altwarp. Eine kleine Sensation, nur an der Elbe gibt es Binnendünen von diesem Ausmaß. Ich lese an der Infotafel, dass die besondere Tierwelt Große Waldameisen und Mistkäfer sind. Kurz darauf versuche ich, einen blau schillernden Mistkäfer mit der Kameralinse einzufangen. Er krabbelt aber so fix durch das silbrige Dünengras, dass ein scharfes Bild ohne Stativ nicht gelingen will.
Durch weichen Sand erklimme ich die Bilderbuch- Düne am Waldrand. Oben versinkt die Aussichtbank im Sand. Der sandige Wanderweg schlängelt sich durch den Wald, dessen Kiefern auf weiteren unzähligen Sanddünen gedeihen. Die Motorsense aus dem Ort ist eine gute Weile zu hören. Da taucht ein Ehrendenkmal und ein Gräberfeld aus lauter weißen Gräbern mit Sternen auf dem sonst leeren Grabstein auf. Es ist der etwas vernachlässigte sowjetische Soldatenfriedhof.
Weiter geht es auf einem Waldweg aus Kopfsteinpflaster. Der Weihnachtsmann überholt mich in einem Passat laut ratternd, hält einige Meter vor mir am Straßenrand und kriecht auf allen Vieren durch das Unterholz. Überlege, ob ich umdrehen soll, entscheide mich dagegen und grüße den Typen mit weißen Rauschebart freundlich neutral.
Er antwortet: „Haben Sie Pfifferlinge gesehen? Es herrscht genau das richtige Pilzwetter. Ich fahre hierher, um nachzuschauen, ob die Pilze schon da sind. Leider ist nichts zu sehen.“
Ich frage nach dem Weg in das Wacholdertal. Ich bin auf dem richtigen Wanderpfad unterwegs. An der nächsten Kreuzung liegt ein umgefallenes Schild. Ich richte es auf, um zu sehen, wohin die Wegweiser zeigen. Aha, rechts abbiegen und noch 1,5 km bis zum Wacholdertal. Im Wacholdertal hoppelt mir ein Feldhase vor die Fotolinse. Das Tal besteht aus Trockenwiesen und sehr vielen Wacholderbüschen. Sogar die ersten blauen Beeren hängen an den Büschen. Viel Faszinierender als das Tal finde ich den Hinweg durch den Wald. Die Natur macht vor dem Waldrand nicht halt und zwischen die Kiefern wachsen Wacholderbüsche ohne Ende. Weder einen Wald noch ein Tal mit Wacholder habe ich bisher gesehen. Nur Vogelzwitschern, sonst keine Geräusche im Tal.
Im Hafen erwische ich den historischen Kutter „Lütt Matten“, der die Touristen in den polnischen Nachbarort „Nowe Warpno“ schippert. Die Überfahrt dauert zehn Minuten.
Nowe Warpno hat sich herausgeputzt. Vom modernen Aussichtsturm (wie das Ei vom Waldwipfelweg in Freyung- Grafenau in klein) reicht die Aussicht bis zur Einfahrt zur Kaiserfahrt.
Rund um den Ort schlängelt sich eine nagelneue, grau beplankte Strandpromenade. Zwei Männer mähen das Gras am Damm und den Rampen. Ein Trupp von drei Frauen recht das Schnittgut auf Haufen zusammen. Alles barrierefrei. Entlang der Promenade erzählen Schilder die Leistungen berühmter Seefahrer von James Cook bis Joshua Slocum, leider auf Polnisch. Neben dem schlossartigen Rathaus mit Türmchen und schwarzen Fachwerk finde ich eine Poststation,  wo ich endlich meine Postkarten aus Swinemünde aufgeben kann.
Die Zeiten der Butterfahrten sind vorbei. Zwei Tante Emma Läden mit einer Verkäuferin mit weißer Schürze hinter der Theke scheinen die besten Zeiten hinter sich zu haben.
Auf Blumenerdesäcken stapelt sich frischer Blumenkohl und Kinderspielzeug. Ein anderer Touri beschwert sich später auf dem Kutter beim Kapitän, dass es keine
Zigarettenstangen mehr gäbe.
Im einzig geöffneten Cafe des Ortes werden frische Pierogi mit Heidelbeeren für mich zubereitet. Darauf kommt eine Art Vanillejoghurt, der mich aber eher an Creme Fraiche erinnert. Fettig wie die englische Clotted Cream. Es werden pro Person genau 10 Pierogi serviert, die laut der Kellnerin zusammen 200 Gramm wiegen. Optisch erinnern sie mich an Ravioli, sind auch im Wasserbad erhitzt. Sehr lecker und kein Fast Food, sodass ich nur mit einem Sprint die Abfahrt des Kutters um 12:30 Uhr erwische.
Unter Deck der Elise könnte man Eier direkt auf der Tischplatte braten. Ich setze mich auf eine schattige Bank am Fischereihafen und halte Schwätzchen mit vorbeikommenden Touristen und Seglern. Die Seglerin Marina hatte ich im Büro der Hafenmeisterin kennengelernt. Ihr Freund Hendrik will ‚mal schnell den Müll wegbringen und quatscht sich fast eine Stunde bei mir fest. Marina winkt mir vom Boot aus zu. Wir reden über unsere Törns in Dänemark und auf Rügen. Das Seglerpaar verleiht gerne ihr hübsches rotes Folkeboot namens Lille Vind an segelnde Paare oder Dreiercrews (nicht mehr nach Einhandsegler nach schlechten Erfahrungen): Hendriks und Marinas Homepage
Der echte Fischereihafen hat seinen speziellen Charme. Schreddelig- schön, hat mal ein anderer Autor formuliert. Ich bleibe eine weitere Nacht hier.