Improvisierte Werft am Strand

Wie es auf den Regatten zugeht! Der Hammer! Ein Segler 1 hat mit dem Bug einen anderen Segler 2 am Heck gerammt und dessen Motor versenkt. Beinahe zumindest. Motor schleifte an Sicherungsseil im Wasser dem Boot 2 hinterher. Der Segler 1 hat ein Loch in Größe eines Golfballs im Rumpf.

Eigentlich hätten Thorger und ich nichts davon mitbekommen. Als wir ankamen, fand gerade die Siegerehrung statt. Wir hörten in der Ferne Applaus und saßen nach einem Umkleidestopp an Bord der Shadow am Strand des Segelvereins im lauwarm- kalten Wasser. Die Küken der Kanadagänse sind auf Hühnergrösse gewachsen. Thorger verscheuchte mit „Tschuk- tschuk“ zwei Gänsefamilien von der Landzunge.

Der Segler 1 kam vorbei und fragte, ob es uns stört, wenn er mit seinem Boot am Strand anlandet. Nennt sich „beachen“. Ich erklärte Thorger, dass gleich wie bei der Landung in der Normandie ein Boot an den Strand kommt. Er war etwas enttäuscht als statt Soldaten nur ein Segler in Shorts heraussprang.

Zwei weitere Vereinskameraden halfen bei der Reparatur. Einer schliff das Loch mit einer Art Dremel glatt, die anderen beiden hielten die Kabel aus dem Wasser. Ein Stück „Styropor“, genaugenommen Bootsbau- Schaumstoff wurde in Form geschnitten und mit Epoxidharz in das Loch geklebt. Dann eine Art Kleister aus verdickten Epoxidharz angerührt und kräftig darüber gespachtelt. Morgen wird abgeschliffen. „Wie in der Südsee. Schiff reparieren am Strand“, meinte Segler 1.

Thorger freute sich jedenfalls über den Schatten des Schiffsrumpfes und tauchte einen Stein mit Gold hoch (kurioserweise mit gelber Farbe angemalt).Ich amüsierte mich beim ungewohnten Unterhaltungsprogramm am Strand. Thorger blickte dem reparierten Boot hinterher und wurde philosophisch: “ Die Zeit löst alle Probleme.“

Der Spruch des Tages!

Entspannt Segeln

Nach der Arbeit drehten Shadow und ich eine kleine Runde über den Steinberger See.

Tipp an Segelanfänger: Legt eine sinnvolle Reihenfolge fest, um das Schiff segelbereit zu machen. Beim Verlassen des Schiffes dann die Tätigkeiten in umgekehrter Reihenfolge abzuspulen, hat sich bewährt.

Auf der Shadow gehe ich wie folgt vor. (In Klammern schreibe ich, was auf der Shadow schief gelaufen ist.)

  1. Schott aufschließen und in Backskiste verstauen. (Dann zerbricht es nicht wieder, weil es bei Seegang umkippt.)
  2. Motorakku anschließen und Vorwärts- und Rückwärtsfahrt ausprobieren. Bei Benzinern Tank voll machen. (Ohne Rückwärtsfahrt komme ich nicht aus dem Hafen. Dann kann ich mir das Auspacken der Segel auch schenken.)
  3. Handtasche im Schrank der Heckkabine verstauen. (Somit fällt sie nicht vom Tisch und das Handydisplay zerbricht. Mein Sohn stolpert nicht über den Henkel.)
  4. Drei Persenninge vom Heck zum Bug hin abnehmen: 1. Pinne 2. Großsegel 3. Vorsegel. (Die Persenning vom Großsegel ist ansonsten dem Spifall für die Vorsegel- Persenning im Weg.)
  5. Gummistropps vom Großsegel abmachen und griffbereit am Handlauf aufhängen. (Sonst rutscht man darauf aus oder sie fallen über Bord.)
  6. Bootshaken bereitlegen. (Der dient mir als Ab- und Anlegehilfe. Wenn das Heck des Stegnachbarns zu nahe kommt, ist es meist zu spät dafür in der Backskiste nach dem Bootshaken zu kramen.)
  7. Vorspring lösen. (Die Shadow driftet sachte in den Stegfender hinein. Sonst passiert nichts.)
  8. Je nach Windverhältnissen erst Achterleine dann zwei Vorleinen auf den Steg werfen. Oder umgekehrt. Die Leinen müssen so auf dem Steg liegen, dass die vorgespleisten Augen über der Kante hängen. So kann ich sie beim Anlegen sofort mit dem Bootshaken schnappen. (Auf dem Steg liegende Leinen lassen sich schwierig mit dem Bootshaken aufheben. Das Schiff treibt unkontrolliert in der Box herum oder vom Steg weg.)

Nach zehn Minuten ist die Shadow segelfertig und fährt aus dem Hafen. Zuerst die Segel gesetzt. Danach motor- segelten wir am Steg 1 vorbei, um liebe Segelkameraden zu begrüßen. Ich erklärte mein aktuelles Problem mit dem Spifall. Es wickelt sich um die Rollfock, wenn ich es wie gewohnt am Bugkorb statt am Mastfuss festmache. Im Vorbeifahren fanden wir keine Lösung. Die Trimaransegler hatten auf ihrer ersten Ausfahrt wie ich ein paar kleinere Probleme mit Schoten und Fallen, die verwurschelt sind. Überall das Gleiche!

Am Strand „Südufer“ kräuselt sich das Wasser und ich motore hin. Der Wind schläft ein und ich will schon zurück zum Hafen. Da drücken Böen die Wasseroberfläche platt. Planänderung. Mit einer Wende geht es zurück auf dem See. Ich ramme beinahe die „Seahorse“. Hatte vor der Wende nicht geschaut, ob Platz ist. Denn ich hatte mit überhaupt keinem anderen Boot gerechnet. In den Böen war die „Seahorse“ herbei galoppiert.

Die nächste Flaute nutze ich dazu, die Segel zu bergen und schnell anzulegen. Ein entspannter Törn!

Der Sinn des Segelns

Mein Sohn hat den Sinn des Segelns längst durchschaut. Den anstrengenden, sportlichen Teil lässt man am besten ausfallen.

Denn es geht beim Segeln eigentlich darum:

  • An den besten Sandstränden der Welt zu baden
  • Gemütlich auf dem Boot zu sitzen und zu naschen und
  • Im Restaurant das leckerste Essen zu bestellen

Das haben wir alles nach Kindergeschmack erledigt. Den Steinberger Sandstrand mussten wir erst wiederherstellen, das heißt vom Blütenstaub befreien. Habe ich unter Einsatz meiner Fußsohle geschafft: Barfuß in eine Dornenranke getreten.

Mein Segelkamerad, mit dem ich gestern versehentlich den Häcksler in Brand gesteckt habe, taucht zum Maststellen auf: „Bist Du auch zum Nachsitzen gekommen? Gleich kommt der neue Häcksler! Das sieht aber nach Badekleidung und nicht nach Arbeitshose aus.“ Natürlich muss man im Segelclub nicht nachsitzen, höchstens die Stegplanken als Strafarbeit schrubben. Seine Frau erzählt mir, dass ihre Tochter selbst mit 28 Jahren gerne zum Familienboot und zu Törns in Kroatien mitkommt. Ich mutmaßte, ob Thorger wohl noch zum Steinberger See möchte, wenn er älter wird.

Im flachen Uferbereich wachsen Türme aus Algen mit gelben Turmspitzen aus Blütenstaub. Thorger bekommt vom kalten Wasser Gänsehaut und kündigt den letzten Programmpunkt an: „Zum Mc Donaxx’s!“ Vorher sitzen wir im Cockpit, lassen uns die Sonne auf den Rücken scheinen, waschen die Badeschlappen in der Pütz und ich zaubere eine Packung salzige Cracker zum Naschen aus der Kombüse hervor. Thorger legt sich im Salon auf die Bank und döst vor sich hin. Ich bringe den unbenutzten Motorakku auf dem Steg und glotze auf den See. So lässt es sich aushalten.

Beim McDoe bestellt Thorger am kinderfreundlichen Terminal mit Bildern sein Lieblingsmenü: Cheeseburger, kleine Pommes und Sahneeis mit Schokosoße. Derweilen wasche ich den brackigen Seewasser- Geruch von meinen Fingern und muss nur die Anzahl seiner Bestellung von einmal auf zweimal erhöhen. So einfach.

Ein sommerlicher Tag im Paradies ist vergangen.

Maschine in Brand! Wasser Marsch!

Lucy (Name geändert) und ich hatten beide fest damit gerechnet, die Fensterfronten schrubben zu müssen. Ohne vorige Absprache hatten wir beide Fenster- Putzmittel, Wischer und Lappen zum zweiten Arbeitseinsatz der Saison im Segelclub mitgebracht.


Doch Überraschung: Äste schleppen statt Fensterputzen war angesagt. Nahe der Slipanlage sollen neue Land- Liegeplätze entstehen und Bäume wurden gefällt. Die Baumstämme wurden entsorgt. Jedoch lagen Tonnen von Ästen herum. Der reinste Wall aus Kiefernästen.


Mit dem Bus wurde ein gemieteter Häcksler herbeigefahren und ein Mann zur Bedienung abkommandiert. Der große Häcksler sollte eine Astdicke von 12 Zentimeter bewältigen können. Haha. Lucy, Mica (Name geändert) und ich schleiften bergeweise Äste herbei. Ich musste schnell umschlichten, weil heute die Segelkameraden der anderen Häfen zum Kranen anrückten. Die Yachten konnten nicht den Ästeberg erklimmen, der die Zufahrt zum Kran blockierte. Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht, Lucy schon.


Alsbald qualmte weißer Rauch aus dem seitlichen Fach des Häckslers. Papst neu gewählt? Nope. Einer der beiden Keilriemen war gerissen. Die frischen, harzigen Kiefernadeln steckten wie Mulch in den Schneideblättern fest und entfachten ein Feuerchen. Flammen züngelten im Häcksler. Die Maschine brennt! Wasser Marsch! Von den Booten am Kran zwei Eimer ausgeliehen und gelöscht. Lucy und Mica handelten gekonnt wie eine Betriebsfeuerwehr. Ich war wie gebannt vom Anblick des Feuers und keine Hilfe. Mit Häckseln war jedenfalls Schluss für heute. Wir stapelten stattdessen die Äste vom Ufer weiter weg an der Kette auf.

Die Uhrzeit 9:30 Uhr erlöste mich von dem anstrengenden Job. Ich bereitete Kaffee zu und verteilte die dreißig Brotzeitsemmeln- genau die richtige Menge für 15 Erwachsene! – auf zwei Serviertabletts. Das frische Kaffeepulver hatte ich selbstverständlich verwendet. Trotzdem wies mich die Clubchefin an, die erste Kanne in den Ausguss zu schütten. Im Kaffeeautomat blieb über den Winter ein alter Wasserrest in Tank und Leitungen stehen und könnte den Kaffee verunreinigen. Das Wegschütten brachte mich aus dem Konzept. Die zweite Kanne fehlte noch. Der Kaffeefilter kippte um und die Maschine produzierte blubbernd weiteren Kaffee, der über die Arbeitsplatte floss. Selbst Ausschalten half nicht, denn das Wasser aus dem Filter lief dank Schwerkraft weiter. Wenigstens keinen weiteren Brand ausgelöst! Die Fluten wischte ich auf und startete die Kaffeezubereitung von vorne.


Morgens um halb sechs hatte ich zwei Blech Blätterteig- Nuss- Stangerl frisch gebacken. Ein Blech verteilte ich in der Zehn-Uhr- Pause als Nachtisch an die Segelkameraden, das andere Blech verputzen „meine“ Männer daheim. Den übrigen Kaffee verschenkte ich an Besucher und unseren „Krandienst“. Zum Glück ist der Geschirrspüler repariert, der die Kaffeetassen und Kuchenteller in 15 Minuten für mich reinigte.


Die zweite Hälfte des Arbeitseinsatzes widmete ich mich morschen Holz. Die ausrangierten Fichtenbretter vom Steg 2 lagen herum. Zusammen mit Wönke (Name geändert) das Altholz zum Brennholzsammelplatz getragen. Wie zwei Dachdecker schulterten wir zwei Vier- Meter- Holzlatten und schlichteten sie ordentlich am Holzlager auf. Dabei tauschten wir jegliche Infos zu Job, Familie, Booten und Segelhistorie aus. Gingen sogar mir die Themen aus! Zu zweit schrumpfte der Müllberg in Rekordzeit.


Zum Abschluss schabte ich das Moos aus den Fugen des Hafensteges. Mit einem Schraubenzieher aus der Clubwerkstatt. Gewusst wie. Die Planken schrubbte ich sehr oberflächlich mit einer Wurzelbürste. Später erzählte mir Lucy, dass sie das schon vor der Pause erledigt hatte. Darum waren sie verdächtig sauber.


Der Club glänzt und die Saison kann beginnen!

Hilfe, ein Pirat!

Das rostrote Ruderboot rudert immer schneller und holt auf. Meine Shadow wird immer langsamer. Ich lege den Bootshaken griffbereit, um Eindringlinge abzuwehren.

Hilfe! Der Pirat holt mich kurz vor dem Hafen ein. Uff! Ist gar kein enternder Pirat. Aber ein gruseliger Typ, bekleidet mit einer weißen Ripp- Unterhose und sonst nichts. „Was machen Sie da? Ich habe keine Ahnung vom Segeln!“ „Ich hole die Segel ein.“ „Sie setzen die Segel?“ „Nein, ich bin schon fast am Hafen.“ „Wo denn?“ „Na da!“ „Ist das Ihr Segelboot?“ „Ja.“ „Ein sehr schönes Boot.“ „Danke!“

Das Ruderboot versperrt mir den Weg zum Aufschießer nach Luv. So drehe ich in Lee einen Kreis und hole das flatternde Großsegel ein. Ich schwitze in meiner langen Segel- Latzhose. Doch im Gegensatz zum Ruderer kam für mich ein Törn in Unterhose nicht in Frage.

Jedenfalls heute eine kurzweilige Runde über den Steinberger See. Beim Segeln erlebe ich immer etwas Neues: Heute, dass mich ein Ruderboot einholt.

Das Goldene Horn vom Steini

Viele Kroatienfans und Segler kennen das Goldene Horn/ Zlatni Rat auf der Insel Brac.

Der Steinberger See hat heute den berühmten Sandstrand nachgeahmt. Der braune Sand am Segelclub und die Wasseroberfläche sind mit einer geschlossenen Decke aus gold- gelben Blütenstaub zugedeckt. Thorger findet das super und setzt sich mittenrein. Mit seiner Wasserpistole schießt er auf ein weißes Sportflugzeug und ruft: „Ich bin James Bond!“

Vorher hatte ich ihn gefragt, ob er Boot fahren möchte. Mit sorgenvoller Miene zeigte er auf die riesige, graue Wolke an Himmel: „Gewitter!“ Tja, da hat er recht.

Wenn wir zwei Engel reisen, lacht der Himmel. Die Gewitterwolke kneift die Po- Backen zusammen. Wir verbringen eine ungestörte Stunde am Strand. Später beobachten wir vom Cockpit aus die Kanada- Wildgänse bei der Balz mit lauten Tröten, Wassergeschlabbere und gestreckten Hälsen. Thorger begeistert sich für die Gänsefamilie mit kleinen, flauschigen Küken. Vier putzige Federkugeln tapsen an der Uferböschung herum. Thorger läuft von Bord weg, um sie näher zu sehen und beim Grasen zu beobachten. Er schimpft mit sich selbst „Stopp!“ und schaut, ob ich hinterherkomme.

Als wir den McDoe nach dem obligatorischen Eis mit Schokosauce verlassen, öffnet der Himmel seine Schleusen. Thorger hechtet sich ins Auto: „Puh, das war knapp.“ Auf der Autobahn geht es mit 60 Stundenkilometer voran. Lastwagen überholen uns lahme Autofahrer. Daheim angekommen holt uns die Regenfront ein und es schüttet wie aus Eimern, nachdem wir im trockenen Wohnzimmer sitzen.

Ein regnerischer Mai!

Das Steinberger Zlatni Rat

Mit Batman am Steinberger See

Hole meinen Sohn von der Ferienbetreuung in der Schule ab statt daheim auf den Schulbus- Service zu warten. Er trägt heute sein Lieblings- T- Shirt mit Batman- Motiv. Batman und Mutti nutzen also die vor- sommerlichen Temperaturen von über 20 Grad Celsius, die Badesaison am Steinberger See zu eröffnen. Laut Wildwakeski beträgt die Wassertemperatur aktuell 11,1 Grad Celsius.

Ich wate mit den Füßen durch das knöcheltiefe Wasser, die sofort rot anlaufen. Thorger setzt sich ohne Zögern in das Wasser. Er kommentiert: „Mr. Freeze (Bösewicht aus Lego The Batman- Movie) hat das Wasser eingefroren.“ Treffend beschrieben. Dafür sind die Sandkörner so fein wie der Bösewicht „Sandman“ aus Spiderman, findet der Sohnemann.

Thorger setzt die Schwimmbrille auf und macht einen Sprung in das Wasser. Mit Kopf unter Wasser! Sekunden später steht er am Ufer und ich trockne den tapferen Schwimmer ab. In der Sonne in Shadows Cockpit warten salzige Craker und eine lauwarme Apfelschorle. Abgetrocknet lässt es sich aushalten.

Zum Abschluss des Tages erspäht Thorger, dass sich der Bösewicht „Riddler“ (=Rätselsteller) bei McDoe eingeschlichen hat. Auf dem Kassendisplay leuchtet ein weißes Fragezeichen auf grünen Grund. Das Symbol für den Riddler.

Fazit: Wie ein Ausflug in einen Batman- Film heute!

Übungstörn

Am vierten der vier kinderfreien Urlaubstage strahlt weiterhin die Sonne vom Himmel und ich drehe eine kurze Runde über den Steinberger See. Wäre zu blöd, bei dem Wetter daheim Fenster zu putzen oder so.

Eigentlich hatte ich mit Flaute gerechnet und wollte im leeren Hafen längsseits und rückwärts Anlegen unter Motor üben. Der Wind bläst mit 2 Beaufort und ich übe stattdessen Wenden und Halsen.

Weit entferne ich mich dazu nicht vom Steg. Die Wenden gelingen mir. Die Shadow bleibt nicht stehen und die Vorschoten laufen problemlos über das Deck. Die alten, schweren Schoten blieben an der Luke hängen. Ach, ist das langweilig!

Die Halse klappt nicht wie geplant. Der Wind ist zu schwach, das Segel raumschots aufzudrücken. Egal. Übe ich eben Schmetterlingssegeln. Ein Segel backbord, ein Segel steuerbord. Dazu ist der schwache Wind genau richtig. Denn ich kann den überschlagenden Großbaum von Hand bremsen, falls ich ungenau steuere. Ist zwei Mal der Fall.

Mal wieder ist eine Stunde auf dem Wasser verflogen und ich habe meine Energiereserven auftanken können!

Vorschot killt, ähhhh gekillt?

Probiere heute ausführlich die neuen Vorschoten aus. Ich habe dünnere Schoten gekauft, deren Baumwollgewebe angenehm weich in der Hand liegt.

Erstes Problem auf dem heutigen Einhandtörn: Das Spifall wickelt sich beim Abrollen um das Vorstag und blockiert den Vorgang. Lösung: Am Mastfuss statt am Bugkorb befestigen.

Kaum das Vorsegel voll gesetzt, schießt die Shadow wie eine Rakete beim Eintritt in die Erdatmosphäre zwischen der Großen Insel und dem Campingplatz durch. Auch noch auf Schmetterlingskurs. Da habe ich gar keine Ruhe, die Fender einzuholen, die nur so über das Wasser springen. Hinter der Insel halse ich und schon geschieht das Missgeschick: Die Vorschot killt (=flattert im Wind) und verhakt sich im Bootshakenhalter aus rostfreien Edelstahl. Wie scharfkantig das Ding ist! Und es ist richtig Druck im Segel. Fast hätte ich die nagelneue Vorschot gekillt. Das Bootshakenmonster lässt sich die Oberwant (=Stahlseil vom Mast zum Deck) hochschieben. Ich bändsle es zur Strafe mit einem Gummistropp am oberen Teil der Bootshakenhalterung fest. Bleiben eben zwei von drei Gummistropps zum Auftuchen des Großsegel übrig.

Auftuchen? Soweit es es lange noch nicht. Hinter der dem Inselkap gehe ich auf Am- Wind- Kurs. Das Wasser spritzt hoch an Deck. Leider bleiben die Tannennadeln weiter liegen. Zu wenig Wasser und Wind, um das Deck überspülen zu lassen. Jede Menge Wasser an Deck habe ich anderswo erlebt: Einmal in der Meerenge neben der dänischen Insel Langeland. Die Küstenwache koordinierte meine Rettung. Und einmal in der Straße von Gibraltar. Mann, war ich damals seekrank!

Titel des Links: Wasser an Deck bei Langeland
Titel des Links: Wasser an Deck bei Gibraltar

Heute fühle ich mich super und kreuze munter zum Hafen zurück. Bis der Wind eine Atempause macht, ich flugs die Segel einhole und die Shadow ohne Stegrammler in der Box aufstoppe.

Am Ostermontag will mein Sohn die Badesaison eröffnen. Bin dabei. Als Zuschauer!

Like ice in the sunshine

Als ich morgens auf der Shadow ankomme, ist das Deckshaus von dicken Eiskristallen überzogen. Also „parke“ ich die Shadow in die Sonne um. Ab zum sonnigen Kran. Erstaunlich: Der autofahrtwarme Akku funktioniert trotz Kälte einwandfrei.

Passend zu den eisigen Temperaturen ist der Wasserhahn am Kran außer Betrieb. Klasse, bleibt mir das Deckschrubben erspart. Das Frischwasser für das Chemie- WC hole ich in Kanistern aus der Seglerheim- Küche. Am Clubheim werkeln drei fleißige Frauen: Die Clubchefin bepflanzt den Anker mit neuen Seggen, die Putzfrau schrubbt die Fenster und die Hausmeisterin rutscht vor Elan den Hang mit dem Laubrechen hinunter. Voll die Frauenpower heute im Club!

Inzwischen hat die Sonne die Kanadagänsekötel getrocknet und ich breit das Großsegel auf der Wiese aus. Mit Krepp „zeichne“ ich die Stellen für die Segelziffern an. Ganz langsam und vorsichtig klebe ich die „77“ versetzt auf jede Seite. Somit können die Schiedsrichter auf der nächsten Kaffeeregatta noch besser erkennen, wer dem Feld hinterhertrödelt. Die Zahl habe ich nach Shadows Schiffstyp „Wrighton Bi Loup 77“ ausgewählt. Wobei die 77 für 7,7 Meter Schiffslänge steht.

Nächste Schönheitskur für die Shadow besteht im Abzwicken des veralgten Relinsnetzes, welches ich dilettantisch mit Kabelbindern montiert hatte. Das dauert, bis die alle abgezwickt sind. Ohne Zeitdruck zu arbeiten, gefällt mir. Nur ein einziger Kabelbinder hüpft mir aus der Hand in das Hafenbecken. Das Netz bringe ich in einer Mülltüte zum Auto hoch und gönne mir auf dem Rückweg eine eiskalte Spezi im Clubheim.

Zwischendurch legen B&B eine Showeinlage hin: Auf dem Mastenkran klettert er hoch zum Topp der Jolle. Eine Krähe oder Möwe hatte die Verklicker- Fahne zerrupft und verdreht.

Nach der ausgewogenen Mahlzeit in Form einer Jogurette- Tafel kurbele ich das Vorsegel hoch. Heute ist es besonders hartnäckig. Ständig flattern Böen vorbei und erschweren die Arbeit. Es entsteht Druck im Segel. Kurioserweise habe ich nach dem Gezerre an beiden Ringfingern Blasen. „Jaja, Deine zarten Musikerhände“, lästerte meine Schulsportlehrerin gerne.

Die Segel abfahrbereit aufgetucht, ziehe ich die Shadow an der Heckleine möglichst weit von der Jolle weg. Huch, die Shadow treibt Richtung Ufer weiter, nachdem ich die Heckleine gelöst hatte statt umgehend Vorwärtsfahrt aufzunehmen. Nichts passiert. Mit dem Bootshaken von der Mole weggeschubst.

Der Wind kommt heute aus verschiedenen Richtungen. In Rauschefahrt fährt Shadow zum Südufer. Wie ein Pferd, das nach der Winterpause zum ersten Mal auf die Weide darf. Der Motor fängt zu singen an, so schnell sind wir. Dann lässt der Wind nach und wir dümpeln zur Boje der Segelschule. Ich schaue das Wasser an, wie es trüb- türkis in der Sonne leuchtet.

Damit ich beim Segeleinholen heute nicht ein zweites Mal dem Ufer zu nahe komme, hole ich sie weit draußen ein. Klappt. Die restlichen fünf Minuten Motorfahrt werden genutzt, die Großbaumpersenning anzubringen. Wunderbar, aufgeklart in den Hafen einzulaufen.

Zwei Fehler behebe ich im Hafen: Die fehlende Führungsöse für die Reffleine wird fachmännisch mit Kabelbinder festgemacht. Die Pinnen- Arretierung fädele ich korrekt um das Rädchen herum ein. Hatte ich schnell nur durch die Klemme gesteckt, als ich die Segel setzte.

Morgen werde ich einen weiteren Urlaubstag am Steinberger See verbringen.