Bootsreparatur am schönsten Ort der Welt

Die Saison beginnt. Das Grinsen ist nicht aus meinem Gesicht wegzubekommen.

Ich habe die Winterlageplane mit dem Eimer leergeschöpft (im Cockpit). Die Plane konnte ich auf der Wiese kurz trocknen lassen und habe sie als riesigen Marshmallow aufgerollt und in das Cockpit gewuchtet.

Der Boatservice wollte „schnell“ den Mastfuss nieten. Leider hat seine Zange maximal 4 mm Nieten, aber die Shadow braucht 6 mm. Doch für jedes mechanische Problem gibt es eine Lösung. In diesem Fall wurden 6 mm Gewinde geschnitten. Am Sonntag wird der Boatservice die neuen Schrauben hineindrehen.

So wird mal wieder Boot repapiert. Und zwar am schönsten Ort der Welt: Meinen heimatlichen Segelverein am Steinberger See!

Buchkritik: Seefahrt mit Huhn

Am liebsten segle ich einhand- bisher vier Wochen Dänische Südsee, eine Woche Stettiner Haff, eine Woche Ijsselmeer und Dutzende Tagestörn auf Brombachsee und Steinberger See. Daher werde ich Euch im Winter am ersten Sonntag des Monats ein Reisebuch vorstellen, das von einem Alleinreisenden geschrieben wurde. Denn es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Einhandseglern in Küstengewässern und Alleinreisenden an Land: Die Einsamkeit, die Begegnung mit anderen Menschen, die Stille,…

Passend zum Winterschneechaos habe ich einen Einhandsegler- Reisebericht gelesen: „Seefahrt mit Huhn“ (ISBN: 978-3-89029-538-1 im Malik- Verlag) von Guirec Soudee.

Worum geht es?

Der Franzose bricht mit 18 Jahren die Schule ab, weil er lieber Geld für seine Weltumsegelung verdienen will als zu büffeln. Zuerst jobbt er in Australien, dann als Fensterverkäufer in Paris.

Im Mittelmeer findet er ein gebrauchtes Stahlboot mit Schwert, das er mit Freunden in seine Heimat, die Bretagne überführt. Dort repariert es das Boot und bricht zu seiner ersten Atlantiküberquerung in die Karibik auf. Nach einigen Seemeilen wäre die Reise schon zu Ende gewesen, hätte seine große Schwester nicht einen neuen Autopiloten gesponsert.

Auf den Kanaren macht der junge Mann sich auf die Suche nach einem Haustier und Freunde überraschen ihn mit einem Huhn. Er benennt den Vogel nach seinem bretonischen Trinkbecher: Monique.

In Trinidad schweißt der Autor sein Rostlaube neu zusammen. Bei seinem Job als Surflehrer auf St. Barth lernt er einen anonymen Gönner kennen, der die komplette Ausrüstung für seine Weiterreise nach Grönland bezahlt. Dorthin begleiten ihn zwei Freunde abwechselnd als Crew.

Die Freundschaft mit Uno aus Saqqaq und die Überwinterung im Eis bilden mit rund 100 Seiten den Mittelteil des Buches. Das Schiff, die Yvinec, wird drei Mal an den Strand gespült. Denn unzählige Stürme verhindern, dass sich das Packeis bildet. Der Anker kann nicht eingeholt werden, weil sich darum zu viel Eis gebildet hat. Die Dieselvorräte hat Guirec am Strand gelagert, um das Schiff nicht zu überladen, und muss mit SUP- Board immer wieder Nachschub holen. Trinkwasser gewinnt er aus Eisbergen. Statt im Mai schmilzt Ende März bereits das Packeis.

Auf der Nordwestpassage sieht er endlich den langersehnten Eisbären, der entkräftet im Wasser paddelt.

In Hoonah / Alaska verzaubern ihn die einheimischen Indianer. Der Dorfälteste Raino adoptiert ihn für einen Monat. In Campell River wird die Yvinec ein weiteres Mal komplett überholt, diesmal mit Mitteln aus einer Fotoausstellung und Crowdfunding über Facebxxx. Das Wetter treibt das ungleiche Seglerpaar weiter und es erreicht ohne Zwischenstopps Kalifornien, wo er vor Sausalito ankert. Die Hafengebühren in San Fransisco sind Team Yvinec zu teuer.

Aufgrund von Seuchenbestimmungen erhält sein Huhn Einreiseverbot für Französisch- Polynesien und Stürme verhindern ein Einklarieren in Argentinien. Somit führt der unglaubliche non- stop- Törn rund Südamerika in die Antarktis bis nach Südafrika. Lediglich vor Deception Island und King George Island werden Reparaturstopps eingelegt.

Die beiden letzten Atlantiküberquerungen von Südafrika über St. Helena in die Karibik und von dort über die Azoren zurück in die Bretagne werden mit nur 30 Seiten gestreift.

Huhn, Skipper und Boot erreichen lebend nach fünf Jahren Amerika- Umrundung die französische Heimat.

Wie hat es mir gefallen?

Mir hat nicht gefallen, dass der junge Abenteurer ständig mit seiner Geldknappheit kokettiert. Allein 41.000 Euro für ein Gebrauchtboot und das Budget für die Reparaturen und insgesamt vier Werftaufenthalte muss man erst einmal gespart haben. Sogar sein Leben setzt er aufs Spiel, weil er mit einer Bauchfellentzündung lieber von Grönland über Kopenhagen nach Paris fliegt, als sich vor Ort in Nuuk operieren zu lassen. Sein Geld hat nicht für eine Auslandskranken- Versicherung gereicht. Gleichzeitig deutet er an, aus einer sehr wohlhabenden Familie zu stammen, und seine Schwester schenkt ihm 6.000 Euro aus der Portokasse für einen neuen Autopiloten und Windpiloten.

Über die ganzen Landgänge des Abenteurers wird außer in Grönland relativ wenig geschrieben, was ich schlecht fand.

Die Schönheit des Winters in Grönland beschreibt Guirec viel zu knapp, obwohl er dafür die ganzen Strapazen auf sich genommen hat. Warum er für die Überwinterung ausschließlich Reis und Vitamintabletten als Proviant mitgenommen hat, habe ich nicht nachvollziehen können. Konserven oder vakuumverpackte Lebensmittel hätten sich im Eis genauso gehalten, oder?

Am liebsten habe ich die Kapitel über seinen Kampf mit den Eis und Stürmen bei der Überwinterung gelesen. Hier wird der Reisebericht fast zu Thriller und der Leser erlebt die ganzen emotionalen Tiefen mit, als wäre man dabei. Genauso begeistert hat mich die Non- Stop- Umrundung von Südamerika und wie er aus Bordmitteln die unzähligen Schäden an Bord repariert.

Sein Reisemotto befürworte ich: “ Ziel meiner Reise ist es ja, andere nicht zu verurteilen, sondern sie zu beobachten und von ihnen zu lernen.“

Highlight des Buches waren die Gespräche mit dem Huhn Monique.

Resümee: Erfrischend geschrieben. Und Leseempfehlung aufgrund der außergewöhnlichen Reiseroute, über die es wenige Segelbücher gibt.

Fazit: 4 von 5 Seesternen

Buchkritik: Slow Travel- Die Kunst des Reisens

Am liebsten segle ich einhand- bisher vier Wochen Dänische Südsee, eine Woche Stettiner Haff, eine Woche Ijsselmeer und Dutzende Tagestörn auf Brombachsee und Steinberger See. Daher werde ich Euch im Winter am ersten Sonntag des Monats ein Reisebuch vorstellen, das von einem Alleinreisenden geschrieben wurde. Denn es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Einhandseglern in Küstengewässern und Alleinreisenden an Land: Die Einsamkeit, die Begegnung mit anderen Menschen, die Stille,…

Das philosophische Buch „Slow Travel – Die Kunst des Reisens“ (ISBN: 9783954030125 im Rogner&Bernhard- Verlag) des Engländers Dan Kieran regt zum Nachdenken über Reisen an.

Worum geht es?

In sieben Kapiteln gibt der Journalist Denkanstöße, wie man langsamer und bewusster sein Leben verbringen kann. Da kann ich auch mitreden.

  1. „Reise nicht nur, um anzukommen“: Dan meidet Flugzeuge und bevorzugt Nachtzüge. In seinem Beispiel fährt er zu einem Geschäftstermin nach Marbella, Spanien. Ich: Über meine Abenteuer mit der Deutschen Bahn könnte ich ein Buch herausbringen. Zum Beispiel brauchte ich mehr als vier Stunden für hundert Kilometer zum Brombachsee, davon 30 Minuten vor Pleinfeld stehen geblieben und dort dann 60 Minuten auf Anschlusszug gewartet. Was ich wie Dan handhabe: Auf der Anreise zum Chartertörn hetze ich nicht, reise einen Tag früher an und übernachte bei weitem Strecken unterwegs. Dieses Jahr in Wuppertal und Andernach auf der Fahrt zum IJsselmeer.
  2. „Bleib zur Hause“: Dan wandert durch die South Downs zum Nachbarort. Ich: In der Kindheit liefen wir von Zuhause zur Pferdekoppel oder radelten zur Schleuse Leerstetten. Heutzutage schlendere ich am liebsten um die benachbarte Waldlichtung. Wozu für einen Spaziergang das Auto benutzen?
  3. „Sei Dein eigener Reiseführer“: Dan liest gerne Thriller, die am Reiseort spielen und lässt sich inspirieren. Ich: Kenne ich. Letzten Winter habe ich auf diesem Blog holländische Bücher aus Vorfreude über meine Reise an das Ijsselmeer vorgestellt.
  4. „Heiße Katastrophen willkommen“: Dan reist nach Schottland, um Goldadler zu beobachten, obwohl dort ein Sturm für Stromausfälle sorgte. Ich: Die ungewollte Landung mit kaputter Jolle mit meinen Eltern vis a vis eines französischen Militärstützpunkts am Lac d‘ Hourtin werde ich nie vergessen. Oder meine Rettung aus Seenot durch einen anderen Segler in Dänemark.
  5. „Folge Deinem Instinkt“: Dan durchquerte mit zwei Freunden auf einem Milchwagen mit Elektromotor ganz England. Beim Schnorren von Strom brachte das Gespräch der Reisenden mit ihren Gastgebern deren tiefsten Wünsche und verrückte Ideen zum Vorschein. Ich: Jeder Törn wird durch tiefschürfende Gesprächen mit Zufallsbegegnungen bereichert. Fremden, die man nie wiedersieht, vertraut man mehr Geheimnisse an wie seinen Freunden?
  6. „Verliere den Kopf“: Dan analysiert und zitiert aus den Büchern „The Master and His Emissary“ von Ian McGilchrist und „Wild“ von Jay Griffiths. Vereinfacht geht es darum, wieder mehr zur Natur und Riten zurückzukehren. Ich: Segeln auf einem kleinen Boot ist für mich naturnah genug. Robbenjagd reizt mich nicht.
  7. „Sei abenteuerlustig“: Dan schreibt über sein Vorbild, sein reiselustige Großmutter Rita und über die faszinierende Anti- Nuklearwaffenreise der zwei Inder Satish Kumar und Prabhakar Menon. Zitat: „Zeit ist wertvoller, als Geld es jemals sein könnte, und dennoch werden wir ständig dazu angetrieben, uns zu beeilen und dem Reichtum nachzujagen.“ Ich: Pauschalreisen waren nie mein Ding. Nur auf die Malediven ging es vor elf Jahren über ein Reisebüro, da Flüge und Hotel in Kombination billiger waren. Ach ja und die Abireise nach Ägypten mit meiner Schwester, weil wir Blondinen uns als Teil einer Gruppe sicher fühlten. Und meine Eltern überraschten meinen Mann und mich mit einer Island- Busrundreise zu meiner Hochzeit.

Wie hat es mir gefallen?

Die Mischung aus eigenen Reiseerlebnissen und philosophischen Gedanken spricht eher ältere Leser und Fans der „Slow Was-auch-immer“- Bewegungen an. Ich fand diesen Mix sehr gelungen. Die Übersetzung aus dem Englischen von Yamin von Rauch ist ausgezeichnet. Sie liest sich flüssig und ohne holperige Satzbauten.

Das Cover mit goldenen und blauen Weihnachtsbäumen und einem asiatisch anmutenden Mann verwirrt den Leser zunächst. Bei genauen Hinsehen besteht der Weg aus einer weiteren Person: Der Reisende wird selbst zum Weg. Der Weg wird durch den Reisenden bestimmt und geformt. Jedenfalls passend zum Inhalt des Buches.

Was mich an „Slow Travel“ gestört hat, waren die endlosen Zitate und die teilweise seitenlange Wiedergabe anderer Bücher. „Der Pferdejunge“ wird auf rund zehn Seiten inhaltlich komplett wiedergegeben. Fast das halbe Buch „Slow Travel“ wurde aus anderen Büchern abgeschrieben. Zwar in Bezug zum jeweiligen Kapitel, dennoch unnötig. Der Autor hat selbst kluge Ideen, über die er mehr hätte schreiben können.

Resümee: Ein lehrreiches und gleichzeitig unterhaltsames Buch, das man über mehrere Tage verteilt lesen sollte und über das jeweils gelesene Kapitel nachdenken sollte.

Fazit: 5 von 5 Seesternen

Buchkritik: Mit 50 Euro um die Welt

Am liebsten segle ich einhand- bisher vier Wochen Dänische Südsee, eine Woche Stettiner Haff, eine Woche Ijsselmeer und Dutzende Tagestörn auf Brombachsee und Steinberger See. Daher werde ich Euch im Winter am ersten Sonntag des Monats ein Reisebuch vorstellen, das von einem Alleinreisenden geschrieben wurde. Denn es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Einhandseglern in Küstengewässern und Alleinreisenden an Land: Die Einsamkeit, die Begegnung mit anderen Menschen, die Stille,…

Das Reisetagebuch „Mit 50 Euro um die Welt“ von Christopher Schacht (ISBN: 978-3863342098 im Adeo- Verlag) hat mich positiv mit den reifen Einsichten, die der junge Mann auf der Weltreise gewonnen hat, überrascht.

Worum geht es?

Der Schüler bricht sofort nach dem Abitur auf, um ohne Plan und ohne Flugzeug die Welt zu umrunden. Insgesamt dauert die Reise vier Jahre und führt über die Ozeane von Deutschland über Spanien, Südamerika, Asien und Indien. Bei den Routen hört er auf Warnungen der Landesbevölkerung, z.B. in Kolumbien, und ändert seine Route.

Für uns Segler sind mehrere Kapitel dabei. Christopher reist mit einem Italiener und dessen seekranker thailändischer Frau über den Atlantik. Für den Italiener endet die Reise in der Karibik. Für den jungen Abenteuer geht es weiter. Mit einem erfahrenen norwegischen Segler segelt er auf einer Hallberg Rassy sicher durch den Pazifik. Er wandert zu einen aktiven, feuerspeienden Vulkan und trifft dort einen Stamm, der einen Soldaten aus Besatzungszeiten als Gott verehrt. Fast versinkt die Rennyacht, die er anschließend mit zwei übelgelaunten Russen nach Japan überführt. Mit zu viel Besegelung läuft das Boot in einem Sturm non- stop voll Wasser.

Bei allen Fahrten und Unterkünften schnorrt der Abiturient sich nicht auf Kosten anderer durch, sondern arbeitet als Gegenleistung. Beispielsweise auf einem Gestüt in Spanien oder als Pubguide in Amsterdam. Somit haben die 50 Euro als Budget für vier Jahre natürlich nicht gereicht. Spoiler: Bereits am ersten Abend gibt er 35 Euro für eine Partynacht aus. Oder zum Seglerthema zurück: In der Karibik passt er einen Monat lang auf das Segelboot eines Iren auf, das vor Anker liegt.

Sehr unbequem und riskant übernachtet Christopher an Land oft auf Dorfplätzen im Einmannzelt mit Schlafsack und Isomatte. Selbst in einem Drogenviertel inmitten von Süchtigen.

Wie hat es mir gefallen?

Einerseits ein kurzweiliger Roman. Ich wollte gleich das nächste Abenteuer lesen, wenn das aktuelle Kapitel beendet war. Dass der Autor einige Landessprachen wie Spanisch und Koreanisch lernt, hat mich beeindruckt. Super interessant fand ich es, über Orte abseits der Touristenmassen zu lesen, z.B. über die Arawaken, die naturverbunden am südamerikanischen Fluss Orinoko leben. Selbst in den touristisch erschlossenen Ländern Japan und Südkorea, hat der Backpacker besondere Erlebnisse, da er kurz im Kloster mit einem Novizen lebt.

Unerwartet für mich die Entwicklung vom Partylöwen zum religiösen Menschen. Oder auch nicht, weil Christopher der Sohn eines Pastors ist.

Weniger gelungen fand ich, dass die Erlebnisse zwar spannend waren, aber irgendwie ohne Tiefgang und zu kurz beschrieben werden. Besser wären längere Texte zu einem Thema gewesen und mehr persönliche Gedanken oder Gefühle.

Resümee: Lesenswert. Würde jeder junge Mensch eine ähnliche Reise unternehmen und mit offenen Armen im Ausland empfangen werden, gäbe es in der nächsten Generation den Weltfrieden.

Fazit: 3 von 5 Seesternen

Buchkritik: Über Grenzen

Am liebsten segle ich einhand- bisher vier Wochen Dänische Südsee, eine Woche Stettiner Haff, eine Woche Ijsselmeer und Dutzende Tagestörn auf Brombachsee und Steinberger See. Daher werde ich Euch im Winter am ersten (oder heute zweiten) Sonntag des Monats ein Reisebuch vorstellen, das von einem Alleinreisenden geschrieben wurde. Denn es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Einhandseglern in Küstengewässern und Alleinreisenden an Land: Die Einsamkeit, die Begegnung mit anderen Menschen, die Stille,…

Den Reisebericht „Über Grenzen- Freiheit kennt kein Alter“ (ISBN: 978-3770166954 im Dumont- Verlag) von der Autorin Margot Flügel- Anholt habe ich regelrecht verschlungen. Obwohl ich noch nie im Leben auf einem Motorrad gesessen bin.

Worum geht es?

Die studierte Sozial- Pädagogin besitzt in einem Dorf in Hessen ein wunderschönes Haus mit Garten und Katzen und engagiert sich für den Ort und Theaterprojekte. An der VHS lernt sie Russisch. Sie ist gut in die Gemeinschaft eingebunden. Trotzdem zieht es sie immer wieder in die Ferne. Eigentlich wollte die Abenteurerin mit einem Maultier durch Russland wandern, doch dieses ist nicht aufzutreiben. So kauft Frau Flügel im Alter von 64 Jahren eine 125er- Honda Enduro, das größte Motorrad, das man mit dem Autoführerschein fahren darf, und bricht in die Berge Zentralasiens auf.

Einen Teil der Strecke wird sie von einem Filmteam begleitet. Doch die meiste Zeit ist sie auf sich alleine gestellt. Sie erreicht ihr Traumziel, den mehr als 4.000 Meter hohen Pamir- Pass, der im Land Tadschikistan liegt. Der Pass bringt das Motorrad an die technische Leistungsgrenzen. In der dünnen Höhenluft fehlt der Sauerstoff zur Verbrennung. Nun wird noch langsamer gefahren als zuvor. Die Witwe bereist exotische Länder wie Kasachstan, Usbekistan und den Iran. Die europäischen Länder Polen, Rumänien und Österreich und die Türkei werden durchquert. Ein verstauchter Knöchel, eine gebrochene Rippe und Schäden an der Enduro halten sie nicht in der Weiterreise ab.

Wenig abenteuerlich übernachtet Frau Flügel in Hotels oder Pensionen. Ihr Einmann- Zelt wird unbenutzt bis nach Deutschland transportiert, wo sie einmal zeltet. Sie probiert die Landesküche in Restaurants und bei Privatleuten aus.

Jedes Kapitel behandelt ein bereistes Land. Am Ende des Kapitels wurden mehrere Doppelseiten mit gelungenen Fotos zum Kapitel abgedruckt. Wer mehr Bilder möchte: Die Reise ist als DVD erschienen.

Wie hat es mir gefallen?

Sowohl der Schreibstil als auch die Lebenseinstellung sagen mir zu. Die Kapitel sind kurz und erzählen ausführlich ein konkretes Erlebnis aus dem jeweiligen Land. Somit fehlen langatmige Landschaftsbeschreibungen, seitenweise Gefühlsduseleien oder eine zu oberflächliche Abhandlung der bereisten Orte. Schlecht geschriebenes Gegenbeispiel dazu wäre „Ich bin dann mal segeln“ von Egmont M. Friedl, der alle besuchten Orte, Segelmanöver, Wind und Wetter aufzählt und der Leser sich fragt, was ihm eigentlich auf der Reise noch passiert ist, außer dass er Wenden und Halsen gefahren hat.

Die Autorin Frau Flügel geht mit offenen Herzen auf die Landesbewohner zu und wird dementsprechend herzlich aufgenommen. Selbst im konservativen Iran trifft sie moderne, kritisch eingestellte Frauen und wird den Kindern als Vorbild gezeigt. Dort dürfen Frauen nämlich nicht Motorrad fahren. Besonders diese Dialoge und fremdartige Lebensweisen bereichern die Lektüre.

Ebenso gut und lesenswert finde ich die vorsichtige, realistische Art zu reisen. Die Bikerin übernachtet in Hotels, isst nur einmal Rohes und lässt sich im Notfall von Taxifahrern als Leitfahrzeug den Weg zum Hotel zeigen.

Mir gefällt die Ehrlichkeit der „rasenden Rentnerin“ gegenüber dem Leser und sich selbst. Die ganze Reise fühlt sie sich angespannt und hat einen nervösen Magen. Erst am Schluss der Reise, bei der Fahrt durch eine Wüste, kommt das Flow- Gefühl auf und sie möchte nicht nach Hause. Das kommt mir vom Anlegen und Reisen mit dem Segelboot bekannt vor. Wenn die Saison (oder Törnwoche) fast vorbei ist, lege ich stressfrei an und navigiere sicher.

Resümee: Eine faszinierende Reise, die ich niemals nachmachen würde.

Fazit: 5 von 5 Seesternen

„Boxxe- Stoppe“ mit dem Bootstrailer

Schneller als ich das Laub in der Einfahrt vom Clubheim zusammenfegen konnte, bockte ein pensionierter Automechaniker die Shadow samt Trailer hoch und demontierte den ersten, blockierten Reifen.

Der Rentner kann einem Boxenstopp des Ferrari- Teams Konkurrenz machen. Wie Luigi, ein italienisches Auto mit süßem Akzent, im Film Cars ruft: „Boxxestoppe!“ Es hatte sich irgendeine Schraube hinter dem Reifen durch Rost festgezogen. Der Mechaniker löste die Schraube und prompt drehten sich die Reifen wieder rückwärts und vorwärts wie sie sollen.

Flugs war die Blockade des zweiten Reifens repariert und der Mechaniker rief: „Fertig!“ Inzwischen war meine freiwillige Arbeit ebenso fertig. Ich hatte das gröbste Laub unter die Bäume gefegt und die Einfahrt zum Seglerheim war eine Minute bis zum nächsten Windstoß laubfrei.

Ich wollte dem Mechaniker 50 Euro zahlen, wenn er schon seinen ganzen freien Nachmittag für die Shadow reserviert. Doch er verlangte einen niedrigeren Preis. Das erste Mal in meinen Leben, dass jemand weniger Geld nimmt als man ihm anbietet.

Ich hoffe, dass der Trailer dann seine letzte Fahrt zum Kran im Frühling problemlos meistern wird. Der neue Trailer ist so gut wie bestellt. Bin mit einer Firma an der Ostsee in Kontakt, die Maßanfertigungen für Kimmkieler baut.

Vormittags wurden in einer Stunde die Kiele und das Unterwasserschiff auf Hochglanz poliert. Von mir. Mit dem Flokati – Handschuh aus dem Fachhandel und etwas umweltfreundlichen Neutralreiniger mit Essig gelang die Putzsession.

Abends wickelte ich Shadow noch in ihre Folie ein. Ich „Schlau-le“ hatte im Frühjahr die Ecken beschriftet, zum Beispiel mit Backbordbug, und die Plane als lange Wurstschnecke aufgerollt. Somit konnte ich sie einfach entlang des gelegten Mastes ausbreiten und über die Reling schubsen.

Nun darf Shadow bis zum April Winterschlaf halten. Bonne nuit, Madame!

Sch…, mein Trailer rast ins Hafenbecken

Der Tag fing so gut an. Im Schein der Lucy Light brachte ich morgens um halb sieben Gurte und Leiter zum Kran. Fuhr die Shadow ohne Probleme zum Kranpier. Baute mit Ruckeln das Motorschloss und den Motor aus. Demontierte die Salinge. Fand gleich beim zweiten Versuch die Position der Krangurte.

Bis meine Clubkameraden Albert und Jule (Namen von mir geändert) schnell den Trailer holen wollten. Albert fuhr eine sehr enge Kurve um ein anderes Gespann herum, die Kupplung löste sich und der Trailer raste alleine die Sliprampe herunter. Jule bremste ihn gerade noch von Hand. Jetzt steckte die Vorderseite unter dem Steg. Zu dritt hoben wir das Vorderteil hoch auf den Steg und zogen wie die Verrückten das Trumm quer über den Steg. Den einen Reifen mussten wir auch hoch hieven, damit er über den Steg kommt. Zehn Schweißausbrüche und fünf Minuten später stand der Trailer auf der Straße am Kran, wo er hin sollte.

Die Shadow krante ich lieber selbst. Albert und Jule führten die Leinen. Dafür schenkte ich ihnen eine Flasche Rotwein, womit sie gar nicht gerechnet haben.

Die Spanngurte machte ich an den Klampen und am Trailer fest. Hatte vorher auf Youtxxx geschaut, wie Spanngurte verzurrt werden. Meine lieben Stegnachbar Karl und Jörn (Namen geändert) wollten die Shadow auf die Wiese hochfahren.

Der erste Teil der Fahrt gelang. Jörn stand auf der Kupplung und gab Karl Anweisungen, wie er lenken soll. Ich lief mit einem Holzklotz hinterher, den ich unter den Reifen geschoben hätte, falls sich die Kupplung lösen sollte.

Auf dem zweiten Teil der Fahrt ging nichts mehr. Die Bremse blockierte und die Shadow rollte keinen Millimeter rückwärts in ihre Winterlagerparklücke. Wieder eilten Albert und Jule zu meiner Hilfe herbei. Sie versuchten das Boot mit dem Abschleppseil rückwärts zu zerren. Die Reifen von ihrer großen Limousine drehten durch. Ich holte weitere drei Männer vom Kran, denen ich ein Bier spendierte.

Zu siebt schoben wir die Shadow vorwärts in die Lücke. Das steht sie nun bis zum Frühjahr. Die festgebackene Bremse wird nächsten Freitag ein pensionierter Mechaniker für mich richten. Den Kontakt gab mir Albert. Er rief sogar den Pensionär für mich an und machte den Termin aus. Über den Winter werde ich einen neuen Trailer kaufen, damit ich so ein Abenteuer kein zweites Mal durchleben muss.

Der heutige Tag ist ein anschauliches Beispiel, wie gut es ist, in einem Verein zu sein. Nur dank vereinten Kräften steht die Shadow ohne Schaden auf ihrem Platz. Danke nochmals an alle Helfer!

Wanderung um den Steinberger See

Am Montag nutzten die Schwiegermutter und ich unseren freien Tag zu einem Ausflug an den Steinberger See. Zuerst schaute ich kurz nach, wer gerade im Segelverein vor Ort ist. Neugieriges Weib eben. Zwei Kameraden beim Kranen ihrer Schiffe. Danach wanderten wir gegen den Uhrzeigersinn um den See.

Der Regen hatte im Wald hunderte Pilze sprießen lassen. Kleine „Champignons“ ließen den Wald mit seinem bemoosten Boden wie ein Bild aus einem Märchenbuch erscheinen. An den Trockenhängen am Damm zum Knappensee fotografierten wir Fliegenpilze so schön wie aus dem Pilzbestimmungsbuch.

Am Strand vom Campingplatz knabberte ich ein paar Kekse bei dieser herbstlichen Aussicht (Foto 1).

Später erklommen wir die Holzkugel, eine Ausichtssplattform. Resi balancierte mutig 23 Meter über dem Boden über die Hängebrücke zur Kugelmitte. Das traute ich mich nicht. Gemeinsam standen wir dann beide ganz oben auf der obersten Plattform (Foto 2). Anhand der Schilder fanden wir heraus, dass Wackersdorf ganz nahe am Steini liegt und Regensburg nur 30 km entfernt ist.

Zum Abschluss gab Resi mir im Biergarten der Holzkugel Kässpätzle aus. Das Gericht hatte zwar Kantinenniveau, stand aber dafür nach einer Minute auf der Theke. Zu den Blattsalaten bekamen wir zweierlei Salatdressings: Mango und Dill. Pfiffig! Mir gefällt an dem Biergarten, dass Plastikmüll vermieden wird: Getränke in Glasflaschen oder Papierbechern, die Dressings in Einweckgläsern.

So gestärkt brachten wir das Westufer mit den hübschen Birkenwäldern auch bei Nieselregen hinter uns und beendeten die Wanderung rund um den See.

Mast legen

In gut 20 Minuten haben ein Clubkamerad und ich Shadows Mast gelegt. Und zwar nicht mit der Flex wie mein Mann vorgeschlagen hatte. Die Unterwanten hatte ich selbst demontiert.

Als nächstes kam das Achterstag dran. O-Ton von H.: „Das brauchst Du gar nicht. Die Oberwanten halten den Mast nach hinten.“

Das Spifall wurde mit Winschkurbel stramm am Bugkorb durchgesetzt. Dann easy peasy das Vorstag gelöst. Cleverer Trick: Vorstag mit Rollreffanlage über die Reling hängen und schon schleift es nicht störend über das Deck.

Zum Schluss wurde von H. der Mast sukzessive von Hand mit dem Mastenkran herabgelassen und dabei von mir das Spifall gefiert. Als Ersatz für das Vorstag. Anstrengende Aktionen. H. kommentierte: „Im Frühling nehmen wir den Lastenkran.“

H. zeigte mir, dass man die Spanngurte verdreht festzurrt. Dann singen sie nicht beim Autofahren. Der Mast wurde korrekt an den Klampen festgemacht. Die Oberwanten ließen wir einfach am Deck fixiert. Stört im Winterlager niemanden.

Ich bin begeistert wie reibungslos und schnell der Mast lag.

Vom Wind verweht: Boot samt Skipperin und Großsegel

Heute hat mir der Wind meine Grenzen aufgezeigt:

Zuerst freute ich mich über einzelne Böen, die die Shadow auf wahnsinnige Geschwindigkeit beschleunigten. Ihre Heckwelle kann einer Autofähre Konkurrenz machen. Um die Insel an der Holzkugel surft sie mit einer Halse herum. Für meinen Geschmack fast zu schnell. Im Windschatten derselben Insel holten wir ein paar Meter unter Motor neuen Schwung. Reichte unsere Geschwindigkeit doch nicht aus.

Dann wollte ich, dass der Wind im Heimathafen nachlässt. Wollte er nicht. In Lee der vier Stege rollte ich flott das laut knatternde Vorsegel ein.

Das Großsegel trieb mir Schweißperlen auf die Stirn. Es ließ sich beim ersten Versuch nicht einholen. Trotz Tillertamer trieb die Shadow quer zum Wind. Boot mit mir und Groß auf Drift. Als es der Motor bei 100% Leistung nicht schaffte, den Bug in den Wind zu drehen und das Großsegel unkontrolliert flatterte, begannen meine Hände richtig zu zittern. Denn das Ufer kam bedrohlich näher. Einen Vollkreis mit Vollgas gedreht. Jetzt schnell das Tuch mit Gewalt herunter zerren. Uff, auf den zweiten Versuch Bergen geschafft. Erst einmal hinsetzen!

Möglichst genau gegen den Wind steuere ich das Boot – somit in Schlangenlinien – an allen Stegen vorbei und fürchte mich gewaltig vor dem Anlegen. Überlege, alternativ am windgeschützten Kran oder manövrierfreundlichen Stegkopf festzumachen. In meiner Horrorvision würde die Shadow an allen Hecks des Stegs 3 entlang schrammen. Der Wind orgelt wie ein verrückt gewordenes Glockenspiel in den Masten.

Doch umsonst gebangt. Dank einer Mischung aus Glück und Können kommt die treue Shadow perfekt vor dem Steg zu stehen. Leinen fest und durchschnaufen. Nie hat das Spezi auf der Terrasse des Clubs besser geschmeckt als heute. Was für ein Saison- Finale!